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Bern - die Hauptstadt mit Charme Hebammenschule Bern - Geschichte Entbindungsanstalt Am 1. Dezember 1781 beginnt an der Insel der erste dreimonatige Hebammenkurs an der ersten Entbindungsanstalt Berns. Später wird die Entbindungsanstalt ins Obergeschoss des Interlaknerhauses verlegt. 1834 zieht die Entbindungsanstalt ins ehemalige Salzkammergebäude (Brunngasse 48) um, das 1853 neu aufgebaut wird. Seit 1876 befindet sich die Entbindungsanstalt im heutigen Frauenspital. Interlaken-Haus, auch Interlappen-Haus ¹ Das älteste Sässhaus des Klosters Interlaken befand sich an der Stelle des Westteils des Béatrice von Wattenwyl-Hauses, Junkerngasse 59b. ³ 1427 erbautes und 1529 umgebautes Sässhaus des Klosters Interlaken. Zweitunterstes Haus der Wendschatzgasse. Abgebrochen kurz vor 1844. Standort: Südwestteil des Nydegghöflis und Nordseite der Nydegggasse zwischen den beiden Treppen Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Hebammenschule Bern - Geschichte «Und stehen sie nicht an den Pforten welche das Sichtbare trennen vom Unsichtbaren... Jeremias Gotthelf meint in obigem Zitat die «sages-femmes» die «weisen Frauen», die Hebammen oder «midwives», wie sie im Englischen genannt werden. Über die Herkunft des Wortes «Hebamme» gibt der Dudei im Etymologieband folgende Auskunft: «Der auf das deutsche Sprachgebiet beschränkte Ausdruck für Geburtshelferin geht auf das mittelhochdeutsche heb/e/amme eigentlich Hebe-Amme zurück, das eine volksetymologische Umdeutung vom althochdeutschen hev/i/lamma, eigentlich Hebe-Ahnin ist.» Seit jeher halfen die Frauen einander beim Gebären. Das empirische Wissen um die Geburtsvorgänge wurde von Frau zu Frau, von Generation zu Generation weitergegeben. Aus der solidarischen Hilfeleistung entwickelte sich im Mittelalter das Hebammenamt. Die Hebammen hatten die Verordnungen der Kirche zu befolgen und waren für die Sicherstellung des Seelenheils des neuen Erdenbürgers verantwortlich. Dies erklärt, warum die Hebammen eine besondere Taufberechtigung erhielten, ein Privileg, das mit der Reformation in Gebieten protestantischen Glaubens jedoch abgeschafft wurde. Es lag im Interesse der patriarchalisch aufgebauten Kirche, die Hebammen zu kontrollieren. Da sie, wie Gotthelf treffend formuliert, «an der Schwelle stehen» und mit den geheimnisvollen Vorgängen um Fortpflanzung, Schwangerschaft und Geburt umzugehen wissen, wurden ihnen auch übernatürliche Kräfte zugesprochen. Der «Hexenhammer», das 1486 erschienene Werk der inquisitorischen Hexenverfolgung, bildete die gedankliche Grundlage für die Verfolgung von Frauen und hob die Hebammen besonders hervor. «Niemand schadet dem katholischen Glauben mehr als die Hebammen. Denn wenn sie die Kinder nicht töten, dann tragen sie, gleich als wollten sie etwas besorgen, die Kinder aus der Kammer hinaus, und sie in die Luft hebend opfern sie dieselben den Dämonen» (zitiert nach RICARDA SCHERZER, 1988, 11). Immer mehr wurde die kirchliche Kontrolle durch die Aufsicht von Regierung und Behörden abgelöst. Im 16. Jahrhundert waren die Hebammen dem Stadtarzt unterstellt, wie der erste Paragraph der bernischen Hebammenordnung von 1540 bestätigt. Das Gesetzeswerk beschrieb erstmals die Rechte - vor allem aber auch die Pflichten der Hebammen - und diente während mehr als zwei Jahrhunderten als Grundlage der Hebammentätigkeit im Kanton Bern. Neben den Hebammenordnungen erschienen im 16. Jahrhundert die ersten Lehrbücher. Bis zur Gründung einer bernischen Ausbildungsstätte war es jedoch noch ein weiter Weg. Im Laufe des 18. Jahrhunderts vollzog sich der Wandel vom Hebammenamt zum traditionellen Beruf, für den eine spezifische Ausbildung mit Diplomabschluss erforderlich war. Die erste bernische Hebammenschule, untergebracht im Inselspital, öffnete im Jahr 1781 ihre Tore. Nach sechs Jahren Probezeit wurde die Schule wieder geschlossen. Kurz vor dem Ende des 18. Jahrhunderts begann in der Geschichte des bernischen Gesundheitswesens eine neue Ära, die grosse Auswirkungen auf die Hebammentätigkeit zeigte. Zur Ausbildung junger Ärzte wurde das Medizinische Institut gegründet, die Geburtshilfe war der Chirurgie angeschlossen. Nun bestimmten die Ärzte das Geschehen im Medizinalwesen. Von den Hebammen wurden anatomische Kenntnisse gefordert, welche sie ausschliesslich von Männern erlernen konnten, da Frauen der Zugang zur Universität damals noch untersagt war. Dementsprechend unterrichteten in der 1806 wieder eröffneten Hebammenschule Professoren für Chirurgie und Anatomie. 1876 fand in Bern die Einweihung der Kantonalen Entbindungs- und Frauenkrankenanstalt statt, dem späteren Kantonalen Frauenspital. Dr. Peter Müller (1836-1922], Professor für Geburtshilfe, leitete die Hebammenschule, die mittlerweilen auf die Grosse Schanze umgezogen war. Unter seiner Führung verlagerte sich das Geschehen um die Geburt vom Privathaus ins Spital und in die Poliklinik. Müller äusserte sich engagiert zu den Problemen im schweizerischen Hebammenwesen und liess auf seine Vorträge auch Taten folgen, indem er die Ausbildung an seiner Schule neu strukturierte und verbesserte. Die missliche Situation im Hebammenwesen - schlechte Ausbildung, minimale Entlöhnung bei grosser beruflicher Belastung, fehlende soziale Absicherung - führten 1894 zur Gründung des Schweizerischen Hebammenvereins, dessen offizielles Organ die «Hebammenzeitung» war. Jedes Jahr fand der «Hebammentag» statt, 1900 wurde er in Bern abgehalten. Unter dem Titel «Gehe ich nach Bern?» forderte die «Hebammenzeitung» [Nr. 6, 1900, 41] die Hebammen auf, an der Tagung teilzunehmen: «Eine besondere Anziehungskraft bildet ohne Zweifel der für die diesjährige Versammlung bestimmte Ort. Schon die so rührige Sektion Bern zieht wohl viele Hebammen dorthin, insbesondere wird aber manche Hebamme den Anlass benutzen, einmal der schweizerischen Bundesstadt einen Besuch abzustatten, um auch den Ort zu sehen, wo unsere Landesväter die Gesetze machen, von wo aus jeweilen 20 Jahre nach dem Durchschneiden des Nabelstranges der junge Schweizerbürger zum Soldaten gestempelt wird. Dass solcher viele werden, liegt ja auch in den Händen der einsichtigen Hebamme.» Gesamtschweizerische Studien und Statistiken aus der Jahrhundertwende verdeutlichten die Missstände im Hebammenwesen und bildeten die Grundlage für die interkantonale Konferenz zur Reform des Hebammenwesens, die 1909 in Bern stattfand. Die Konferenz forderte Verbesserungen im Bereich der Ausbildung und Entlöhnung, Forderungen, die in den nächsten Jahren wiederholt ausgesprochen wurden. Den 23 frisch diplomierten Hebammenschülerinnen auf dem Bild wartet ein von Missständen geprägtes Berufsleben. Durchschnittlich betrug das jährliche Einkommen einer Hebamme etwa 360 Franken [1891). In einzelnen Kantonen lagen die Einkünfte jedoch weit unter dem Durchschnitt, nicht selten erhielt eine Hebamme für die Betreuung einer Geburt lediglich 4.50 Franken. Die Konferenz von 1909 verlangte einen Minimalbetrag von 15 Franken. In Bergbauerngebieten bestand das Honorar oftmals aus einem Alpkäsli. Hebammen waren also gezwungen, einem Nebenerwerb nachzugehen. Ob die Hebammen im Garten des Frauenspitals schon an die Schattenseiten ihres Berufes denken und deshalb so ernst in die Kamera des Photographen blicken? Ihre einjährige Ausbildung haben sie absolviert, ihr praktisches und mündliches Examen bestanden, sie sind vom Regierungsstatthalter vereidigt worden und haben ihr Diplom erhalten. In festlicher Kleidung - einige Frauen tragen die Berner Tracht - haben sie sich zum Gruppenphoto eingefunden. In ihrer Mitte thront Prof. Dr. Peter Müller, der dem Frauenspital und der Hebammenschule von 1884 bis 1910 vorgestanden hat. Die drei Herren in den dunklen Anzügen sind wahrscheinlich Mitglieder der Prüfungskommission, Delegierte der Direktion der Sanität, unter deren Oberaufsicht die Hebammenschule stand. Die jungen Hebammen stehen an der Schwelle ihrer Berufsausübung und am Anfang eines neuen Jahrhunderts, das dem Gesundheitswesen enorme technische und medizinische Neuerungen bringen wird (vgl. Nr. 8.1-8.4). Lit.: Gehe ich nach Bern? In: Schweizerische Hebammenzeitung, Jg. 7, 1900, Nr. 6, 41. - PETER MÜLLER: Die Vereinheitlichung des Hebammenwesens in der Schweiz. In: Schweizerische Hebammenzeitung, Jg. 7, 1900, Nr. 7,49-51. - RUDOLF HUNZIKER und HANS BLOESCH (Hrsg.): Jeremias Gotthelf: Sämtliche Werke in 24 Bänden. Bd. 6: Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht, Teil 2. Erlenbach-Zürich 1921, 84. - VERENA FELDER: Die Entwicklung vom traditionalen zum modernen Beruf der Hebamme unter Berücksichtigung der Situation der freischaffenden Hebamme. In: Itinera, Fasc. 2/3: Auf den Spuren weiblicher Vergangenheit. Berichte des Zweiten Schweizerischen Historikerinnentreffens in Basel, Oktober 1984. Basel 1985, 86-105. - KATHARINA MEYER: Zur Geschichte des Hebammenwesens im Kanton Bern. Berner Beiträge zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Bd. 11. Bern 1985. - RICARDA SCHERZER: Hebammen: Weise Frauen oder Technikerinnen? Frankfurt am Main 1988. - URSULA ZÜRCHER: 100 Jahre Berner Hebammen. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Sektion Bern des Schweizerischen Hebammenverbandes. Bern 1993. - URSULA ZÜRCHER (Hrsg.): 100 Jahre Schweizerischer Hebammenverband 1894-1994. Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum. Mit Beiträgen zum aktuellen Stand der Geburtshilfe. Bern 1994. Quelle: Chrige Fankhauser Biographien - Bernisches Historisches Museum 1996 ![]() |