g26.ch

HOME
EVENTS
MUSEEN
GALERIEN
BIOGRAPHIEN
G26.CH NEWS
BLACKBOARD
BERN INFO
KUNST

Google
Web g26.ch















Bern - Volksfeste

VII. Der Ausritt des Äusseren Standes

  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
  3. Man feierte in der Kirche
  4. Wenn es darauf ankam...
  5. Narreteien und Possen
  6. Würde und Freude am Ostermontag
  7. Der Ausritt des Äusseren Standes
  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
  10. Fest in der Kriegszeit
  11. Einst war's ein Kalb...
Ebenfalls meist am Ostermontag fand der farbenprächtige Umzug des Äusseren Standes statt (Der Äussere Stand war, im Gegensatz zum Inneren Stand, der eigentlichen Regierung, in allem ein getreuliches Abbild der regierenden Obrigkeit und eine Art Vorschule der jungen Burger für die spätere staatliche Laufbahn. Der Stand, politisch ohne Einfluss, verfügte über «Schultheissen und Räte» wie die Regierung). Diesen Umzug begleiteten die Ratsherren, prächtig aufgemacht, sowie junge Herren aus der Umgebung, die durch Standesläufer eingeladen worden waren.

Der Ausritt führte nach Gruners Schilderung in ein beliebiges Dorf hinaus, wo ein Imbiss eingenommen wurde. Hierauf kehrte die ganze Schar wieder zurück. Hauptpersonen des riesigen Zuges, an dem der grösste Teil der Einwohner, beritten oder zu Fuss, teilnahmen, waren der tanzende Bär (nach Gruner: der «Bären-Kleid-Träger«), der auf einem Krebs reitende Affe (Gruner: der «Affen-KleidTräger, der einen hinderuf gelegten grossen Krebs an statt der Equipagen hinden und vor auf dem Pferd hat»), oft auch der Urispiegel, übertrieben aufgemacht in der neuesten weiblichen Modetracht. Am 27. Mai 1711 muss ein «ungemein prächtiger Ausritt» stattgefunden haben!

Der Ausritt im Sommer hatte ausgesprochen militärisches Gepräge. Wenn er Bewilligung von der Hohen Obrigkeit erhalten, so Gruner, führe der löbliche Äussere Stand von Zeit zu Zeit einen prächtigen und sehr kostbaren Regiments-Umzug durch, «da nicht nur der löbl. aussere Stand, sondern die gantze Burgerschaft von allen Gesellschaften, die Stadt-Reuterey und viele Compagnien Dragoner und Fuss-Volck ab dem Land mit schöner Artillerie in prächtigem Auffzug durch die gantze Stadt hinab aufs Kirchenfeld ziehen, allwo sie in zwy Hauffen getheilt werden, da der grössere von ihrem regierenden Herrn Schuldheissen als Generalen, der Kleinere aber von Ihrem Land-Vogt von Habsburg, der die Stadt Bern belageret, repräsentirt, commandirt wird, und beyde Hauffen gegen einander anmarchiren, und einander eine Schlacht lieffern, und die mitten auf dem Feld darzu auffgeworffene Schantz belägern und einnehmen, welches aus der Stadt mit grosser Lust kan gesehen werden.

Vor diesem war ins gemein alle 3 Jahr ein solcher Regiments-Umzug, wegen allzugrossen Kosten aber geschicht es nicht mehr so offt. Zu diesem prächtigen Auffzug erzeiget eine gnädige Oberkeit ihre hohe Freygebigkeit, indem sie nicht nur alles Pulver, Artillerie, Zelten, dargeben, sondern noch eine Quantität an Wein austheilen lässt. Nichts destoweniger kostet ein solcher Regiments-Auszug einen regierenden Herrn Schultheissen des ausseren Stands, wie auch den Herrn Land-Vogt von Habsburg, und alle Haubtleut und Officiers ein grosses Geld, daher auch, wann in der Zeit der Regierung der Herren Schuldheissen kein solcher Regiments-Auszug gehalten wird, jeder derselben eine grosse Summe Gelds diesem Stand zu erlegen, gehalten wird, wann sie in den innern Stand promovirt werden, und also diesen aussern Stand auffgeben. Bey solchem Regiments-Umzug kommt eine ungemeine Anzahl fremdes Volck nicht nur aus der Stadt Bern Landen und allen Städten, sondern auch von den Eydgenössischen Orten und andere fremde Herren nach Bern, solchen mit anzusehen, welche sich nicht wenig verwundern über die schöne Ordnung, Ansehen und Kriegs-Erfahrenheit dieses Stands.

Es wurden schon vor Zeiten, aber bey weitem nicht so kostbare Umzüge geahalten. Den 6 Martii 1552 (war die alte Fassnacht), zog eine gemeine Burgerschaft im Harnisch aus aufs Kirchenfeld, da ein Schloss von Laden vor dem Kirchhof über gemacht ward, das ward belageret und beschossen, mit 12 grossen Stücken, darinn lag ein Fahnen Fuss-Volck, und geschahen viel Scharmütze, Sturm und Schlachten, und viel Schimpffs, auch waren bey 60 Reisigen zu beyden Seiten, deren einem, genannt Johannes Weiss, Stifftschaffner, eine Hand gar nah in einem Scharmutz abgehauen ward, sonst geschah kein sonderer Schaden, und ward das Schloss gewonnen und verbrannt. Es kam viel fremdes Volck diss zu sehen.»

Literatur: Chroniken von Valerius Anshelm, Conrad Justinger und Tschactlan. Gruners «Deliciae Urbis Bernae; Handschriftliche Aufzeichnungen von Pfarrer Karl Howàld (Berner Brunnen); Bern in seinen Ratsmanualen von Berchtold Haller; Edouard von Rodt, Bern im 18. Jahrh.; Berner Woche, Jahrgang 1939; Berner Taschenbuch 1889/90 und 1854; zum 19. und 20. Jahrhundert: Fest-Aktensammlungen in der Burgerbibliothek.

Christine Kobler
Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976
Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht
31.08.1976


  1. So festeten unsere Vorfahren
  2. Auch Masshalten in der Kleidung
  3. Man feierte in der Kirche
  4. Wenn es darauf ankam...
  5. Narreteien und Possen
  6. Würde und Freude am Ostermontag
  7. Der Ausritt des Äusseren Standes
  8. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
  9. Jenes gewaltige Fühlen
  10. Fest in der Kriegszeit
  11. Einst war's ein Kalb...
Bernfest Bärnfescht 1976
Landesausstellung 1914 in Bern
Berner Zibelemärit
Berner Fasnacht
Die Ratsprozession am Ostermontag in Bern
Zeichen der Freiheit
Links


Berner Zibelemärit

Berner Fasnacht. Kramgasse; im Hintergrund der Zeitglockenturm.

GP Bern Luftaufnahme Nydeckbrücke und Gerechtigkeitsgasse. Quelle: www.gpbern.ch. Foto: Rolf Arni
g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT