|
g26.ch HOME EVENTS MUSEEN GALERIEN BIOGRAPHIEN G26.CH NEWS BLACKBOARD BERN INFO KUNST |
Bern - die Hauptstadt mit Charme Tierpark Dählhölzli Tierpark Dählhölzli In den Jahren 1936/37 angelegter Tierpark als Ersatz für den Hirschenpark. Die erforderlichen Mittel von fast 1 Mio. Fr. können z.T. dem 1900 errichteten Legat von William Gabus, Le Locle, entnommen werden. Seit 1947 wird der Tierpark Dählhölzli immer weiter ausgebaut. Standort des Verwaltungsgebäudes: Dalmaziquai 149 Hirschenpark, Wildpark 1876 wird die Engehalde zwischen Neubrück- und Tiefenaustrasse zur Aufnahme der Hirsche, welche in den übriggebliebenen Stücken des Stadtgrabens gehalten wurden, bestimmt. 1937 wird der Hirschenpark mit der Eröffnung des Tierparks aufgehoben. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Tierpark Dählhölzli Der Städtische Tierpark Dählhölzli ist landschaftlich sehr reizvoll und direkt am Ufer der Aare gelegen. Er bietet dem Besucher die Gelegenheit, vor allem die heutige und einstige Tierwelt der Schweiz kennen zu lernen. Und das Vivarium lockt mit exotischen Säugern, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Insekten. Ein Streichelzoo und ein grosser Spielplatz machen das Dählhölzli zum idealen Familienausflugsziel. Der Berner Tierpark Dählhölzli ist ein Zoo der ganz besonderen Art mit rund 250 vorwiegend europäisch/nordischen Tierarten wie Bär, Elch, Ren, Moschusochse, Hirsch, Urwildpferd, Wolf, Fischotter, Auer- und Birkwild; dazu ein sehr attraktives Vivarium mit Urwaldvolière und Tropenhalle, mit Reptilien, Amphibien, Fischen, Vögeln und Affen. Vier Tierwärter wurden für den am 5. Juni 1937 eröffneten Tierpark Dählhölzli angestellt. Heute sind es 27 Tierpflegerinnen und Tierpfleger, die zirka 3000 Tiere pflegen. Und immer noch misst der Tierpark 15,5 Hektaren. Eine Direktorin und fünf Direktoren haben den Berner Zoo, der keiner sein will, bisher geleitet. Moschusochsen und Schwarzstörche passen gut zum Dählhölzli. Hier werden schwergewichtig einheimische oder europäische Tiere gehegt, gepflegt und gezeigt - oder solche, die es zumindest einmal waren. Der Moschusochse etwa in der Eiszeit (heute noch in Grönland und Kanada) und der Schwarzstorch wohl zu Gesslers Zeiten (heute in Portugal und Spanien). William Gabus hingegen, auf dessen Initiative der Tierpark zurückgeht, musste sich in Bern erst einkaufen. Der aus Le Locle stammende Uhrmacher, der in Moskau zu Geld gekommen war, erwarb das Schloss Worb. 1900, ein Jahr vor seinem Tod, vermachte er der Stadt ein Legat von 150'000 Franken. 37 Jahre später sollte sein Wunsch erfüllt werden. Zum 60jährigen Jubiläum wurde das Plakat «Glückwunsch an einen 60jährigen» von Claude Kuhn gestaltet und gehört zu den 22 Siegerarbeiten des Plakatwettbewerbes 1997. Das «Kunstwerk», das zwei Blumen zeigt, deren Stiele in Vogelfüsse münden, stelle in einzigartiger Weise die Philosophie des Tierparks dar. Geschichte Der grosszügigste Donator des Berner Tierparks ist am 14. März 1901 in Muralto (Tessin) gestorben. Wenig ist über ihn bekannt. Keine Strasse in Bern trägt seinen Namen. Und doch sind alle Bernerinnen und Berner immer wieder entzückt über das, was nicht zuletzt sein Werk ist: Die Rede ist vom grosszügigsten Donator des Berner Tierparks, vom ehemaligen Worber Schlossherrn Louis William Gabus. Die Gründungsgeschichte des Tierparks ist untrennbar mit dem Namen der grossen Zoopionierin Monika Meyer-Holzapfel verknüpft. «Hier streifst du ab des Alltags Staub und Last / Und kannst dich endlich auf dich selbst besinnen; / Horch in die Stille, lausche auch nach innen, / Und mach dich frei von deiner Seele Hast!»: So lautet die zweite Strophe ihrer Ode «Abend im Dählhölzli». Gewiss können alle, die den Tierpark schon erlebt haben - vielleicht auch einmal nicht an einem Sonntagnachmittag, wenn er von fröhlichem Kinderlärm durchtönt ist - diese Zeilen nachempfinden. Doch der Tierpark wäre kaum zustande gekommen ohne das Legat eines Worber Schlossherrn, der zugleich auch den heutigen Standort des «Berner Zoos» favorisierte. Unbekannter Uhrenhändler Über diesen Schlossherrn mit Namen Louis William Gabus ist nicht viel bekannt. Im Tierpark steht sein Denkmal: Am Tierparkweg liegt auf der Höhe des Eingangs des Vivariums ein grosser erratischer Block, in den sein Name eingemeisselt ist. Doch das Archiv des Tierparks - in den Siebzigerjahren sind seine Bestände verbrannt - hilft zur Person nicht weiter. Auch die Suche in Worb bringt nichts zutage, weder bei der Gemeindeverwaltung noch im Schloss. Über fast alle Schlossbesitzer, die meisten waren Berner Patrizier, existieren detaillierte Biografien, zu Gabus dagegen findet man nur einige dürre Zeilen: Er sei in Moskau wohnhaft gewesen, bevor er 1899 die Schlossbesitzung (ohne Neuschloss) vom Vorbesitzer, Eduard von Goumoëns, kaufte. Weiter erfahren wir, dass er «das stilfremde Türmchen beim Eingang über die Schlossbrücke bauen liess» und dass das Schloss 1915 in den Besitz von Ludwig Scholz aus Berlin überging. Da war Gabus längst gestorben. In den Unterlagen findet sich nicht einmal das genaue Geburtsdatum von Gabus. Er war im Jahr 1847 in Le Locle zur Welt gekommen und offenbar Uhrmacher geworden. Später bereiste er «als wagemutiger Mann mit Uhren und Musikdosen die Messen Russlands» und «besass in Moskau Uhrenläden». Immerhin ist das Todesdatum bekannt. Im «Vorbericht zur Rechnung über den Gabus-Fonds», der sich im Tierpark-Archiv befindet, erhalten wir auch nähere Aufschlüsse über seine Stiftung: «Der am 14. März 1901 in Muralto (Tessin) verstorbene Herr Louis William Gabus von Locle, gew. Schlossgutsbesitzer in Worb, hat in seiner letzten Willensverordnung vom 2. Oktober 1900, homologiert durch den Einwohnergemeinderat von Worb am 20. März 1901, unter andern folgendes Legat ausgesetzt: ,Der Stadt Bern Fr. 150'000 als Fonds für die Errichtung eines zoologischen Gartens; wenn es möglich wäre, dafür das sog. Dählhölzli zu erwerben, so wäre das sein ganz besonderer Wunsch.'» Langwierige Prozesse Doch noch war die Stadt nicht im Besitz des Geldes! In Russland mussten langwierige Prozesse geführt werden gegen Maurice Gabus, den Sohn von Louis William, der sich offenbar gegen die Auszahlung stemmte. Erst am 25. September 1903 erhielt die Stadt Bern das Geld, worauf der Stadtrat am 29. Juli 1904 den Beschluss fasste, gegen Maurice erneut zu prozessieren mit der Forderung nach den entgangenen Zinsen. Weil Maurice bereits im Januar 1905 starb, verhandelte die Stadt darauf mit seiner in Moskau wohnhaften Mutter und Erbin Helene Gabus und konnte Ende 1905 eine Einigung erzielen. Helene Gabus bezahlte 3000 Franken für die entgangenen Zinsen nebst 250 Franken für die entstandenen Kosten und erklärte sich einverstanden, dass die künftigen Zinsen des Legats «bis zur Errichtung eines zoologischen Gartens teilweise für Zwecke des bestehenden städtischen Tiergartens verwendet werden können». Diese letzte Bemerkung zeigt, dass es zu Gabus' Zeiten in Bern zwar keinen «zoologischen Garten» gab, dass aber durchaus Tiere gehalten wurden. 1513 hatte es vor dem Käfigturm den ersten Bärengraben. Ebenfalls seit dem 16. Jahrhundert hielt man in Bern Hirsche, zuerst im Graben des vierten Westgürtels der Stadtbefestigung (ungefähr dort, wo heute die Christoffelgasse ist). Ähnlich werden noch heute beim Schloss Laufen über dem Rheinfall Hirsche im Burggraben gehalten. «Hirschenpark», Elfenau Nach dem Bau der Schanzen kam 1634 der Hirschengraben ins südliche Teilstück des Grabens der Kleinen Schanze - die heutige Platzbezeichnung erinnert an den ehemaligen Standort. Auch im Gebiet des heutigen Bollwerks sollen zeitweise verschiedene Wildtierarten gehalten worden sein. Im Jahr 1877 wurde der Hirschengraben zugeschüttet, an der Engehalde entstand der «Hirschenpark» als eigentlicher Vorläufer des Tierparks. Hier gab es auch Lamas, Bisons, später Mufflons, Mähnenschafe, Steinadler, Bussarde und Perlhühner. Schon 1871 existierten Pläne für einen Zoo im Schwellenmätteli, die 1873 vom Projekt «Thiergarten auf dem Kirchenfeld» abgelöst wurden, der unmittelbar westlich des heutigen Tierparks entlang der Aare gebaut worden wäre. Das Projekt sah vor, sich vorwiegend auf einheimische Tierarten zu beschränken und diese in recht engen Gehegen zu zeigen. Es scheiterte an den Finanzen, «zum