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Bern die Hauptstadt mit Charme Neues Bauen in Bern Das Neue Bauen entstand in den 20er Jahren als neue Stilrichtung der Architektur. Angeregt von neuen Bautechniken wie Eisenbau und Stahlbetonbau rückte die Konstruktion in den Vordergrund, verdeckende Architektur und dekorative Elemente waren unerwünscht. Das Neue Bauen bildete die ideelle Grundlage der Bauhaus-Schule mit den Vertretern des Konstruktivismus und der neuen Sachlichkeit. Bern und das Neue Bauen Fasziniert vom Gedanken des Neuen Bauens Es wäre wohl übertrieben, Bern zu den Zentren der Moderne in der Schweiz zu zählen. Ihren guten Ruf als städtebauliche Sehenswürdigkeit von internationalem Rang verdankt die Stadt immer noch dem einzigartigen und weitgehend unversehrt erhaltenen historischen Zentrum. Trotzdem - auch im Bern der zwanziger und dreissiger Jahre sind eine stattliche Anzahl Gebäude entstanden, die auf damalige Stadtbewohner ohne Zweifel revolutionär gewirkt haben müssen: geometrisch streng gestaltete Baukörper, glatte, schmucklose Fassaden, die Dächer nicht selten flach, durchwegs aber ohne den traditionellen Dachvorsprung. Noch beim heutigen Betrachter weckt die kühle Eleganz dieser Häuser Erinnerungen an Weltstadtatmosphäre und Internationalismus. Als Entwerfer zeichnen eine Handvoll Berner Architekten - die bekanntesten unter ihnen sind Otto Rudolf Salvisberg (mit seinem Partner Otto Brechbühl) und Hans Brechbühler. Der Einfluss O.R. Salvisbergs auf die neue Schweizer Architektur steht als Tatsache fest, ist allerdings erst kürzlich auch entsprechend gewürdigt worden. Während O.R. Salvisberg den direkten Bezug zu Deutschland, insbesondere zur Berliner Moderne, vermittelte -- er unterhielt bis 1930 in jener Stadt ein Architekturbüro -, fand die Lehre Le Corbusiers in dem um eine Generation jüngeren Hans Brechbühler in Bern den leidenschaftlichsten Verfechter. Als junger Architekt hatte H. Brechbühler im Pariser Atelier an der Rue de Sèvres 35 Gelegenheit, direkt an der Arbeit Le Corbusiers teilzunehmen. Die dort gewonnenen Erfahrungen sind auf eindrückliche Weise in der kompromisslosen Architektur von Brechbühlers Gewerbeschule manifest geworden, dem ohne Zweifel bedeutendsten Bauwerk der 30er Jahre in Bern und einem der wichtigsten des Neuen Bauens in unserem Land: ...«ein mutiger, starker Bau..., durchaus einmalig, fern von der historischen und oft gefährlichen Bautradition der Stadt Bern. Wie alles Neue mutet er zunächst fremd an; wie alles Gesunde wird er sich durchsetzen», schrieb der städtische Baudirektor II, Reinhard, in der 1939 zur Einweihung erschienenen Gedenkschrift. Die wohltemperierte «Berner Moderne»... Neben den vier bekannten Salvisberg-Bauten (Loryspital, Säuglings- und Mütterheim Elfenau, SUVA-Haus, Institutsbauten der Universität) und Brechbühlers Gewerbeschule sind - zur Hauptsache in den frühen 30er Jahren - eine ganze Anzahl weiterer neuer Gebäude von teilweise respektabler Grösse und Bedeutung (Landesbibliothek, Staatsarchiv, Museen, Verwaltungsgebäude EWB, Mehrfamilienhäuser) entstanden, deren Architekten sich mehr oder weniger ausgeprägt dem Neuen Bauen verpflichtet fühlten. ...«Als Bauherren der gemässigten Moderne in Bern auffällig stark vertreten sind öffentliche oder halböffentliche Institutionen»..., stellen die Autoren einer 1981 im Auftrag des städtischen Hochbauamtes verfassten Analyse zur Sanierung der 1933 gebauten Sportanlage Ka-We-De fest. Sie erwähnen gleichzeitig die bereitwillige Unterstützung, die der neuzeitlichen Baugesinnung von behördlicher Seite zuteil wurde. Dass diese Aufgeschlossenheit der Behörden von der Öffentlichkeit keineswegs widerspruchslos Billigung fand - zumal besonders der Flachdacharchitektur «artfremde politische Gesinnung» unterstellt wurde -, belegt der Bericht von «Werk»-Redaktor Peter Meyer aus dem Jahr 1932 über O.R. Salvisbergs neue Berner Institutsbauten: ...«Der Baudirektor des Kantons Bern, W. Bösiger, der sich um das Zustandekommen dieser Bauten besonders verdient gemacht hat, schreibt hierüber, offenbar in Beantwortung von Einwänden: <Das Flachdach wurde hier ausgeführt, weil es die Zweckbestimmung des Gebäudes ausnahmsweise erforderte, und keineswegs etwa aus Vorliebe für diese Bauart, die sich im allgemeinen für unsere Verhältnisse nicht eignet>»... ... mit den Augen von heute betrachtet Auf der Palette des Neuen Bauens in Bern finden wir - die Gewerbeschule einmal ausgenommen -wenig Spektakuläres. Desgleichen finden wir bestätigt, dass diese Stadt sicher zu keiner Zeit ein Zentrum des Neuen Bauens in unserem Land gewesen ist. Bei den hiesigen im Geist der Moderne verwirklichten Gebäuden handelt es sich durchwegs um relativ weiträumig und ohne Zusammenhang über das Stadtgebiet verteilte Einzelbauten. Nirgends findet sich ein grösseres modernes Städtebaukonzept verwirklicht; einen Ansatz in dieser Richtung stellt am ehesten die Mehrfamilienhäusergruppe auf dem vorderen Bierhübeli dar. Obwohl subjektiv hinsichtlich Auswahl und Gewichtung der erwähnten Gebäude die hier vorliegende Dokumentation ein der Wirklichkeit entsprechendes Bild des Neuen Bauens in Bern zu vermitteln - wenigstens soweit es sich um ausgeführte Gebäude handelt. Es ist ihr ausgesprochenes Anliegen, auf Beispiele redlichen baukünstlerischen Bemühens aus der Zeit der Moderne aufmerksam zu machen. Dies um so mehr, als - bedingt durch das zügellose Wachstum der Stadt während der vergangenen zwanzig Jahre - den paar wenigen echten Zeugen aus der Epoche des Neuen Bauens die Gefahr droht, in der Masse der Rendite- und Buchhalterarchitektur zu verschwinden. Trotzdem: Wenn auch die Architektur der «Berner Moderne» von unterschiedlicher Qualität ist und im landesweiten Vergleich eher zurückhaltend, ist diesen Gebäuden allen eine sehr ausgeprägte und für ihre Entstehungszeit typische Ausstrahlung eigen. Sie wirkt auf uns durch das Grosszügigkeit und Eleganz verheissende Äussere der Baukörper, sie manifestiert sich in der sorgfältig disziplinierten Behandlung auch der nebensächlichsten Details. Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, wie etwa Eingangspartien, Verhältnisse einzelner Baukörpervolumen untereinander oder die Proportionen von Sprossenteilungen mit der gleichen geometrischen Konsequenz behandelt wurden wie Treppengeländer, Türgriffe, Beleuchtungskörper und selbst die Gebäudebeschriftung. Hinzu tritt das bewusste Beschränken auf wenige Materialien, deren konstruktive Funktion sich aus der Architektur des Gebäudes klar ablesen lässt. Damit sind eine Reihe typischer Qualitäten genannt, die wir in der Renditearchitektur der vergangenen dreissig Jahre allzuoft vermissen. Erst in jüngster Zeit beginnt sich, aufgeschreckt durch die wuchernde Umweltverschandelung, ein Teil der Architekten wieder vermehrt gegen die Tendenz zur Wehr zu setzen, Bauen ausschliesslich der Gewinnmaxime unterzuordnen. Damit rückt zusehends wieder stärker in unser Bewusstsein, dass Kommunikation, Symbolgehalt und Bildsprache ebensosehr zum Inhalt der Architektur gehören müssen wie ein ausgeglichenes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Insofern bestünde zumindest Anlass für Hoffnung und Optimismus. Urs Graf Bern und das Bauen Neues Bauen in der Schweiz Führer zur Architektur der 20er und 30er Jahre Herausgeber: Schweizer Baudokumentationen Blauen ISBN 3-907080-01-7 1931-32 Mehrfamilienhäuser Schwarztorstrasse 1 + 3 / Sulgeneckstrasse 36 Architekten: R. von Sinner + H. Beyeler 1933-35 Mehrfamilienhäusergruppe Sonnenhof Wohnbaugenossenschaft Sonnenhof Buchserstrasse 2-4 / Ostring 32-38 Architekt: O. Ingold Kurzinformation: Markante Kennzeichen dieser Gebäudegruppe sind die plastisch stark gliedernden Treppenhäuser, das leicht rückspringende Attikageschoss, die mit eigenartigem Geschick in die kubisch-strengen Baukörper integrierten vorsprunglosen Satteldächer. Auffallend schön tritt an diesen bescheidenen Häusern das Spiel von Licht und Schatten zutage. 1934 Appartementhaus Silvahof Jubiläumsstrasse 97 Architekten: R. von Sinner + H. Beyeler 1932-34 Albrecht-von-Haller-Haus Hallerstrasse 50-62 Architekten: Scherler & Berger 1934-35 Mehrfamilienhäuser Hallerstrasse Hallerstrasse 49-55 Architekt: E.W. Ebersold Kurzinformation: Der in eleganter Kurve geschwungene Bau steht unmittelbar oberhalb des Hauptbahnhofs an städtebaulich exponierter Stelle. ...«Der Wohnblock bildet mit dem dahinterliegenden Albrecht-von-Haller-Haus und weiteren Wohnhäusern der Genossenschaft Bierhübeli die umfangreichste und geschlossenste Wohnüberbauung der dreissiger Jahre in Bern»... (Ulrich Bellwald in werk/archithese Nr. 23-24/1978) 1938 Wohn- und Geschäftshaus Bümlizstrasse 122 / Brünnenstrasse Architekt: W. Kormann 1929-31 Schweizerische Landesbibliothek Hallwylstrasse 15 Architekten: A. Oeschger (Zürich), J. Kaufmann und E. Hostetttler Kurzinformation: Gesamtschweizerischer Wettbewerb. Symmetrisch konzipierter Baukörper mit Büros, Lesesaal und Bücherhaus. Charakteristisch sind die horizontalen Fensterbänder der Bürotrakte sowie das rein funktionell gestaltete Büchermagazin. Grundlage für den Planungsmodul von 1,25 m ist der Achsabstand der Büchergestelle. 1930-31 Institute der Universität Bern Bühlstrasse 20 / Muldenstrasse Architekten: O.R. Salvisberg und Otto Brechbühl Kurzinformation: Ausgeführt aufgrund eines Projektwettbewerbs. Langgestreckter dreigeschossiger Baukörper. Die nordseitig auskragenden Hörsäle sind ein besonderes Merkmal dieses in grauem Sichtbeton belassenen Gebäudes. 1930-32 Primarschulhaus Stapfenacker Brünnenstrasse 40, Bümpliz Architekt: Karl Indermühle Kurzinformation: Wettbewerbsprojekt, vor der Ausführung 1929 vollständig überarbeitet. Pausen- und Spielplätze umschliessender langgestreckter zweigeschossiger Winkelbau. 1946 durch P. lndermühle erweitert. Eisenbeton- und Backsteinbauweise, verputzt. Flachdächer. 1932-33 Übungsschule Oberseminar Muesmattstrasse 29 / Freiestrasse Architekten: Lutstorf + Mathys 1937-39 Gewerbeschule und Erweiterung der Lehrwerkstätten Lorrainestrasse 1 Architekt: Hans Brechbühler Kurzinformation: Ausgeführt aufgrund eines Projektwettbewerbs. Auf Pfeilern stehender 4geschossiger Baukörper, beidseitig begrenzt von scheibenförmigen Treppenhäusern. Erdgeschoss mit Schülerrestaurant, kürzlich teilweise umgestaltet, grosse offene Pausenhalle. Begehbare Dachterrasse, teilweise gedeckt, als Pausenfläche nutzbar. Frei auf das Dachgeschoss gestellter Ateliersaal für Aktzeichnen. Die dem Untergeschoss vorgelagerte stützenlose Shedhalle beherbergt die Lehrwerkstätten. 1939 Staatsarchiv Falkenplatz 4 Architekt: W. von Gunten 1928-29 Meer-Haus Büro- und Geschäftsgebäude Effingerstrasse 21/23 Architekt: H. Weiss 1929-30 Verwaltungsgebäude Elektrizitätswerk der Stadt Bern Sulgeneckstrasse 18 Architekt: W. von Gunten Kurzinformation: Neubau als Erweiterung des bestehenden EWB-Verwaltungsgebäudes aus dem 19. Jahrhundert. Der ursprünglich mit einem Flachdach versehene Neubau erntete nach seiner Entstehung sehr positive Kritik: «Es ist kein Prunkbau, aber ein einfaches Kunstwerk, das Zeuge sein soll unserer Zeit, auch Ausdruck unserer Demokratie, wie Herr Gemeinderat Grimm sagte. Die Gemeinwesen müssen etwas wagen, kulturelle Werte schaffen», lesen wir im «Bund» vom 26.9.1930. Im Jahr 1939 wurde die Fassade des alten EWB-Gebäudes derjenigen des Neubaus angeglichen. Gleichzeitig erhielt der vormals flach gedeckte Neubau ein Walmdach aufgesetzt, was zu einer leichten Beeinträchtigung des Gesamtbildes geführt hat. 1930-31 SUVA-Haus Laupenstrasse 11 / Seilerstrasse Architekten: O.R. Salvisberg + Otto Brechbühl Kurzinformation: Das wohl markanteste Geschäftshaus aus dem Bern der dreissiger Jahre ging aus einem Projektwettbewerb hervor. Der Schwung der glatten Fassadenfront mit der rückversetzten Attika wird links und rechts durch je ein die Vertikale betonendes Treppenhaus gehalten. Seilerstrasse abwärts ist ein Anbau mit Arztpraxis und Wohnungen angefügt. 1928-29 Fabrikgebäude Aberegg-Steiner AG Fliederweg 10 Architekt: H. Weiss 1929 Werkstattgebäude Gaswerk der Stadt Bern Sandrainstrasse 15 Architekt: W. von Gunten Kurzinformation: Spartanisch einfacher reiner Zweckbau mit verschiedenen, rund um eine zentrale Montagehalle angeordneten Werkstatträumen. Der Bau steht heute isoliert auf dem ehemals dicht überbauten Gaswerk-Industriegelände. Er wird weiterhin vom städtischen Gaswerk genutzt. 1927-29 Lory-Spital Auf dem Areal des Inselspitals Architekten: 0.R. Salvisberg + Otto Brechbühl Kurzinformation: Ausgeführt aufgrund eines Projektwettbewerbs. Eisenbetonkonstruktion mit einer nach Süden grosszügig geöffneten Fassade. Kennzeichnend sind die beiden den langen Baukörper seitlich begrenzenden und weit auskragenden Liegehallen. Die Verglasung dieser Liegehallen lässt sich nahezu vollständig öffnen (Schiebefenster). 1929-30 Säuglings- und Mütterheim Elfenau Elfenauweg 68 Architekten: O.R.Salvisberg+Otto Brechbühl Kurzinformation: Ausgeführt aufgrund eines Projektwettbewerbs. Typisches Merkmal sind die den Baukörper auf drei Seiten umfassenden verglasten Balkone. Ähnlich wie im Lory-Spital bietet sich auch hier ein Angebot optimaler Liegeplätze im Freien. Der ursprünglich nur zwei umlaufende verglaste Balkone aufweisende Bau ist kürzlich unter Leitung von O. Brechbühl um ein drittes Balkongeschoss aufgestockt worden. 1932-33 Naturhistorisches Museum Bernastrasse 15 Architekten: W. Krebs und H. Müller Kurzinformation: Ausführung aufgrund eines Wettbewerbs. Das Museum befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Landesbibliothek und Historischem Museum. Besonders eindrücklich ist die grosszügige Gestaltung der Treppenanlage. Am Gebäude wurden im Verlauf der Zeit verschiedene Veränderungen vorgenommen: 1938 die schon bei der Projektierung vorgesehene Erweiterung des Ausstellungstraktes, 1960/61 Erweiterung des Traktes entlang der Bernastrasse, 1970/71 Erweiterung der Eingangshalle, der Kasse und der Garderobe. 1934-1934 Schulwarte, Alpines Museum und Postmuseum Helvetiaplatz 2-4 Architekten: Klauser + Streit Kurzinformation: Die beiden Museen und die Schulwarte wurden aus städtebaulichen Überlegungen in einen einzigen Baukörper zusammengefasst. Als Teil des Gesamtbebauungsplans Helvetiaplatz - bis heute allerdings nicht zu Ende geführt - bildet der streng kubisch gestaltete Bau die eine Hälfte des südlichen Brückenkopfes der Kirchenfeldbrücke. Zur Zeit sind erhebliche bauliche Erneuerungs- und Erweiterungsarbeiten an der Schulwarte im Gang. 1928-29 Hallenbad Sommerleist Maulbeerstrasse 14 Architekten: Schneider und Hindermann 1933/1939 Erweiterung durch R. von Sinner + H. Beyeler 1932-33 Ka-We-De Kunsteisbahn + Wellenbad Dählhölzli Jubiläumsstrasse 101 Architekten: R. von Sinner + H Beyeler Kurzinformation: So beschreibt eine kürzlich verfasste Analyse die sanierungsbedürftige originelle Sportanlage... «Ein mondäner Treffpunkt für die Anhänger eines modernen sportlich-körperbewussten Lebensstils, die <beautiful people> der dreissiger Jahre. In der Zwischenzeit ist der leicht snobistische Lack gründlich ab, aber im Stil und in der Inszenierung der Bauten wirkt ein Teil des <Grossstädtischen> weiter und trägt wesentlich zur spezifisch einzigartigen Ka-We-De-Stimmung bei»... 1935 Kaserne der Berufsfeuerwehr Viktoriastrasse 70 Architekt: H. Weiss Kurzinformation: Entstanden auf der Grundlage eines Projektwettbewerbs. Der winkelförmig angeordnete niedrige Baukörper umschliesst einen Innenhof. Einen kraftvollen Akzent setzt der Turm zum Trocknen der Schläuche. Zu erwähnen ist auch die eigenwillige hofseitige Auskragung des Treppenhauses. 1938 Strassenbrücke Weissensteinstrasse Beim Bahnhof Fischermätteli Ingenieur: Robert Maillart Kurzinformation: Eisenbetonbrücke in der für Robert Maillart typischen, den Verlauf der Kräfte spürbar werden lassenden Konstruktionsweise. 1931-32 Katholische Marienkirche Wylerstrasse 26 Architekt: Fernand Dumas Urs Graf Bern und das Bauen Neues Bauen in der Schweiz Führer zur Architektur der 20er und 30er Jahre Herausgeber: Schweizer Baudokumentationen Blauen ISBN 3-907080-01-7 Neues Bauen Das Neue Bauen entstand in den 20er Jahren als neue Stilrichtung der Architektur. Angeregt von neuen Bautechniken wie Eisenbau und Stahlbetonbau rückte die Konstruktion in den Vordergrund, verdeckende Architektur und dekorative Elemente waren unerwünscht. Gesellschaftliche Entwicklung Seit Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich in Folge der industriellen Revolution auch langsam die Anforderungen und die Mittel des Bauens zu verändern. Durch Landflucht und neue Arbeitsstrukturen entstand ein wachsender Bedarf an neuem Wohnraum, der befriedigt werden musste. Zugleich wurden Materialien wie Eisen, Glas und später Beton immer beliebter und besser nutzbar. Neue Bautechniken setzten sich durch: Stahlguss, Eisenskelettbau, grosse Glasrasterflächen und vorgefertigte Bauelemente. Sie brachten neue konstruktive und gestalterische Anforderungen mit sich. Wurden die neuen Techniken zuerst konstruktiven Ingenieurbau eingesetzt, so verwendete man sie bald auch im Gebäudebau. 1851 setzte Joseph Paxton in seinem Crystal Palace in London erstmals Stahl-Glas-Rahmen-Fertigteilkonstruktionen ein. Gustave Eiffel zeigte 1887 mit dem Eiffelturm in Paris die Möglichkeiten der Eisenskelettkonstruktion. Vorläufer In der Chicagoer Schule wurden die Techniken erstmals im grösseren Stil beim Bau von Wohn- und Bürogebäuden angewandt. Louis Henry Sullivan postulierte 1890 mit form follows function einen Satz, der später zur Grundlage des Neuen Bauens werden sollte. In Europa nutzte Auguste Perret als einer der ersten Architekten die Vorteile der Eisen-Beton-Bauweise im regulären Wohnungsbau. Auch in Deutschland erkannten Architekten die vielfältigen Möglichkeiten, die die neuen Techniken mit sich brachten und versuchten, daraus ein Neues Bauen zu entwickeln. Im Deutschen Werkbund vereinigten sich Architekten mit dem Ziel, dem Maschinenzeitalter entsprechend funktionsgerecht zu Bauen, ohne historisierende Rücksichten nehmen zu müssen und unter Einsatz moderner Materialien. Walter Gropius schrieb 1913: «Die neue Zeit fordert den eigenen Sinn. Exakt geprägte Form, jeder Zufälligkeit bar, klare Kontraste, ordnende Glieder, Reihung gleicher Teile und Einheit von Form und Farbe werden entsprechend der Energie und Ökonomie unseres öffentlichen Lebens das ästhetische Rüstzeug des modernen Baukünstlers werden.» Die drängenden sozialen Probleme und das Bedürfnis, massenhaft Wohnraum zur Verfügung stellen zu müssen, liess Gleichgesinnte versuchen, die funktionalen und gestalterischen Anforderungen mit den sozialen Problemen zu verknüpfen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es in Deutschland zu grossen politischen Umwälzungen mit weitreichenden Auswirkungen und 1919 begannen Bruno Taut, Walter Gropius und Hans Scharoun im geheimen Briefwechsel Die gläserne Kette die sozialen Aspekte des Neuen Bauens zu diskutieren. Prinzipien Das Neue Bauen setzte konsequent auf die neuen Materialien Glas, Stahl, Beton und Backstein. Damit liessen sich vor allem einfache Formen und deren Dekomposition realisieren: einfache kubische Formen, ineinandergeschobene Raumvolumen, freistehende Wandscheiben und kühne Auskragungen. Die neue Architektursprache folgte dem ökonomischen Grundprinzip: Vertreter Hauptvertreter des Neuen Bauens waren unter anderem Le Corbusier, Adolf Loos, Walter Gropius, Hugo Häring, Erich Mendelsohn, Ludwig Mies van der Rohe, Gerrit Rietveld, Hans Scharoun, Bruno Taut, Max Taut, Ernst May, Mart Stam, Alvar Aalto, Pier Luigi Nervi und Jörn Utzon. Das Neue Bauen entwickelte sich im Deutschen Werkbund und bildete die ideelle Grundlage der Bauhaus-Schule. Fast ein halbes Jahrhundert gestaltete es das europäische Bauen wesentlich mit. Beitrag Andreas Praefcke «Das Ideale Heim» Das älteste Wohnmagazin feiert seinen 70 Geurtstag Vieles war in der Architektur-, Gestaltungs- und Kunstszene im Gründungsjahr 1928 der Zeitschrift «Das Ideale Heim» in Bewegung: Das Bauhaus war in aller Munde und löste in der Bevölkerung heftige Diskussionen aus. Walter Gropius gab seine Position als Direktor am Bauhaus in Dessau auf und zog nach Berlin; seine Lehrerkollegen Herbert Bayer, Marcel Breuer und Laszlo Moholy-Nagy kündigten ebenfalls. Hannes Meyer wurde Nachfolger von Walter Gropius, und in den Malklassen unterrichteten Paul Klee und Wassily Kadinsky. In der Schweiz wirkte zu jener Zeit eine junge, für das neue Bauen begeisterte Gruppe von Architekten. 1926/28 entstand in Basel die katholische Antoniuskirche, ein moderner Betonbau nach Plänen von Karl Moser, in Bern wurde das Loryspital als Horizontalbau von Salvisberg und Brechbühl realisiert. In Zürich bauten junge Architekten die Siedlung Neubühl, zu welcher heute noch Studenten aus aller Welt pilgern. Noch sind die «sachlichen» Neubauten aber eher Einzelgänger. Villen und Wohnhäuser wurden weiterhin in einem gemütlichen Landhausstil gebaut; 1927 erstellten die Gebrüder Pfister in Zürich das Bahnhofgebäude Enge in einem klassizistischen, schweren Stil mit unverputztem Naturgneis, und die Gebrüder Bräm entwarfen das massive Sihlpost-Gebäude (Zürich). Viele private, zukünftige Bauherren, die einen gepflegten und kultivierten Haushalt führten, suchten nach Beispielen und Informationen im Bereich Architektur und Innenarchitektur. Der Verleger der Basler Druck&Verlagsanstalt erkannte die neuen Bedürfnisse und gründete für das Publikum die erste Schweizer Wohnzeitschrift «Das Ideale Heim». Aus unbekannten Gründen wurden die Verlagsrechte der Zeitschrift an den Zürcher Fretz & Wasmuth Verlag nach zwei Pionierjahren verkauft. Aber auch dort konnte «Das Ideale Heim» nicht richtig heimisch werden. Denn der Verlag gab gleichzeitig die international bekannte Zeitschrift «Werk» (heute «Werk, Bauen + Wohnen») heraus, was zu Überschneidungen führte. Am 13. Oktober 1931 schliesslich wurde der Kaufvertrag von Joh. Schönenberger, Inhaber der Druckerei Schönenberger&Gall AG, unterschrieben. Für die Geschichte des Neuen Bauens und Neuen Wohnens in der Schweiz war das Jahr 1931 äusserst bedeutsam: die Gründung der Wohnbedarf AG und daran anschliessend die Eröffnung der Wohnausstellung in der Siedlung Neubühl. Dem Schweizer Werkbund, unter dessen Patronat die Ausstellung durchgeführt wurde, gelang es, die Idee einer neuen Wohn- und Lebensform einem breiten Kreis Interessierter vorzustellen. Innerhalb von nur zehn Tagen wurden 10000 Besucher gezählt. «Das Ideale Heim» profitierte von diesem Aufbruch; Auflage und Anzeigenumfang vergrösserten sich jedes Jahr. 1939 wurde mit der Mosse Annoncen AG ein Pachtvertrag für den Anzeigenverkauf abgeschlossen. Dem Verlag wurden 16 Seiten pro Ausgabe zugesichert. Die Nachkriegsjahre führten zu einer Hochblüte. Die Zeitschrift hatte bereits über 18000 Abonnenten, fast die Hälfte davon ging in 15 verschiedene Länder. Etwa 6000 Exemplare wurden an den Schweizer Kiosken abgesetzt. Das Anzeigenvolumen stieg bis zu 60 Seiten pro Ausgabe. Allerdings entdeckten auch deutsche Verlagshäuser dieses Zeitschriftensegment: 1950 startete die Zeitschrift «Schöner Wohnen», und 1957 kam «Architektur und Wohnen», ehemals «Bild +Frau», in Deutschland auf den Markt. In den folgenden Jahren wurden durch die zunehmende Verbreitung der visuellen Medien die Ansprüche und Erwartungen der Leser an eine Zeitschrift wie «Das Ideale Heim» erhöht. Dies forderte sowohl von der Redaktion als auch vom Verlag kontinuierliche Anpassungen. Um auf dem Markt weiterhin erfolgreich bestehen zu können, wurden 1978 ein neues Konzept und Erscheinungsbild erarbeitet. Mosse Zeitschriften AG sicherte sich die Verlagsrechte und brachte mit beträchtlichem finanziellem Aufwand die Zeitschrift auf neuen Erfolgskurs. Der Maschinenpark der Druckerei Schönenberger war leider nicht mehr in der Lage, die Zeitschrift mit über 120 Seiten vierfarbig zu drucken. Dies führte dazu, dass 1979, nach fast fünfzig Jahren, «Das Ideale Heim» zum letzten Mal in Winterthur gedruckt und von dort ausgeliefert wurde. Im Jahre 1981 wurde die Möbel- und Designerszene durch die Provokationen der Mailänder Gruppe «Memphis» aufgerüttelt. Jedes Möbel wurde neu definiert, über den reinen Nutzen hinaus gewann die skulpturale Qualität an Bedeutung. Die Gruppe um Designer wie Vico Magistretti, Achille Castiglioni und Philippe Starck wurde von den Möbel- und Leuchtenherstellern intensiv umworben. Die italienischen Möbel bereicherten die Schweizer Einrichtungshäuser und waren auch in den Wohnzeitschriften stark vertreten. Die Konkurrenz aus Italien motivierte auch andere Möbelhersteller, ihre Kollektionen den neuen Kundenwünschen anzupassen. Zu Beginn der neunziger Jahre bekamen die Baubranche und der Möbelhandel die Rezession immer stärker zu spüren. Diese Situation hinterliess auch beim «Idealen Heim» ihre Spuren. Die Publicitas Holding war 1995 bereit, die Titelrechte zu verkaufen. Am 1.Juni 1995 erhielt die Zeitschrift «Ideales Heim» beim Archithema Verlag sein neues «Heim». Mit intensiver Arbeit ist es gelungen, ein neues Erscheinungsbild zu schaffen und mit anspruchsvollen Berichten über Architektur, Wohnen und Design unsere Leserschaft zufriedenzustellen. Text: Emil M. Bisig www.archithema.ch
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