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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Sport: Hornussen, Platzgen, Schwingen, Steinstossen…

Hornussen, Platzgen – welch eigenartige Ausdrücke! Dabei handelt es sich nicht etwa um Insekten oder Krankheiten, sondern um sportliche Besonderheiten des Schweizer Mittellands. Hier kennt und pflegt man zahlreiche Volkssportarten.

Schwingen

Schwingen beispielsweise ist ein über Jahrhunderte in fast unveränderter Form erhalten gebliebener Wettkampfsport.

Seit dem 10. Jahrhundert von Älplern betrieben, ist Schwingen längst auch eine Disziplin von Turnern in den Dörfern und sogar in Städten geworden. Vor allem in ländlichen Gegenden gibt es kaum einen Ort ohne eigenen Schwingerverein und in keinem literarischen Werk über bäuerliches Leben (Gotthelf, Gfeller, von Tavel usw.) bleibt das Schwingen unerwähnt. Die Wettkämpfe finden zumeist im Rahmen von stimmungsvollen Schwingfesten statt. Tausende von Zuschauern fiebern jeweils – ähnlich wie Fans bei Fussballänderspielen – mit den starken Mannen in der mit Sägemehlringen ausgelegten Arena mit. Der Sieger grosser Feste wird als Schwingerkönig ausgerufen - als Preis darf er meistens ein «Muneli» (Stierkalb) entgegennehmen, was die enge Beziehung zum ländlichen Leben unterstreicht.

Wie beim Ringen begrüssen sich die Kontrahenten auch beim Schwingen mit einem kräftigen Handschlag; dies als Zeichen der Bereitschaft zu einem friedlichen Wettkampf. Zum Schwingen wird über der Sennenoder Turnerbekleidung eine Zwilchhose getragen. Am Gurt der gegnerischen Schwingerhose und am – durch Umkrempeln entstandenen – «Gstöss» wird vorerst griffgefasst; sodann gilt es, den Gegner mit Schwüngen und «Schlünggen» im Ring auf den Rücken zu legen. Vielseitigkeit, Schnelligkeit, Konzentration, Beobachtungsgabe und Geschicklichkeit (beim Täuschen des Gegners) sind dabei mindestens so wichtig wie rohe Kraft. Dass der Sieger dem Verlierer nach dem Wettkampf das Sägemehl vom Rücken klopft, ist eine Geste, die sprichwörtlich geworden ist.

Steinstossen

Steinstossen tritt nicht vereinsmässig als Sport in Erscheinung. Diese Wettkampfart wird vorab an Älpler-, Hirten- oder Schwingfesten praktiziert. Ihre Regeln sind denkbar einfach: Ein abgerundeter, oft über hundert Pfund schwerer Stein muss in die Höhe gehoben und nach einigen Schritten Anlauf so weit wie möglich weggestossen werden.

Hornussen

Eine weitere traditionelle schweizerische Sportart, die im 16. Jahrhundert aktenkundig wurde, und die unter anderem in vielen Gotthelf-Erzählungen Eingang fand, ist das Hornussen. Der schlagballähnliche Sport ist vermutlich im Bernbiet entstanden, das denn auch die Hochburg des Hornussen bildet. Kein Wunder also, dass der bisherige Rekord-»Streich» (400 Meter) auf das Konto eines Berners geht.

Gehornusst wird auf abgeernteten Feldern oder ebenen Wiesen. Seltsam klingt für Laienohren die Hornussersprache: Der «Nouss» (eine zirka sechs Zentimeter grosse und drei Zentimeter dicke, Eishockey- Puck-ähnliche Hartgummischeibe) wird mit Lehm auf dem «Bock» (Abschlagrampe) festgedrückt. Nun gilt es, den Nouss mit dem «Träf» (an einer rund zwei Meter langen biegsamen Rute befestigter Holzkopf) möglichst weit über das «Ries» (Spielfeld) zu schlagen; gute Schläger vermögen ihn bis zu 300 Stundenkilometer zu beschleunigen! An den «Abtuern» (im Ries aufgestellte gegnerische Mannschaft) ist es sodann, mit ihren vier Kilogramm schweren «Schindeln» (grosse, trapezförmige, an Stielen befestigte Holzbretter) den Nouss abzufangen.

Die Wettkämpfe werden oft in Form von Hornusserfesten – verbunden mit folkloristischen Auftritten und geselligem Zusammensein – organisiert. Der Name des recht gefährlich aussehenden Spiels dürfte ursprünglich, des entstehenden summenden Geräuschs wegen, vom Insekt Hornisse abgeleitet worden sein.

