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Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft

Schweizerische Landesausstellung 1896 in Genf

Landesausstellungen
Gemäss offizieller Zählung wurde die erste Landesausstellung 1883 in Zürich durchgeführt. Weitere fanden 1896 in Genf, 1914 in Bern, 1939 in Zürich, 1964 in Lausanne und 2002 in Biel, Neuchâtel, Yverdon-les-Bains sowie Murten statt.

Historisches Lexikon der Schweiz



  • Genf 1896: Heile Welt und Wirklichkeit
  • Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft
  • Abbildungen
  • Schweizerische Landesausstellung 1883 in Zürich
  • Schweizerische Landesausstellung 1896 in Genf
  • Schweizerische Landesausstellung 1914 in Bern
  • Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich
  • Expo 1964 in Lausanne
  • Expo 2002 in Biel, Neuchâtel, Murten, Yverdon
  • Expo Archiv (mehrsprachig)
  • Schweizerische Landesausstellung (Wikipedia)




    Genf 1896: Heile Welt und Wirklichkeit

    An der zweiten Landesausstellung 1896 in Genf wurden 2,3 Millionen Eintritte verkauft. Dennoch endete sie mit einem Defizit von 740'000 Franken. Schuld daran war nicht nur der weite Weg für viele Besucher, sondern das schlechte Wetter, das im Sommer 1896 herrschte.

    Erstmals wurde eine Landesaustellung durch einen Vergnügungspark ergänzt, der zusätzlich Besucher anlocken sollte. Neu war diese Erfindung nicht: An der Weltausstellung 1893 in Wien spendete der Prater und ein künstliches Dorf mit ländlicher Idylle den Einheimischen Trost über ihre verunglückte Weltausstellung, während der Cholera ausbrach und die Börse crashte.

    In Genf lockte der Parc de Plaisance und das Village Suisse mit einem künstlichen Berg, 56 Häusern und 3523 Einwohnern, gekleidet in den verschiedensten Trachten des Landes. Unabsichtlich wurde das Dorf zum Kristallisationspunkt der aktuellen Probleme im Land. Schon beim Bau dieser 115 Meter langen und 18 Meter hohen gipsernen Illusion des Berner Oberlandes mitsamt seinen weidenden Kühen kam es zu Streiks. Die Schweiz hatte vier Gesichter: Jene der landlosen Bevölkerung und des Proletariats und jene der reichen, urbanen Schicht und der Grossgrundbesitzer. Die Genfer Arbeitervereinigungen warfen den Organisatoren vor, die Expo würde die Gegensätze noch verschärfen.

    In Genf präsentierte das Departement des Innern die noch in Zürich vermissten Statistiken. Grosses Interesse weckten die Landesvermessungen des Alexander von Humboldt in der Schweiz und die kartografischen Arbeiten von General Henri Dufour.

    Schwarze froren einen Sommer lang

    Mit der Durchführung der Landsausstellung wandte sich die Rhonestadt erstmals bewusst der übrigen Schweiz zu. Patriotische Gefühle bemächtigte sich der Romands. Das Interesse an Deutschweizer Autoren wuchs und der idyllische Châlet-Stil setzte sich überall am Genfersee beim Bauen durch.

    Die Landesaussstellung kam zur richtigen Zeit: Die Schweiz befand sich im Zollkrieg und die Politiker nutzten die Gelegenheit, die Bevölkerung zum Kauf von Schweizer Produkten aufzufordern.

    Neben dem Village Suisse war zweifellos das Village noire der Clou der Landesausstellung. Ein Genfer Geschäftsmann importierte 230 Sudanesen, die einen Sommer lang in Lehmhütten hausten. Auch diese Idee war an früheren Weltausstellungen schon vorher verwirklicht worden.

    Quelle: www.expo.02.ch



    Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft

    Von der Weltausstellung inspiriert, führte die Schweiz seit 1883 Landesausstellungen durch. Jener von 1857 in Bern ist der Titel der ersten offiziellen Landesausstellung verwehrt geblieben. Nicht alle Kantone waren dabei. Neben vielen Gemeinsamkeiten, entwickelte jede Ausstellung ihren eigenen Charakter, hatte jeder Ort seinen eigenen Clou. Wer sowohl die Landi 1939 in Zürich und die Expo 1964 in Lausanne miterlebt hat, weiss das ganz genau. Immer aber waren die Landesausstellungen ein Spiegel der Gesellschaft. Mehr über das historische Umfeld.

    Zürich 1883: Kein Patentschutz

    Die Eröffnung des Gotthard-Tunnels ein Jahr zuvor bildete den historischen Rahmen für die erste Landesausstellung auf dem Areal des Platzspitz in Zürich. Den Besuchern wurde eine aufstrebende Industrienation präsentiert. Viele Produzenten hielten sich allerdings unfreiwillig zurück, obwohl sie gerne ihre Entwicklungen und Erfindungen präsentiert hätten. Das Land kannte keinen Patentschutz. Jedes ausgestellte Stück hätte kopiert werden können. Dennoch trafen sich hier die Vertreter ganzer Berufszweige erstmals auf nationaler Ebene. Die Ausstellung in Zürich stand für die Gründung so manchen Berufsverbandes Pate.
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    Genf 1896: Eine Expo und zwei Dörfer

    Die Romands nutzten die zweite Landesausstellung um sich der deutschen Schweiz zuzuwenden. Erstmals nahmen sie nicht nur Paris als ihr einziges kulturelles Zentrum war. Gleichzeitig verdeutlichte ein Streik beim Bau des "Village Suisse " die wachsende soziale Kluft im Land. Die Spannungen zwischen der modernen und der ländlichen Schweiz traten auch im Streit um die Kunst zutage. Noch musste ein unbekannter Maler mit dem Namen Ferdinand Hodler klein beigeben. Vermochte die Illusion des Village Suisse und des Village noire die wahren Probleme des Landes überdecken, die schon beim Bau der Landesausstellung offen zu Tage traten?
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    Bern 1914: Vom Krieg geprägt

    Die Landesausstellung auf dem Neufeld in Bern war typisch, denn sie war sehr umstritten. Die Romands fanden die Architektur zu deutschorientiert. Sie hätten statt eines realistischen Dörflis, welches das Landleben zeigte, lieber wieder das eher folkloristische Village Suisse gehabt. Besonders erhitzt war die Diskussion um das Ausstellungsplakat von Emil Cardinaux. Es zeigte einen fahnentragenden Jüngling auf einem grünen Pferd. Dies sei die reinste Hodlerei. Ferdinand Hodler war inzwischen Millionär und bei Kunstfragen ein einflussreicher Mann. Alle Streitereien waren nach dem 1. August, dem Tag der Mobilmachung vergessen. Die Schweiz rückte an der Landesausstellung zusammen.
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    Zürich 1939: Die Landi als Fest der Schweiz

    Sie war wohl die Königin der Landesausstellungen. Der Krieg zeichnete sich deutlich ab und die Landi bot eine wichtige Gelegenheit, die Schweiz vor der scheinbaren Übermacht zu einen. Dieser Aufgabe war sich Armin Meili, der Landi-Direktor bewusst. Besonderheiten an dieser Ausstellung waren die Höhenstrasse, der Schifflibach und das Landidorf. Auf der Höhenstrasse wurden die Besucher auf die kommende, schwierige Zeit vorbereitet. Sie war so aufgebaut, dass sich die Stimmung immer mehr steigerte und Vertrauen und Optimismus weckte. Übrigens war auch die Landi 1939 umstritten. Bis es soweit war, musste sie mehrmals verschoben werden.
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    Lausanne 1964: Fahrt in die Tiefen des Genfersees

    Der Clou der Expo war eine Fahrt mit dem Mesoscaphe in die Tiefen des Genfersees. Als Hommage an Lausanne wird das Unterseeboot an der Expo.02 in Murten zu sehen sein. In Lausanne präsentierte sich eine moderne Schweiz. Die Fortbewegungsmittel waren Monorail und Telekanapee, die über den Köpfen der Fussgänger fuhren. Ein umstrittenes Projekt war Gulliver, die erste soziologische Umfrage der Schweiz, die an der Expo realisiert werden sollte. Die sehr ausführlichen Fragen einer Voruntersuchung über Kommunismus, Emanzipation, europäische Integration und Armee wurden derart ungeschminkt beantwortet, dass sie entschärft wurden.
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    Expo 2002: Fünf Kantone, vier Städte, drei Seen, zwei Sprachen - eine Landesausstellung

    In der Nordwestschweiz, zwischen dem Mittelland und dem Jura, liegt das Drei-Seen-Land, ausgebreitet um den Bieler-, den Neuenburger-, und den Murtensee. Die Gegend ist berühmt für die prachtvollen Landschaften und ihre wunderschönen Naturschutzgebiete. Das Drei-Seen-Land, wo die Deutschschweiz und die Westschweiz einander begegnen, zeichnet sich aus durch seine Sprachenvielfalt, seine Uhrmachertradition sowie durch seine Dynamik in der neuen Wirtschaft.
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    Genf - Schweizerische Landesausstellung 1896 - Vogelperspektive - http://bern-1914.org
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