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Bern - die Hauptstadt mit Charme Universität Universität ¹ Die 1834 gegründete U. Bern hiess, da sie im Gebäude der früheren Hohen Schule untergebracht war, meist Hochschule. ² Hochschulstrasse 4. Erbaut 1900-1903 durch die Architekten Eduard Joos und Alfred Hodler als Ersatz für die Gebäude des ehemaligen Barfüsserklosters (Hochschule). Eingeweiht am 4. Juni 1903 Lit.: Feller, 100 Jahre Universität Bern, Bern 1934 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Geschichte der Universität Bern 1528-1805 Von der «Hohen Schule» zur Akademie Der eigentliche «Grundstein» der Universität Bern wurde schon im 16. Jahrhundert gelegt, als es nach der Einführung der Reformation galt, die Ausbildung einer neuen reformierten Pfarrerschaft sicherzustellen. Die ursprüngliche Zahl von drei Professuren verdoppelte sich bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Die Dominanz der humanistisch-theologischen Ausbildung wurde auch im 18.Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung, nicht gebrochen, obschon jetzt auch die Jurisprudenz und die Mathematik mit je einer Professur Fuss fassen konnten. 1805 organisierte die Regierung Berns das ganze höhere Schulwesen neu und baute die bisherige Theologenschule zu einer Akademie mit vier Fakultäten aus. Jetzt konnten nicht nur Pfarrer, sondern auch Juristen und Mediziner (inkl. Tiermedizin) in Bern eine vollständige Ausbildung absolvieren. Die philosophische Fakultät (geistes- und naturwissenschaftlicher Richtung) sollte die Basis-Ausbildung für die drei «höheren» Fakultäten legen. 1834: Die Gründung der Universität Nachdem 1831 das patrizische Regime Berns den Liberalen weichen musste, kam die neue Regierung dem Bedürfnis nach einer loyal gesinnten Beamtenschaft und einer akademischen Elite mit dem Ausbau der Akademie zur Universität nach. Das 1834 erlassene Hochschulgesetz formulierte neu die akademische Lern- und Lehrfreiheit. Die Zahl der Dozenten erhöhte sich von 29 auf 45. Die Vorbildungsbedingungen für ein Studium waren anfänglich recht gering, um auch neuen Schichten vom Land die Chance eines Hochschulstudiums zu verschaffen. Die Berner Hochschule geriet bald in den Sog der grossen politischen Auseinandersetzungen der Zeit und konnte sich erst in der zweiten Jahrhunderthälfte in ruhigeren Bahnen entwickeln. 1885 überschritt die Studentenschaft zum ersten Mal die Zahl von 500, um die Jahrundertwende dann die Zahl von 1000, wobei der Zudrang ausländischer Studierender für das rasche Anwachsen der Studentenzahlen sorgten. Russische Studentinnen waren es auch, die ab 1868/1870 eine Bresche für das Frauenstudium schlugen. Ende des 19. Jahrhunderts verliessen die naturwissenschaftlichen Institute das alte Kloster und bezogen eigene Gebäulichkeiten, 1903 konnte das neue Hauptgebäude auf der Grossen Schanze eingeweiht werden. Nach 1900: Neue Fakultäten, Ausbau der Institute und Fächer Nach der Jahrhundertwende entstanden nicht nur neue Fächer, auch die Zahl der Fakultäten wuchs. Nachdem die Tierarzneischule 1868 von der Hochschule abgetrennt worden war, wurde sie 1900 als eigene Fakultät in die Universität zurückgeführt. Die 1874 gegründete christkatholisch-theologische Fakultät sollte als Reaktion auf das päpstliche Unfehlbarkeits-Dogma die Grundlagen für eine von Rom unabhängige nationale Kirche schaffen. Die beiden Richtungen innerhalb der philosophischen Fakultät hatten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts immer weiter auseinander entwickelt, 1921 erfolgte die förmliche Trennung in die philosophischhistorische und in die philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät. Die Wirtschaftswissenschaften, die innerhalb der juristischen Fakultät einen immer wichtigeren Platz erobert hatten, erhielten 1912 den Status einer eigenen Abteilung in der Fakultät, die nach 1954 den Namen rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät erhielt. Nach 1945: Ausbau und Reorganisation Bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg erlebte die Universität einen ruhigen Ausbau, ihre Stellung im wirtschaftlichen und kulturellen Leben fand breite Anerkennung. In den fünfziger, sechziger Jahren mehrten sich die Stimmen, welche die «Ausschöpfung der Bildungsreserven» und einen Ausbau des akademischen und technischen Bildungssektors forderten. Zählte man 1956 noch rund 250 Dozenten (und kaum Dozentinnen) und 2'122 Studierende, setzte jetzt eine Phase raschen Wachstums ein. Auch räumlich breitete sich die Universität aus. Die geisteswissenschaftlichen Institute bezogen Räumlichkeiten ausserhalb des Hauptgebäudes, um ihre grösseren Platzbedürfnisse befriedigen zu können. Der rasante Ausbau brachte aber bald neue Probleme und Anforderungen. Die eidgenössische Bildungspolitik bekam zusehends grössere Bedeutung. Um die komplexer gewordene Universität besser organisieren zu können, drängte sich eine Revision des 1954 geänderten Universitätsgesetzes auf. Die Reorganisationspläne der 1969 von der Regierung eingesetzten Expertenkommission wurden aber ebenso wenig realisiert wie der später von der Verwaltung vorgelegte Entwurf zu einem neuen Universitätsgesetz. Der Versuch einer Teilrevision scheiterte Ende 1982 in einer Referendums-Volksabstimmung. 1989, als in Bern über 9000 Studenten und Studentinnen lernten und 1200 Dozenten (und immer noch kaum Dozentinnen) lehrten, trat schliesslich ein minimal revidiertes Gesetz in Kraft. Pietro Scandola / Franziska Rogger Literatur zur Geschichte der Universität Bern www.be.ch/staatsarchiv info.stab@sta.be.ch Universität Bern - Baugeschichte Mit dem Geld für die alte Hochschule, die dem neuen Casino weichen musste, erfüllten sich Kanton und Universität 1903 einen alten Traum: ein neues Hauptgebäude, hoch über der Stadt. Trotz Sparzwang gelang das Kunststück, einen Bildungstempel zu realisieren, der den Namen noch heute wohl verdient. Der Bedeutung der Aufgabe bewusst, veranstalteten Kanton und Universität 1898 für das neue Hauptgebäude einen Wettbewerb. Mit dem Bau wurde der Auszug der Universität in die Quartiere (Muesmatt und Kreuzmatte), der in den 1870er Jahren begonnen hatte, nun auch noch auf repräsentativer Ebene besiegelt. Das 1903 fertig gestellte Hauptgebäude bildete mit der in jener Zeit angelegten Schanzenpromenade und dem Hallerdenkmal eine eindrückliche Gesamtanlage. Mit dem Bau von Bahnhof und Parkterrasse 1958-67 musste diese Promenade weichen. Seit 1982 ist der Bau vom Berner Architekturbüro AAP einer schrittweisen Sanierung unterzogen worden: Aula (Empore), Fassaden und Dachhaut bis 1985, Juristische Bibliothek 1986, Dachausbau und Umbau des Fechtbodens zum Kuppelsaal 1991, Erdbebensicherung, weiterer Dachausbau und diverse Innenumbauten 2002. Für den Projektwettbewerb zum neuen Hauptgebäude tat sich der Berner Architekt Alfred Hodler mit dem jungen Schaffhauser Eduard Joos zusammen, dessen Talent er offenbar früh erkannt hatte. Beide hatten an der École des Beaux-Arts in Paris studiert. Unter den Wettbewerbseingaben ragte ihr Projekt nach Auffassung der Jury u. a. städtebaulich hervor. Die Anlage mit mehreren Pavillons bot eine elegante Lösung zur Überbrückung der Gelenkstelle zwischen dem damals schon bestehenden Verwaltungsgebäude der Jura-Simplon-Bahn und dem alten Physikalischen Institut; Bauten, deren Stellung ihrerseits von der Schanze Hohliebe der barocken Stadtbefestigung determiniert war. Gegenüber dem Wettbewerbsprojekt wurden auf Wunsch der Bauherrschaft die Kuppeln, traditionelle Hoheitszeichen der Architektur, erhöht. Die damit beabsichtigte Fernwirkung ist seit dem Bahnhofneubau leider ziemlich eingeschränkt. Ähnlich wie bereits beim Anatomischen Institut (dessen Architekt, Kantonsbaumeister Stempkowski sass in der Jury...) wählten Hoder & Joos einen hofseitigen Erschliessungstyp, der einen grossen Vorraum ermöglichte bzw. bedingte. Zuerst über mehrere kaskadenartig angeordnete Ebenen, danach durch das Prunktreppenhaus, durchschreiten die BesucherInnen eine Inszenierung, die unter dem mit Allegorien der Fakultäten bemalten Gewölbe schliesslich im wichtigsten Raum des Gebäudes gipfelt: der Aula (Bild: nächste Seite, 1903). Ob sich die Architekten für das Treppenhaus vom barocken Palazzo dell' Università in Genua inspirieren liessen? Über mögliche Vorbilder lässt sich ebenso streiten wie über Stilzugehörigkeit. Was wir heute als Beaux-Arts, Historismus, Fin-de-Siècle oder Eklektizismus umschreiben würden, galt Hodler & Joos' Zeitgenossen als (palladianistische) Renaissance - gewiss jene Epoche, an die sich mit einer humanistischen Idealen verpflichteten Schule glaubwürdig anknüpfen lässt. Nebst den gelungenen repräsentativen Teilen verdient das Hauptgebäude als Beispiel, wie man ein rigides Budget umsetzt, besonderen Respekt. Wer würde schon am schrittweisen Übergang von der Sandsteinfront zur verputzten Hoffassade oder an den schmucklosen Industriedecken und Zementböden der Seitenflügel Anstoss nehmen? www.bau.unibe.ch [unbedingt nachschlagen - tolle Seiten!!] Literatur: ![]() ![]() |