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Bern - Volksfeste V. Narreteien und Possen
Türkische Musik, der Bärenmutz und die zwei geharnischten Männer eröffnenten das sogenannte schweizerische Festgeleite, bestehend aus Wilhem Tell und seinem Knaben und den drei Eidgenossen. Ihnen folgte ein Gewirr von Gestalten zu Pferd und zu Fuss, ein glariger' General, Landvogt Gessler, der mit dem Grasbogenhut bekleidete Doktor usw. Dazwischen der Hanswurst, der Chuderma und der Wildma; die ürchigste Person aber war der Gesundheitstrinker. Vor der Stift, der Wohnung des Schultheissen, wurde die erste Gesundheit getrunken und die erste Vorstellung gegeben. Gewöhnlich kam die Murtenschlacht zur Darstellung, wobei der Abrundung wegen Karl der Kühne gleich erschlagen wurde. David und Goliat waren auch beliebte Darstellungen; David mit dem abgeschlagenen Hauptes Goliats rief vor Saul: 'aber jetz, Saul, wotti d'Tächter, la nume grad verchünde!' Die pièce de resistance bildete aber von alters her Wilhelm Tell.» (Edouard v. Rodt, Bern im 18. Jahrhundert.) Neben diesen von historischem Gedankengut geprägten Spielen waren aber an diesen Tagen - und nur an diesen - Spiele erlaubt, die den Rahmen der alltäglichen Zucht sicher gesprengt haben. «Die Kreuzgasse war vor Alters auch ein Schauplatz fröhlicher Volksfeste», schreibt Karl Howald, «bey vermummten (verkleideten) Processionen und Umzügen, in welchen die Zunfgesellen der Gesellschaften, besonders der Metzger und Gerber auftraten und sich mancherley Possen gegen die Zuschauer erlaubten, zur Belustigung des Volks. Jede Zunft hatte bei solchen Aufzügen ihren eigenen Narren. Dies fand am lautesten und freyesten statt in der Fastnachtszeit vor Ostern. Gewöhnlich wurden Personen, die durch alberne Handlungen ins Stadtgespräch gekommen waren, auf eine carricaturähnliche Weise dargestellt, wo dann die Gespräche und komischen Handlungen der schaulustigen Menge viel Gelächter bereiteten. Durch herkömmliche Freyheiten und Rechte begünstigt, waren an den Fastnachten die Possenreiter ungehindert ganz in ihrem Elemente, und witzige Darstellungen dieser Art waren dem Volk sehr beliebt.» Gegen Volksfeste dieser Zeit waren Die Gnädigen Herren ziemlich machtlos. Zwar versuchten sie immer wieder, ihre Untertanen zur Ordnung zu rufen, aber die Tatsache, das nicht viele ausdrückliche Fastnachtsverbote überliefert sind, lässt darauf`schliessen, dass es ihnen mit ihren Vorschriften nicht ganz ernst war. Mehr mit Regeln, die zum Masshalten riefen, als mit grimmigen Verboten dämmten sie den gröbsten Übermut etwas ein. Selbst als 1534 ein Fastnachtsspiel offenbar unbotmässig ausgefallen war, liessen es die Ratsherren bei -einem Verweis verbleiben: «Mh. verstanden das vassnachtspill, so ettlich angefangen, und wiewoll Mh. daran wenig gefallens, so aber sollichs im besten ungesinnet beschechen, lassen Mh. also bliben, doch hinfür sollicher sach sich müsmüssigent, da gar bald ein geschry und unwillen gegen den anstössern daruss ervolgen möchte.» Literatur: Chroniken von Valerius Anshelm, Conrad Justinger und Tschactlan. Gruners «Deliciae Urbis Bernae; Handschriftliche Aufzeichnungen von Pfarrer Karl Howàld (Berner Brunnen); Bern in seinen Ratsmanualen von Berchtold Haller; Edouard von Rodt, Bern im 18. Jahrh.; Berner Woche, Jahrgang 1939; Berner Taschenbuch 1889/90 und 1854; zum 19. und 20. Jahrhundert: Fest-Aktensammlungen in der Burgerbibliothek. Christine Kobler Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976 Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht 31.08.1976
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