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Inventar der neueren Schweizer Architektur
2 Siedlungsentwicklung in Bern
2.8 Quartiere


2.8.15 Bümpliz



  • 2.1 Die Stadt der Mitte
  • 2.2 Bern in der Geologie: der Mythos in der Wissenschaft
  • 2.3 Vom alten Bern zur Kantonshauptstadtl
  • 2.4 Bern als Hauptstadt der Schweiz
  • 2.5 Der Bund als Bauherr: das Parlamentsgebäude als Nationaldenkmal
  • 2.6 Zurück zum alten Bern: Brückenbau und Münsterturm
  • 2.7 Heimatschutz und Städtebau: die getarnte Moderne
  • 2.8 Quartiere
  • 2.8.1 Altstadt
  • 2.8.2 Matte
  • 2.8.3 Marzili-Sandrain
  • 2.8.4 Mattenhof-Monbijou
  • 2.8.5 Weissenbühl-Weissenstein
  • 2.8.6 Holligen-Fischermätteli
  • 2.8.7 Länggasse
  • 2.8.8 Enge-Felsenau-Tiefenau
  • 2.8.9 Lorraine
  • 2.8.10 Wyler
  • 2.8.11 Breitenrain-Spitalacker
  • 2.8.12 Altenberg-Rabbental
  • 2.8.13 Obstberg-Schosshalde
  • 2.8.14 Kirchenfeld-Brunnadern
  • 2.8.15 Bümpliz
  • Anhang: Zeittafel



    2.8.15 Bümpliz

    Die Hinweise auf Abbildungen und Quellen beziehen sich ausschliesslich auf das Buch

    Bümpliz im Westen der Stadt Bern, einst bedeutendes frühgeschichtliches und römisches Siedlungszentrum, später hochburgundischer Königshof (Altes Schloss), war seit 1803 selbständige Gemeinde und wurde der Stadt Bern erst am 1. Januar 1919 eingemeindet. Das längs des Stadtbachs entstandene Bauerndorf geriet nach 1860 in den Sog der Vorstadtentwicklung Berns. Die Mehrzahl der Einwohner arbeitete in Bern und zahlte bis 1917 auch dort ihre Steuern (Arbeitsstätten-Steuerpflicht). Die Eingemeindung half finanzielle Schwierigkeiten zu überwinden und übertrug öffentliche Bauaufgaben (Schulhausbauten, Strassenbau, Wasserversorgung) der Stadtgemeinde. Den Übergang vom einstigen Bauerndorf zur dicht besiedelten Vorstadt hat der in Bümpliz lebende Dichter Carl Albert Loosli (1877-1959) in seinem erst 1977 erschienen Roman Es starb ein Dorf festgehalten (dort «Wydenau»).

    Breitere Übersichten der baulichen Entwicklung und der Einzelbauten als an dieser Stelle liefern der Kunstführer durch die Schweiz, Band 3 (KFS 3 [1982], S. 236-244) und die 1983 erschienene Schrift Altes Bümpliz von Paul Loeliger (Loeliger 1983). Die mehrheitlich ländlichen Gebiete von Bümpliz-West (Riedbach, Matzenried, Ober- u. Niederbottigen) sind im Inventar Bern-Bümpliz West 1983 der Denkmalpflege der Stadt Bern erfasst.

    Wichtige Stationen in der Gemeindeentwicklung waren u.a.: 1860-1862 Anschluss an das Eisenbahnnetz (Centralbahn Bern-Freiburg) und Bau des Bahnhofs Bümpliz-Süd; 1866 Bau der neuen Murtenstrasse; 1882 Schulhaus Bümplizstrasse Nr. 94; 1896 Gründung der Elektrischen Werkstätte Chr. Gfeller in BümplizBethlehem; 1901 Eröffnung der Bahnlinie BernNeuenburg mit den Bahnhöfen Bümpliz-Nord, Riedbach und der Haltestelle Stöckacker; 1903 Höheschulhaus Bernstrasse Nr. 35 (A: Städt. Baudir.); 1905 Eindeckung des Stadtbachs; 1905 Gründung und 1909 Bau der Sekundarschule Bümplizstrasse Nr. 152 (A: Karl Indermühle, erw. 1925); 1909-1911 Überbauungsprojekt Schlossgut Bümpliz (A: K. Indermühle, s. unten); 1911 Fabrikneubau Rolladen- u. Storenfabrik Senn Lagerhausweg Nr. 16, 1913 Ecküberbauung mit Postgebäude Brünnen-/Keltenstrasse (A: K. Indermühle, s. unten); 1912 Mehrfamilienblock Keltenstrasse Nrn. 93-97 (A: K. Indermühle); 1918 La Centrale, Fabrik für landwirtschaftl. Maschinen (A: K. Indermühle), 1919 Aufstellung des «Dorfbrunnens» bei der Post; Geschenk der Stadt Bern anlässlich der Eingemeindung (früherer Oberer Spitalgassbrunnen mit neugotischem, achtkantigem Stock, 1846 von Steinhauer Bargetzi, Solothurn, nach Plan von Gottlieb Hebler)304, 1920 Wohnkolonie der A.G. Chocolat Tobler zwischen Wintermattweg und Winterholzstrasse, sogenannte «Thermosbauten» (A: H. Lehner, Rüdtlingen). 1920-1925 Geviert zwischen Bümpliz-, Stapfen- u. Heimstrasse (Bauunternehmer B. Clivio), 1924 evang.ref. Pfarrhaus mit Saal (A: K. Indermühle) 306, 1926 röm.-kath. Antonius-Kirche im Südquartier (A: Henry B. v. Fischer)"", 1930-1931 Stapfenackerschulhaus Brünnenstrasse Nr. 40 (A: K. Indermühle, vgl. Kap. 2.7).

    In Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmer Benjamin Clivio hat Karl Indermühle den neueren Ortscharakter von Bümpliz zwischen 1910 und 1930 am nachhaltigsten geprägt. Dem musterhaften Einfamilienhaus Peterweg Nr. 3, 1906, und dem Sekundarschulhaus, 1909 - beide in einem neuartigen, am Jugendstil geschulten Heimatstil, der im Landi-Dörfli Indermühles 1914 sich als Synthese anbot (Abb. 79, Kap. 2.7) - folgte 1909-1911 der Bebauungsplan des gleichen Architekten für das Schlossgut Bümpliz. Die im Auftrag der Heimbaugesellschaft Bümpliz projektierte Gartenstadt in offener und geschlossener Bauweise samt zentralem, altstädtischem Marktplatz hätte ebenso gezeigt, «wie schön sich der spezifische Bernerstil auf moderne Bauanlagen übertragen lässt». Zur Ausführung kam 1911-1912 lediglich der Kopfbau mit dem Postgebäude Brünnen-/Keltenstrasse (Abb. 131).

    INSA Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920
    Band 2 Basel Bellinzona, Bern
    Herausgegeben von der Gesellschaft für
    Schweizerische Kunstgeschichte 1986
    Andreas Hauser, Peter Röllin
    unter Mitarbeit von Berchtold Weber, Othmar Birkner, Werner Stutz




  • 2.1 Die Stadt der Mitte
  • 2.2 Bern in der Geologie: der Mythos in der Wissenschaft
  • 2.3 Vom alten Bern zur Kantonshauptstadtl
  • 2.4 Bern als Hauptstadt der Schweiz
  • 2.5 Der Bund als Bauherr: das Parlamentsgebäude als Nationaldenkmal
  • 2.6 Zurück zum alten Bern: Brückenbau und Münsterturm
  • 2.7 Heimatschutz und Städtebau: die getarnte Moderne
  • 2.8 Quartiere
  • 2.8.1 Altstadt
  • 2.8.2 Matte
  • 2.8.3 Marzili-Sandrain
  • 2.8.4 Mattenhof-Monbijou
  • 2.8.5 Weissenbühl-Weissenstein
  • 2.8.6 Holligen-Fischermätteli
  • 2.8.7 Länggasse
  • 2.8.8 Enge-Felsenau-Tiefenau
  • 2.8.9 Lorraine
  • 2.8.10 Wyler
  • 2.8.11 Breitenrain-Spitalacker
  • 2.8.12 Altenberg-Rabbental
  • 2.8.13 Obstberg-Schosshalde
  • 2.8.14 Kirchenfeld-Brunnadern
  • 2.8.15 Bümpliz
  • Anhang: Zeittafel


    Standbild Herzog Berchtold V. von Zähringen; Gründer der Stadt Bern. Standort: Nydegghöfli.
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