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Bern - die Hauptstadt mit Charme Wäscherei Papritz Weihergasse 11 1911 siedelte sich die Wäscherei Papritz in der ehemaligen Direktorenvilla des Gaswerks an der Weihergasse an. Das in den vierziger Jahren an die Villa angebaute, eingeschossige Erweiterungsgebäude stockte Hans Brechbühler 1955 um zwei Geschosse auf. Der Beton-Skelettbau mit eigener Ausprägung besitzt ein Grabendach. Diese originelle Lösung der Dachsituation hatte auch funktionelle Gründe: Sie ermöglichte eine grosse, gedeckte Terrassenfläche, die als Erholungsort für die Arbeitenden gedacht war. Nach 86 Jahren am selben Standort im Marzili zieht die Wäscherei Papritz im Sommer 1997 nach Rüdtligen-Alchenflüh um. Die Räume werden bis im Winter 1997 einer neuen Nutzung zugeführt; Gewerbe-, Atelier- und Lagerflächen sind projektiert. Wäscherei Papritz Bern Der mehrteilige Gebäudekomplex der ehemaligen Wäscherei Papritz besteht im Wesentlichen aus dem spätklassizistischen Wohn- und Verwaltungsgebäude der Gasfabrik von 1863/64 (die Gasproduktion war 1875 von der Gasstrasse in den Sandrain verlegt worden) und aus dem von Architekt Hans Brechbühler 1953/54 erstellten Erweiterungsbau. Um 1900 begann Martha Papritz, Wäsche von Bekannten und Leuten aus der Nachbarschaft in ihrer Stube zu waschen. Bald lief das Geschäft besser als die Schreinerei ihres Gatten. 1911 kaufte das Ehepaar den vorzüglichen, klassizistischen Sandsteinbau des städtischen Gaswerks. Als der florierende Betrieb 1940/41 nahezu aus den Nähten platzte, entstand der zweigeschossige, von Architekt Hans Jordi erstellte Anbau auf der Ostseite des Wohnhauses, bloss sechs Jahre später eine eingeschossige südliche Erweiterung entlang der Gasstrasse. Mit dem Aufschwung der Nachkriegsjahre wurden die räumlichen Verhältnisse erneut prekär. 1953 beauftragte Papritz den Le-Corbusier-Schüler Hans Brechbühler mit einem Erweiterungsbau. Brechbühler errichtete über der südlichen Erweiterung Jordis von 1946 einen zweigeschossigen Beton-Skelettbau. Er führte dabei die Stützenstruktur des Sockelbaus weiter und formulierte zum Eckbau hin eine grossflächig verglaste Raumzone anstelle des bestehenden Wassertanks. Im obersten Geschoss war die Personalgarderobe angeordnet. Brechbühler beabsichtigte, den unter der Hitze der Wäscherei leidenden Mitarbeitenden oben, unter dem aussergewöhnlichen Schmetterlingsdach, eine weite, gut gelüftete und schattige Erholungszone mit Aussenbereich (Loggia) zu bieten. Der Hauptbaukörper ist hofseitig eingeschossig und wird über einen Treppen- und Abortanbau erschlossen. Durch diese Erweiterung entstand eine zweifache architektonische Einheit von Alt und Neu: typologisch, indem der Altbau als Sockel gelesen wird und in der Loggia eine Entsprechung findet, und strukturell, indem der Konstruktionsraster des Sockelbaus übernommen wird und als sichtbares Skelett die Fassadenordnung bestimmt. Der Brechbühler-Bau zählt zu den besten und qualitätvollsten Industriebauten der frühen 1950er-Jahre in Bern. Mit der technischen Entwicklung wurde ein effizienter Einsatz der immer grösseren und schwereren Maschinen zunehmend schwierig. 1997 entschied die Firmenleitung, den Wäschereibetrieb zu verlegen. Im Altbau sollte die auf verschiedenen Niveaus und in mehreren Häusern vorhandene Mietfläche einer neuen Nutzung zugeführt werden. Um die Gebäudestruktur möglichst unverändert erhalten zu können, wurde die heterogene Raumkomposition an mehrere Parteien vermietet. Markus Waber Denkmalpflege in der Stadt Bern 1997-2000 Herausgegeben von Bernhard Furrer Historischer Verein des Kantons Bern Aufstockung und Umbau 1955 Für den Ausbau eines Wäschereibetriebes zu einer modernen Grosswäscherei errichtete Hans Brechbühler auf einem bestehenden eingeschossigen Gebäude einen Neubau, den er mit einem Zwischenteil an einen zweigeschossigen Altbau anschloss. Alt- und Neubau wurden so zu einer architektonischen Einheit zusammengefasst, ohne dass die beiden Gebäudeteile ihre Selbständigkeit verloren hätten. Diese Einheit wurde in zweifacher Hinsicht geschaffen, einerseits typologisch, indem der Altbau als Sockel gelesen wird und in der Loggia des Neubaus eine Entsprechung findet, andererseits strukturell, indem der Konstruktionsraster des Altbaus übernommen wird und als sichtbares Skelett die Fassadenordnung bestimmt; den feinen Stahlfensterrahmen im Altbausockel werden kräftig ausgebildete Holzrahmen im Neubau entgegengesetzt. Betonskelett und Fensterrahmen sind weiss, die Altbauteile dunkelgrau gestrichen, während die Fassade im Loggia-Geschoss mit einer dunkelgrün gestrichenen Stülpschalung aus Holz verkleidet ist. Die Stirnwände sind aus rotem Sichtbackstein. Zusammen mit dem Wäschereibesitzer wurde auch eine Wäsche-Förderanlage entwickelt, welche die gereinigte Wäsche langsam und für jedermann sichtbar in geordneten Paketen an den grossen Fenstern vorbeiführt. Quelle: Dokumente zur modernen Schweizer Architektur Hans Brechbühler 1907-1989 Eingeführt und zusammengestellt von Ueli Zbinden Mit Beiträgen von Werner Oechslin, Niklaus Kohler und Kurt Aellen Gta Verlag 1991 ETH Hönggerberg, 8093 Zürich ISBN 3-85676-027-X
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