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Bern - die Hauptstadt mit Charme Berner Münster: Henkersglocke Siehe auch Berner Münster Glockenschlag zur Hinrichtung «EXCITO TORPENTEM · MISERUM CASTIGO NOCENTEM · CRIMINE DETENTIS ANNUNCIO TEMPORA MORTIS» - «Den Trägen wecke ich; die elenden Schuldigen züchtige ich; den verhafteten Verbrechern kündige ich die Todesstunde.» Diese Aufschrift auf der 1734 gefertigten Glocke, die aus der alten Armesünderglocke (1518 bis 1734) umgegossen worden war, bringt ihre Zweckbestimmung zum Ausdruck: Sie war geschaffen worden, um vom Berner Münster herab den zum Tode verurteilten «armen Sündern» das Zeichen zum letzten Gang zu geben - zu der an der Kreuzgasse aufgestellten Richtstätte. Enthauptet und gehängt Das war zwischen 1735 und 1861 65-mal der Fall: Bei 18 Hinrichtungen wegen Mordes, 4 wegen Totschlags, 15 wegen Kindsmordes, 17 wegen Diebstahls, 3 wegen Brandstiftung, 3 wegen «Bestialität und Sodomiterei», 1 wegen Fälschungen, 3 wegen Hochverrats und 1 wegen «Fanatismus und Lästerung». 37 dieser 65 Verurteilten wurden mit dem Schwert enthauptet, 18 mit dem Strang hingerichtet, 6 erdrosselt und dann verbrannt, und 4 wurden «auf der Brechen gerädert». Wie Adolf Fluri 1921 in der 500-Jahr-Jubiläumsschrift zur Grundsteinlegung des Münsters schrieb, läutete die neu gegossene Armesünderglocke erstmals am 13. Dezember 1735, «als der 25-jährigen Maria Weibel von Seewyl, die des Kindsmordes angeklagt worden war, das Leben abgesprochen wurde». Kläntschi war der Letzte Die Namen der fünf letzten Hingerichteten im Staate Bern seien vom damaligen Turmwart auf Zettel notiert und an die Glocken-Innenseite geklebt worden - Gattiker, A.-M. Flückiger, Senaud, Henzi, Kläntschi. Am 15. Oktober 1836 wurde der 26-jährige Jakob Gattiker, Schiffer und ehemaliger Soldat in der französischen Schweizergarde, wegen Raubmordes mit dem Schwert hingerichtet. Am 19. April 1847 wurde die 20-jährige Anna Maria Flückiger aus Wynigen wegen Kindsmordes enthauptet. Am 4. September 1855 wurde der 41-jährige Schreiner Johann Niklaus Senaud aus Avenches wegen Raubmords und Brandstiftung geköpft. Am 5. April 1856 wurde der 35-jährige Stallmeister Peter Henzi aus Finsterhennen wegen Gattenmordes durch den Scharfrichter Mengis aus Rheinfelden hingerichtet. Die letzte Hinrichtung wurde am frühen Morgen des 9. Dezember 1861 am 32-jährigen Zimmermann Johann Kläntschi vollzogen: Der wegen Mordes zum Tod Verurteilte war «von Gefangenschaftsprediger Dick und Pfarrer Isenschmid von Köniz, der die Standrede hielt, zur Richtstätte begleitet worden». Dann verstummte die Glocke Nach dem 9. Dezember 1861 verstummte das Einzelgeläut der Armesünderglocke. Der frühere Turmwart Peter Probst: «Nach der Abschaffung der Todesstrafe im Staate Bern bis zur Elektrifizierung des Münstergeläuts 1944 hatten die Glöckner die Henkersglocke, wie sie sie nannten, nicht mehr gezogen. Dann wurde sie wieder ins Vollgeläute integriert. Allein hat sie zu meiner Turmzeit nur einmal, wegen einer Fehlschaltung, geläutet. Ich erschrak damals sehr, doch in der Stadt unten schien niemand etwas bemerkt zu haben - niemand hatte diesen schauerlichen Ton gehört.» www.ebund.ch Walter Däpp 12.01.2002 Nun läutet die Henkersglocke den Abend ein In der Stadt Bern läutet seit Jahresbeginn nicht mehr die Betglocke, sondern die Armesünderglocke oder «Henkersglocke» den Abend ein - dem doch eher