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Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich Landesausstellungen Gemäss offizieller Zählung wurde die erste Landesausstellung 1883 in Zürich durchgeführt. Weitere fanden 1896 in Genf, 1914 in Bern, 1939 in Zürich, 1964 in Lausanne und 2002 in Biel, Neuchâtel, Yverdon-les-Bains sowie Murten statt. Historisches Lexikon der Schweiz
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Zürich 1939: Zusammengerückt und Mut gefasst 1939 fand wohl jene Landesausstellung statt, die zum Inbegriff dieser Veranstaltung wurde. 10,5 Millionen Eintrittskarten wurden an den Kassen gelöst. Es war der Ort der geistigen Landesverteidigung. Hier schöpften die Schweizer Mut, um den Krieg zu überstehen. Die Informationen fürs Herz und das Hirn, um sich in den Zustand der berühmt gewordenen geistigen Landesverteidigung zu versetzen, holten sich die Besucher auf der Höhenstrasse. Fast prophetisch war Hans Brandenbergers Plastik: Die Wehrbereitschaft. Heldisches und Männliches wurden erhöht, die Frauen zur Arbeit an den Herd gewiesen. Auch die Schweiz war nicht frei vom faschistischen Weltbild. Über die Höhenstrasse stand im Goldenen Buch zu lesen, das Ganze sei umfasst von den entscheidenden Gefühlen edlen und echten Schweizertums. Neben diesen ernsten, getragenen Momenten, erlebte der Besucher die Landi als festlicher Ort. Der Schifflibach, auf dem die Leute in kleinen Booten durchs Ausstellungsgelände trieben, war genauso ein Anziehungspunkt wie die Gondel die auf 75 Metern Höhe die Fahrgäste zwischen den beiden Seeufern beförderte. Die Architektur der Landesausstellung war modern und zweckmässig. Prominenter Besuch kam aus vielen Ländern. Etwa die Könige von Belgien und Spanien, zahlreiche Staatsoberhäupter, Minister und andere Würdenträger, wie der Lord Mayor von London. Das Volk dankt der Vorsehung Wer einmal ohne Kinder sein wollte, konnte sie im Kinderparadies abgeben. Dort war eine gewisse Trudy Gerster drauf und dran, sich in der ganzen Schweiz einen Namen als Märlifee zu machen. Wer sich ausruhen wollte, tat dies auf löchrigen Aluminiumstühlen, die als Landi-Stühle berühmt wurden und heute wieder verkauft werden. Der populärste Ort war das Landi-Dörfli. Alleine am Eidgenössischen Trachtenfest tummelten sich hier 160'000 Besucher. Im Palais des attractions unterhielten Teddy Stauffer und das legendäre Kabarett Cornichon. Am 1. September, dem Tag der Generalmobilmachung, erlebte die Landi einen katastrophalen Einbruch der Besucherzahlen. Doch nach 14 Tagen hatte sie sich von diesem Rückschlag bereits erholt. Fortan festigte ein Aufenthalt an den beiden Zürichseeufern Stärkung und Zuversicht. Das ganze Volk dankt der Vorsehung für die grosse Stärkung des nationalen Bewusstseins durch die Landesausstellung in schicksalsschwerer Zeit, meinte dazu Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Quelle: www.expo.03.ch Die ETH als Ausstellungsmacherin Die Schweizerische Landesausstellung von 1939 gilt als gelungene Verbindung von patriotischer Mobilmachung und technisierter Ausstellungsarchitektur. Bei der Inszenierung der multimedialen Gesinnungsschau half die ETH tatkräftig mit. «Dem Besucher der Landesausstellung ist das E.T.H.-Signet in fast allen Hallen begegnet», hält der ETH-Jahresbericht von 1938/39 fest. «Zusammenfassend darf festgestellt werden, dass die E.T.H. und deren Lehrkräfte bereitwilligst in weitgehendem Masse und mannigfacher Weise beim grossen Werk der LA mitgewirkt haben.» Tatsächlich zeigte sich die ETH an der LA 39, der vierten Schweizerischen Landesausstellung, welche vom Mai bis Oktober 1939 an den Ufern des Zürichsees stattfand und welche als professionell inszenierte und medialisierte Gesinnungsschau ins kollektive Gedächtnis einging, auffällig engagiert und präsent. Zum einen war die ETH «als Ganzes» im Hochschulpavillon vertreten und präsentierte dort unter dem Motto «Wir lehren, wir forschen, wir konstruieren» anhand von Grafiken, Modellen und Maschinen «grundlegende Tätigkeiten der Hochschule». Omnipräsente ETH Zum anderen waren einzelne Institute und Laboratorien in nahezu allen Abteilungen der thematisch organisierten Pavillonlandschaft beteiligt. Neben patriotisch aufgeladenen Schaustücken, wie etwa dem geologisch-tektonischen Gesamtrelief der Schweiz, das aus der Werkstatt des ETH-Professors Eduard Imhof stammte und die Besucher auf den als nationales Kraftzentrum konzipierten «Höhenweg» einstimmte, beeindruckte die eidgenössische Forschungshochburg vor allem mit einer Reihe selbst entworfener Techniksensationen: So etwa mit dem nach Plänen von Paul Scherrer gebauten Tensator, einem der ersten Teilchenbeschleuniger Europas, mit der avantgardistischen «Fernseh-Sendeapparatur» des Instituts für Hochfrequenztechnik oder mit dem Modell einer entgleisungssicheren «Ultraschnellbahn» von Maschinenbau-Professor Kurt Wiesinger, in der «Halle für Bahnverkehr» zu sehen. Die Omnipräsenz der ETH an der LA 39, für welche der Bund 260'000 Franken zur Verfügung stellte, unterschied sich deutlich von den kleinräumigen Institutsauftritten an den vorangegangen Landesausstellungen. Trachtenfrauen und Coray-Stühle Es liegt nahe, die Eingliederung der einzelnen Institute und Dozenten in das staatlich dominierte Ausstellungskonzept als pflichtbewussten Vaterlandsdienst auszulegen: Mit der so genannten «Kulturbotschaft» des Bundesrates lag Ende 1938 erstmals in der Geschichte der Schweiz ein Positionspapier vor, das die «Organisation und Aufgaben der schweizerischen Kulturwahrung und Kulturwerbung» festhielt. Das unter der Federführung des katholisch-konservativen Philipp Etter verfasste Propagandakonzept sah in der modernen Ausstellung eines der wichtigsten «Mittel der Gesinnungswerbung» Dass die LA 39 zum Testfall für die Realisierung der Idee der «geistigen Landesverteidigung» werden musste, versteht sich von selbst: Aus diesem Blickwinkel erschliesst sich auch das gelungene Zusammentreffen von traditionalistischen und modernen Elementen, von Trachtenfrauen und Coray-Stühlen, von bodenständiger Flaggenparade und avantgardistischen Modepavillons. «Architektur des menschlichen Massstabs» Dass diese gegensätzliche Symbolik in der LA 39 zu einer einigermassen homogenen Synthese fand, hat nicht zuletzt mit der Technisierung und Ästhetisierung des Ausstellungswesens zu tun. Die programmatisch «unheroische», in «zeitgemäss schweizerischer» Leichtbauweise ausgeführte Pavillongestaltung umfing die Heimatfeier mit einer beschwingten Atmosphäre und sorgte für den wiederholt hervorgehobenen «einheitlichen Eindruck». Mit der so genannten «Architektur des menschlichen Massstabs», die dem nationalistischen Monumentalismus der Weltausstellung von Paris 1937 entgegengehalten wurde, liess sich die ETH gerne in Verbindung bringen: Die beiden obersten Ausstellungsmacher, beides diplomierte Architekten, wurden im Anschluss an die symbolträchtige Veranstaltung geehrt. Dem Ausstellungsdirektor Armin Meili wurde ein Ehrendoktor der ETH Zürich verliehen, der Chefarchitekt Hans Hofmann erhielt eine Professur an der Architekturabteilung. Im Dienst der nationalen Einigung Auch bei den Vergnügungs-, Besichtigungs- und Transporttechniken, welche die Welt- und Landesausstellungen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zu Erlebniswelten zusammenfügten, mischte die ETH tatkräftig mit: Der «Schifflibach» beispielsweise, der künstliche Besichtigungskanal, der die Hallen und Gärten des linksufrigen Ausstellungsgeländes durchzog, wurde von der Versuchsanstalt für Wasserbau der ETH entworfen und dort auch in Modellgrösse getestet. «Der wissenschaftliche Geist der Zusammenarbeit, der sachlichen Diskussion, des unermüdliche Suchens nach Wahrheit und Recht», die patriotische Botschaft der ETH, welche ihr Berichterstatter Professor Paul Niggli an der LA 39 würdig vertreten sah, wurde nicht zuletzt durch eine ETH-gestützte Infrastruktur wirkungsvoll transportiert. Mit ihrem engagierten szenografischen Einsatz war die bundesstaatliche Eliteschule ihrem Auftrag zum national homogenisierenden Infrastrukturausbau einmal mehr nachgekommen. Von Monika Burri, Technikgeschichte der ETH Zürich Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft Von der Weltausstellung inspiriert, führte die Schweiz seit 1883 Landesausstellungen durch. Jener von 1857 in Bern ist der Titel der ersten offiziellen Landesausstellung verwehrt geblieben. Nicht alle Kantone waren dabei. Neben vielen Gemeinsamkeiten, entwickelte jede Ausstellung ihren eigenen Charakter, hatte jeder Ort seinen eigenen Clou. Wer sowohl die Landi 1939 in Zürich und die Expo 1964 in Lausanne miterlebt hat, weiss das ganz genau. Immer aber waren die Landesausstellungen ein Spiegel der Gesellschaft. Mehr über das historische Umfeld. Zürich 1883: Kein Patentschutz Die Eröffnung des Gotthard-Tunnels ein Jahr zuvor bildete den historischen Rahmen für die erste Landesausstellung auf dem Areal des Platzspitz in Zürich. Den Besuchern wurde eine aufstrebende Industrienation präsentiert. Viele Produzenten hielten sich allerdings unfreiwillig zurück, obwohl sie gerne ihre Entwicklungen und Erfindungen präsentiert hätten. Das Land kannte keinen Patentschutz. Jedes ausgestellte Stück hätte kopiert werden können. Dennoch trafen sich hier die Vertreter ganzer Berufszweige erstmals auf nationaler Ebene. Die Ausstellung in Zürich stand für die Gründung so manchen Berufsverbandes Pate. weiter... Genf 1896: Eine Expo und zwei Dörfer Die Romands nutzten die zweite Landesausstellung um sich der deutschen Schweiz zuzuwenden. Erstmals nahmen sie nicht nur Paris als ihr einziges kulturelles Zentrum war. Gleichzeitig verdeutlichte ein Streik beim Bau des "Village Suisse " die wachsende soziale Kluft im Land. Die Spannungen zwischen der modernen und der ländlichen Schweiz traten auch im Streit um die Kunst zutage. Noch musste ein unbekannter Maler mit dem Namen Ferdinand Hodler klein beigeben. Vermochte die Illusion des Village Suisse und des Village noire die wahren Probleme des Landes überdecken, die schon beim Bau der Landesausstellung offen zu Tage traten? weiter... Bern 1914: Vom Krieg geprägt Die Landesausstellung auf dem Neufeld in Bern war typisch, denn sie war sehr umstritten. Die Romands fanden die Architektur zu deutschorientiert. Sie hätten statt eines realistischen Dörflis, welches das Landleben zeigte, lieber wieder das eher folkloristische Village Suisse gehabt. Besonders erhitzt war die Diskussion um das Ausstellungsplakat von Emil Cardinaux. Es zeigte einen fahnentragenden Jüngling auf einem grünen Pferd. Dies sei die reinste Hodlerei. Ferdinand Hodler war inzwischen Millionär und bei Kunstfragen ein einflussreicher Mann. Alle Streitereien waren nach dem 1. August, dem Tag der Mobilmachung vergessen. Die Schweiz rückte an der Landesausstellung zusammen. weiter... Zürich 1939: Die Landi als Fest der Schweiz Sie war wohl die Königin der Landesausstellungen. Der Krieg zeichnete sich deutlich ab und die Landi bot eine wichtige Gelegenheit, die Schweiz vor der scheinbaren Übermacht zu einen. Dieser Aufgabe war sich Armin Meili, der Landi-Direktor bewusst. Besonderheiten an dieser Ausstellung waren die Höhenstrasse, der Schifflibach und das Landidorf. Auf der Höhenstrasse wurden die Besucher auf die kommende, schwierige Zeit vorbereitet. Sie war so aufgebaut, dass sich die Stimmung immer mehr steigerte und Vertrauen und Optimismus weckte. Übrigens war auch die Landi 1939 umstritten. Bis es soweit war, musste sie mehrmals verschoben werden. weiter... Lausanne 1964: Fahrt in die Tiefen des Genfersees Der Clou der Expo war eine Fahrt mit dem Mesoscaphe in die Tiefen des Genfersees. Als Hommage an Lausanne wird das Unterseeboot an der Expo.02 in Murten zu sehen sein. In Lausanne präsentierte sich eine moderne Schweiz. Die Fortbewegungsmittel waren Monorail und Telekanapee, die über den Köpfen der Fussgänger fuhren. Ein umstrittenes Projekt war Gulliver, die erste soziologische Umfrage der Schweiz, die an der Expo realisiert werden sollte. Die sehr ausführlichen Fragen einer Voruntersuchung über Kommunismus, Emanzipation, europäische Integration und Armee wurden derart ungeschminkt beantwortet, dass sie entschärft wurden. weiter... Expo 2002: Fünf Kantone, vier Städte, drei Seen, zwei Sprachen - eine Landesausstellung In der Nordwestschweiz, zwischen dem Mittelland und dem Jura, liegt das Drei-Seen-Land, ausgebreitet um den Bieler-, den Neuenburger-, und den Murtensee. Die Gegend ist berühmt für die prachtvollen Landschaften und ihre wunderschönen Naturschutzgebiete. Das Drei-Seen-Land, wo die Deutschschweiz und die Westschweiz einander begegnen, zeichnet sich aus durch seine Sprachenvielfalt, seine Uhrmachertradition sowie durch seine Dynamik in der neuen Wirtschaft. weiter...
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