Glück», wie Monika Meyer-Holzapfel später fand. Bewegung in die Tierpark-Geschichte kam erst, als der 1930 gegründete Tierpark-Verein aktiv wurde. Dieser wollte den neuen Tierpark in der 1918 von der Stadt erworbenen Elfenau verwirklichen. Nach Widerstand gegen diesen Standort untersuchte der Berner Heimatschutz die Eignung des Dählhölzli - und fand es ideal: unmittelbare Stadtnähe und viel Wald und Aue. Die Burgergemeinde als Landbesitzerin verpachtete ein 90'000 Quadratmeter grosses Gelände. Im Frühjahr 1935 arbeitete Monika Meyer-Holzapfel im Auftrag der Gemeinde und der Burgerbehörden, des Tierparkvereins und von Natur- und Heimatschutzvereinen ein neues Projekt aus - ohne vom Plan von 1873 zu wissen. Ende 1935 stimmte die Gemeinde der Vorlage mit überwältigendem Mehr zu, im Februar 1936 begannen die Bauarbeiten und im Mai 1937 konnte der Tierpark eingeweiht werden. Ein spezieller Zoo «Die günstigen landschaftlichen und finanziellen Bedingungen erlaubten es der Stadt als Bauherrin und dem Architekten, das Problem Tierpark anders als gewöhnlich anzupacken», resümiert Meyer-Holzapfel später. Unter den landschaftlichen Besonderheiten kann verstanden werden, dass das Dählhölzli schon damals ein Naherholungsgebiet war, das von zahlreichen Wegen durchzogen war. Auf eine Umzäunung des Geländes musste deshalb verzichtet werden - und damit auch auf Eintrittsgelder. Dies ist so geblieben; nur für den Besuch des Vivariums ist ein Obolus zu entrichten. Anfänglich war das Damhirschgelände frei begehbar, heute ist dies nur noch im Gehege der Zwergziegen im Kinderzoo möglich. Mit den günstigen finanziellen Bedingungen meinte Meyer-Holzapfel sicher den Gabus-Fonds. Offenbar hatte die Gemeinde von der Möglichkeit, die Zinsen für den Hirschenpark zu verwenden, nur wenig oder gar keinen Gebrauch gemacht, immerhin hatte der Fonds in der Zwischenzeit einen Bestand von einer halben Million Franken erreicht. Die für den Bau erforderliche knappe Million Franken konnte also zu einem grossen Teil dem Fonds entnommen werden. Seit 1947 wird der Tierpark immer wieder ausgebaut und umgestaltet; die letzte grosse Veränderung wurde nötig, weil das Hochwasser vor zwei Jahren das Ufer unter- und zum Teil weggespült hatte. Noch immer erinnert der Gedenkstein neben dem Tierparkweg an den grossen Förderer Louis William Gabus. In jüngster Zeit ist allerdings gleich daneben eine grosse Donatorentafel entstanden, denn noch immer ist der Tierpark auf Zuwendungen angewiesen. Dabei muss es nicht gleich die Hälfte des Tierparks sein, die gespendet wird: in letzter Zeit sind bei privaten Tierfreunden und -freundinnen besonders die «Tierpatenschaften» sehr beliebt. Quellen: Meyer-Holzapfel Monika: Tierpark Dählhölzli. Bern 1962 Sägesser Hannes, Klaus Robin: Das Dählhölzli im Spiegel seiner Tiere, Bern 1987 Schneiter Emil: Worb, Schloss und Dorf. Bern 1961 Vorbericht zur Rechnung über den Gabus-Fonds Bern-Chronik (Loseblattsammlung) www.ebund.ch 31.03.2001 Peter Anliker Tierpark, Vivarium und Restaurant Nachdem während über 60 Jahren verschiedene Projekte zur Realisierung eines bernischen Tiergeheges fehlgeschlagen hatten, konnte der Tierpark 1937 an der heutigen Stelle eröffnet werden. Das 1936/1937 von EMIL HOSTETTLER errichtete Vivarium wurde 1987/1988 von ANDREAS FURRER umgebaut und erweitert. Im Tierpark finden sich Plastiken von HERBERT DISTEL, JIMMY SCHNEIDER, GOTTFRIED KELLER, WALTER KRETZ, HEIDI LOCHER, HANNES VOGEL, WALTER VÖGELI und WALTER SCHNEGG; die Wandmalereien im Vivarium stammen von PETER ISELI. 1937/1938 schuf Architekt HERMANN RÜFENACHT den in seiner klaren Volumetrie und seiner straffen Axierung beeindruckenden Restaurantbau, Tierparkweg 2. Hauptcharakteristikum ist das dreiseitig auskragende laubenartige Terrassenrestaurant mit grosszügiger Verglasung, insgesamt ein typisch bernischer Beitrag zum Neuen Bauen. Von der zeitgenössischen Ausstattung sind die Sgraffiti von HANS FISCHER, die Wandmalereien von FERNAND GIAUQUE und die Deckenmalereien von MAX VON MÜHLENEN zu erwähnen. Aus «Kirchenfeld und Brunnadern in Bern», Jürg Schweizer Schweizerischer Kunstführer ISBN 3-85782-488-3 ![]() ![]() |