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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Bern - Erlacherhof

Junkerngasse 47

Das im 14. Jh. aus zwei alten Häusern zusammengeschlossene und in der Mitte des 15. Jh. um ein drittes erweiterte Stadthaus der von Bubenberg umfasste im westlichsten Teil das alte Blankenburghaus.

Der Erlacherhof (vormals das alte Bubenberghaus, auch Bubenberghofstatt oder kurz Hofstatt genannt) wurde nach einem Projekt Albrecht Stürlers für Schultheiss Hieronimus von Erlach 1746 begonnen und, nach verändertem Plan, 1752 vollendet. Der nach französischem Vorbild errichtete repräsentativste Patriziersitz der Stadt ist seit 1832 Sitz der Stadtverwaltung und hat in der Folge zahlreiche nachteilige Veränderungen erfahren. Mit der Restaurierung des Äusseren sowie einzelner Räume im Inneren 1974–79 und schliesslich des Festsaales 1990/91 wurden Ausstrahlung und Charakter dieses einzigartigen Stadtpalais wieder hergestellt.

Der Erlacherhof diente in der Mediationszeit als Mattenschule und war seit dem 1. Jahrzehnt des 19. Jh. bis 1831 Sitz der französischen Botschaft. Von 1848 an enthielt er die Amtsräume des Bundesrates, die 1857 ins Bundeshaus-West verlegt wurden. Seither beherbergt er Teile der Gemeindeverwaltung.

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)



  • Neubau von Albrecht Stürler, 1745-1752
  • Erlacherhof (Homepage)
  • Hieronymus von Erlach (HLS)
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    Neubau von Albrecht Stürler, 1745-1752

    1717, kurz nachdem er durch Joseph Abeille Schloss Thunstetten (1711-1713) hatte errichten lassen, vereinigte Hieronymus v. Erlach das durch Erbteilung aufgeteilte Familiengrundstück an der Junkerngasse mit Gassenhaus, ausgedehntem Hof und dreiteiligem Hinterhaus wieder in seiner Hand. Damit war das Grundstück für den späteren Neubau des sog. Erlacherhofes gegeben, der zum bedeutendsten stadtbernischen Privatbau des 18. Jh.s werden sollte. Die Wahl zum bernischen Schultheissen bewog v. Erlach, neben seinem Hauptsitz in Hindelbank sein Sässhaus zum repräsentativen Stadtpalais auszubauen.

    Die nachfolgende Darstellung widerspricht in wesentlichen Punkten dem bisherigen Forschungsstand: Im Entwicklungsprozess zum definitiven --Ausführungsentwurf Albrecht Stürlers gibt ein dem Vater Daniel zugeschriebenes Projekt die entscheidenden Anstösse; das bisher als spätere Hinzufügung betrachtete dritte Geschoss des Corps de logis und der zugehörige Salon «à l'Italienne» waren immer Bestandteil des Stürlerschen Ausführungsprojektes; der danach errichtete Erlacherhof war beim Tod des Bauherrn 1748 im Rohbau weitgehend fertiggestellt.

    Die Vorprojekte, um 1740-1745

    Wahrscheinlich schon bald nach der 1736 erfolgten Schultheissenwahl wird der baufreudige v. Erlach konkret die Planung des Neubaus angepackt haben. Als einzige Quellenbelege existieren im Stadtarchiv mehrere Projektserien - Präsentationspläne und Werkrisse -, die alle unsigniert und undatiert sind. Von den durch Paul Hofer mit «A» bis «G» bezeichneten Varianten gehören «A» und «B», wahrscheinlich auch «F», nicht zur Planungsgeschichte des Erlacherhofes. Trotz festzustellender zeichnerischer Unterschiede werden ausser «D» alle Pläne - wie das verlorene Ausführungsprojekt - übereinstimmend Albrecht Stürler zugeschrieben. Der von Ueli Bellwald Daniel Stürler zugeschriebene Entwurf ähnelt Projekt «E» in vielem (Grundrisse und Fassaden des Corps de logis, Gesamtform und Rasterfassadierung des Gassenflügels) und kann als dessen Vorstufe angesehen werden. Nach seinem ersten, in der Hofbildung spektakulären, in der Grundrissgestaltung des Hinterhauses aber wenig einfallsreichen Vorschlag «C», entwickelte Albrecht das in der formalen und funktionalen Durcharbeitung der Raumorganisation ausgereiftere Projekt des Vaters in seinem Projekt «E» weiter.

    Alle erhaltenen Projektvorschläge verraten die intensive Auseinandersetzung der Entwerfer mit dem vorgegebenen Standort, mit der vorbestehenden Bausubstanz sowie den räumlichen und formalen Vorstellungen des Bauherrn. Nach dem Vorbild von französischen «Hôtels particuliers» der Hoch- und Spätklassik, sicher aber auch unter dem Eindruck des Joseph Abeille zugeschriebenen Privathauses für Samuel II Frisching in der gleichen Gasse, interpretieren alle Vorprojekte die vorgegebene Situation aus Gassen- und Hinterhaus und dazwischenliegendem Hof zum südorientierten «Stadtrandhaus» um: das Hinterhaus wird in den axial durchgebildeten Vorschlägen zum formal bevorzugt behandelten Corps de logis, dessen Gartenfassade gegen das weite Umland gerichtet ist. Im Haus Frischings - auch er war Schultheiss (!) - fanden Daniel und Albrecht Stürler das als Beletage ausgebildete erste Obergeschoss mit der quergestellten Frontenfilade der Haupträume und die anschliessende terrassierte Gartenanlage vor. Wie dort steht in den meisten früheren Projekten dem Hinterhaus ein Gassenhaus mit untergeordneten Räumen und dienenden Funktionen gegenüber; es enthält den Durchgang zum Zwischenhof, der - flankiert von Seitenflügeln - von der Hoffassade des Hauptraktes beherrscht wird. Konsequenter als im einzigen Berner Vorbild sind die vorgeschlagenen Höfe jeweils als grosszügige «Cour d'honneur» ausgebildet, orientieren Vater und Sohn Stürler sich in ihren Vorschlägen an den in verschiedenen Architekturtraktaten greifbaren französischen Vorbildern (vgl. etwa d'Avilers 1691 erstmals erschienener «Cours d'Architecture»).

    Im Gegensatz zum verhältnismässig konventionellen Vorschlag «D» des Vaters enthalten die beiden ersten Entwürfe Albrecht Stürlers Ungewöhnliches. Auffällig ist dabei, dass die jeweils anvisierten Elemente unterschiedlich sind: Das erste Projekt «C» verblüfft mit einem aussergewöhnlichen Achteckhof und den vielfältig varierten; in Projekt «E» weicht er von der sonst durchgehend zu beobachtenden Dreigeschossigkeit des «Hinterhauses» ab: den harmonisch proportionierten Corps de logis und die gleich hohen Seitenflügel mit zwei Stockwerken verbindet er hier mit einem volumetrisch dominierenden dreigeschossigen Gassenflügel, eine unübliche Gegenüberstellung, an der sich der Bauherr gestossen haben wird. Das anschliessende Projekt «G» kann als Wendepunkt und unmittelbare Vorstufe zur schliesslich ausgeführten Lösung betrachtet werden: Stürler kehrt hier nicht nur zu der bisherigen Dreigeschossigkeit des Corps de logis zurück, sondern löst den bisherigen Gassenflügel nach französischem Vorbild zum eingeschossigen, transparenten Laubentrakt auf.

    Die erhaltenen Projekte und der ausgeführte Bau übernehmen wichtige Teile der Vorgängersubstanz: Mit Ausnahme des Projektes «D» des Vaters gilt dies hauptsächlich für die frontseitige Raumeinteilung des Hauptflügels bis und mit erstem Obergeschoss; alle integrieren zudem die westseitige Brandmauer und die Aussenwand des östlichen Seitenflügels. Von der Übernahme der dreifach gebrochenen Fassadenflucht der Südseite geht erst das Ausführungsprojekt ab.

    Aufschlussreich ist die Entwicklung des in den verschiedenen Projekten umbauten Volumens, das abhängig von der Geschosszahl der Flügel ist. Die etwa gleich grossen Projekte «D» und «C» umfassen vier dreigeschossige Trakte; die Reduktion der Geschosszahl des Haupt- und der Seitenflügel auf zwei in Projekt «E» bringt einen ersten erheblichen Raumverlust mit sich. Die durch die Auflösung des Gassenflügels bewirkte zusätzliche Reduktion von verfügbarem Platz wird sowohl in Projekt «G» wie im Ausführungsprojekt durch die erneute Dreigeschossigkeit des Hauptflügels wenigstens teilweise kompensiert.

    Das Ausführungsprojekt, um 1745

    Die wesentlichen Elemente des Vorprojektes «G» wurden im Ausführungsprojekt übernommen: es sind dies der eingeschossige transparente Laubentrakt, die zweigeschossigen Seitenflügel mit sieben Achsen, sowie der dreigeschossige Corps de logis. Ins Auge fallende Unterschiede sind die Fassadengestaltung der Seitenflügel sowie die Südfront, die in «G» zwar gleich fassadiert ist, dort aber noch die Baufluchten der vorbestehenden Bauten berücksichtigt. Anders als die begradigte Gartenfront des Ausführungsprojektes ist diese deshalb noch unregelmässig konvex vorgewölbt.

    Das formal wenig befriedigende dritte Geschoss wurde bisher als Resultat einer erst nach 1748 durch einen Nachfolger Albrecht Stürlers vorgenommenen Planänderung angesehen. Dies trifft unserer Ansicht nach nicht zu: Mit einer Ausnahme war eine dritte Etage in sämtlichen Projekten vorgesehen. Auf sie konnte der Bauherr nicht verzichten, wollte er auf seinem kostbaren Grundstück nach einer ersten Raumreduktion in Projekt «E» nicht nochmals einen erheblichen Verlust an umbautem Raum in Kauf nehmen. Bei den offensichtlichen Ungereimtheiten im Bereich des dritten Halbgeschosses und dem dadurch verursachten Spannungsverhältnis zwischen Corps de logis und Seitenflügeln kann es sich demnach nicht um die Folgen einer nachträglichen Planänderung handeln: Auch ein hochbegabter Künstler wie Albrecht Stürler war nicht immer in der Lage, ein gestelltes funktionelles Problem auch ästhetisch völlig befriedigend zu lösen.

    Die Arbeiten am Erlacherhof waren nach einer Bauzeit von etwa zweieinhalb Jahren im Februar 1748 bereits weit fortgeschritten. Nach den bisherigen Vorstellungen hatte der Erbe Hieronymus v. Erlachs, Albrecht Friedrich, bei dessen Tod Anfang 1748 nicht einen vollendeten Rohbau, sondern eine seltsam anmutende Versammlung unterschiedlich weit vorangeschrittener Baustadien angetroffen: die Seitenflügel mit den Initialen des Bauherrn sollen zu diesem Zeitpunkt zwar vollständig, der Laubentrakt höchstens teilweise, der Corps de logis auf der Hoffront bis maximal zum ersten Obergeschoss, auf der Gartenfront bis und mit dem Erdgeschoss aufgeführt gewesen sein. Die Annahme eines in sich logischen, werkgemässen Voranschreitens der Bauarbeiten, bei denen die verschiedenen, gestaffelten Arbeitsgänge mehr oder weniger nahtlos ineinandergriffen, impliziert vielmehr, dass spätestens im Februar 1748 der ganze Rohbau mit Ausnahme des juristisch umstrittenen Laubentraktes vollendet war: Wenn die Seitenflügel bis und mit ihren Giebelreliefs fertig waren, werden auch die Arbeiten am Corps de logis zumindest annähernd diesem Stadium entsprochen haben. Der Bauschmuck, zu dem auch die Giebelfelder des Haupttraktes gehören, war demnach zu diesem Zeitpunkt nicht nur bereits entworfen und ausgeführt (Hofer 1959, BE II, 197 und 201f, Bellwald 1980, Erlacherhof, 39), sondern bereits am Bau versetzt.

    Es ist fraglich, ob Albrecht Stürler die Bauausführung bis zu seinem Tod im Frühjahr 1748 leitete. Sein Testament vom März 1747 lässt vermuten, dass er sein Ende bereits ein Jahr zuvor nahen sah. Er wird deshalb in den beiden letzten Jahren seines Lebens in zunehmendem Masse eine Stütze nötig gehabt haben. Möglicherweise stand ihm beim Erlacherhof der junge Erasmus Ritter zur Seite, der bei ihm in der Lehre war und hier Gelegenheit hatte, als Geselle praktische Erfahrungen zu sammeln. Ritter hinterliess in seinen Zeichnungsmappen drei Werkrisse für Schmiedeeisengitter des Erlacherhofs von Johann August Nahl, die er mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Zeit zwischen Nahls Ankunft in Bern im September 1746 und Ritters Abreise nach Kassel im Frühsommer des darauffolgenden Jahres erhalten hatte. Dass Nahl, der sich zuvor in Berlin als Architekt nie eigenständig betätigt hatte, in die architektonische Gestaltung des Erlacherhofes eingegriffen haben soll, ist wenig wahrscheinlich. Die ungewöhnlichen Umstände der Ankunft des renommierten Bildhauers und Innendekorateurs werden auf die direkte Protektion Hieronymus v. Erlachs zurückgeführt (Fallet 1970, Nahl, 39), der dabei an dessen Beteiligung für die dekorativen Ausstattung seines Stadtpalais gedacht haben wird. Dass Nahl bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft Brüstungsgitter für den Erlacherhof entwarf, spricht ebenfalls für eine weitgehenden Vollendung des Rohbaus bereits zu Beginn des Jahres 1748: weil dieser seinem Ende zuging, mussten die dekorativen Entwürfe im Hinblick auf einen flüssigen Ausführungsablauf den Handwerkern zur rechtzeitigen Ausführung übergeben werden.

    Nach dem Tod Hieronymus v. Erlachs verzögerten sich die Arbeiten: Erst im Februar 1750 erhielt Albrecht Friedrich vom Rat die Bauerlaubnis zur ostseitigen Fertigstellung des Laubentraktes «sowohl wegen Anständigkeit, als mehrerer regularitet und Comoditet dieser gass» und zur Untertunnelung der südseitigen Gartenterrasse: der Bubenbergrain störte dadurch die «regulare Einrichtung seiner Terrasse» nicht; von einer Begradigung der damals bereits ausgeführten Südfassade war dabei nicht die Rede (vgl. dagegen Hofer a. O., 197 Anm. 4).

    Lit.: (Auswahl) Hofer 1959, BE II, 194-219; Bellwald 1980, Erlacherhof; Furrer 1984, Erlacherhof; Lörtscher 1993, Ausbildung, 46-49.

    Quelle: Thomas Lörtscher
    «währschafft, nuzlich und schön»
    Bernische Architekturzeichnungen des 18. Jahrhunderts
    Bernisches Historisches Museum




    Links

    Hieronymus von Erlach
    Als schillernde Persönlichkeit von ausserordentlicher staatsmännännischer Begabung verfügte von Eerlach über internationale Verbindungen, u.a. zum österr. Feldherrn Prinz Eugen, denen er Auszeichnungen (z.B. Ritter des württemberg. St.-Hubertus-Ordens) verdankte. Er gilt als Repräsentant barocker Kultur: Als zu seiner Zeit grösster Grundbesitzer Berns liess er u.a. die Schlösser Thunstetten (1713) und Hindelbank (1721-25) errichten und begann 1745 mit dem Bau des sog. Erlacherhofs in Bern. Von seinem zweiten Schwiegervater erbte er 1718 die Herrschaften Urtenen und Mattstetten und erwarb selber Thunstetten (ab 1721 Twingherrschaft), Moosseedorf, Bäriswil und Hindelbank.
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    Schloss Thunstetten
    Der Berner Patrizier Hieronymus von Erlach, nach 1700 Landvogt zu Aarwangen, bewies ein glückliches Auge, als er die Herrschaft Thunstetten erwarb, um sich auf der aussichtsreichen Anhöhe oberhalb von Langenthal eine Sommerresidenz bauen zu lassen. Auf der selben Hügelwelle wie das Schloss erheben sich die Thunstetter Kirche mit ihrem alten, schönen Turm und das besonders beachtenswerte, durch seine Grösse auffallende Pfarrhaus, die einstige Komturei des Johanniterordens aus dem 13. Jahrhundert. Das Schloss wurde 1713-15 erbaut nach Plänen des berühmten Pariser Architekten Joseph Abeille; Baumeister war Abraham Jenner aus Bern. Die Fachliteratur spricht von einer genialen Bauidee und von vorbildlicher Bauart des französischen Barocks im Stile Louis XIV. Der patrizische Bauherr, sagenhaft in Reichtum wie Lebensstil, liess an der grosszügigen Anlage samt Park und Gärten an nichts mangeln. weiter...

    Schloss Hindelbank
    Die Anstalt gehörte ursprünglich zum Schloss des Hieronymus von Erlach, welches 1720 erbaut wurde. Bis 1866 war es der Sitz der Familie von Erlach. Der Kanton Bern übernahm das Schloss und funktionierte es zu einer Armenanstalt für Frauen um. Von 1896 bis 1912 wurde es als Zwangsanstalt für Weiber genutzt. Ab 1912 waren nicht nur Frauen, die zu fürsorgerischem Freiheitsentzug eingewiesen waren in Hindelbank, sondern auch strafrechtlich verurteilte.
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    Architektur - Von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert
    Bern besass im 18. Jh. eine stolze Reihe von Architekten -- Erasmus Ritter, Niklaus Schildknecht, Niklaus Sprüngli und Albrecht Stürler --, setzte ihnen aber gleichwohl für Staatsbauten berühmte Franzosen wie Joseph Abeille und Jacques Denis Antoine vor die Nase.
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    Erlacherhof Bern

     Eingang zum Erlacherhof Bern

    Erlacherhof Bern
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