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Bern - die Hauptstadt mit Charme Sternwarte Sternwarte 1) Observatorium 2) Astronomisches Institut 3) In den Siebzigerjahren des 19. Jh. eröffnete Wirtschaft an der 4) Engehof Observatorium, Sternwarte Sidlerstrasse 5. 1812 Bau eines hölzernen Beobachtungskabinetts auf der Bastion Hohliebe. Es wurde 1821/22 durch das tellurische Observatorium ersetzt, das bei der Schleifung der Schanzen 1834 nur knapp gerettet werden konnte. 1876/77 wird das Terrain um ca. 7 m abgetragen und das physikalische Institut neu erbaut. Die Sternwarte war eine Nachbildung der «Urania» (Engehof). 1959 fällt auch dieses Institut (im Volksmund Wetterhorn genannt), der Rest der Bastion wird ausgeebnet und es entsteht bis 1963 das Albert Einstein-Ludwig Schläfli-Institut für Exakte Wissenschaften, dessen Ausbau nach Süden und Osten aus den Jahren 1972/74 datiert. Astronomisches Institut Muesmattstrasse 25. Da die zunehmende Beleuchtung der Stadt die Beobachtungen im Observatorium auf der Grossen Schanze erschwerte, wurde in den Jahren 1922/23 die Sternwarte an der Muesmattstrasse erbaut, die ihrerseits durch die 1959 errichtete Station von Zimmerwald an Bedeutung verlor. Engehof Ca. 1865 erbautes Landhaus, das vor 1878 Engewald hiess. Nach Abbruch des Hauses Belmont 1) bekam es im 20. Jh. dessen Namen. Im Garten des Vorgängerbaus wurde gegen Ende des 18. Jh. die erste Sternwarte der Schweiz, «Urania», errichtet (Observatorium). Standort: Reichenbachstrasse 8; Urania: Reichenbachstrasse 12 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Science, Fiction und Fun mit Berns alten Sternwarten Alles ist in der Astronomie der alten Berner Universität schon dagewesen: Die Science in den Observatorien auf der Grossen Schanze und die Fiction mit den Weltuntergangs-Prognosen rund um die Schauspiele am Sternenhimmel. Das breite Publikum hatte Fun mit einer Sternwarte, die als Sehenswürdigkeit und Aussichtspunkt brillierte. Samstagnachmittag, den 4. August 1877, traf der brasilianische Kaiser Don Pedro II. mit Gemahlin auf seiner rastlosen Europatournee in der Bundesstadt ein. Vom Bahnhof fuhr «der grosse stattliche Herr» direkt ins Physikalische Institut der alten Hochschule. Der Kaiser verweilte über zwei Stunden bei Professor Aimé Forster und seinen vorbereiteten Versuchen zu neuen Entdeckungen. Damit nicht genug: am folgenden «Sonntag um sechs Uhr des Morgens» besuchte der wissensdurstige Regent den Neubau des Tellurischen Observatoriums auf der Grossen Schanze: «er liess sich in detaillierter Weise die Pläne erklären und erkletterte, trotzdem die Arbeiten an der Kuppel dies erschwerten, den hohen viereckigen Thurm des Gebäudes». Der Besuch war ein besonderer Genuss fürs Volk. Das Kaiserpaar wurde «auf Schritt und Tritt verfolgt» und «übers Mass des Anständigen hinaus» von den Medien belagert. Und dem Berner Publikum wurde so recht vor Augen geführt, welche Köstlichkeit es an seiner eben neu erbauten «Sternwarte» besass. Die 1877 an Stelle der alten Sternwarte erbaute Einrichtung war allerdings kein Ort zum wissenschaftlichen Sterngucken, sondern ein Observatorium für meteorologische und geophysikalische Forschungen. Bereits die Vorgängerin, die alte, 1822 erbaute Warte hatte nur bedingt zum vergnüglich-exotischen Blick in die Sterne getaugt. Zum einen war es keine Volkseinrichtung, wie sie etwa die 1907 in Zürich eröffnete Volks-Sternwarte «Urania» darstellte, die dem Publikum «die Wunder des gestirnten Himmels sichtbar» machte. Zum andern hatte der damalige Prof. Friedrich J. Trechsel die acht oberen Öffnungen des Turmes «auf eine originelle Weise» dazu benützt, in jedes Fenster eine Sternkarte aus schwarzem Papier anzubringen, «auf der durch Durchlochung» die Sterne «eines entsprechenden Teils des Himmels dargestellt» waren. So konnten sich die im verdunkelten Innern weilenden «Liebhaber und Schüler mit den Sternbildern auf eine bequeme Weise vertraut» machen. Allerschönste Promenade und herrliche Aussicht Wenn auch im Innern kaum ein natürlicher Blick zum Himmel möglich war, so hatte das Publikum rund um das astronomische Gebäude immerhin einen Aussichtspunkt auf höchster Warte. Als nämlich die Schanzen abgetragen wurden, liess man das Observatorium undemoliert, da es als unentbehrlicher Nullpunkt-Ort der Triangulation weiterleben sollte. Die Sternwarte thronte, nach dem Abgraben auf allen Seiten, auf einem eigenen steilen Hügel. Der Ort war allerdings durch Palisaden nicht eben volksfreundlich gesichert. 1844 aber hatte die Obrigkeit ein Einsehen. Der bernische Regierungsrat gönnte der Berner Bevölkerung den «Genuss der schönen Aussicht von der Sternwarte aus wohl» und entschied, dass «auf dem obersten, mit Pallisaden umgebenen Theile des Observatoriums das Thor ausgehängt werden soll, um so dem ganzen Publikum die herrliche Aussicht von dort geniessbar zu machen». Nach einigem Geplänkel wurde dem Landjäger beim Aarbergertor der Schlüssel der Umfriedung ausgehändigt, damit er das eingezonte Sternwarte-Areal morgens öffne und abends abschliesse. «Die Promenade auf der grossen Schanze ist unbestreitbar eine der allerschönsten weit und breit in ganz Europa», schwärmten nun die Bernerinnen und Berner. Beklagt wurden allerdings mangelnde Sitzgelegenheiten. «Ein Freund des Schönen und Bequemen» machte 1855 seinem Ärger in einem Leserbrief Luft. Er kritisierte, dass bloss «eine einzige Bank von hartem Granitstein» existiere, «welche ein boshafter Geist dahin that», um das Sitzen zu verleiden. Zwar gäbe es hoch oben am Observatorium noch Bänke, die seien aber für ältere Leute nur mühsam zu erreichen. «Die alten schönen Berge» aber würden sich gerne Hunderte anschauen. Aus Mangel an Sitzbänken verwünsche man diesen schönen Ort, «weil es sich eben nicht wohl schickt, weder für den Frack noch für das Shawl, am Strassenbord abzusitzen». Geklagt wurde auch über Vandalismus. Was heute Botellón und Haschnebel sind, waren um die Wende zum 20. Jahrhunderts die Streiche der «Nachtbuben, welche jahraus jahrein die vordere Länggasse belästigten». Sie hätten nicht nur die Zierbäumchen geköpft und verstümmelt, sondern mit einem quer über die Strasse gespannten Draht eine «directe Gefährdung der Fussgänger» geschaffen. Die mäandrierenden Wege im Naherholungsgebiet Grosse Schanze luden auch zu lockeren Bummeleien und romantischen Spaziergängen ein. Da konnte man gar – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn – sein Herz verlieren. Die Folgen zeigten sich in der Zeitung, manchmal als Heiratsanzeige, manchmal auch, wie im März 1881, in Form einer Annonce: «Verloren ... goldenes Herzchen mit Haararbeit und einem kleinen Bären». Schaurig-schönes Schauspiel und Weltuntergangs-Stimmung Beim Flanieren wurde zweifellos auch mancher Blick in die Sterne geworfen, vor allem in Nächten, in denen Sternschnuppen zum abergläubischen Wünschen einluden. Auf diese Himmelsspektakel wiesen die Tageszeitungen gerne hin. Im August 1877 etwa forderte die Tagespost dazu auf, «das schöne Schauspiel ... glänzender Meteore, Sternschnuppen, untermischt mit einzelnen Feuerkugeln» zu geniessen. Fünf Jahre zuvor hatte die Berner Tageszeitung «Bund» die damals zu beobachtende grosse Zahl von Meteoren dem Publikum wissenschaftlich zu erklären versucht: «Man nimmt an, dass zu dieser Zeit die Bahn der in Schwärmen durch die Planetenbahnen ziehenden kleinen Himmelskörper von der Erdbahn durchschnitten werde, so dass jene uns als leuchtende und gleichsam fallende Sterne zu Gesicht kommen.» Der prächtige Feuerregen vom November 1872 hielt sich noch eine Weile in den Zeitungen, die über das merkwürdige Zusammentreffen zwischen dem erwarteten Kometen «Biela» und den Sternschwärmen rätselten. Diese Verbindung konnte damals nicht vollkommen erklärt werden, wenn auch bereits die Schnuppen als Teilchen des sich auflösenden Kometen interpretiert wurden. Das Volk interessierte sich vornehmlich für den nach Freiherr von Biela benannten Himmelskörper. Zum einen hielt man generell Kometen mit ihren Giftgas-Schweifen für Unglücksbringer, zum anderen fürchtete man einen Zusammenprall des Kometen mit der Erde. Die Zeitungslektüre war nicht gerade dazu angetan, die Leute restlos zu beruhigen, hiess es doch, dass die Erde mit dem Kometen «Biela» kreuzen werde, und dass kugelförmige Kometenkörper sich auszudehnen pflegten. So stand im Raum, dass die Erde «in den Umfang des Kometen selbst hineingerathen könne». «In Folge des Bekanntwerdens dieser Resultate», konstatierte das «Berner Intelligenzblatt» Mitte Dezember 1872, «verbreitete sich blitzschnell durch Europa die Kunde von dem bevorstehenden Zusammenstosse mit dem Kometen und dem selbstverständlichen Untergange der Erde.» Die Astronomen hatten gut reden, dass keine Gefahr bestehe und der Zeitungsjournalist dozierte: «Die Furcht steht über allen Naturgesetzen, sie ist schöpferisch wie keiner der Götter, ja diese sind selbst ihre Geschöpfe.» Selbstgefällig meinte die Zeitung schliesslich: «Doch auch diesmal, wie immer, hatte die Wissenschaft Recht und die Menge Unrecht.» Auch den nach Edmond Halley benannten «Halleyschen Kometen» fürchtete das Publikum im selben Masse wie es das Schauspiel genoss. Der hochaktive, lichtstarke «Halley», der im Mittel alle 76 Jahre wiederkehrt, erreichte nach 1835 im Jahre 1910 wieder einmal seine grösste Erdnähe. Zehntausende wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Und «einmal mehr wurden ... jene ins Unrecht versetzt, die den Weltuntergang vorausgesagt hatten». Heute fürchten sich Leute vor dem Teilchenbeschleuniger am CERN, der ihrer Meinung nach ein schwarzes, die Erde verschligendes Loch erzeugen wird. Früher wurden Menschen von auffallenden Himmels-Ereignissen, die sie als Künder wahrnahmen, in Panik versetzt. Nicht nur beim «Stern von Bethlehem» oder den «Tränen des Laurentius» (zur Zeit seines Foltertods im Jahr 258 wurden viele Sternschnuppen beobachtet) wurde – und wird – die Koinzidenz von wichtigem Ereignis und auffallender Himmelserscheinung konstruiert. Der Spott allerdings war den abergläubischen Untergangspropheten