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Bern - die Hauptstadt mit Charme Leinenweberei Schwob Stauffacherstrasse 78 Die ehemalige Leinenweberei Schwob an der Stauffacherstrasse 78 im Berner Nordquartier wurde mit einfachen Mitteln für das Forschungszentrum für orthopädische Chirurgie umgenutzt. Universität Bern Leinenweberei Schwob Anfang 1995 ging die Ingenieurschule Bern HTL (ISBE) auf die Suche nach weiteren Schulräumen in geringer Distanz zum Hauptgebäude an der Morgartenstrasse. Kurze Zeit später fand sie im Erweiterungsbau der Leinenweberei Schwob, der infolge Produktionsverlegung neu genutzt werden sollte, Lokalitäten für die Abteilungen Architektur, Bauingenieurwesen und Haustechnik. Der Betonskelettbau unter Flachdach entstand 1955-57 nach dem Entwurf der Architekten Strasser&Lienhard und knüpft mittels Verbindungsbau an Albert Gersters Fabrikgebäude von 1919 an. Beim ersten Besuch der «Ateliers Schwob» folgt man etwas irritiert dem Wegweiser, der einen nicht in Richtung Haupteingang, sondern über eine Treppe ins Untergeschoss führt. Wo sich früher Lager- und Luftschutzräume, Wäscherei- und Glättereihallen befunden haben, sind heute Büros, Laborräume, Schulzimmer sowie die Werkstatt untergebracht. Zwei Dozenten der ISBE (Iris Kaufmann und Markus Rychener) übernahmen Bauprojektierung und Kostenschätzung; die Klassen der Architektur-Abteilungen arbeiteten Teilentwürfe aus. Nur die notwendigsten Mittel wurden eingesetzt, um Verbesserungen in den Bereichen Belichtung, Akustik, Sanitärund technische Anlagen zu erhalten. Den Studenten wurde beim Einzug Anfang 1996 kein Fertigprodukt serviert, sondern lediglich eine Hülle, die eine eigene Atmosphäre erhalten sollte. Das Raumprogramm wurde den Bedürfnissen des interdisziplinären Unterrichts, des vermehrten Dialoges zwischen Studierenden und Dozenten sowie einer regen Auseinandersetzung mit Architekten und der Öffentlichkeit angepasst. Insbesondere die Cafeteria wird als multifunktioneller Raum genutzt. Regula Hug Stadtführer - Umnutzen von Industriebauten Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Bern, 1997 Leinenweberei Schwob Mit der ehemaligen Leinenweberei Schwob konnte die Universität unlängst ein Gebäude beziehen, das mit einer Direktions- und Verwaltungsvilla sowie einem Fabrikationsteil über die klassischen Elemente einer traditionellen Fabrikarchitektur verfügt. Die Bauten wurden 1919 durch Architekt Albert Gerster errichtet, der 1887 bis 1933 in Bern ein äusserst erfolgreiches Architekturbüro betrieb. (Gersters wohl bekanntester Bau ist die Reitschule.) Die ehemalige Leinenweberei ist zusammen mit der ehemaligen Waffenfabrik und dem ehemaligen Schlachthof Teil eines grösseren Ensembles. Mit der Einrichtung eines ihrer wichtigen Forschungslabors hat die Universität Anteil an der Umsetzung des Entwicklungsschwerpunkts ESP Wankdorf, welcher seit kurzem mit einer eigenen S-Bahnstation erschlossen ist. Mit seiner ruhigen Symmetrie, einem Baukubus, der sich in die Berner Landhaustypologie eingliedert, sowie der über zwei Stockwerke greifenden Fassadengliederung setzt das Hauptgebäude in der schon zu seiner Erbauungszeit im Umbruch befindlichen Industriezone ein Zeichen der Permanenz. Rosa eingefärbte Kunststeinelemente und eine der Tradition des Werkbundes verpflichtete Ornamentik relativieren den ernsten Neoklassizismus des Kopfbaus. Der Kunststein ist nicht nur sehr dauerhaft, sondern nimmt auch ein sehr aktuelles Thema der Architektur auf: Mit beigemischten Farbpigmenten wird heute vielerorts versucht, Beton zu veredeln und ihm ein schönes Patinierungsverhalten zu verleihen. Besondere Beachtung verdienen die Brüstungsfelder. Hier sind mit gelb eingefärbtem Putz Motive nachgebildet, die ohne weiteres auf einem in der Weberei Schwob hergestellten Damast oder zumindest einem Stück Frotteewäsche hätten angetroffen werden könnten... Wie in vielen anderen Fällen hat sich die Fabrikhalle der ehemaligen Weberei als für die universitäre Forschung gut geeignet erwiesen. Grosszügige Grundrisse mit weiten Stützenabständen und Spannweiten, hohe Räume; dabei einfache, solide Konstruktionen zeichnen Industriebauten aus. Sie vereinen Flexibilität mit niedrigen Betriebskosten. Besonders schwere und übergrosse Einrichtungen können ohne spezielle Vorkehrungen antransportiert, angepasst und ausgewechselt werden, und nicht zuletzt lassen sich an den pragmatisch konzipierten Bauten Modifikationen vornehmen, ohne dass sofort Konflikte mit der Denkmalpflege ausgetragen werden müssen. Universität Bern ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |