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Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft

Expo Lausanne 1964

Landesausstellungen
Gemäss offizieller Zählung wurde die erste Landesausstellung 1883 in Zürich durchgeführt. Weitere fanden 1896 in Genf, 1914 in Bern, 1939 in Zürich, 1964 in Lausanne und 2002 in Biel, Neuchâtel, Yverdon-les-Bains sowie Murten statt.

Historisches Lexikon der Schweiz



  • Lausanne 1964: Zwei Ideen, eine Expo
  • Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft
  • Abbildungen
  • Schweizerische Landesausstellung 1883 in Zürich
  • Schweizerische Landesausstellung 1896 in Genf
  • Schweizerische Landesausstellung 1914 in Bern
  • Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich
  • Expo 1964 in Lausanne
  • Expo 2002 in Biel, Neuchâtel, Murten, Yverdon
  • Expo Archiv (mehrsprachig)
  • Schweizerische Landesausstellung (Wikipedia)






    Lausanne 1964: Zwei Ideen, eine Expo

    In der Zeit des kalten Krieges betonte die Expo in Lausanne nochmals Schweizerische Werte. Vor allem im Betonigel der Armee. Allerdings war auch ein offenes Land zu sehen. Etwa im Kurzfilm-Projekt: Die Schweiz im Spiegel.

    Ein Präludium der Ideen präsentierten Markus Kutter, Lucius Burkhard und Max Frisch 1955. Sie schlugen im Büchlein Achtung: die Schweiz vor, das Land nicht in Pavillons, sondern im Ernstfall auszustellen. Der sollte in einem richtigen Städtchen mit Modellcharakter stattfinden, das irgendwo am Wasser in der Westschweiz gebaut würde. Die öffentliche Diskussion war breit, doch die Entscheidung fiel auf eine herkömmliche Landesausstellung, die am 30. April 1964 in Lausanne ihre Tore öffnete. Auch am Lac Leman wurden über 10 Millionen Eintritte verkauft.

    Projekt Gulliver

    Für Schlagzeilen sorgte das Projekt Gulliver. Ziel war es mittels einer soziologischen Untersuchung ein facettenreiches Gesicht der Realität aufzeigen. Dieses Bild sollte dank 310 Fragen präzise ausfallen. In einer Voruntersuchung wurden 1240 Personen in 344 Gemeinden befragt und die Antworten fielen teilweise so ungeschminkt ehrlich aus, dass Hans Georg Giger, Delegierter des Bundesrates, intervenierte und durchsetzte, dass die Fragen auf 80 reduziert und entschärft wurden. Zu den Themen Bodenspekulation, Medienmonopol, Militärdienstverweigerung, 40-Stunden-Woche, Schwangerschaftsabbruch, Niederlassungsrecht, nukleare Bewaffnung, die Beteiligung der Schweiz an der europäischen Integration und zum Kommunismus durften keine Fragen mehr gestellt werden.

    Fahnen aus allen Gemeinden

    Es war die Zeit des kalten Krieges. Die Armee präsentierte in einem igelförmigen Betonbunker die Totale Landesverteidigung und die Menschen lebten in der zunehmenden Anonymität der Vorstädte. Die Geisteshaltung der Gesellschaft war verkrustet, darunter aber begann es zu brodeln. Es dauerte nur noch wenige Jahre bis zum Mai 1968, als die Studentenrevolte ausbrach, und 1969, als James Schwarzenbachs Nationale Aktion die erste xenophobe Initiative lancierte.

    Gulliver barg in den Augen des Bundesvertreters Giger die Gefahr, schlafende Hunde zu wecken.

    An der Expo 1964 wurde erstmals das Medium Film offensiv und kreativ eingesetzt. Im Projekt Die Schweiz im Spiegel wurden fünf Kurzfilme aus dem Alltagsleben über verschiedene Themen gezeigt. Der Weg der Schweiz entsprach der Höhenstrasse der Landi in Zürich. Die Fahnen der 3000 Schweizer Gemeinden sind allen Besuchern in Erinnerung geblieben.

    Quelle: www.expo.02.ch



    Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft

    Von der Weltausstellung inspiriert, führte die Schweiz seit 1883 Landesausstellungen durch. Jener von 1857 in Bern ist der Titel der ersten offiziellen Landesausstellung verwehrt geblieben. Nicht alle Kantone waren dabei. Neben vielen Gemeinsamkeiten, entwickelte jede Ausstellung ihren eigenen Charakter, hatte jeder Ort seinen eigenen Clou. Wer sowohl die Landi 1939 in Zürich und die Expo 1964 in Lausanne miterlebt hat, weiss das ganz genau. Immer aber waren die Landesausstellungen ein Spiegel der Gesellschaft. Mehr über das historische Umfeld.

    Zürich 1883: Kein Patentschutz

    Die Eröffnung des Gotthard-Tunnels ein Jahr zuvor bildete den historischen Rahmen für die erste Landesausstellung auf dem Areal des Platzspitz in Zürich. Den Besuchern wurde eine aufstrebende Industrienation präsentiert. Viele Produzenten hielten sich allerdings unfreiwillig zurück, obwohl sie gerne ihre Entwicklungen und Erfindungen präsentiert hätten. Das Land kannte keinen Patentschutz. Jedes ausgestellte Stück hätte kopiert werden können. Dennoch trafen sich hier die Vertreter ganzer Berufszweige erstmals auf nationaler Ebene. Die Ausstellung in Zürich stand für die Gründung so manchen Berufsverbandes Pate.
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    Genf 1896: Eine Expo und zwei Dörfer

    Die Romands nutzten die zweite Landesausstellung um sich der deutschen Schweiz zuzuwenden. Erstmals nahmen sie nicht nur Paris als ihr einziges kulturelles Zentrum war. Gleichzeitig verdeutlichte ein Streik beim Bau des "Village Suisse " die wachsende soziale Kluft im Land. Die Spannungen zwischen der modernen und der ländlichen Schweiz traten auch im Streit um die Kunst zutage. Noch musste ein unbekannter Maler mit dem Namen Ferdinand Hodler klein beigeben. Vermochte die Illusion des Village Suisse und des Village noire die wahren Probleme des Landes überdecken, die schon beim Bau der Landesausstellung offen zu Tage traten?
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    Bern 1914: Vom Krieg geprägt

    Die Landesausstellung auf dem Neufeld in Bern war typisch, denn sie war sehr umstritten. Die Romands fanden die Architektur zu deutschorientiert. Sie hätten statt eines realistischen Dörflis, welches das Landleben zeigte, lieber wieder das eher folkloristische Village Suisse gehabt. Besonders erhitzt war die Diskussion um das Ausstellungsplakat von Emil Cardinaux. Es zeigte einen fahnentragenden Jüngling auf einem grünen Pferd. Dies sei die reinste Hodlerei. Ferdinand Hodler war inzwischen Millionär und bei Kunstfragen ein einflussreicher Mann. Alle Streitereien waren nach dem 1. August, dem Tag der Mobilmachung vergessen. Die Schweiz rückte an der Landesausstellung zusammen.
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    Zürich 1939: Die Landi als Fest der Schweiz

    Sie war wohl die Königin der Landesausstellungen. Der Krieg zeichnete sich deutlich ab und die Landi bot eine wichtige Gelegenheit, die Schweiz vor der scheinbaren Übermacht zu einen. Dieser Aufgabe war sich Armin Meili, der Landi-Direktor bewusst. Besonderheiten an dieser Ausstellung waren die Höhenstrasse, der Schifflibach und das Landidorf. Auf der Höhenstrasse wurden die Besucher auf die kommende, schwierige Zeit vorbereitet. Sie war so aufgebaut, dass sich die Stimmung immer mehr steigerte und Vertrauen und Optimismus weckte. Übrigens war auch die Landi 1939 umstritten. Bis es soweit war, musste sie mehrmals verschoben werden.
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    Lausanne 1964: Fahrt in die Tiefen des Genfersees

    Der Clou der Expo war eine Fahrt mit dem Mesoscaphe in die Tiefen des Genfersees. Als Hommage an Lausanne wird das Unterseeboot an der Expo.02 in Murten zu sehen sein. In Lausanne präsentierte sich eine moderne Schweiz. Die Fortbewegungsmittel waren Monorail und Telekanapee, die über den Köpfen der Fussgänger fuhren. Ein umstrittenes Projekt war Gulliver, die erste soziologische Umfrage der Schweiz, die an der Expo realisiert werden sollte. Die sehr ausführlichen Fragen einer Voruntersuchung über Kommunismus, Emanzipation, europäische Integration und Armee wurden derart ungeschminkt beantwortet, dass sie entschärft wurden.
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    Expo 2002: Fünf Kantone, vier Städte, drei Seen, zwei Sprachen - eine Landesausstellung

    In der Nordwestschweiz, zwischen dem Mittelland und dem Jura, liegt das Drei-Seen-Land, ausgebreitet um den Bieler-, den Neuenburger-, und den Murtensee. Die Gegend ist berühmt für die prachtvollen Landschaften und ihre wunderschönen Naturschutzgebiete. Das Drei-Seen-Land, wo die Deutschschweiz und die Westschweiz einander begegnen, zeichnet sich aus durch seine Sprachenvielfalt, seine Uhrmachertradition sowie durch seine Dynamik in der neuen Wirtschaft.
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    Expo Lausanne 1964. Die Zelte im Hafen in Nachtbeleuchtung. Bild: www.nzz.ch
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