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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Der Stadtbach

Stadtbach
1 Der aus dem Wangental kommende und künstlich in die Altstadt geleitete Stadtbach wird schon im 13 Jh. im Zusammenhang mit der Stettmühle erwähnt. Bis heute werden mit Teilen des Stadtbach die Ehgräben gespült. Der östlichste Teil des Stadtbach diente der Schutzmühle, die vermutlich mit der erwähnten Stettmühle identisch ist.
2 Name des Quartiers nördlich der Laupenstrasse, wo der Stadtbach seit alters unter Einhaltung eines minimalen Gefälles ostwärts gegen die Stadt geführt wird.

Lit.: A. Kurz, Geschichte und Rechtsverhältnisse des Stadtbachs von Bern, Bern 1863

Berchtold Weber: Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern



  • Der Stadtbach von Bern
  • Der Stadtbach
  • Abbildungen
  • Holligen Einst und Jetzt
  • Vom alten Bern
  • Die Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung
  • Abwasserentsorgung bis Mitte des 19. Jahrhunderts
  • Die Abwasserentsorgung in der Stadt Bern 1850-1900
  • Die Berner Brunnen



    Der Stadtbach von Bern

    Er entspringt geheimnisvoll unter einem Weidenbusch in einem Acker im Landshubel auf Neuenegger Gemeindegebiet, bei der Wasserscheide der Sense. Zuerst als kleines Rinnsal. Als Eichholzbächlein fliesst er gegen Thörishaus und wird dort nach dem Zusammenfluss mit dem Oberwangenbächlein zum Stadtbach. Bei der SBB-Station Thörishaus fliesst der Stadtbach zwischen Autobahn und Eisenbahn eingezwängt, offen kanalisiert. Es fliessen weitere 13 Bächlein in den Stadtbach. Er diente zur Entsumpfung des Wangentals und die Stadt Bern hat seit eh die Rechte am Stadtbach für sich reklamiert. Seit dem 16. Jahrhundert war der Stadtbach ein Zankapfel. Das Wangental wollte nämlich die Nutzung nicht alleine der Stadt überlassen.

    Der Stadtbach war früher ebenso prägend für die Berner-Altstadt wie das Münster. Er floss mitten durch die Gassen. Einem Büchlein über den Stadtbach von Bern ist zu entnehmen, dass der Stadtbach 4 Mühlen betrieb.

    Seit der Stadtbach im vorletzten Jahrhundert nach und nach zugedeckt wurde, fliesst er vergessen und fast gänzlich eingedollt von Bümpliz Richtung Hauptbahnhof, durch die Spitalgasse, bis zur Nydeggbrücke in die Aare.

    Nicht mehr sichtbar war der Stadtbach im Bernergebiet auf einer Strecke von 5,4 km.
    Als offenes Gewässer darf er zur Zeit noch 2,6 km fliessen.
    Beim Inselspital entschwindet er für immer dem Tageslicht.
    Auch die Einmündung in die Aare bei der Nideckbrücke verläuft unterirdisch.

    Es ist heute nur noch wenigen bekannt, wo der Stadtbach unter Berns Gassen geschleust wird.

    Im Jahr 1921 wurde der Stadtbach in der Kram- und Gerechtigkeitsgasse in Zementröhren eingefasst und überdeckt.

    Wer heute den Stadtbach auf dem Stadtgebiet sehen will, muss schon nach Bümpliz fahren. Bei der Autobahnausfahrt Niederwangen fliesst er dem Serum- und Impfinstitut und der Silhouette der Kleefeld-Ost-Ueberbauung zu.

    Zur Freude der Touristen und Einheimischen wird der Stadtbach in der Kram- und der Gerechtigkeitsgasse zum Teil wieder sichtbar sein.

    Doch der Stadtbach ist in der Geschichte nie als Bachidyll erwähnt.

    In der Geschichte über die Rechtsverhältnisse wird behauptet, die Interessen der Stadt Bern und der Anwohner des Stadtbachs hätten von Anfang an auf merkwürdige Weise übereingestimmt.

    Deshalb, weil der Stadtbach nämlich wesentlich für die Entsumpfung der Möser, in der unmittelbaren Umgebung der Stadt, zu Bümpliz, im Wangental und zu Bottigen entstanden sei.

    Einzelne Bewohner wehrten sich gegen den Rechtsanspruch. Der Zank zwischen Land und Stadt hat im 16. Jahrhundert begonnen und dauerte bis ins Jahr 1977.

    Um ihr Recht durchzusetzen, erliess die Stadt bereits im Jahr 1315 die erste gesetzliche Vorschrift:
    «Wer dem Bach nachts oder tags unrechtes tue der soll der Stadt 1 Pfund, dem Schultheiss 10 Schillinge und dem Bachmeister 5 Schillingen bezahlen.» Die Tarife wurden erhöht und im Jahr 1654 wollte der Rat für Bachverschmutzung, oder Wasserdiebstahl eine Busse von 100 Pfund.

    Die Bachanstösser durften also nicht selber entscheiden, ob sie aus dem Bach Wasser nehmen oder reinschütten durften.

    Dem Bach durfte kein Wasser entnommen werden.
    Schon damals durfte man nicht ohne Bewilligung der Stadt nach Brunnen oder neuen Quellen bohren.

    Heute ist die Situation anders.
    Man hat erkannt, dass der Bach zuviel Wasser bringt und es zu Ueberschwemmungen führen könnte. Die Stadt hat auf ihre Rechte verzichtet. Ein Gesetz gibt es neu: Man darf dem Bach kein zusätzliches Wasser zuführen. Oberflächenwasser muss, dort wo es möglich ist, zum Versickern gebracht werden.

    Warum die Stadt so sehr auf das Wasser pochte, ist heute Geschichte. Wir wissen jedoch, dass es enorme Wassermengen brauchte, um die Stadt- und Schutzmühlen zu betreiben. Die Gerber brauchten ebenfalls viel Wasser um ihre Felle und Tierhäute im Bach zu schwenken.

    Die Mühlen werden in der Stadtrechnung ca. 58 Jahre nach der Stadtgründung (1191), also 1249 erstmals erwähnt.

    Die Berner benutzten das Bachwasser nie als Trinkwasser, da der Bach zu allen Zeiten als unrein galt.

    Das Trinkwasser besorgten sich die Berner aus den Sodbrunnen und den Stadtbrunnen. Das erste Hochdrucknetz wurde im Jahr 1869 in Betrieb genommen.

    Die Eigentümlichkeit des Baches ist längst vorbei.

    Nur eine Aufgabe ist dem Bach geblieben:
    Die Kanalisation der Altstadt wird mit seinem Wasser durchspült.

    Peter Trüssel Bern
    14.10.2005




    Der Stadtbach

    Einziger natürlicher Zufluss im Stadtgebiet ist der bei Köniz entspringende, im Marzili-Flussknie einmündende Sulgenbach. Wohl schon zur Gründungszeit als Stadtbach künstlich ins Weichbild abgelenkt wurde dessen Zufluss aus Nordwesten, der Wasserlauf aus dem Wangental.

    Der Stadtbach wurde bereits um 1200 in der Nähe des heutigen Loryplatzes umgeleitet und über die Halbinsel geführt – wobei das System sich unterwegs verzweigte: Der Stadtbach floss nicht nur die Hauptgasse hinab, auch in den Nebengassen befanden sich Kanäle. Diese versorgten die junge Stadt mit Brauchwasser für Tiertränke, Wäsche und bei Bränden mit Löschwasser.

    Der Stadtbach diente nicht als Abwasserkanal, dafür existierten weitere Kanäle. Allerdings spielte er eine grosse Rolle im Abwasserentsorgungssystem der Nebengassen: Auf der Rückseite der Häuser angelegte Ehgräben - auch Kloaken oder Abzugsgräben genannt - führten Abfälle und Abwässer aus der Stadt in die Aare, indem sie regelmässig mit Stadtbachwasser gespült wurden (siehe Kanalisationsgraben Brunngasse).

    Entgegen weitverbreiterter Meinung wurden die Brunnen mit dem Trinkwasser nicht aus dem Stadtbach gespeist, sondern über Holzrohre, die oft geflickt werden mussten.

    Der Stadtbach war im Mittelalter mit Holz gefasst, und erst im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Konstruktion durch Sandsteinmauern ersetzt. In den 1940er-Jahren wurde er in ein Betonrohr verlegt.

    Im Bereich der Hauptgassen standen über dem Stadtbach verschiedene Marktläden und Verkaufsstände, Lauben, Schalen und Bänke genannt, in denen die Bäcker, Metzger, Fischer und Gerber ihre Produkte verkauften.

    Verschiedene Quellen. Die meisten Aussagen stammen von Herrn Dr. Armand Baeriswyl vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern im Zusammenhang mit der Sanierung der Kram- und Gerechtigkeitsgasse 2004/2005.


    Bern Stadtbach

    Bern Stadtbach

    Bern Stadtbach
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