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Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft

Expo.02

Landesausstellungen
Gemäss offizieller Zählung wurde die erste Landesausstellung 1883 in Zürich durchgeführt. Weitere fanden 1896 in Genf, 1914 in Bern, 1939 in Zürich, 1964 in Lausanne und 2002 in Biel, Neuchâtel, Yverdon-les-Bains sowie Murten statt.

Historisches Lexikon der Schweiz



  • Biel, Neuchâtel, Murten, Yverdon - Expo.02
  • Kultur unternehmen
  • Mit Krisen und Konflikten zum Erfolg
  • Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft
  • Abbildungen
  • Schweizerische Landesausstellung 1883 in Zürich
  • Schweizerische Landesausstellung 1896 in Genf
  • Schweizerische Landesausstellung 1914 in Bern
  • Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich
  • Expo 1964 in Lausanne
  • Expo 2002 in Biel, Neuchâtel, Murten, Yverdon
  • Expo Archiv (mehrsprachig)
  • Schweizerische Landesausstellung (Wikipedia)






    Biel, Neuchâtel, Murten, Yverdon - Expo.02

    Fünf Kantone, vier Standorte, drei Seen in einer Region mit zwei Sprachen - eine Landesausstellung: Die Expo.02 war ein Anlass, wie ihn die Schweiz noch nie gesehen hat.

    159 Tage dauerte die Expo.02. Vom 15. Mai bis 20. Oktober 2002 verzeichnete diese 6. Schweizerische Landesausstellung über 10 Millionen Eintritte. Insgesamt 40 verschiedene Ausstellungen und zahlreiche Inbetweens (Kunst- und andere Projekte) lockten das Publikum auf die Arteplages von Biel, Neuchâtel, Murten, Yverdon und auf die Arteplage Mobile du Jura. Über 13'000 Events (Theater, Konzerte, Strassenspektakel und andere kulturelle Darbietungen) waren auf Bühnen und Plätzen zu erleben. Und: Während des Betriebs standen insgesamt 8500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die 1,6 Milliarden Franken teure Expo.02 im Einsatz.



    Kultur unternehmen

    Von Martin Heller, künstlerischer Direktor

    Wie kaum ein anderes Grossprojekt hat die Expo.02 der Schweiz vieles abverlangt: viel Geduld, viel Enthusiasmus, viel Selbstvertrauen sowie, natürlich, viel Geld und viele Anstrengungen. Dabei war der Erfolg keineswegs garantiert; das Verständnis für die notwendigen materiellen und mentalen Vorinvestitionen musste erst geschaffen werden. In gewisser Weise erwies sich die Landesausstellung für unser Land deshalb als Ernstfall. Ein Ernstfall, den man sich freiwillig auferlegt, wenn auch nur einmal pro Generation, das aber immerhin seit 1883. Und nun stehen wir am Ende der sechsten Landesausstellung vor der Frage, was wir aus dieser Erfahrung lernen können. Oder anders herum: Was nehmen wir aus der Expo.02 mit in den Alltag der Schweiz?

    Keine ökonomische Leistungsschau

    Aus der Perspektive des künstlerischen Direktors interessieren in diesem Zusammenhang natürlich in erster Linie die Rolle und der Stellenwert der Kultur. Aber: Kultur, Politik und Wirtschaft lassen sich heute - dies ist eine der wichtigsten Lehren der Expo.02 - nicht mehr so einfach und trennscharf auseinander halten. Während von Anfang an fest stand, dass die Expo.02 im Gegensatz zu den bisherigen Landesausstellungen keine ökonomische Leistungsschau im herkömmlichen Sinne mehr sein konnte und auch nicht sein wollte, war die Rolle der Kultur schwieriger zu bestimmen. Sicher war lediglich, dass sie nicht Thema sein sollte, wie noch in Max Bills Skulpturengarten an der Expo 64 in Lausanne, sondern Instrument: um in letztlich künstlerischer Form möglichst stimmig von der eigenen Wirklichkeit erzählen zu können.

    Diese besondere Auftrags- und Ausgangslage weist in mancher Hinsicht in die Zukunft. Kultur war und ist ein gewichtiger Teil der Expo.02 - sie bestimmt und formt gewissermassen ihr Grundverständnis. Jedoch: Das Verhältnis der Kultur zu anderen Bereichen unserer Gesellschaft, insbesondere die in den vergangenen Jahrzehnten viel beschworene Opposition zwischen Kultur und Wirtschaft, ist in nachhaltiger Veränderung begriffen. Solche Bewegung zeigt sich mittlerweile in zahlreichen Aspekten unseres Lebens auf eindringliche Weise. Wobei noch einiges an Deutungs- und Aufklärungsarbeit ansteht, um die Chancen dieser Entwicklung auch wirklich fassen und entsprechend handeln zu können.

