|
g26.ch HOME EVENTS MUSEEN GALERIEN BIOGRAPHIEN G26.CH NEWS BLACKBOARD BERN INFO KUNST |
Bern - Volksfeste VIII. Freiheitsbäume und Aufbruch ins 19. Jahrhundert
Die Gründungsfeier von 1791 wäre eines der letzten - oder das letzte überhaupt - der grossen Bernfeste der alten Zeit gewesen. Bereits sieben Jahre später, fünf Tage nach dem 5. März 1798, an dem die Franzosen einmarschierten, wurden auch in Bern Volksfeste ganz anderer Art gefeiert: das Errichten von Freiheitsbäumen, ein Vorgang, an den sich Pfarrer Karl Howald als Zeitgenosse erinnerte: «Also ward mit Bewilligung der französischen Militärbehörden der Tag bestimmt, an welchem beim vierröhrigen Brunnen ein Freiheitsbaum errichtet werden sollte, zu welcher fête eine französische Regimentsmusik geordnet ward. Zur bestimmten Stunde versammelte sich um den Brunnen eine ungeheure Volksmenge; auf der von zwei Seiten zur Hausthüre des untersten Gebäudes an der Gerechtigkeitsgasse führenden, steinernen Treppe, die mit einem eisernen Geländer versehen war, postirte sich die Musik. Mit gestauter Erwartung erwartete man die Ankunft des langen Baumstammes und bald kam von der obern Stadt her ein jubelnder Janhagel (Pöbel), den mit roth, weiss und blauen Bändern behängten Baum auf einem Wagen herziehend. Die Musik spielte zum Empfang des neuen Freiheitssymbols die Marseillaise und das,ça ira' und die Carmagnole. Zunächst am untern Waschtröglein war ein Loch gegraben worden, in welches der Baumstamm gestellt werden sollte. Wie man am obern Theil desselben die Stricke befestigte und den untern Theil des Baumes dem Loche näherte, da ergab sich etwas Wunderbares. Ein äusserst gewandter Franzose kletterte, einem Eichhörnchen gleich, über den Brunnenstock hinauf, von da auf den festen steinernen Pannerträger, der lautlos mit zornerfüllter Miene dem Skandal zusah, setzte sich auf dessen breite Schulter und strengte sich sogleich an, das Fahnenblech vom Spiessschaft zu lösen, was ihm nicht ohne Anwendung von Kraft und Mühe gelang. Unter Bravorufen brachte er die blecherne Fahne, auf welcher der schwarze Bär im goldenen Felde war, herab, legte dieselbe auf dem Gassenpflaster wie einen Bogen Papier in Quarto zusammen und warf sie in das Loch, damit sie dem Freiheitsbaum als erste Unterlage diene. Da sah man Bernerburgerknebel, es waren auch Abkömmlinge der unglücklichen Verschworenen, die in dem Burgerlärm von 1749 impliziert gewesen waren, mit wieherndem Gelächter aufspringen und begeistert das Volk ermuntern, mit Seilen und Stangen den langen Stamm auf dessen Spitze eine grüne Jacobinermütze befestigt war, aufzustellen. Das war jetzt freilich kein leichtes Stück Arbeit. Aber: Zieht! Zieht! Auf, auf' erscholls und die Musik mit hellem Spiel samt Cymbeln und Paukenschlägen intonierte das belebende zum Tanz einladende ça ira!' und der lange Stamm fing gemach an, sich aufzurichten. Husaren, Dirnen und Vagabunden, die mit den Franzosen eingerückt waren, halfen aus Leibeskräften an den Seilen zu ziehen. Man sah Leute, die weinend beobachteten, wie es zuging, andere gebehrdeten sich wie unsinnige Narren. Etlicheumarmten die ihnen nächst Stehenden und gaben ihnen den Bruderkuss.» Das 19. Jahrhundert kennt die Feste mit der Pflege uralten Brauchtums eigentlich nicht mehr. Die neuen politischen Verhältnisse brachten nun die grossen patriotischen Volksfeste, die Zeit der Schützen- und