g26.ch

HOME
EVENTS
MUSEEN
GALERIEN
BIOGRAPHIEN
G26.CH NEWS
BLACKBOARD
BERN INFO
KUNST

Google
Web g26.ch















Bern - die Hauptstadt mit Charme

Bern Zytglogge - Das Uhrwerk

Wichtiger Bestandteil und Wahrzeichen der Stadt bildet zweifellos der Zeitglockenturm, das ehemalige Zentrum der Zeitmessung im Staate Bern. Um 1220 reichte die Stadt von der Burg Nideck, dem östlichen Aareknie, bis hinauf zum heutigen Zeitglockenturm. Als zentrales Element der Ringmauer bildete der damalige Wehrturm das westliche Stadttor. Die Stadt entwickelte sich sehr schnell und musste schon bald nach Westen hin erweitert werden. Der Turm verlor daher nach und nach seine Wehrfunktion und wurde zur Kebien, also zu einem Gefängnis, bis 1405 ein gewaltiger Stadtbrand einen grossen Teil der Stadt zerstörte. Dabei fiel auch die Kebien den Flammen zum Opfer.



  • Der neue Turm
  • Das Uhrwerk
  • Das grosse Zifferblatt
  • Das astronomische Zifferblatt
  • Der Tierkreis
  • Der Tierkreis / das Planisphärium
  • NZZ Format mit Statements von Markus Marti, Zytglogge-Richter
  • Zeitglockenturm Geschichte
  • Weltkulturerbe UNESCO - Altstadt von Bern
  • Bärendreck Preis (Bäredräck)
  • Karte
  • Abbildungen



    Der neue Turm

    Noch im selben Jahr wurde auf die noch bestehenden Grundmauern ein neuer Turm gebaut, allerdings nicht mehr als Kebien, sondern zur Aufnahme der Zytglogge, die im Oktober 1405 speziell zu diesem Zweck gegossen wurde, und die noch heute den Bernern die Zeit verkündet. Zu einer Glocke, welche die Zeit verkündete, gehörte immer auch eine Räderuhr. Bern erhielt seine erste öffentliche Räderuhr 1381 auf dem Wendelstein, der ehemaligen Leutkirche an der Stelle des heutigen Münsters. Dieser Standort geriet aber immer mehr ins Abseits der ständig wachsenden Stadt. Der neue Turm – mitten in der Stadt gelegen – eignete sich hingegen geradezu ideal, möglichst ein grosses Gebiet mit den Stundenschlägen zu beschallen.

    Obschon er viele bauliche Veränderungen erlebte, behielt der Turm bis heute seine Funktion als Verkünder der Zeit. Seine Zeit galt weitum als die verbindliche, von oben verordnete Zeit. Nach ihr richteten sich im alten Bern alle übrigen Uhren. Sie wurde also zur Hauptuhr im Staate Bern und erhielt demzufolge eine angemessene prunkvolle Aufmachung mit goldenem Stundenschläger, grossen Zifferblättern und einem vielfältigen, technisch ausgeklügelten Figurenspiel.

    Das Uhrwerk

    Das heutige Uhrwerk stammt von Kaspar Brunner, einem Waffenschlosser(!) aus dem süddeutschen Raum. Es wurde im Jahre 1530 wohl als eines der grössten je gebauten Monumentaluhrwerke vollendet und ist in seinen wesentlichen Teilen bis heute erhalten geblieben. Das Uhrwerk steht in einem gewölbten Turmzimmer direkt über dem Torbogen.

    Innerhalb des gotisch geschmiedeten Gestellrahmens mit einer Grundfläche von 2.50 x 1.60m und einer Höhe von 2.20m sind 5 einzelne Räderwerke untergebracht: Gehwerk, Viertelstundenschlagwerk, Stundenschlagwerk, Güggelwerk und Figurenspielwerk.

    Das Uhrwerk hat eine Gangdauer von ca. 28 Stunden. Die 5 Gewichtsteine, die zusammen 450 kg wiegen, müssen somit jeden Tag von Hand bis unters Turmdach hochgezogen werden.

    Das grosse Zifferblatt

    Das grosse östliche Zifferblatt hat einen Durchmesser von fast 7m. Es zeigt uns die normale, mitteleuropäische Zeit an.

    Wesentlich war früher die Verkündung der Stundenschläge. Dazu war die grosse Glocke bestens geeignet. Die Anzeige auf dem Zifferblatt erscheint etwas ungewohnt, ist doch der Stundenzeiger grösser als der Minutenzeiger. Eigentlich zeigt der Minutenzeiger auf den inneren Ziffernkranz, der die Viertelstunden von römisch I bis IV darstellt, die auch gleichzeitig durch die kleine Glocke in der Turmlaterne verkündet werden.

    Mit seinem schwarzen Grund und den goldenen Zeigern und Ziffern soll dieses Zifferblatt an die Schöpfung der Welt und damit an die Entstehung der Zeit erinnern. Es ist ein eindrückliches Schauspiel, wenn am Morgen die in der Sonne golden leuchtenden Zeiger und Ziffern gleichsam dem Fiat Lux - dem werdenden Licht - die Dunkelheit des schwarzen Zifferblattes überstrahlen.

    Das astronomische Zifferblatt

    Astronomische Zifferblätter dienen ausser der Zeitangabe auch der Darstellung der Himmelskörper, so wie wir sie von der Erde aus wahrnehmen können. Dafür gibt es verschiedene Techniken. Diejenige, die am Zytglogge angewendet wurde, basiert auf dem Prinzip des Astrolabiums, einer stereographischen Projektion der Gestirne auf die Äquatorebene. Unser Zifferblatt stellt das ptolemäische Weltbild dar, mit der Erde im Mittelpunkt und den Gestirnen, Sonne, Mond und Sterne, die scheinbar um die Erde kreisen. Die Sterne sind symbolisch auf dem exzentrisch angeordneten Tierkreis mit den 12 Tierkreiszeichen dargestellt. Den Mondzeiger bildet eine schwarz-goldene Kugel, die sich nebst dem Umlauf um den Tierkreis um ihre eigene Achse dreht. Das astronomische Zifferblatt mit all seinen Funktionen wurde bereit mit der ersten Uhr kurz nach 1405 angebracht.

    Die Ausgangsfunktion des astronomischen Zifferblattes bildet der Stundenzeiger mit der goldenen Hand und dem Sonnenemblem, das immer dem äusseren Rand der exzentrischen Tierkreisscheibe folgt. Die beiden vollbringen eine Umdrehung in 24 Stunden, genau so wie wir den scheinbaren Sonnenlauf wahrnehmen. Die Ziffernskala zeigt von Mittag 12 Uhr (oben) über Mitternacht 12 Uhr (unten) zweimal 12 Stunden.

    Der Tierkreis

    Die exzentrische Tierkreisscheibe dreht mit dem Stundenzeiger mit, ist aber ein bisschen schneller als dieser. Sie vollzieht nämlich eine Umdrehung in 23 Std. 56 Min., was eben dem Sterntag entspricht. Damit verschiebt sich die Sonne am Rande des Tierkreises jeden Tag rückläufig um 1/365 Umdrehung, was auf der gegenüberliegenden Seite gleichzeitig die Anzeige des Datums erlaubt (Sternemblem mit verlängertem Stahl auf der Datumsskala). Nach einem Jahr - also nach 365 Umdrehungen der Sonne - hat der Tierkreis (Sternenhimmel) somit 366 Umdrehungen vollzogen. Die astronomische Uhr kennt folglich keinen Schalttag; der 29. Februar muss jeweils von Hand eingefügt werden.

    Für einen Umlauf benötigt die Mondkugel auf dem drachenförmigen Zeiger ca. 24 Std. 50 Min. Damit verschiebt er sich rückwärts am Rande des Tierkreises, so dass er nach 29,5 Tagen - dem synodischen Monat - einen vollen Umlauf zurückliegt. In dieser Zeit dreht sich die Kugel um ihre eigene Achse. Anhand der sichtbaren Hälfte zeigt sie uns die jeweilige Phase, von Neumond (schwarze Seite) über Vollmond (goldenen Seite), bis wieder zu Neumond.

    Der Tierkreis / das Planisphärium

    Sonne, Mond und Tierkreis kreisen, nach dem geozentrischen Weltbild, über der Erde, die als festes Element, dem Planisphärium mit den typischen Bezugslinien, Horizont, Dämmerung und Wendekreisen, dargestellt ist. Die Horizontlinie trennt den hellen Tagesbereich mit dem grau-schwarzen Dämmerungs- und Nachtbereich.

    Beim Überqueren der Horizontlinie zeigt die Sonne die Zeit des Sonnenaufgangs und des -untergangs an. Dies geschieht bekanntlich nicht immer zur gleichen Zeit, genauso wie ihr scheinbarer Lauf um die Erde und die Höhe am Mittag sich im Laufe des Jahres verändern. Der Grund liegt darin, dass der Erdäquator und die Jahresbahn der Erde um die Sonne um 23 Grad geneigt sind. Diese Tatsache bewirkt, dass der Tierkreis auf dem astronomischen Zifferblatt als exzentrische Scheibe erscheint.

    Die Sonne, die sich auf dem äusseren Rand des Tierkreises bewegt, durchläuft einmal im Jahr die 12 Zeichen. Dabei verschiebt sie sich gegenüber dem darunter liegenden Planisphärium so, dass sie im Sommer am Mittag (im Meridian) sehr hoch und im Winter sehr tief steht.

    Markus Marti



    Berner Zytglogge

    Fernsehsendung NZZ Format mit Statements von Markus Marti, Zytglogge-Richter

    1.11
    In der Berner Altstadt, der Zytglogge-Turm. Das erste Stadttor ist eine Attraktion seit Jahrhunderten. Die Uhr ist nicht nur weitherum die grösste, sondern auch die spektakulärste. Vor der vollen Stunde gilt es bereit zu stehen, will man das Figurenspiel nicht verpassen. Gebaut wurde es 1530, neben die damals schon existierende astronomische Uhr, als Bern eine wichtige Handelsstadt war.

    1.39
    Da dreht die Stadtwache ihre Runde. Und der Narr schlägt zwei Minuten zu früh die Stunde.

    1.54
    Im Mittelpunkt Chronos, Gott über die Zeit und den Tod. Er dirigiert die Schläge und zählt sie mit.

    2.06
    Auf der astronomischen Uhr drehen sich die Gestirne um die Erde. Die vielen Indikationen sind aber trotzdem gültig. Die Uhr wurde 1405 von einem unbekannten Meister gebaut, nach einem grossen Stadtbrand.

    2.22
    Der von der Stadt bestellte Zeitrichter hat ein Modell der astronomischen Uhr angefertigt und sich mit ihr auseinandergesetzt.

    2.33
    Statement Markus Marti, Zytglogge-Richter:
    «Die Gelehrten wollten solche Sachen sehen, aber auch das gemeine Volk – die Bauern – haben sich orientiert am Stand der Sonne im Tierkreis, aber auch am Mond. Am Vollmond, am aufsteigenden, am obsigehenden oder nidsigehenden Mond, und nach dem hat man sich dann in der Landwirtschaft gerichtet. Und das hat man dann alles hier ablesen können, aber man hat das natürlich auch ein bisschen verfeinert und ausgeschmückt, um den Besuchern in Bern zu zeigen, zu was die Technik fähig war damals.»

    3.23
    Die astronomische und die grosse Uhr sowie das Figurenspiel haben gemeinsam fünf Uhrwerke mit insgesamt 450 Kilo Gewichten, die täglich aufgezogen werden. Sie vertragen keine Vergesslichkeit. Sie wurden vom Nürnberger Waffenschlosser und späteren Zeughausverwalter Kaspar Brunner gebaut, von 1527 bis 1530.

    3.48
    Statement Markus Marti, Zytglogge-Richter:
    «Kaspar Brunner hat eben aus seinen Kenntnissen heraus diese Uhr gebaut. Natürlich wusste er, wie eine solche Uhr funktioniert. Es hatte ja eine Vorgängeruhr hier, und das Prinzip der Hemmung, das Prinzip der Zahnradübertragung, das kannte er, aber die Art und Weise, wie er die Teile geschmiedet hat, die Robustheit auch, die zeugt schon von einem Waffenschlosser und nicht unbedingt von einem feinen Uhrmacher.»

    4.28
    Das Pendel wurde um 1700 eingebaut, vorher war es noch nicht erfunden. Das Uhrwerk ist kaum reparaturanfällig. Manchmal muss die Uhr aber gerichtet werden, durch Beschleunigen oder Anhalten der Pendelschwingung. Dass sie genau sein muss hat Tradition.

    4.48
    Statement Markus Marti, Zytglogge-Richter:
    «Das war ja eine Hauptuhr in Bern, sogar im ganzen Staate Bern, man hat von hier aus alle andern Uhren gerichtet, sogar diejenigen in andern Städten. Man hat eine zeitlang in den Postkutschen diese grossen Kutschenuhren gehabt. Die Kutschen, bevor sie abgefahren sind, sind hierher gekommen, haben ihre Uhren gerichtet, und die Zeit dann ins Land hinaus gebracht nach Thun, nach Burgdorf, nach Biel.»

    5.28
    Ein paar Minuten vor der Stunde beginnt das Spektakel zuerst im Uhrwerk. Das Figurenspiel wird ausgelöst. Die Übertragung vom Uhrwerk auf die Figuren galt damals als technische Spitzenleistung. Die Stadt dokumentierte damit unter anderem ihre Macht. Sogar Töne löst das Uhrwerk aus. Der Blasbalg lässt den Hahn krähen.

    6.00
    Und besonders revolutionär ist der güldene Hans von Tann, ein Automat, der seit 1530 den Stundenschläger ersetzt und die Zeit von der Turmspitze aus verkündet.

    www.nzz.ch



    Zeitglockenturm-Führung

    Westliches Stadttor 1218 - 1256, 1. Stadterweiterung. Figurenspiel (1530, Beginn 4 Minuten vor jeder vollen Stunde) und astronomische Uhr. Machen Sie einen kurzen Ausflug zur Technik des Mittelalters (Uhrwerk aus dem 16. Jahrhundert). Geniessen Sie die einmalige Aussicht auf Berns Gassen und Dächer.

    In den Sommermonaten täglich - übrige Zeit nach Vereinbarung

    Auskunft bei Bern Tourismus
    www.berninfo.com



    Bern - Zeitglocken. Das astronomische Zifferblatt und das Figurenspiel. Foto: afreedawg

    Bern - Zeitglocken. Das grosse Zifferblatt. Foto: afreedawg
    g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT
  •