    Das Resultat liegt vor

    Die Expo.02 hat unter anderem versucht, jenseits von fertigen Antworten und Rezepten Kultur, Wirtschaft und Politik miteinander ins Gespräch zu bringen und davon zu überzeugen, dass eine Landesausstellung nachhaltig, sinnvoll und attraktiv sein kann. Das Resultat liegt vor: die Expo.02 war attraktiv und sinnvoll. Und ihre Nachhaltigkeit hängt nicht zuletzt davon ab, ob wir die im nationalen Projekt erworbene Kultur der Verständigung und Kooperation weiterführen können. Unter Anwendung von allem, was wir gelernt haben, aus den Schwierigkeiten wie aus den Erfolgen, und mit Lust auf jene heitere, gelassene Schweiz, die im Drei-Seen-Land zu sich selbst gefunden hat.



    Mit Krisen und Konflikten zum Erfolg

    Von Nelly Wenger, Präsidentin der Generaldirektion

    Ein Projekt wie die Expo.02 zu leiten, ist ein einzigartiges Unterfangen. Die Dimension, die Geschichte, die Finanzierung, die dezentrale Anordnung sowie die völlig unterschiedlichen Interessen der Beteiligten (Autoren, Sponsoren, Organisatoren, Städte und Gastkantone) erforderten ein eigenes Management. Doch wie hat die Expo.02 dies konkret in die Tat umgesetzt? Hat sie ein neues Modell des Projektmanagements erschaffen? Eines, das sich lohnt zu kopieren, oder von dem man besser die Finger lassen sollte? Wie zum Beispiel war es möglich, all die Aufgaben zu erfüllen, wenn doch die einzelnen Elemente des Projekts in ganz unterschiedlichen Phasen steckten: Für die einen suchte man noch ein Konzept, während es bei anderen schon um die Ausführungsdetails ging. Oder bei einem Element wurden schon Verträge unterschrieben, während für ein anderes noch ein Finanzierungsmodell gesucht wurde.

    Hohes Mass an Professionalität und Qualität

    Das Modell Expo.02 musste Krisen und Konflikte als festen Bestandteil miteinbeziehen. In der Politik und für das breite Publikum stehen diese beiden Begriffe in der Regel für Unordnung und Chaos. Doch dies traf bei der Expo.02 keineswegs zu - im Gegenteil: Der Betrieb zeichnete sich durch ein hohes Mass an Professionalität und Qualität aus... ganz schweizerisch eben. Im Gegensatz zur Expo.01 und seinem Simultaneous Engeneering haben die Verantwortlichen der Expo.02 mit der Zentralisierung der Entscheidungsorgane Strukturen geschaffen, die dem hochkomplexen Projekt gewachsen sind. Hier waren mehrere Abteilungen damit beschäftigt, mögliche Probleme im Voraus zu erkennen, um die Strukturen so rasch als möglich anzupassen: eine Betriebsleitung, die minutiös Termine und Kosten verfolgt, ein Rechtsdienst, der prompt auf Konflikte reagiert und seinen Handlungsspielraum ausnützt, sowie eine Kommunikationsabteilung, die Ereignisse im Voraus erkennt und die Initiative übernimmt.

    Trotz aller Krisen und Konflikte gelang es dem Expo-Team, das Projekt zum Erfolg zu führen. Dies unter anderem dank dem Umstand, dass Hunderte, ja Tausende von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an das Abenteuer Expo.02 geglaubt haben und sich damit identifizieren konnten. Ihnen schuldet die Schweiz Dank für dieses einmalige Fest.

    Quelle: www.expo.02.ch



    Die Landesausstellungen: Ein Spiegel der Gesellschaft

    Von der Weltausstellung inspiriert, führte die Schweiz seit 1883 Landesausstellungen durch. Jener von 1857 in Bern ist der Titel der ersten offiziellen Landesausstellung verwehrt geblieben. Nicht alle Kantone waren dabei. Neben vielen Gemeinsamkeiten, entwickelte jede Ausstellung ihren eigenen Charakter, hatte jeder Ort seinen eigenen Clou. Wer sowohl die Landi 1939 in Zürich und die Expo 1964 in Lausanne miterlebt hat, weiss das ganz genau. Immer aber waren die Landesausstellungen ein Spiegel der Gesellschaft. Mehr über das historische Umfeld.

    Zürich 1883: Kein Patentschutz

    Die Eröffnung des Gotthard-Tunnels ein Jahr zuvor bildete den historischen Rahmen für die erste Landesausstellung auf dem Areal des Platzspitz in Zürich. Den Besuchern wurde eine aufstrebende Industrienation präsentiert. Viele Produzenten hielten sich allerdings unfreiwillig zurück, obwohl sie gerne ihre Entwicklungen und Erfindungen präsentiert hätten. Das Land kannte keinen Patentschutz. Jedes ausgestellte Stück hätte kopiert werden können. Dennoch trafen sich hier die Vertreter ganzer Berufszweige erstmals auf nationaler Ebene. Die Ausstellung in Zürich stand für die Gründung so manchen Berufsverbandes Pate.
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    Genf 1896: Eine Expo und zwei Dörfer

    Die Romands nutzten die zweite Landesausstellung um sich der deutschen Schweiz zuzuwenden. Erstmals nahmen sie nicht nur Paris als ihr einziges kulturelles Zentrum war. Gleichzeitig verdeutlichte ein Streik beim Bau des "Village Suisse " die wachsende soziale Kluft im Land. Die Spannungen zwischen der modernen und der ländlichen Schweiz traten auch im Streit um die Kunst zutage. Noch musste ein unbekannter Maler mit dem Namen Ferdinand Hodler klein beigeben. Vermochte die Illusion des Village Suisse und des Village noire die wahren Probleme des Landes überdecken, die schon beim Bau der Landesausstellung offen zu Tage traten?
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    Bern 1914: Vom Krieg geprägt

    Die Landesausstellung auf dem Neufeld in Bern war typisch, denn sie war sehr umstritten. Die Romands fanden die Architektur zu deutschorientiert. Sie hätten statt eines realistischen Dörflis, welches das Landleben zeigte, lieber wieder das eher folkloristische Village Suisse gehabt. Besonders erhitzt war die Diskussion um das Ausstellungsplakat von Emil Cardinaux. Es zeigte einen fahnentragenden Jüngling auf einem grünen Pferd. Dies sei die reinste Hodlerei. Ferdinand Hodler war inzwischen Millionär und bei Kunstfragen ein einflussreicher Mann. Alle Streitereien waren nach dem 1. August, dem Tag der Mobilmachung vergessen. Die Schweiz rückte an der Landesausstellung zusammen.
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    Zürich 1939: Die Landi als Fest der Schweiz

    Sie war wohl die Königin der Landesausstellungen. Der Krieg zeichnete sich deutlich ab und die Landi bot eine wichtige Gelegenheit, die Schweiz vor der scheinbaren Übermacht zu einen. Dieser Aufgabe war sich Armin Meili, der Landi-Direktor bewusst. Besonderheiten an dieser Ausstellung waren die Höhenstrasse, der Schifflibach und das Landidorf. Auf der Höhenstrasse wurden die Besucher auf die kommende, schwierige Zeit vorbereitet. Sie war so aufgebaut, dass sich die Stimmung immer mehr steigerte und Vertrauen und Optimismus weckte. Übrigens war auch die Landi 1939 umstritten. Bis es soweit war, musste sie mehrmals verschoben werden.
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    Lausanne 1964: Fahrt in die Tiefen des Genfersees

    Der Clou der Expo war eine Fahrt mit dem Mesoscaphe in die Tiefen des Genfersees. Als Hommage an Lausanne wird das Unterseeboot an der Expo.02 in Murten zu sehen sein. In Lausanne präsentierte sich eine moderne Schweiz. Die Fortbewegungsmittel waren Monorail und Telekanapee, die über den Köpfen der Fussgänger fuhren. Ein umstrittenes Projekt war Gulliver, die erste soziologische Umfrage der Schweiz, die an der Expo realisiert werden sollte. Die sehr ausführlichen Fragen einer Voruntersuchung über Kommunismus, Emanzipation, europäische Integration und Armee wurden derart ungeschminkt beantwortet, dass sie entschärft wurden.
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    Expo 2002: Fünf Kantone, vier Städte, drei Seen, zwei Sprachen - eine Landesausstellung

    In der Nordwestschweiz, zwischen dem Mittelland und dem Jura, liegt das Drei-Seen-Land, ausgebreitet um den Bieler-, den Neuenburger-, und den Murtensee. Die Gegend ist berühmt für die prachtvollen Landschaften und ihre wunderschönen Naturschutzgebiete. Das Drei-Seen-Land, wo die Deutschschweiz und die Westschweiz einander begegnen, zeichnet sich aus durch seine Sprachenvielfalt, seine Uhrmachertradition sowie durch seine Dynamik in der neuen Wirtschaft.
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    Expo.02. «Monolith» in Murten. Jean Nouvels rostiger Würfel hat sich schon vor der Eröffnung als Bildzeichen in die Köpfe der Schweizer gebrannt.
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