stets gewiss – nachdem nichts passiert war. Auf die zweifache Erscheinung von Sternschnuppen und Komet anspielend hatte etwa das «Intelligenzblatt» 1872 maliziös gewitzelt: Wäre das Publikum auf das zweite Ereignis früher aufmerksam gemacht worden, so hätte ein weiterer «Weltuntergang» nicht ausbleiben können. Aber «zwei Weltuntergänge in einem Jahre kann man doch Gott in seinem grössten Zorne nicht zumuthen!» Dr. Franziska Rogger, Universitätsarchiv Weltraumforschung UniPress 140/2009 Zwei Jahrhunderte zwischen Himmel und Erde Die erste Sternwarte Berns wurde 1812 auf der Grossen Schanze errichtet und hatte eine grosse Bedeutung für die Landesvermessung der Schweiz. Ein Streifzug durch die Geschichte der Astronomie in Bern zeigt, dass der Blick in die Sterne nicht immer selbstverständlich war. Im Jahre 1785 übernahm Johann Georg Tralles (1763–1822) von Hamburg die Professur der mathematischen, physikalischen und astronomischen Wissenschaften an der Berner Akademie. Ihm wurde ein Kabinett auf dem Kirchhof des grossen Münsters für astronomische Beobachtungen zur Verfügung gestellt. Offenbar gab es auch einen Gartenpavillon, «Pavillon Küpfer» genannt, der sich auf dem Areal «Engehof» an der Reichenbachstrasse 8 (heutiges Rossfeld-Quartier) befand und der bereits im Stadtplan von 1797 eingezeichnet ist. Er wurde auf den Plänen allgemein mit «Sternwarte» bezeichnet und für Vermessungszwecke als trigonometrischer Punkt verwendet. Ab 1792 begann Tralles mit seinen Vorbereitungen zu einer genauen und umfassenden Vermessung des Kantons Bern. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Tralles im Zuge seiner trigonometrischen Vermessungen bereits an eine astronomisch-geodätische Landesvermessung der Schweiz dachte. 1798/99 nahm Tralles im Auftrag der helvetischen Regierung an der internationalen Meterkonferenz in Paris teil. Reibereien mit den Behörden führten Tralles schliesslich zur Einsicht, dass er in Bern nicht die seinen Fähigkeiten und Plänen entsprechende Anerkennung und Zustimmung fand. Er verliess Bern 1803 voller Verbitterung. Als 1805 die Bernische Akademie neu eingerichtet wurde, erhielt Johann Friedrich Trechsel (1776–1849) von Burgdorf den Lehrstuhl für Mathematik, wozu 1812 noch jener für Physik hinzu kam. Trechsel hatte bei Tralles studiert und wurde am 22. Mai 1798 ordiniert. Er leitete zwischen 1812 und 1819 das Nivellement für die Juragewässer-Korrektion. Eine der bedeutendsten geodätischen Arbeiten Trechsels betrifft ebenfalls die trigonometrische Vermessung (so genannte Triangulation) des Kantons Bern. Diese und jene von den französischen Ingenieurgeographen durchgeführten topographischen Arbeiten zeigten Trechsel die Notwendigkeit eines zentralen astronomischen Observatoriums. Am 29. August 1812 berichtete er, dass sich der höchste Punkt auf der Schanze gut für ein Observatorium eignen würde. Noch im selben Jahr wurde an diesem Ort, auf der so genannten Bastion Hohliebi, ein provisorisches «Observatorium» gebaut. In der hölzernen Baracke wurde ein grosser Theodolit (Winkelmessinstrument) als Passageninstrument aufgestellt. Sämtliche darauffolgenden astronomisch-geodätischen Messungen bezogen sich auf diesen Punkt, der während der weiteren Ausbauphasen der Sternwarte stets beibehalten wurde. Die Gründung der «alten Sternwarte Bern» geht somit auf das Jahr 1812 zurück und entsprang der Initiative Trechsels. Die alte Sternwarte Bern Am 10. Juni 1820 beantragte Trechsel bei der Regierung den Bau eines festen Observatoriums, das am 10. Juli 1822 eröffnet werden konnte. Das Gebäude wurde am Ort des Provisoriums errichtet, wobei darauf geachtet wurde, dass der Referenzpunkt von 1812 erhalten blieb. Anlässlich der Demolierung der «Schanze» sollte auch die Bastion fallen, auf der sich die Sternwarte befand. Wilhelm Heinrich Dufour (1787–1875), der die Berner Sternwarte als Nullpunkt der schweizerischen Triangulation gewählt hatte, wehrte sich vehement gegen diese Absicht und erhielt von der Berner Regierung die Zusicherung, dass das Observatorium möglichst erhalten bleiben sollte. Der Sternwarten-Hügel wurde 1841 aufgrund der Intervention von Trechsel neu angelegt und bepflanzt. Am 25. April 1847 wurde Johann Rudolf Wolf (1816–1893) aus Fällanden (ZH) Direktor der Sternwarte. Als er diese übernahm, war er bestrebt, eine zweckmässigere Einrichtung zu erreichen, was ihm trotz Widerstand der Behörde gelang. Schon bald nach ersten, kleineren baulichen Erweiterungen wurde 1853/54 eine grössere nötig, ausgelöst durch die Einrichtung des schweizerischen Telegraphennetzes. Die Sternwarte Bern wurde dazu ausersehen, die Normalzeit für sämtliche Telegraphenstationen der Schweiz herauszugeben. Zur Sendung und zum Empfang von Telegrammen mit genauen Zeitangaben waren präzise (astronomische) Zeitbestimmungen nötig. Um das zu diesem Zweck angekaufte Meridian-Instrument unterbringen zu können, musste das Gebäude vergrössert werden. Im Frühjahr 1854 wurde das Instrument aufgestellt. Die Sternwarte erhielt seitlich am Gebäude einen Turm mit Drehkuppel, bestückt mit einem Fraunhofer-Teleskop mit 78 mm Linsendurchmesser. Mit Wolf erhielt die Sternwarte Bern internationale Bedeutung. Nach dem Abgang von Wolf 1855 wechselte die Sternwarte mehrmals die Leitung und wurde sukzessive in eine meteorologische Zentralanstalt umfunktioniert, insbesondere durch Initiative von Heinrich Wild (1833–1902), Professor für Physik und Astronomie. Unter ihm erfuhr die Sternwarte 1861 ihre dritte und grösste bauliche Erweiterung, damit Wild seine selbstregistrierenden meteorologischen und geophysikalischen Instrumente aufstellen konnte. Damit schaffte er die Grundlage zu dem 1863 realisierten meteorologischen Beobachtungsnetz der Schweiz. Als Direktor der eidgenössischen Normaleichstätte führte er bis 1867 die Reform der schweizerischen Ur-Masse durch. 1868 wurde er als Direktor des physikalischen Zentral-Observatoriums nach St. Petersburg berufen. Dies bedeutete das Ende der «alten Sternwarte» als astronomisches Observatorium. Sie diente bloss noch der meteorologischen Beobachtung und wurde schliesslich unter der Direktion des Professors für Physik, Aimé Forster, in ein geophysikalisches Observatorium umgewandelt. Die «alte Sternwarte» wurde 1876 auf Veranlassung Forsters abgerissen und an ihrer Stelle ein tellurisches Observatorium erstellt. Äusserst bemerkenswert ist die Tatsache, dass Wolf von Zürich aus dafür sorgte, dass beim Abriss und Neuaufbau wenigstens der ursprüngliche Nullpunkt erhalten und gesichert wurde. Das tellurische Observatorium Im tellurischen Observatorium wurde der Astronomie nur noch ein Nebenplatz eingeräumt. Das tellurische Observatorium hat in der Folge als geophysikalisches Institut nie eine bedeutende Rolle gespielt, da die für ein Forschungsprogramm notwendigen seismographischen und erdmagnetischen Messungen wegen der ungeeigneten, verkehrsreichen Lage langfristig nicht zufriedenstellend durchgeführt werden konnten. Forster leitete das Observatorium dennoch bis zu seinem Tode 1926. Die beobachtende Astronomie war von 1876 an für mehr als vier Jahrzehnte nicht mehr als eigenständiges Forschungs- und Lehrfach an der Hochschule vertreten, wurde der Mathematik unterstellt und zwischen 1880 und 1921 «nur» noch als theoretische Disziplin von Georg Joseph Sidler und Gottlieb Huber gelehrt. Diese gaben aber mit ihren Vorlesungen über Himmelsmechanik, Störungstheorie und Bahnbestimmung während dieser rein theoretischen Epoche der Astronomie in Bern einen wegweisenden neuen Impuls. Der desolate Zustand der Astronomie im tellurischen Observatorium sowie Platznot und das Bedürfnis, sämtliche exakten Wissenschaften in einem einzigen Gebäude zu vereinen, führten zum Entschluss, das hübsche Gebäude 1958 abzureissen und ein neues, modernes Institutsgebäude zu errichten, das im Sommer 1961 bezugsbereit war und in dem auch das Astronomische Institut seinen heutigen Platz fand. Das tellurische Observatorium wurde im Volksmund noch lange Zeit (irrtümlich) als «alte Sternwarte» bezeichnet. Das Astronomische Institut Seit 1910 bemühte sich Sigmund Mauderli (1876–1962) um den Bau einer neuen Berner Sternwarte, die auch ein eigenes Astronomisches Institut beherbergen sollte, denn er war bestrebt, die beobachtende Astronomie in Bern wieder einzuführen. Im Jahre 1918 wurde er ausserordentlicher, 1921 ordentlicher Professor für Astronomie. Am 25. November 1922 hatte er endlich sein Ziel erreicht. Es ist dies das «Geburtsdatum» des Astronomischen Instituts der Universität Bern, dessen «Wiege» sich in einer nach Mauderlis Vorstellungen und Plänen errichteten Sternwarte an der Muesmattstrasse 25 befand. Das Gebäude wird heute noch als öffentliche Sternwarte genutzt. Zu Beginn der 1930er Jahre konzentrierte sich die Arbeit immer mehr auf die Bahnbestimmung von Kleinplaneten. Ein Gross-Ereignis und Höhepunkt in der Karriere Mauderlis war sicher die vom 23. bis 27. Juli 1935 in Bern durchgeführte Versammlung der Internationalen Astronomischen Gesellschaft IAU. Mauderli trat 1946 in den Ruhestand. Im Wintersemester 1937/38 wurde Max Schürer (1910–1997) von Wien nach seinen Studien in Bern und Berlin zum ordentlichen Assistenten ernannt. Er übernahm 1946 als ordentlicher Professor die Leitung des Astronomischen Instituts. Seine Pionierarbeit beruhte auf der frühen Erkenntnis, dass künstliche Erdsatelliten für die Erdvermessung und Erdpotentialbestimmung eine wichtige Rolle spielen würden. Er erkannte die Notwendigkeit einer astronomischen Beobachtungsstation ausserhalb der Stadt, da die Lichtverschmutzung schon damals kaum mehr Beobachtungen zu Forschungszwecken in der Stadt zuliess. Er plante und verwirklichte die neue Sternwarte in Zimmerwald, rund 10 Kilometer südlich von Bern auf dem Längenberg in einer Höhe von etwa 900 Metern ü.M. Sie wurde 1955/56 erbaut, und im Frühjahr 1956 konnten bereits die ersten fotografischen Beobachtungen gemacht werden. Dr. Andreas Verdun, Astronomisches Institut www.aiub.unibe.ch 50 Jahre Sternwarte UniPress 130/2006
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