schauerlichen Umstand zum Trotz, dass ihr Glockenschlag zuvor immer nur dann über Bern erschallt war, wenn arme Sünder hingerichtet wurden: 65-mal - von 1735 bis 1861. Seither ist sie als Einzelglocke stumm geblieben - bis jetzt. Es war vor 140 Jahren, am frühen Morgen des 9. Dezember 1861, als die Armesünderglocke auf dem Berner Münster letztmals «von zwei Mann mit zwei Seilen» geläutet wurde - als unten in der Berner Altstadt der wegen Mordes zum Tod verurteilte 32-jährige Zimmermann Johann Kläntschi zur Richtstätte an der Kreuzgasse geführt und hingerichtet wurde. Nach dieser letzten Vollstreckung eines Todesurteils in der Stadt Bern verstummte das Solo-Geläut der (auch «Henkersglocke» genannten) Armesünderglocke vermeintlich für immer - doch seit Jahresbeginn bebt sie mit ihrem schleppenden Cis nun plötzlich allabendlich über die Berner Altstadt: In der neuen Läuteordnung hat der Münster-Kirchgemeinderat für das so genannte «bürgerliche Geläute» um 19 Uhr (Sommer 20 Uhr) die Betglocke durch die Armesünderglocke ersetzt. «Attraktiver läuten» Markus Marti, der Präsident der Münster-Kirchgemeinde, bestätigt: «Ja, das stimmt. Nach überzeugenden Vorschlägen des jungen Berner Glockenexperten Matthias Walter haben wir eine neue Läuteordnung verabschiedet.» Walter habe kompetent aufgezeigt, wie man «mit dem einmaligen Münster-Geläute attraktiver läuten könnte». Dass dabei seit der Altjahrswoche für das Einläuten des Abends die Betglocke nun durch die Armesünderglocke ersetzt wird, stört Marti nicht: «Auch wenn diese Glocke nun mehr als 140 Jahre lang nicht geläutet hat, darf man ihr, bei aller Ehrfurcht vor ihrer Geschichte, nun doch die Chance geben, endlich auch als Einzelglocke zur Geltung zu kommen. So darf sie uns daran erinnern, dass es in Bern auch schon andere Zeiten gegeben hat, dass wir es heute besser haben - wir alle und auch die armen Sünder.» «Der Glocke haftet etwas an» Da ist Peter Probst, Münsterturmwart von 1985 bis 1999 und Münsterturm-Chronist, jedoch anderer Meinung. Die geschichtlichen Aspekte, kritisiert er, würden nicht respektiert: «Diese Glocke, die Henkers- oder Hinrichtungsglocke, ist 1734 von Artillerieoberst und Kanonengiesser Wurstemberger zu diesem Zwecke gegossen worden. Dieser Glocke haftet doch einfach etwas an - und ich frage mich, ob ausgerechnet diese Glocke nun tatsächlich jeden Abend die Bernerinnen und Berner in den Schlaf läuten soll.» Rein klangliche Argumente für die Renaissance der Armesünderglocke genügen Probst nicht: «Ich begreife nicht, dass der Kirchgemeinderat den historischen Hintergrund völlig ausgeblendet und auch meine Einwände in den Wind geschlagen hat.» Im Vollgeläute solle die «Henkersglocke» wie schon im 18. Jahrhundert integriert bleiben, doch als Einzelglocke habe sie zu schweigen, fordert Probst. «Wimmernde Töne» Probst beruft sich auch auf das, was ein Augenzeuge der letzten Berner Hinrichtungen, Münsterpfarrer Carl Howald, aufgeschrieben hat: «Wenn bey einer Hinrichtung der Delinquent vom Rathause weg, wo man ihm noch Speise und Trank darreichte, zu dem an der Kreuzgasse errichteten Richterstuhl geführt wurde, wurde die Glocke auf ein von der Altane des Rathauses gegebenes Signal geläutet, und ihre weinerlichen, wimmernden Töne erklangen über die Stadt hin, während beym Richterstuhle dem armen Sünder das Todes-Urtheil abgelesen wurde, bis zum Augenblicke, da er den Händen des Nachrichters übergeben ward, welcher ihm die Hände auf die Brust festband und von jetzt an bis zur Hinrichtung hinter ihm hergehend, ihn an einem Strick hielt. So wie der Todesgang von der Kreuzgasse bis zur Richtstätte angetreten wurde, verstummte die Glocke.» Auch mit der Predigtglocke Auch das heutige Turmwartpaar Elisabeth Bissig und Ivo Zurkinden findet das Armesünder-Geläut «fragwürdig und doch eher komisch». Angesichts der ursprünglichen Zweckbestimmung dieser Glocke sei es «nicht so einfach, der Glocke nun eine andere Interpretation zu geben». Abgesehen davon, dass sie auch «klar schlechter tönt» als die bisherige Betglocke, wie der Theologe und Musiker Ivo Zurkinden sagt. Alles andere als erfreut über die Neuerung ist auch das langjährige Münster-Sigristenehepaar Ernst und Rita Reusser. Beim Wechsel zur Armsünderglocke, für den sie «absolut kein Bedürfnis erkennen» könnten, werde «der Tradition zu wenig Gewicht beigemessen». Sie könnten auch nicht begreifen, dass die («wie eine Geissenglocke tönende») Armesünderglocke neu nun jeweils auch eine Stunde vor Predigtbeginn zusammen mit der Predigtglocke geläutet werden müsse. «Variantenreicher läuten» Für den 23-jährigen Kunst- und Musikstudenten Matthias Walter, für den Kirchenglocken seit Jahren die grosse Leidenschaft sind («ich habe in ganz Europa schon über 1000 Kirchengeläute auf Band aufgenommen»), sind klangliche Kriterien allerdings wichtiger als historische. Er war es, der dem Kirchgemeinderat die neue Läuteordnung und auch das kühne Wiedererklingen der Armesünderglocke - erfolgreich - vorgeschlagen hatte. Er war zur Überzeugung gelangt, dass das Münstergeläut bisher «musikalisch nicht ausgeschöpft» worden war und dass man «viel variantenreichere Tonmotive läuten könnte». Der «nicht besonders auffällige, elegische, eher traurige und melancholische Ton» der Armesündergocke sei dabei seiner Meinung nach in den Abendstunden sehr passend. Historische Bedenken hat Walter keine: «Es kann doch nicht negativ sein, wenn man diese Glocke nicht länger zum Schweigen verdammt. Sie kann damit doch an etwas erinnern, das es hier glücklicherweise nicht mehr gibt. Früher hatten alle Glocken bestimmte Funktionen - das ist heute nicht mehr so. Es müssen vor allem ihre musikalischen Stimmungen zum Tragen kommen.» Wenn alle Glocken nur noch ihrem ursprünglichen Zweck gemäss eingesetzt würden, sagt Walter, wären vielerorts Abstriche zu machen: «So ist die grosse Glocke der Nydeggkirche die Agathen- oder Feuerglocke. Sie läutet jeden Mittag - auch wenn es nirgendwo brennt.» www.ebund.ch Walter Däpp 12.01.2002 Links Vom Alten Bern Bern - von jeher Symbol der Kraft, des Mutes, der Ausdauer und Bedächtigkeit, gemeinhin Begriff eidgenössischer Politik und Verwaltung, Zentrum der Diplomatie! Vergisst man darob nicht gar zu leicht das Stadtgebilde selbst? Die Stadt Bern - Goethe nennt sie die schönste - ist in ihrer Geschlossenheit ein Kunstwerk. Das alte Bern der Lauben, breiten Gassen und Brunnen hat in Michael Stettler und Hermann von Fischer Söhne gefunden, die erfüllt von der Liebe zur Stadt ihrer Vorfahren, seine Schönheiten und Reize schauen, schildern und verteidigen. weiter... français english Die Stadt Bern von 1870-1920 Aus der Stadt, die von der ummauerten Aarehalbinsel aus uneingeschränkt über Land und Leute im alten Staate Bern herrschte, entwickelte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts ein schweizerisches Zentrum mit Öffnung zur Welt. Die kleine Schar bevorrechteter Patrizierfamilien musste zunächst die Staatsgeschäfte an den liberalen Kanton abtreten; später lösten auch in der Stadt die fortschrittlichen Kräfte die konservativen Stadtväter ab. weiter... Geschichte von Bümpliz Das Gebiet des nachmaligen Bauerndorfes Bümpliz war in keltischer und römischer Zeit ein bedeutender Siedlungsort, der mit dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum auf der Engehalbinsel bei Bern in engem Kontakt stand. Auf dem Areal der späteren Kirche Bümpliz stand ein ausgedehnter römischer Gutshof mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden und Angestelltenwohnungen. weiter... Bern - Bildnis einer Stadt Der Aaregletscher hat die Landschaft modelliert, sein Kind, die Aare, zeichnete die Linien und Schleifen hinein, formte die Halbinseln, auf deren einer die Stadt Bern sich erhebt. Wohl ist ihr Untergrund kein Felsenkern, wie es die Poesie des Reimwortes auf ihren Namen wegen gerne haben möchte, ist nur Gletscherschutt und Geschiebe, ragt aber deswegen nicht minder steil und beherrschend aus dem Flusstal auf, vierzig und mehr Meter über den Spiegel der Aare, ein stolzer Sitz für eine Stadt, wie ihn sonst nur Burgen haben, und der in der Schweiz nur demjenigen von Freiburg, der zähringischen Schwesterstadt im Uechtland, zu vergleichen ist. weiter... Bern - Die Bundesstadt Schönheitsbegriffe ändern sich; bevor Haller und Rousseau den Glanz der Alpen entdeckten, schienen unsern Vorfahren im 18. Jahrhundert die heute bewunderten Schneeberge ein schreckhaftes Eisgebirge, und der junge Patrizier, der sich gesellschaftlich vergangen hatte, wurde mit einer mehrmonatigen Verbannung nach Grindelwald oder Adelboden bestraft. weiter... Campagnen - Berner Landhäuser Zur «Campagne» gehört, wie das Wort für diese Sitze sagt, die Einbettung in die Landschaft. An den Bauten des 18. Jahrhunderts fallen nicht nur die hohen Flügeltüren im Erdgeschoss anstelle von Fenstern auf, charakteristischer noch ist der Anbau, das «Peristyl», der offene Gartensaal, in dem ein Leben halb im Freien geführt werden kann. Davor der Lustgarten, oft mit Gartenarchitektur nach französischem Vorbild, mit Terrassen, Statuen, Buchsbordüren, mit Springbrunnen, Weiher und Teich. An der Eingangsseite führt das Portal - zwischen Pfeilern, die Vasen krönen, ein goldverziertes geschmiedetes Tor - in den Hof, unter Bäumen hindurch und an Brunnen vorbei. Eine Allee führt zum Haus, etwa beim Schloss Holligen, öfters ist sie auch abseits zu reinem Lustwandeln gepflanzt, im Mont beim Burgernziel, im Oberried bei Belp; herrliche Alleen, wie sie auch die Regierung als Zufahrtsstrassen zur Stadt angelegt, die Muriallee, die Bolligen- und die Papiermühleallee. weiter... français english Die Republik Bern Im Verlauf des Spätmittelalters hatte die Stadt Bern ein umfangreiches Territorium erworben. Durch Kauf, Erbschaft und Eroberung war es ihr gelungen, zum wichtigsten Machtfaktor im westlichen Mittelland zwischen dem Aargau und dem Genfersee zu werden. In seinen Kämpfen gegen Habsburg, Burgund und Savoyen konnte Bern die konkurrierenden Territorialherren verdrängen. Bern bildete so in der frühen Neuzeit den grössten Stadtstaat nördlich der Alpen. weiter... Bernische Architektur des 18. Jahrhunderts Zur Stadtverschönerung in Bern - Idee und Wirklichkeit «Es ist diese Stadt eine von den schönsten und säubersten Städten nicht nur des Schweitzerlands, sondern weit und breit, mit schönen hohen Häusern von gantzen Steinen erbauet, ausser zu oberst und zu unterst in der Stadt und in einigen wenigen Neben Gassen, da noch ziemlich schlechte Häuser stehen; Der Boden der gantzen Stadt ist mit Kieselsteinen durch und durch besetzt, welches Werk Anno 1399 angefangen worden.» (Gruner, Deliciae Urbis Bernae, 1732) weiter... Bernische Architektur des 18. Jahrhunderts Die Bernische Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und ihre Bauten Der Rahmen, in welchem sich die bernische Gesellschaft bewegt, ist umgrenzt durch geographische und politische Gegebenheiten. Die Republik Bern umfasst seit 1536 endgültig den westlichen Teil der Schweiz zwischen dem Unteraargau, der Innerschweiz und dem Genfersee. Nördlich liegen die Grenzen am Bielersee und am Jurafuss, südlich auf den Bergkämmen des Berner Oberlands. Wirtschaftlich dominiert im alpinen und voralpinen Bereich die Graswirtschaft mit ihrem Käse- und Viehexport. Im Oberland entwickelt sich in der zweiten Jahrhunderthälfte der Tourismus, die «Fremdenindustrie». Das Mittelland ist Getreideland. Rebbau findet sich überall, wo es die Sonnenlage erlaubt. Bern verfügt auch über die einzigen Salzquellen in der Schweiz: in Bevieux in der Landvogtei Aigle. weiter... Spitäler und Spitalwesen im Bern des Ein Spital war für jede Stadt des 18. Jahrhunderts neben dem Rathaus und den Kirchen ein bedeutender Repräsentationsbau. Es stellte die Wohlfahrt des Staates, dessen Sorge um die Armen zur Schau. Die Schweizer Spitäler waren bis um 1800 in erster Linie Fürsorgeinstitutionen für die Armen, Anstalten zur Verpflegung und Versorgung von Hilfsbedürftigen aller Art. Wenn in Krisenzeiten ein Fünftel bis zur Hälfte der Bevölkerung armengenössig wurde, lebten viele Einheimische - vorwiegend Frauen und Kinder - als «Hausarme» von den Unterstützungen des Spitals. Es verteilte «Mus», Brot, Kleider, Schuhe und Geld für den Hauszins. Das Spital nahm im allgemeinen alle Armen auf, ausser Leuten mit ansteckenden Krankheiten, arbeitsfähige Bettler und Dirnen. Man kann zwei Hauptgruppen von Bedürftigen unterscheiden: die Einheimischen, die sich länger im Spital befanden, und die Auswärtigen als «Kurzaufenthalter». weiter... Erbarmungslose Justiz im Alten Bern Verbrecher erlitten, je nach ihrer Tat, einen unterschiedlichen, vom Gesetzgeber bewusst qualvoll herbeigeführten Tod: Juden, die häufig der Brunnenvergiftung bezichtigt wurden, starben auf dem Scheiterhaufen, Diebe wurden gehängt, Mörder gerädert und gevierteilt, Weibspersonen ertränkt oder bei Kindstötung enthauptet. Gefangenschaft war für diese Täter nicht vorgesehen; damit ergaben sich auch keine Kosten für lebenslange Verwahrung... Todesurteile und Hinrichtungen erfolgten öffentlich, weil sich die Obrigkeit davon eine abschreckende Wirkung versprach. Sie wurden denn auch meist auf den Markttag angesetzt, wo viel Landvolk die Stadt besuchte. Gelegenheit, Hinrichtungen beizuwohnen, bot sich reichlich: Im Jahr, als das Schallenhaus den Betrieb aufnahm, wurden allein in den ersten drei Monaten 13 Personen zum Tode verurteilt, davon am 4. März gleich vier! Die meisten dieser Verurteilungen wurden übrigens wegen Hexerei ausgesprochen, was beweist, dass auch das reformierte Bern vor Hexenglauben nicht gefeit war. weiter... ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |