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Bern - die Hauptstadt mit Charme Bern als Pionierstadt des Sports Vereine, Bauten, Grossanlässe: Die Geschichte des Berner Sports zeigt das Bild einer fortschrittlichen Stadt «Bern ist die Pionierstadt des Sports in der Schweiz», bilanziert der Historiker Robert Barth. Der Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern hat die hiesige Sportgeschichte unter die Lupe genommen; seinen Forschungsergebnissen ist in der Berner Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die im Herbst erscheint, ein Kapitel gewidmet. Wahrscheinlich erstmals in Europa wurden in Bern an staatlichen Schulen kurz nach 1800 systematisch Leibesübungen abgehalten. Sport, das war im 19. Jahrhundert vorwiegend Turnen. In Bern konnte die im deutschen Raum verwurzelte Turnerbewegung zuerst Fuss fassen. Der erste Schweizer Turnverein wurde 1816 in Bern gegründet. Weitere Pionierleistungen sind in den darauf folgenden Jahrzehnten nachzuweisen: So entstanden hier auch die ersten städtischen und kantonalen Dachorganisationen der Turnerbewegung. Die schichtübergreifenden Turnvereine zeichneten sich durch eine stark patriotische Gesinnung aus und wurde auch für militärische Zwecke vereinnahmt. Von der staatstragenden Funktion des Turnens zeugt noch heute der Umstand, dass Turnen als einziges Schulfach vom Bundesstaat verordnet ist. Gerade der politische Aspekt war mit ein Grund für die Diversifizierung und Aufspaltung der Turnvereine um 1900. «Heraus aus den Bürgerlichen Turnvereinen» lautete die Parole in Bern während des Ersten Weltkriegs. Bereits 1911 wurde der Arbeiterturnverein Mattenhof-Holligen gegründet. Der traditionelle Turnbetrieb mit dem National- und Kunstturnen wurde zudem zunehmend als langweilig und militärisch empfunden. Jüngere Vereinsmitglieder suchten Ausgleich beim Spiel, aber auch in der Leichtathletik. Um 1915 führte der Stadtturnverein probeweise eine Spiel- und eine Leichtathletik-Riege ein. Fussballspiel über 120 Minuten Ernsthafte Konkurrenz erwuchs den Turnvereinen durch die neuen angelsächsischen Sportarten, allen voran dem Fussball. Hier zeigte sich Bern als aufgeschlossene Stadt: Während anderswo ein Kulturkampf zwischen der nationalpatriotischen Turnerbewegung und den neuen, individualistischen und emotionalen Sportarten entbrannte, formierte sich hier nur geringer Widerstand gegen die «rohen Spiele». Bereits 1896 kam es sogar zu einem Austausch der beiden Richtungen: Die Spieler des FC Berns wurden vom Mittelländischen Turnerverband für ein Demonstrationsspiel eingeladen, das nicht weniger als zwei Stunden dauern sollte. Die gegenseitige Toleranz konnte nicht verhindern, dass die Turnerbewegung gegenüber anderen Sportarten bis heute deutlich an Gewicht verlor. Berner Pioniergeist machte sich auch in Sportbauten bemerkbar: 1822 wurde unterhalb der heutigen Dalmazibrücke das erste künstliche Becken errichtet - gleichzeitig mit dem gemauerten Bad in Hofwil. In Europa stand einzig in Hamburg ein älteres Becken. Ein handfestes Problem mag laut Barth zum Bau geführt haben: Die Senkung der Zahl Ertrinkender war eines der Ziele des Schwimmunterrichts in Becken. Menschenmassen in Bern 1933 wurde die Ka-We-De-Anlage im Dählhölzli - wo fortan die Hockeyaner des SCB spielten - eingeweiht. Es war nicht nur das erste Wellenbad, neu wurden auch Sommer- und Winterbetrieb kombiniert. Überhaupt versuchte die Stadt früh mit der sportlichen Entwicklung Schritt zu halten. Während die Kapazität städtischer Sportanlagen heute oft an Grenzen stösst, schossen Anlagen nach 1900 aus dem Boden. 1925 erhielten auch die Spieler des BSC Young Boys mit dem «Wankdorf» ein modernes Stadion, dessen Platzzahl anlässlich der Fussball WM 1954 auf 63'000 erhöht wurde. Die Massen zog in Bern aber nicht nur der Fussball an: Keine andere Schweizer Stadt organisierte so viele (internationale) sportliche Grossanlässe. Zum Beispiel kamen im Rekordjahr 1948 112'000 Personen an den Automobil-«Grand Prix» beim Bremgartenwald. Die persönliche körperliche Betätigung steht noch heute bei einem anderen «Grand Prix» im Vordergrund: Das Rennen durch die Berner Altstadt ist einer der grössten Breitensportanlässe der Schweiz. Nachhinken beim Frauensport Zum nationalen Sportereignis entwickelte sich in den letzten Jahren auch der Frauenlauf Bern. Im Gegensatz zur Pionierarbeit beim Männersport, folgte Bern aber beim Frauensport «knapp der gesamtschweizerischen Entwicklung», stellt Robert Barth fest. Zwar erschien in Bern bereits 1829 eine der ersten Schriften zum «Mädchenturnen» überhaupt. Ein Damenturnverein - vorerst «Fräuleins» vorbehalten - wurde allerdings erst 1900 gegründet. Immerhin: Bereits um 1930 stellten Frauen fast die Hälfte der Mitglieder von Berner Schwimm- und Schlittschuhvereinen. Von Beginn weg akzeptiert, und nicht von den Männern getrennt, waren die Frauen in den Berner Tennisclubs. Der ursprüngliche Oberschichtensport, in Bern betrieben ab 1889, war nicht nur bei Angehörigen des diplomatischen Korps beliebt; das partnerschaftliche Spiel schien, so Barth, auch ideal für gesellschaftliche Anbändelung... www.ebund.ch Ivo Gehriger 21.02.2003
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