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Bern die Hauptstadt mit Charme Das May-Haus ¹ Münstergasse 6. Das 1559 erbaute Haus erhielt im Auftrag von Barthlome May 1608/09 von Andreas Widmer eine moderne Südfront. Diese ist die beste Arbeit aus der Zeit des Manierismus in Bern. Lit.: KDM. 2 ² Münstergasse 62. 1514/15 lässt Barthlome May sein Haus vollständig umbauen. Der ursprünglich zweigeschossige Erker deckt die Grenze zwischen den beiden alten Häusern. Sein Spitzhelm verschwindet um 1840. 1895 wird der Erker um ein drittes Geschoss in Tudor-Gotik erhöht. Er erhält dabei wieder einen Spitzhelm. Lit.: KDM. 2 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Das May-Haus Münstergasse 62. In der sonnseitigen Gassenflucht der heutigen «Münstergasse» sind gleich zwei herausragende Bürgerhäuser der Renaissance erhalten. Beide Baudenkmäler, früher Kesslergasse 32 und Kirchgasse 6, gehen auf bedeutende Exponenten der Familie May zurück und werden bis heute als «May-Häuser» mit dieser Familie in Verbindung gebracht. Das obere May-Haus oder «Erkerhaus an der Münstergasse» ist eines der bemerkenswertesten Bürgerhäuser der Stadt, das seit über 500 Jahren das Bild der Gasse prägt. Aus zwei unterschiedlich breiten Hauseinheiten zusammengewachsen, befand sich der breitere östliche Hausteil schon vor 1466 im Besitz von Jakob May (vor 1400-1484), der, noch an der Kesslergasse schattseits wohnhaft, in diesem Jahr das schmalere westlich angrenzende Haus dazu erwarb. Er verband die beiden Häuser mit Brandmauerdurchbrüchen, erneuerte den Dachstuhl, schuf einen repräsentativen Festsaal im dritten Obergeschoss und erschloss das Haus mit einem neuen hofseitigen Wendelstein. Die grosse und bis heute prägende Neugestaltung des Sässhauses erfolgte jedoch erst durch den berühmten Sohn Bartholomäus May (1446-1531). Auf dem Höhepunkt seiner diplomatischen Laufbahn nach Bern zurückgekehrt, beschloss dieser, dem zur Gasse noch immer als zwei getrennte Wohnhäuser in Erscheinung tretende Wohnhaus mit einer neuen Fassade, dem Erker und wohl auch zeitgemässen Wohnräumen eine einzigartige repräsentative Gestaltung zu geben. Die Fertigstellung der Gassenfassade ist durch eine Inschrift beidseits des Erkerträgers überliefert: «m:cccc:xv / im erst tag ougst». Die älteren Laubenbogen wurden beibehalten, umgestaltet und mit Kugeln besetzt, die dreigeschossige Fassade neu aufgeführt. Während Form und Detaillierung der Fenster noch ganz der Spätgotik verpflichtet waren, liess ihre Anordnung bereits Einflüsse der Renaissance erkennen. Der Glanzpunkt der Neubaufassade von 1515 war der polygonale Steinerker, den Bartholomäus May an der Nahtstelle beider Hausteile aufführen liess. Er verlieh damit seinem Stadthaus einen selbst für die damalige Zeit auffälligen, nobilitierenden Bauschmuck, der ihm von der Obrigkeit wohl nur aufgrund seiner herausragenden gesellschaftlichen Stellung zugestanden worden war. Im Plan Sickingers von 1607 sind Fassade und Erker des späten 16. Jh. überliefert. Die Brustfigur eines Narren trägt den mit Rippenwerk ausgestatteten Erkerkorb, darüber sind zwei polygonale sandsteinige Geschosse aufgeführt, deren Brüstungsplatten mit reichem Masswerk ausgestaltet sind. Das dritte Obergeschoss, das möglicherweise erst nach einer umfassenden Reparatur in der zweiten Hälfte des 16. Jh. aufgesetzt worden war, bestand aus Holz und war mit einem hohen Spitzhelm gedeckt. Der einzigartige Erker blieb über Generationen unverändert, auch als um 1700 ein grösserer Umbau der Gassenfassade erfolgte und das Gebäude vom Einfamilienhaus zum Etagenwohnhaus umgenutzt wurde. Der ehemalige Festsaal im dritten Obergeschoss wurde damals aufgegeben und die Decke herabgesetzt. Dies bedingte wiederum eine Anpassung der Fensterstürze und ermöglichte zugleich jene für Bern typische und seit dem späten 17. Jh. immer häufigere Verschalung der Dachuntersicht. Die Fenster des 16. Jh. wurden zu hochforfmatigen Zwillingsfenstern umgebaut und in Achsen zusammengefasst. Die Bauausstattung Bartholomäus Mays ist wohl spätestens zu diesem Zeitpunkt verschwunden. Erst im 19. Jh. werden bedeutende Veränderungen am Erker vorgenommen. (Abbildung 2: Fassade, Zustand vor 1895) Der schadhafte Spitzhelm dürfte anfangs des Jahrhunderts abgetragen und durch ein stumpfes Kegeldach unter der durchlaufenden Dachtraufe ersetzt worden sein. 1895 erhält das Bauwerk schliesslich sein heutiges Aussehen, als das hölzerne Geschoss durch einen hohen neugotischen Ersatzbau aus Sandstein ersetzt wurde. Durch die prominente Erhöhung hat der Erker eine Bedeutungssteigerung erfahren, zugleich wurde aber sein materieller Niedergang eingeleitet. Die Zusatzbelastung und eine unsachgemässe Überarbeitung der Sandsteinprofile hatten im 20. Jh. gravierende Bauschäden zur Folge. Seine Erhaltung im Stadtbild war schliesslich einzig durch den vollständigen Ab- und rekonstruierenden Wiederaufbau möglich. Materiell ist der Erker Bartholomäus Mays daher, mit Ausnahme von drei wiederversetzten und gut zu erkennenden Werkstücken auf der Ostseite, nicht überliefert und präsentiert sich heute in der 1983-85 erstellten Kopie des Bestandes von 1895/96. Die Merkmale, die den Erker auszeichnen, sind aber unverändert im Stadtbild erhalten: seine Dreigeschossigkeit mit hoch aufragendem Spitzhelm, seine einzigartige Anordnung an der Fassade über der Nahtstelle der ehemals unabhängigen zwei Hauseinheiten und schliesslich die unvergleichliche optische Präsenz im Gassenraum. Als prominentes Wahrzeichen der Gasse vermochte sich der Mayhaus-Erker trotz eines zunehmend ruinösen Zustands bis ins letzte Viertel des 20. Jhs. zu behaupten um schliesslich auch die Hürde der Rekonstruktion zu nehmen und 1985 wieder zu erstehen. Brunne Zytig Jürg Keller 24.11.2006 Münstergasse 62 May-Haus mit Erker 1514/15 lässt Barthlome May sein Haus vollständig umbauen. Der ursprünglich zweigeschossige Erker deckt die Grenze zwischen den beiden alten Häusern. Sein Spitzhelm verschwindet um 1840. 1895 wird der Erker um ein drittes Geschoss in Tudor-Gotik erhöht. Er erhält dabei wieder einen Spitzhelm. Es ist das einzige Haus mit mehrgeschossigem Erkerturm. Der reichste Berner seiner Zeit, der Staats-, Kriegs- und Handelsmann Bartlome May, liess ihn 1515 seinem Doppelhaus als schmuckhaftes Bindeglied vorsetzen; die plastische Figur eines Narren trägt das mit Masswerkbrüstungen verzierte Gebilde, das dem von Westen Kommenden als Auftakt zum Münster erscheint. Die May stammten aus Italien und hiessen ursprünglich Maggi. Der Enkel des Einwanderers wurde der grösste Handelsherr, den Bern je hatte: Bartholomäus May (1445-1531). Seine Ausbildung umfasste die Sprachen Deutsch, Italienisch, Französisch, Latein; er verkehrte mit Kaufleuten, Staatsmännern und Gelehrten. Durch Fernhandel lieferte er Bern Südfrüchte, Spezereien, Baumwolle, Tuch, Leder, Eisen und Edelmetalle. Für die Schweiz pachtete er den Alleinverkauf des burgundischen Salzes. Als der grosse Diamant der Burgunderbeute die Tagsatzung in Verlegenheit setzte, vermittelte er den Absatz an einen Genuesen; später erwarb ihn Papst Julius II. für seine dreifache Krone. Bartholomäus May, im Kleinen Rat seit 1494, eignete sich als Gesandter nach Italien, Frankreich, Savoyen. Der Kaufherr erstand die Herrschaften Amsoldingen und Toffen. Aus der französischen Beute von Novara brachte er 1513 einen jungen Bären heim, für den die Stadt den ersten Graben einrichtete. In Bern erinnern an Bartholomäus der Brunnen am Bärenplatz mit einem Söldner und dem kleinen Bären, vor allem aber am Anfang der Münstergasse links das Haus mit dem Erker, das er 1515 baute. Ein zweites Haus, das ebenfalls erhalten ist, besass er in Thun. Der Stadtarzt und Chronist Valerius Anselm und der Leiter der bernischen Kirche Berchtold Haller waren mit Bartholomäus befreundet. Er unterstützte den Maler und Dichter Niklaus Manuel und die Einführung der Reformation. Zwingli widmete ihm eine Schrift über das Abendmahl. ![]() |