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Bern - die Hauptstadt mit Charme Alte Parkettfabrik Sulgenbachstrasse 18 Zahlreiche industrielle Gebäude in der Stadt Bern sind restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt worden. Dazu gehört auch die für das Werkjahr der Stadt Bern umgebaute Parkettfabrik Sulgenbach. Parquet-Rüfli; Baujahr 1894; schützenswertes Objekt des kantonalen Inventars. Alte Parkettfabrik Die gewerbliche Nutzung des Sulgenbachs und seiner Wasserläufe ist seit dem Mittelalter bekannt. An die Ansiedlung von Fabrikbauten erinnert als wohl letzter Zeuge die Fabrikationsanlage der Firma «Parqueterie R. Rüfli». Die erste Parkettfabrik lag ursprünglich links des vom Sulgenbach abgeleiteten, heute stillgelegten Kanals, dessen Sturzgefälle ein Wasserrad antrieb. 1894 entstand ein erstes Gebäude rechts des Bachlaufs, zehn Meter vom Altbau entfernt. Es handelte sich um ein Dampfmaschinenhaus, dem ein freistehender Kamin vorgesetzt war. Nach dem Brand der alten Fabrik führte die Firma Parquet-Rüfli 1896 eine Gesamtplanung durch. Sie umfasste die Integration des Dampfmaschinenhauses in eine komplexe Fabrikanlage. Angelpunkt bildete der Treppenturm, der die übrigen Gebäude überragte. Gegen Westen folgte der leicht versetzte Maschinensaal, gegen Osten ein Fabrikationsraum, der das Dampfmaschinenhaus bis zum Wasserrad vergrösserte. Noch im gleichen Jahr wurden die beiden Flügelbauten in einer zweiten Bauetappe erweitert. Die letzte, das Erscheinungsbild prägende Bauphase, fand 1905 statt, als der Osttrakt um ein Geschoss aufgestockt wurde. Die alte Parkettfabrik überzeugt durch ihre abwechslungsreiche und dennoch klar wirkende Anordnung der Einzelvolumen mit überhöhtem Mittelbau und seitlichen, vorkragenden Bauquadern unter minimal geneigten Satteldächern. Auf der Rückseite ergibt sich eine fortlaufende Staffelung der unterschiedlichen Volumen. Eine einheitliche, historistisch geprägte Fassadierung aus verschiedenfarbigem Sichtbackstein mit Kunststein-Elementen zieht sich über die Anlage. Ornamental gestaltete Felder rahmen die Fenster ein und beleben mit den Zierankern die Wandflächen. Der zentrale Turm ist insbesondere im Dachbereich aufwendiger gestaltet. Die drei grossen, übereinanderliegenden Säle des Maschinentraktes prägen den Innenraum. Sie zeigen die charakteristische Deckenkonstruktion mit Eisenrippen und auf Gusseisensäulen abgestützten Doppelunterzügen. Aus Platzgründen verliess die in den vierziger Jahren in «Parquet und Holzbau AG Bern» umbenannte Firma 1955 ihre Fabrik an der Sulgenbachstrasse und verkaufte sie kurze Zeit später an die Stadt Bern. Da das Gebäude einer Umgestaltung des Eigerplatzes weichen sollte, waren eine langfristige Nutzung und ein baulicher Unterhalt nicht vorgesehen. Dies änderte sich jedoch in der Mitte der achtziger Jahre, als man die Eigerplatz-Kreisellösung aufgab. Damit wurde die ideale Alleinnutzung der Parkettfabrik durch das Werkjahr der Stadt Bern möglich. Als gesicherter Bestandteil des Bildungsangebotes bietet das Werkjahr eine Vorlehre an, welche die Schulabgänger auf ihre Berufswahl und -lehre vorbereiten soll. Als kurzfristiges Provisorium 1976 gegründet, war es schon damals mit seinen zwei Klassen in der Parkettfabrik untergebracht. Die Sanierung des Fabrikkomplexes basiert auf einem Gesamtkonzept der Architekten Lang+ Lerch von 1989. Von Seiten der Architekten, Benutzer und der Denkmalpflege war der Wunsch vorhanden, die bestehende, seit 1905 nur unwesentlich veränderte Bausubstanz möglichst zu schonen und nur zwingende Umbauten im Innern durchzuführen. Die Gebäudehüllen mussten saniert und einzelne Details renoviert werden. Die drei Werkstatt-Säle blieben in ihrer ganzen Grösse erkennbar. Die Umbauten konzentrierten sich auf eine sinnvolle und klare Erschliessung mit einer neuen Eingangszone und einer Umformulierung des Treppenhauses im zentralen Turm. Die technischen Installationen wurden sichtbar angebracht. Die gelungene Sanierung fand in der Offentlichkeit Zustimmung und erhielt 1995 den ATU PRIX. Das Konzept zur künstlerischen Ausgestaltung entwickelte Max Roth unter dem Titel «Nahtstelle», als Verbindung von Innen- und Aussenraum. Die Parkettfabrik fällt im Strassendreieck Sulgenbach-/Mühlematt-/Eigerstrasse durch ihre charakteristische, industrielle Architektursprache des ausgehenden 19.Jahrhunderts auf. Ihre jüngeren Nachbargebäude stimmen weder in ihrer Gattung als Wohn- oder Dienstleistungsbauten noch in ihrer Orientierung mit der Fabrik überein. Im Unterschied zu den mehrheitlich als Blockrandbebauung konzipierten Quadern steht die Parkettfabrik parallel zum Kanal und befindet sich zudem in einer topographisch vertieften Lage. Das Gebäude ist heute also zum eigentlichen «Störfaktor» geworden, allseitig von jüngeren Volumen bedrängt. Kommt hinzu, dass es über keinen Aussenraum verfügt und das Gelände zur Durchfahrt von Anlieferungsfahrzeugen oder als Parkplatz dient. Regula Hug Stadtführer - Umnutzen von Industriebauten Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Bern, 1997 ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |