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Bern - Volksfeste

III. Man feierte in der Kirche

  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
  3. Man feierte in der Kirche
  4. Wenn es darauf ankam...
  5. Narreteien und Possen
  6. Würde und Freude am Ostermontag
  7. Der Ausritt des Äusseren Standes
  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
  10. Fest in der Kriegszeit
  11. Einst war's ein Kalb...
Zum Andenken an wichtige Ereignisse wurden nur selten eigentliche Feste gefeiert. Gedenktage an Schlachten begingen die Berner als Gedächtnisandachten in der Kirche und spendeten an diesen Tagen Almosen an Bedürftige. Oft stand Bern - wenn es Zeit für ein «Jubiläum» gewesen wäre - ohnehin im Krieg oder hatte gerade einen hinter sich. So wurde das Geld meist für wichtigere Dinge gebraucht als für Festivitäten: für Kriegsmaterial, aber auch für Hilfeleistungen nach Missernten, Überschwemmungen, Unwetter, Seuchen und den zahlreichen Stadtbränden. Um 1380 mussten hohe Steuern - nach Justinger der vierzigste Teil des jeweiligen Gutes - erhoben werden. Zum Bau des Münsters, fünfzig Jahre später, wurden Ablass und Bussgelder verwendet.

Der Tag, an dem der Grundstein gelegt wurde, gab nicht Anlass zum Singen und Tanzen - er verlief andächtig: «Do man zalte von gots geburt MCCCCXXI jar, an einem zinstag so da waz der XI tag mertz an sant gregoryenabend (11. März 1421), do hat man vorhin an dem cantzel verkündet, daz man den ersten stein an daz münster legen wolt, und arm und rich gebetten, ir stür und almusen daran ze gebenne und den aplas ze verdienen. Also uf den vorgenant zistag nach der ruyen messe, herr johans von thuno, lütpriester ze berne, sang messe von dem heiligen geist, und nach der messe mit der procession leiten der vorgenant lütpriester und jungherr ruodolf hofmeister, edelknecht, schultheiz ze berne, leiten den ersten stein in gottes nahmen uf der mittel des münsters der ussrosten mure gegen der gassen, und leit der schultheis uf den stein drije guldin von dem gelte dez almusens; die nam der werkmeister nach gewonheit solicher werken.»

Rund zweihundert Jahre später sollte in dieser Kirche die erste Centenarfeier der Berner Reformation stattfinden, mit Fasten und Beten: «Anno 1628 (war das Jahr der grossen Pestilentz, an welcher nur in der Stadt Bern 2492 und Jahrs hernach 264 Personen gestorben) ward in dieser Kirch vom 6 biss den 12 Januarii das erste Jubiläum Reformationis solenn gefeyret zu danckbarer Widergedächtnus, dass just vor 100 Jahren das Licht des Heil. Evangelii unser werthes Vatterland erleuchtet, ward celebriret wie folget: Der erste Sonntag war ein Fast-und Bettag, an allen folgenden Wochentagen wurde eine besondere Predigt gehalten .. . Anno 1728 hat sich eine Christliche Oberkeit erinnert, wie das erste Jubiläum Reformationis vor 100 Jahren so andächtig zu Stadt und Land gefeyret worden, hat daher sub dato 27 Novem. 1727 zu Stadt und Land ein gedrucktes Mandat publiciren lassen, und darinn befohlen eine Gottseelige Widergedächtnuss zu halten der seeligen Reformation, und darzu angesetzet Mitwochen den 7 Jan. an welchem Tag das Heil. Abendmahl feyerlich solle celebrirt, und hiermit der Reformations-Eyd unmittelbar GOTT in die Hand durch Begehung des Heiligen die Stadt Abendmahls geleistet werden, wel- ches zu Stadt und Land also geschehen, und jeden Orths zwo Predigen sind gehalten worden.» (Gruner)

Die hochfeierliche Tradition wurde im 19. Jahrhundert nicht mehr ganz so streng befolgt. Dreissig Jahre nach dem Untergang des alten Bern «fand das Reformationsfest am Montag nach Pfingsten 1828 statt; aber nirgends giengs so geräuschvoll zu, wie hier im Münster. Weitaus am feierlichsten war bey Tagesanbruch das Geläute aller Kirchenglocken. im ganzen Land, auch war's recht schön, wie die Regierüng in Ordnung vom Rathaus in die Kirche zog und wie die Gotteshäuser alle angefüllt waren. Aber hier war gleich bey der Eröffnung des Hauptgottesdienstes, vormittags um 9 Uhr, ein solches Musiziren und Geschmetter und Gepolter mit Trompeten, Posaunen, Bassgeigen und Pauken, dass man sich nicht zu verwundert hat, dass es einem confus geworden ist» (K. Howald).

Literatur: Chroniken von Valerius Anshelm, Conrad Justinger und Tschactlan. Gruners «Deliciae Urbis Bernae; Handschriftliche Aufzeichnungen von Pfarrer Karl Howàld (Berner Brunnen); Bern in seinen Ratsmanualen von Berchtold Haller; Edouard von Rodt, Bern im 18. Jahrh.; Berner Woche, Jahrgang 1939; Berner Taschenbuch 1889/90 und 1854; zum 19. und 20. Jahrhundert: Fest-Aktensammlungen in der Burgerbibliothek.

Christine Kobler
Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976
Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht
31.08.1976


  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
  3. Man feierte in der Kirche
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  6. Würde und Freude am Ostermontag
  7. Der Ausritt des Äusseren Standes
  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
  10. Fest in der Kriegszeit
  11. Einst war's ein Kalb...
Bernfest Bärnfescht 1976
Landesausstellung 1914 in Bern
Berner Zibelemärit
Berner Fasnacht
Die Ratsprozession am Ostermontag in Bern
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Berner Zibelemärit

Berner Fasnacht. Kramgasse; im Hintergrund der Zeitglockenturm.

GP Bern Luftaufnahme Nydeckbrücke und Gerechtigkeitsgasse. Quelle: www.gpbern.ch. Foto: Rolf Arni
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