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Bern - Volksfeste VI. Würde und Freude am Ostermontag
Beim Rathaus hielt der abtretende Schultheiss eine Rede, «übergibt das Stadt-Sigel und die Insignia, und wird ein ander Ehren-Haupt erwehlt; auch übergeben die 4 Herren Venner ihre Panner, und resigniren ihre Aemter, werden aber, wann ihre gesetzte Zeit nich exspirirt, confirmirt, oder so sie ausgedienet, andere an ihre Stellen erwehlt, und andere Aemter, und CantzleyDienste bestätigt, und darauf die Eyde geschworen und der grosse Rath confirmirt.» Hierauf zog der neue Schultheiss in Regierungs-Habit und mit dem Szepter in Begleitung des kleiene und grossen Rats - alle Ratsherren trugen Schwarz - und im Beisein der ganzen Burgerschaft zu seinem Zunfthaus, wo ihm jeder Ratsherr auf offener Gasse mit Handschlag Glück für seine Regierung wünschte. Posaunenschall gehörte dazu, die Stadt-Diener und die Stadtwache hatten sich aufgestellt. Bis 1711 sei dies auch ein Festtag der mit Blumen und Kränzen geschmückten, sauber angezogenen Kinder gewesen: Der Grossweibel und der Gerichtsschreiber hätten ihnen «eine Gattung kleiner neuer Bernmüntz oder Vierer» ausgeteilt. Einst seien auch auf den Ostermontag hin neue Bern-Batzen geschlagen und den Kindern ausgeteilt worden; das Berner Wappen sei mit der Inschrift «Monumentum Electionis Consularis» auf der einen Seite und einem Kind mit den Worten «Ad satisfactionem Juventutis» auf dem Revers sichtbar gewesen. Bereits am Ostermontagmorgen versammelten sich die ersten Schwinger der Landschaft auf der Grossen Schanze, um öffentlich um den Siegespreis zu kämpfen. Zudem «hielten die Küffer und die Metzger alle zehn Jahre an diesem Tag einen grossen Umzug ab. Die weissgekleideten und mit einer roten Bandschleife geschmückten Küffer begleiteten einen auf einem grossen Fasse balancierenden Bacchus, der vor dem Rathaus und den Wohnungen aller Ratsherren Gesundheit trinken und seine akrobatischen Künste zeigen musste, während seine Genossen nach der Musik einen Tanzreigen vorführten. Die Metzger führten einen bekränzten fetten Ochsen und ein Schaf in der Stadt herum. Vor den Häusern der Ratsherren markteten sie unter vielen Spässen um diese Tiere, um nach erhaltenem Willkommtrunk wieder weiter zu ziehen.» (Aus «Berner Woche», Jahrg. 1939.) Literatur: Chroniken von Valerius Anshelm, Conrad Justinger und Tschactlan. Gruners «Deliciae Urbis Bernae; Handschriftliche Aufzeichnungen von Pfarrer Karl Howàld (Berner Brunnen); Bern in seinen Ratsmanualen von Berchtold Haller; Edouard von Rodt, Bern im 18. Jahrh.; Berner Woche, Jahrgang 1939; Berner Taschenbuch 1889/90 und 1854; zum 19. und 20. Jahrhundert: Fest-Aktensammlungen in der Burgerbibliothek. Christine Kobler Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976 Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht 31.08.1976
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