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Bern - Volksfeste

I. So festeten unsere Vorfahren

  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
  3. Man feierte in der Kirche
  4. Wenn es darauf ankam...
  5. Narreteien und Possen
  6. Würde und Freude am Ostermontag
  7. Der Ausritt des Äusseren Standes
  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
  10. Fest in der Kriegszeit
  11. Einst war's ein Kalb...
Bei der Suche nach Zeugnissen alter bernischer Festbräuche wird man fast sicher einmal zum Schluss gelangen, das Festen sei wohl nicht gerade die Stärke der alten Berner gewesen, findet man doch kaum Hinweise auf alljährlich wiederkehrende volkstümliche Veranstaltungen, dafür aber um so mehr Erlasse und Mandate einer gestrengen Regierung, mit denen Ausserungen überschäumender Lebenslust so weit wie möglich zurückgebunden wurden. «Einer loblichen stat Bern ersam, wis regiment wird angehalten, Ordnungen, gepot und verpot, wider allerhand laster und missbruch angesehen, unverschont ze hanthaben, die unghorsamen und frefnen ubertreter ouch mit gwaltiger hand abzewisen und ungestraft nit hinzelassen; und liess bi hohen bttssen in stat und land streng verbieten: gotslästerung, swüer, hür , bos sitten, schamliche kleidung, fürkouf, wücher, ufrüerisch embörung, rotungen, sündrungen, kriegsglöuf, und alle ofne laster und missbriich, und daneben geboten und hoch vermant, gotsforcht, erbarkeit, frid, liebe, trüw, ghorsame, einhellikeit, gmeiner schirm, und alles, was zu' gmeinem nuz dienlich, furzunemen, furdren und ze halten, item uf die müessige juffkind, loterbuben, landstricher und gutzer acht ze haben und ab weg ze wisen» berichtet in seiner Berner-Cronik Valerius Anshelm 1477.

Und vier Jahre später wurden die «schamlich kurzen kleideren» verboten: wer ein «unerbar kleid, juppen, rock oder mantel» trug, sollte zur Strafe einen Rheinischen Gulden an den Bau der St.-Vinzenen-Kirche leisten. Verboten wurden auch stets «alle unzucht, spil und tanz uf allen kilchwihinen» und «keglen, karten, wirfel und schiessen», 1485 beispielsweise bei «5 pfund pfenningen..büss». Doch was fruchtete das alles? Irgendwo gab es immer einen Platz, auf dem schnell ein Tänzchen gedreht werden konnte - und wenn es gerade im Rathaus war! Da mochte ein Erlass noch so lange warnen: «ein fromme, flissige oberkeit hat vil und allzit wachmündige ougen! » 1532 wurde deshalb bestimmt, dass niemand, weder arm noch reich, weder sommers noch winters, im Rathaus tanzen dürfe.

Aber auch, wenn - wie am 27. Juni 1504 - von Zeit zu Zeit das Tanzen in Stadt und Land allenthalben verboten wurde, so blitzt doch in Chroniken und alten Schriften - oft nur zwischen den Zeilen - ein schelmisches Lachen auf. Ganz gewiss ist es auch am 15. Januar 1486 nicht so trocken zugegangen, wie man aus einem Bericht Anshelms schliessen könnte: «Uf sontag nach Hilary, was des 15. tag Jenner, sind die von Swytz gon Bern kommen, früntliche und froliche fassnacht da ze haben. Deshalb ein ersame stat Bern liess jagen und fischen ...» Nüchtern waren die alten Berner ohnehin nicht, jedenfalls nicht immer. Wäre es sonst etwa nötig gewesen, 1533 «trunkenheit mit Wasser und brot, ein tag und 1 nacht in gfangknuss straffen» oder die Predicanten anzuhalten, «das üppig liedlin singen uff der gassen und lang bim wyn sitzen» von der Kanzel herab zu verurteilen

Literatur: Chroniken von Valerius Anshelm, Conrad Justinger und Tschactlan. Gruners «Deliciae Urbis Bernae; Handschriftliche Aufzeichnungen von Pfarrer Karl Howàld (Berner Brunnen); Bern in seinen Ratsmanualen von Berchtold Haller; Edouard von Rodt, Bern im 18. Jahrh.; Berner Woche, Jahrgang 1939; Berner Taschenbuch 1889/90 und 1854; zum 19. und 20. Jahrhundert: Fest-Aktensammlungen in der Burgerbibliothek.

Christine Kobler
Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976
Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht
31.08.1976


  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
  3. Man feierte in der Kirche
  4. Wenn es darauf ankam...
  5. Narreteien und Possen
  6. Würde und Freude am Ostermontag
  7. Der Ausritt des Äusseren Standes
  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
  10. Fest in der Kriegszeit
  11. Einst war's ein Kalb...
Bernfest Bärnfescht 1976
Landesausstellung 1914 in Bern
Berner Zibelemärit
Berner Fasnacht
Die Ratsprozession am Ostermontag in Bern
Zeichen der Freiheit
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Berner Zibelemärit

Berner Fasnacht. Kramgasse; im Hintergrund der Zeitglockenturm.

GP Bern Luftaufnahme Nydeckbrücke und Gerechtigkeitsgasse. Quelle: www.gpbern.ch. Foto: Rolf Arni
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