Platzgen

Das Platzgen kennt man praktisch nur im Kanton Bern. Alljährlich finden hier kantonale Ausscheidungen statt. Bei den Wettkämpfen geht es darum, die Platzge – eine 500 Gramm bis 1,5 Kilogramm grosse, sternförmige Eisenplatte – möglichst mitten in die in einem 17 Meter langen, konisch angelegten Spielfeld liegende Zielfläche aus Lehm zu werfen; in dieser Zielfläche steckt eine Eisenstange, an welcher die Platzge abprallen kann und je nach Wurf mehr oder weniger weit vom Mittelpunkt entfernt liegenbleibt.

(National-)Turnen

Einen grossen Stellenwert nehmen – vor allem in ländlichen Gegenden – die Turnvereine ein. Zumeist werden verschiedene Riegen geführt; je nach Neigung üben die Mitglieder einen Leistungssport oder sportliches Fitnessturnen aus. Eine besondere Spezialität stellt das aus einem Mehrkampf (Hoch-/Weitsprung, Freiübungen, Steinheben, Steinstossen, 100-m-Lauf, Ringen, Schwingen) bestehende Nationalturnen dar. Viele Turnvereine zeigen ihr Können alljährlich an regionalen, kantonalen oder gar eidgenössischen Turnfesten. Die einheimische Bevölkerung erfreut sich im Winter oft an «Turnerchränzli» genannten Unterhaltungsabenden.

Schiessen

Vor rund 700 Jahren soll der Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell mit einer Armbrust den tyrannischen Landvogt Gessler erschossen haben. Heute wird diese Waffe friedlicher eingesetzt: Armbrustschiessen gilt, ebenso wie Bogen-, Pistolen-, Gewehr- und Kleinkaliberschiessen, als Wettkampfsport. Am weitesten verbreitet ist das Schiessen in den 300-Meter-Schiessständen – in beinahe jedem Dorf ist ein Schützenhaus auszumachen. Die Schützen messen sich regelmässig miteinander, auch sie nennen ihre Wettkämpfe seit eh und je «Feste». Viele Schützenfeste haben traditionellen Charakter; sie sind mit Gedenkfeiern verbunden und erinnern oft an frühere kriegerische Auseinandersetzungen. Die Schützenvereine gehören in der ganzen Schweiz zu den mitgliederstärksten Vereinen. Das kommt daher, dass militärpflichtige Schweizer verpflichtet sind, mit ihrer persönlichen Dienstwaffe das sogenannte Bundesprogramm zu absolvieren. Das «Obligatorische», wie es im Volksmund heisst, besteht aus 36 Schüssen auf 300 Meter entfernte, rund ein Meter grosse Zielscheiben. Am gesamtschweizerisch grössten Sportanlass, dem dezentral durchgeführten Feldschiessen, nehmen alljährlich am letzten Maiwochenende Tausende von Teilnehmern und immerhin einige Dutzend Teilnehmerinnen teil.

Pferderennen

Nationalen Bekanntheitsgrad geniessen die jeweils von rund 10'000 Zuschauern besuchten Schwarzenburger Bauernpferderennen, die am ersten Oktoberwochenende ausgetragen werden. Besonderes Interesse wird dort jenen Rennen entgegengebracht, welche die Reiter ohne Sattel zu bestreiten haben. Viel Spannung kommt auch bei den traditionellen bäuerlichen Wagenrennen auf.

Weitere sportliche Aktivitäten

Einen grossen Aufschwung haben während der letzten Jahre Volksläufe und Volksskiläufe (Langlauf) erlebt.

Diese Sportveranstaltungen sprechen Leute jeden Alters an – mitmachen und durchhalten ist hier wichtiger als siegen. Jeder Teilnehmer kehrt in der Regel mit einer Medaille heim. Bei Männern, die sich selbst ihre Härte beweisen wollen, sind Waffenläufe gefragte Anlässe. Sie bestehen aus Läufen von etwa 20 bis 42 Kilometer Länge, die in Armee-Uniform und hohem Schuhwerk mit bepacktem Rucksack sowie dem Gewehr zu bestreiten sind. Der bekannteste Waffenlauf der Region ist der im Mai stattfindende «Hans-Roth-Waffenlauf» (Wiedlisbach-Solothurn). Eine Schweizer Spezialität ist auch das Wasserfahren – allein rund um Bern liegen am Aareufer mehr als ein Dutzend Clubhäuser, vor denen sich an Sommerabenden junge und alte Pontoniere auf ihre harten Wettkämpfe vorbereiten. Die Sportler steuern ihre Boote im reissenden Wasser geschickt durch einen ausgeflaggten Parcours kehren anschliessend dem Ufer entlang zum Startort zurück.

Neben diesen sportlichen Spezialitäten gibt es natürlich eine grosse Zahl von Einrichtungen, welche Einzelsportlern wie auch Mannschaften die Ausübung der heute allerorts üblichen Sportarten wie Fussball, Handball, Volleyball, Eislaufen, Curling, Eishockey, Tennis, Schwimmen, Orientierungslauf, Reiten, Radfahren usw. ermöglichen.

www.smit.ch


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