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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Altes Tramdepot

Grosser Muristalden 6

Der Gebäudekomplex des «Alten Tramdepots» beim Bärengraben wurde 1890 bezogen, nachdem in Bern als grosse Neuerung das Drucklufttram eingeführt worden war. Die neuen Wagen verkehrten auf der drei Kilometer langen Strecke Bärengraben–Güterbahnhof. Die Tramway-Gesellschaft Bern übertrug den Bau eines Betriebsgebäudes auf dem Gelände südöstlich des Bärengrabens im Hang der Staldenanlage dem technischen Büro des Ingenieurs Gaston Anselmier.



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    Das Alte Tramdepot

    Das Alte Tramdepot blickt auf eine langjährige Geschichte zurück. Anno 1890 wurde das Gebäude als Depot für das Drucklufttram der Linie Bärengraben - Zytglogge - Güterbahnhof - retour - genutzt. Nach der Stillegung der Tramlinie im Jahre 1901 wurde das Tramdepot eine Autogarage, später diente es als Lager für Bühnenbilder und Requisiten des Stadttheaters Bern. In den letzen Jahren vor dem Umbau wurde das Gebäude für Feste und kulturelle Veranstaltungen verwendet.

    Ab 1994 wurde für das Alte Tramdepot von Vertretern der Stadt Bern, der Burgergemeinde und des Bern Tourismus ein gemeinsames, neues Nutzungskonzept erarbeitet. Im Alten Tramdepot sollte künftig ein gastronomischer und kultureller Treffpunkt entstehen - ein multifunktionales Zentrum für Bernerinnen und Berner sowie Auswärtige.

    Am 21. November 1996 wurde das neue Nutzungskonzept vom Stadtrat klar mit 60 zu 4 Stimmen angenommen. Gegen den Beschluss wurde von Luzius Theiler (Grüne Partei) das Referendum ergriffen. Am 8. Juni 1997 nimmt das Berner Stimmvolk das Projekt mit 71% Ja-Stimmen deutlich an.

    Anfang 1998 wurde mit den Bauarbeiten im Alten Tramdepot begonnen, die bis am 14. November 1998 dauerten.

    Im «neuen» Alten Tramdepot sind heute ein Restaurant mit Brauerei und die Kiosk AG eingemietet. Die Räume im 2. Obergeschoss werden seit 1. November 1998 als Atelier genutzt. Die Bern-Show und das Tourist Center von Bern Tourismus sind am 20. März 1999 eröffnet worden.

    Altes Tramdepot (Pressetext)



    Altes Tramdepot

    Der Gebäudekomplex des «Alten Tramdepots» (Grosser Muristalden 6) beim Bärengraben wurde 1890 bezogen, nachdem in Bern als grosse Neuerung das Drucklufttram eingeführt worden war.169 Die neuen Wagen verkehrten auf der drei Kilometer langen Strecke Bärengraben–Güterbahnhof. Die Tramway-Gesellschaft Bern übertrug den Bau eines Betriebsgebäudes auf dem Gelände südöstlich des Bärengrabens im Hang der Staldenanlage dem technischen Büro des Ingenieurs Gaston Anselmier.

    Das Bauwerk besteht aus drei Teilen: der grossen Halle längs des Hangs, dem quer dazu vorgestellten Kopfbau und dem daran angebauten, zweigeschossigen Wohnhaus für den Bärenwärter. Kernstück der Anlage ist die 32 Meter lange und 14 Meter breite, stützenlose, mit Holz-Metall-Bindern überspannte und hangseitig durch eine lange Stützmauer begrenzte Halle. Sie diente als Depot für die Wagen. In einem südseitigen Anbau waren die Einrichtungen für die Drucklufttraktion untergebracht. Der Kopfbau bestand aus dem bogenförmigen Einfahrtsportal und einem Werkstattraum als Zwischenbau zum Wohnhaus. Die ursprüngliche Fassade dieses Kopfbaus erinnerte an elegante Ausstellungs- oder Festhallenarchitektur im Schweizer Holzstil des Fin-de-Siècle. 1904 wurden der Tor- und Werkstattbau um eineinhalb Geschosse aufgestockt. Damit verlor das Gebäude einiges von seinem ursprünglichen Charme und erhielt im Wesentlichen sein heutiges, gegenüber dem früheren Bau eher behäbig-schweres Aussehen.

    Nach der Stilllegung der Tramlinie wurde die Anlage längere Zeit für verschiedene Zwecke genutzt: zuerst als Autogarage, später als Requisitendepot des Stadttheaters und zuletzt für kulturelle Anlässe. Auf hartnäckiges Betreiben der Denkmalpflege und trotz anfänglicher Bedenken des Stadtrats170 wurden 1993 die Dachhaut erneuert und die Träger des Hallendachs ersetzt. Erst Jahre später wurde ein neues Nutzungskonzept für das in seinem Bestand nun gesicherte Gebäude erarbeitet. Eine Planungsgemeinschaft171 lud vier Berner Architekturbüros zur gestalterischen Umsetzung der neuen Nutzungsvorstellungen als Empfangsstelle für die in Bern ankommenden Touristen und Touristinnen ein. Im Vorfeld dieses Studienauftrags, der dem Umbau von 1998/99172 vorausging, hatte die Denkmalpflege Gelegenheit, ihre Anliegen und Schwerpunkte bezüglich der rücksichtsvollen Behandlung der als ‹erhaltenswert› eingestuften Anlage zu formulieren.173 Zur Ausführung gelangte ein Projekt, das diesen Kriterien einigermassen entsprach.174

    Die Vorstellungen der Denkmalpflege konnten nur teilweise realisiert werden. Zwar waren – mit Ausnahme des Erdgeschosses des Bärenwärterhäuschens, das vollständig ausgekernt wurde – keine grossen Substanzverluste hinzunehmen. Die alten Bauteile wurden soweit möglich sorgfältig instand gestellt. Der räumliche Gesamteindruck der Halle wird jedoch beeinträchtigt durch die grossen und aufdringlichen Einbauten für Küche, Bar und Erschliessung längs der hangseitigen Stützmauer. Die neue Eingangspartie, die den hässlichen WC-Einbau von 1973 ersetzt, wirkt in der historischen Fassade fremd und wenig massstäblich. Auf die Neugestaltung der Aussenräume wurde grosser Wert gelegt.175 Der Vorplatz nimmt in seiner heutigen Form Bezug auf die im Situationsplan der Baueingabe von 1889 dargestellte Form, die Stufen der grossen Freitreppe begrenzen den erhöhten Bereich der ehemaligen Gleisanlagen. Die vor dem Umbau stark verwilderten Aussenräume im Süden und Westen der Anlage sind zu attraktiven Aussenbereichen des Restaurants umgestaltet worden. Die herrliche Aussicht auf das Mattequartier und auf die Südseite der Junkerngasse ist für Einheimische wie für die zahlreichen auswärtigen Besucherinnen und Besucher gleichermassen attraktiv.

    Mit der Umnutzung und dem im Frühjahr 1999 fertig gestellten Umbau hat sich der für die Stadt- und Technikgeschichte interessante Bau des Alten Tramdepots zu einem würdigen Teil der touristisch wichtigen Baugruppe am Bärengraben entwickelt, die oft als Visitenkarte Berns in Erscheinung tritt.

    169 Ein ähnliches System hatte sich bereits in Nantes und in Paris (Linien Vincennes und Nogent) bewährt.
    170 Eine erste Vorlage wurde verworfen: Der Stadtrat wollte ein Nutzungskonzept abwarten.
    171 Sie formierte sich für den Umbau und den Betrieb zur ‹Aktiengesellschaft Altes Tramdepot›, in der die Einwohnergemeinde Bern, die Burgergemeinde Bern, Bern Tourismus, der Restaurateur Thomas Baumann sowie die Kiosk AG vertreten sind.
    172 Immobiliengesellschaft Altes Tramdepot AG (Hrsg.): Altes Tramdepot am Bärengraben Bern. Gesamtsanierung 1998/1999. Bern, 1999.
    173 Neben der Erhaltung des äusseren Erscheinungs­bildes sollte der Charakter der Halle möglichst intakt und erlebbar bleiben. Zudem sollte die horizontal geschichtete, an der Nordfassade ablesbare Raumstruktur des Kopfbaus beibehalten werden. Ein drittes Anliegen war die Erhaltung der kleinräumigen Raumaufteilung des Wohnhauses.
    174 Verfasser: Loosli + Partner, Architekten.
    175 Landschaftsarchitekt: Ueli Zingg.

    Emanuel Fivian
    Denkmalpflege in der Stadt Bern 2001–2004
    Herausgegeben von Bernhard Furrer



    Bern: Altes Tramdepot
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