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Bern - Volksfeste

IV. Wenn es darauf ankam...

  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
  3. Man feierte in der Kirche
  4. Wenn es darauf ankam...
  5. Narreteien und Possen
  6. Würde und Freude am Ostermontag
  7. Der Ausritt des Äusseren Standes
  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
  10. Fest in der Kriegszeit
  11. Einst war's ein Kalb...
Bereits bevor Bern in höchster Staatsmacht stand, empfing es Häupter von Ländern und Kirche, so um 1311 auf Michaels-Tag den Kayser Heinrich mit seiner Frau, oder anno 1365 Kaiser Karl, der unterwegs zu Papst Urban in Avignon war. Für Kaiser Karl wurde auf dessen Geheiss noch schnell «die Bruck zu Laupen» gebaut. Sowohl er wie der Bischof und die Fürsten in seinem Geleit wurden wohl empfangen: der Stadt sollen mehr als 3000 Pfund Unkosten erwachsen sein! Meist boten solche Staatsempfänge den Bernern Anlass zu zeigen, wer man war und alles recht feierlich und würdig zugehen zu lassen, wie etwa 1414 auf St.-Ulrichs-Tag, als Kaiser Sigismund und der Graf von Savoyen in Begleitung von Fürsten und Herren mit einem Tross von 1400 Pferden einritten: «Di gieng man im entgegen mit dem crütz und mit aller pfaffheit und schulern, mit dem heltum und mit allen orden. Da waren geordnet bi fünfhundert junger knaben under sechszehen jaren; den hat man bereit des reichs paner, un daz trug ein micheler knab, und die andren knaben hat jegklicher des richs adelar uf sinem hupt in einem tscheppellin gemalet in einem schilte uf papir. Die empfiengen des ersten den küng und knüwoten all nider. Daz geviel dem küng gar wol und sprach zu den fürsten, die bi im ritten: da wachset uns ein nüwe Welt.»

Hienach, so berichtet uns Justinger, sei der hohe Besuch von Schultheiss, Räten und Burgern sowie der «gantzen gemeinde von Bern» empfangen und unter einem goldenen Baldachin in die Stadt geleitet worden. Bei den Dominikanern sei sein Bett in einer Kammer vorbereitet gewesen «mit guldinen und sidinen tüchern. Es waz ouch bestellt und geordenot umb win, umb Brot, umb fuoter, wa man daz vinden und nemen solte; fleisch, visch, spetzerie und ander ding, waz man bedorft dez hat man gnug, da waz kein gebrest.» Sogar der Stadt silbernes Geschirr hatte man hervornehmen wollen - davor aber warnte des Königs Hofmeister: es möchte gestohlen werden! So kam es, dass der König, der Graf von Savoyen und der Marquis de Montferrat miteinander aus einem Glas tranken, und es war «dünnes welsches glas».

Hinterher kam dann die Rechnung: «do uberslug man allen kosten der zerung, der schmiden, der sattlern, bi den schönen frouwen im geslin, darzu daz man an barem gelte gap des künges amptlüten, nemlich senen pfeffern, trumpotern, türhütern, metzgern, köchen, daz bar gelt geburt sich in ein summe sechtzig schiltfranken und aller kost in ein summe gerechnot gebürte zwei thusend pfunt pfennigen.» Diese Ausgaben aber reuten niemanden: der König verkündete auf seiner weitern Reise, nirgends sei er ehrenvoller empfangen worden als in Bern.

Der Chroniker verschweigt aber trotzdem nicht, dass nach dem königlichen Besuch eine grosse Teuerung eintrat: «fleisch, visch, anken, ziger, kese, korn waz ouch tür» - so sei es in allen Landen, da der König vorbeikomme, so sei es schon bei dessen kaiserlichem Vater gewesen! Nichtsdestoweniger wurde drei Jahre später dem vom Constanzer Konzil zurückkehrenden Papst Martin V. im eigens eingerichteten Prediger-Kloster gar herrliche Unterkunft gewährt. Die Stadt habe ihm 125 Mütt Kernen, 40 Malter Hafer, 8 Fuder Wein halb Rheinisch, halb Burgundisch, 8 Ochsen, 40 Schafe und täglich Semmelmehl, Fleisch, Fisch, Mett und Kerzen geschenkt. Kein Wunder, dass er nach zwölf Tagen «gar dankbarlich von dannan» schied und es ihn reute, die Stadt so bald verlassen zu müssen! Wie kostbar die bernischen Naturalgeschenke waren, mag man beim Lesen folgender Preisangaben aus dem 15. Jahrhundert zu ermessen versuchen:

«Als man von der Geburt unsers Herrn Jesu Christi zalt 1438 Jare, am zwölften Tag im Metzen, da fiel gar ein mächtiger Schnee und ward kalt, und währt tintz an den nünzechenten Tag im Mertzen. Da kam ein grosser Regen und Wind, und trieb den Schnee ab, und wurdent die Wasser gross. Und ging unten in der Gerwer Graben ein Lowinen an, und trug zwey Hüser hinweg, und an der Ringmur ein Ort. Darnach des genannten Jares kam ein grosse Türe an Korn und an Win, darzu an allen andern Dingen; und galt ein Mütt Dinkel zwen Guldin, ein Mütt Kernen achthalb Pfund, ein Mütt Rocken siben Pfund, und ein Mütt Haber zwey Pfund, und ein Maass Wins zwen Plaphart; und währt das ganz Jar us» (Tschachtlan), oder 1474: «Im 74. jar, um Sanct Johans des tofers tag, ist hie volgende Fleischschatzung beschehen, unsern ziten zu wunder hie verzeichnet. Namlich gut urferis und schwinis, ein pfund um 7 pfennig; gut rinds, heilbocken und wideris, ein pfund um 6 pfennig; bockis, stieris, kuegis, alt schafis und kalberis, ein pfund um 5 pfennig.» (Anshelm).

Zu einem Fest für Bern wurde ein weiterer Besuch: Bei der Ankunft des Herzogs von Longueville und seiner Mutter im Jahr 1562 «sind Ir entgegengezogen alle wol gerüste burger der Statt Bern und zu inen uss jedem der 4 landtgricht fünffzechen, uss jedem der 4 kilchspilen zechen man, all mit gwer und harnisch gerüst, der by thusend gewesen in zwoyen huffen; Der gross huffen mit Spiess und Halparten, der ander mit büchsenschützen, vor und nach der ordnung so gar ordentlich zesamen abgeschossen.» Die jungen Knaben zogen in Fünferreihen dem Herzog entgegen, und vor dem Bremgartenwald standen vierundzwanzig grosse Büchsen, die man abfeuerte. Sechs Weinfässer, fünf gemästete Rinder und hundert Mütt Hafer erhielten der Fürst und seine Mutter, und sie seien mit allerlei Spielen kurzweilig unterhalten worden. Ihrerseits hätten die Besucher täglich die Predigt besucht, Psalmen gesungen und christliche Andachten gehalten, ist dem Werk «Bern in seinen Rathsmanualen» von Berchtold Haller zu entnehmen. Und als freundliche Einzelheit: Der Fürst wurde nicht nur mit Nahrungsmitteln versorgt, sondern ihm schenkte die Stadt auch noch einen jungen Bären!

Man sieht: Wenn es darauf ankam, die Staatsmacht zu repräsentieren, so wussten die Berner wohl, was sich gehörte! Und mit Gewissheit ist anzunehmen, dass auch die «gewöhnlichen» Burger in der festlich geschmückten Stadt zu ihrem Vergnügen gekommen sind - auch wenn hinterher alles teurer wurde!

Literatur: Chroniken von Valerius Anshelm, Conrad Justinger und Tschactlan. Gruners «Deliciae Urbis Bernae; Handschriftliche Aufzeichnungen von Pfarrer Karl Howàld (Berner Brunnen); Bern in seinen Ratsmanualen von Berchtold Haller; Edouard von Rodt, Bern im 18. Jahrh.; Berner Woche, Jahrgang 1939; Berner Taschenbuch 1889/90 und 1854; zum 19. und 20. Jahrhundert: Fest-Aktensammlungen in der Burgerbibliothek.

Christine Kobler
Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976
Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht
31.08.1976


  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
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  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
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Bernfest Bärnfescht 1976
Landesausstellung 1914 in Bern
Berner Zibelemärit
Berner Fasnacht
Die Ratsprozession am Ostermontag in Bern
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Berner Fasnacht. Kramgasse; im Hintergrund der Zeitglockenturm.

GP Bern Luftaufnahme Nydeckbrücke und Gerechtigkeitsgasse. Quelle: www.gpbern.ch. Foto: Rolf Arni
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