Sängerfeste brach an, viel gesungene Vaterlandslieder wurden komponiert. Einen gewissen Ersatz für die früher bedeutungsvollen, lebendigen Spiele und Possen bieten die historischen Umzüge, die an vaterländischen Gedenktagen die als besonders wichtig betrachteten Ereignisse der Geschichte in verschiedenen Bildern in Erinnerung rufen. Zur Feier des 500. Jahrestags des Eintritts von Bern in den Bund der Eidgenossen wurde erstmals 1853 ein solcher Umzug abgehalten, 1876 dann im Andenken an die Murtenschlacht. Wie stark bei diesen «Bernfesten» der eidgenössische Gedanke mitspielte, geht aus einer Beschreibung des dreitägigen Festes hervor: «Schade, dass der Regen die Freude des Tages stört! Angenehmer war es noch nie, die Strassen der Stadt zu durchwandern, als heute. Welch ein Schmuck ziert die Bundesstadt; vom reichsten Hause bis zum dürfstigsten, überall umschlingen frische Mooskränze, geschmückt mit Bändern und Blumen, die Fenster. Riesenguirlanden verbinden die Häuserreihen, um das Bild vollständiger zu machen. Bald begegnen uns an einem Hause die Wappen der acht alten Orte, umgeben von einem Kranze, bald prangt das eidgenössische Kreuz, ihm zur Seite die Bernerfahne, unter einem Fenster.» Mit zum Festschmuck gehörten Verse wie «Ein Vaterland, Eine Freiheit, Ein Gott», oder «Liebt Arbeit, Einigkeit, seid fromm und treu, in solcher Jugend wird die alte Tugend neu» und «Die Schweiz sei frei, dem Bunde treu». Die Rufe nach Einigkeit waren nicht ganz abwegig, wäre doch beinahe das ganze Vorhaben am harten «Grind» einiger Berner gescheitert: «Wie den Vorfeiern in allen Gmeinden des Kantons das eigentliche, äusserliche Fest folgen sollte, darüber waren die Meinungen sehr verschieden. Und hätten nicht einzelne einsichtsvolle Männer, welche den Geist ihrer Zeit und die Bedeutung wie die Folgen eines solchen Festes erkannten, beharrlich und mit aufopfernder Anstrengung an der Realisierung der Idee eines grossartigen Nationalfestes gearbeitet, wir würden unsern Lesern vielleicht wenig mehr, auf jeden Fall wenigstens nichts so Grossartiges und Herrliches zu melden haben», schrieb G. Ludwig rückblickend im «Berner Taschenbuch» von 1854. Am Fest selber wäre es fast zu einem Zwischenfall gekommen, der die drei Tage vom 21. bis 23. Brachmonat wahrscheinlich mehr getrübt hätte als die Regenwolken: «Ein Glarner Kräuterhändler hätte bald die neuangelegten jungen Pariser Bären vergiftet, da er ein Päckchen stark narkotischer Substanzen in den Bärengraben geworfen, welche die stets naschhaften Tiere nicht bloss zur Nase, sondern zum Munde geführt hatten. Zeitlich genug wurde die Buberei bemerkt, der Attentäter der Behörde zur Bestrafung überliefert!» Literatur: Chroniken von Valerius Anshelm, Conrad Justinger und Tschactlan. Gruners «Deliciae Urbis Bernae; Handschriftliche Aufzeichnungen von Pfarrer Karl Howàld (Berner Brunnen); Bern in seinen Ratsmanualen von Berchtold Haller; Edouard von Rodt, Bern im 18. Jahrh.; Berner Woche, Jahrgang 1939; Berner Taschenbuch 1889/90 und 1854; zum 19. und 20. Jahrhundert: Fest-Aktensammlungen in der Burgerbibliothek. Christine Kobler Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976 Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht 31.08.1976
Landesausstellung 1914 in Bern Berner Zibelemärit Berner Fasnacht Die Ratsprozession am Ostermontag in Bern Zeichen der Freiheit Links ![]() ![]() ![]() |