|
g26.ch HOME EVENTS MUSEEN GALERIEN BIOGRAPHIEN G26.CH NEWS BLACKBOARD BERN INFO KUNST |
Bern - die Hauptstadt mit Charme Das Morlot-Haus Junkerngasse 32 Kurz vor 1740 neu erbautes Haus. Pläne wahrscheinlich von Albrecht Stürler. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Das Morlot-Haus Das Morlot-Haus wird zu Recht als das bedeutendste Gebäude der Junkerngass-Sonnseite bezeichnet. Der heutige Bau entstand um 1735 bis 1740 für Johann Ludwig von Bonstetten von Valeyres; Architekt war Albrecht Stürler, der wenige Jahre später auch das Projekt für den schräg gegenüber liegenden Erlacherhof entwickelte. An der ungewöhnlicherweise paarig aufgebauten Fassade treten die beiden Mittelachsen als Risalit leicht vor; dieser ist durch die ionischen Kolossalpilaster, den reicheren plastischen Schmuck und durch Fugungen ausgezeichnet. Mit ihrem zurückhaltenden Geflecht von Vertikalbetonung und horizontaler Gliederung gehört die Fassade zu den Meisterwerken der bernischen Régence. Die grosszügigen Etagenwohnungen der drei identischen Wohngeschosse werden durch ein grossräumiges, bequemes Treppenhaus erschlossen. Es führt zum zentralen Vestibül mit den flankierenden Hof- und Nebenzimmern sowie zu den gassenseitigen Herrschaftsräumen, zwei grossen, nebeneinander liegenden Haupträumen, an die je ein schmales Kabinett anschliesst. Die Ausstattung der Herrschaftsräume entspricht dem hohen Anspruch des Hauses. Von besonderem Wert sind die Wandtäfer und die beiden Holzplafonds des ersten und zweiten Obergeschosses, deren Felderteilung von den zugehörigen Parkettböden aufgenommen, gewissermassen widerspiegelt wird. Bemerkenswert sind auch die harthölzernen Türblätter und mehrere Marmorcheminées. Nachdem das herrschaftliche Gebäude an die Familie von Morlot übergegangen war, die bereits das rückwärtige Nachbarhaus Gerechtigkeitsgasse 47 besessen hatte, wurden die beiden Liegenschaften durch eine Hofgalerie miteinander verbunden. Ein weiterer, für Margaretha Elisabetha Adolphine von Morlot von Architekt Rudolf Ischer durchgeführter Umbau von 1879/80 griff lediglich in untergeordneten Bereichen ins Äussere ein; so wurden die Zimmer zum Gerechtigkeitsgässchen hin deutlich vergrössert, die Fenster der Hoffassaden massiv verbreitert, der Dachfirst gekappt und mit einer Dachterrasse mit zugehörigem Aufgangspavillon versehen. Der Haupthof erhielt eine neue Verglasung der Galerie und ein kleines, elegant gestaltetes Lagerhaus für das Brennholz. Von hoher Bedeutung sind die namhaften Neuausstattungen, welche die Zeitstimmung des letzten Jahrhundertviertels auf hohem Niveau repräsentieren. Der grosse Ostsalon im zweiten Obergeschoss wurde durch eine breite Öffnung zum benachbarten Kabinett vergrössert. Es entstanden ausgezeichnete neubarocke Gliederungen, reiche Täfer mit geschnitzten Spangen, ein prächtiges Rotmarmorcheminée mit Spiegel- und Gemäldeaufsatz, ein eleganter Tambourofen mit Vasenbekrönung in halbrunder Nische sowie aufwändige Stuckdecken. Neue Täferungen in den vergrösserten Räumen und die feingliedrigen Treppenhausabschlüsse zu den Vestibüls in allen Geschossen ergänzten die Neuausstattung. Der hervorragende Bau ging 1913 an die Einwohnergemeinde Bern. Nach kleineren baulichen Anpassungen diente er fortan der Steuerverwaltung und der Vormundschaftsbehörde, später der Liegenschaftsverwaltung als Büroraum. In den 1950er- und 1960er- Jahren erfolgten bedeutende, das Gebäude mit Ausnahme des Ischerschen zweiten Obergeschosses in allen seinen Teilen verstümmelnde Umbauten. Zahlreiche Wände wurden herausgerissen, neue eingebaut, um rationellere Bürogrössen zu ermöglichen. Täferungen und Wandschränke, Öfen und Cheminées verschwanden. Es wurden die Eingangshalle modernisiert , ein Personenaufzug seitlich der Vestibüls eingebaut, der grosse Hof mit einer Werkstatt überbaut und die hübsche Verglasung der Hofgalerie durch eine belanglose Neukonstruktion ersetzt. Dem Umbau 1999/2000 ging eine 13-jährige Planungszeit voraus. Nach intensiven fachlich-inhaltlichen wie auch politischen Auseinandersetzungen wurde es möglich, alle Hauptanliegen der Denkmalpflege zu realisieren. Hervorzuheben ist zunächst der Grundentscheid, das Gebäude wieder der Wohnnutzung zuzuführen. Erfreulich sind weiter die Beschlüsse, den Haupthof freizulegen sowie den hässlichen Lift aus den Vestibüls zu entfernen und durch eine Neuanlage über dem Eh-Graben zu ersetzen. Ferner ist auf den Grundsatz hinzuweisen, die erhaltenen Ausstattungsteile ohne Einbussen beizubehalten, instand zu stellen und kleinere Ergänzungen vorzunehmen. Eine reichhaltige Plansammlung belegt die überaus sorgfältige Planungsarbeit. Denkmalpflege in der Stadt Bern 1997-2000 Herausgegeben von Bernhard Furrer Historischer Verein des Kantons Bern
|