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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Bern - Plattform Münsterplattform Pläfe

1334 Grundsteinlegung, 1514 Bau vollendet. Friedhof bis 1531. Im 18. Jh. werden die Linden durch Rosskastanien ersetzt. Von 1717 datieren die Gittertore, von 1749/53 die Sandsteinbalustraden. 1778/79 ersetzt Niklaus Sprüngli die 1514 von Andreas Mathys erbauten Eckpavillons. Das Zähringerdenkmal stand 1847-1968 auf der Plattform, die Wettersäule wurde 1873, der Aufzug Matte-Plattform 1897 errichtet (Mattenlift). Die 1694 nach dem Tod des Kerzerser Pfarrers Theobald Weinzäpfli an der südlichen Brüstung der Plattform angebrachte Gedenktafel erinnert an dessen Sturz vom Pferd über die Mauer hinaus, den er als Student am 23. Mai 1654 überlebt hatte.

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)



  • Rundgang
  • Die Plattform - das münster zer predigt und sinen hof zuom lust
  • Das Berner Münster



    Rundgang

    Via Casinoplatz, Herrengasse und Münsterplatz erreicht man bequem die Münsterplattform, den eigentlichen Balkon der Altstadt. Herrlich ist die Lage, prächtig der Blick über die Dächer der Matte und die Aare. Die alten Rosskastanienbäume spendeten den Besucherinnen und Besuchern bereits im 18. Jahrhundert Schatten.

    Die Münsterplattform strahlt französisches Flair aus, ungebrochen ist ihre Beliebtheit bei Bernerinnen und Bernern: Keine andere Grünanlage der Stadt wird derart stark frequentiert. Hier trifft man sich zum Boulespiel, auf einen Kaffee, die Plattform ist aber auch Tummelplatz für Jugendliche. Ein Kuriosum ist der elektrische Aufzug vom Mattequartier zur Plattform, das so genannte Senkeltram.



    Die Plattform - das münster zer predigt und sinen hof zuom lust

    Ein für 1479 überliefertes Baudatum bezieht sich erstmals auf das Projekt der heutigen Form und Höhe der Münsterplattform. Diebold Schilling erwähnt in der Berner Chronik: In dem vorgenanten summer [1479] wart die nüw mur angevangen ze machen unden an dem kilchof, und musten alle geselschaften daran werken in irem costen, als das von raeten und burgern angesechen wart, und was iederman willig und gehorsam; doch kost es die stat ouch ein merglich gut an gelt und an win.

    Mit diesen Bauarbeiten sind nicht – wie von der älteren Literatur angenommen – nur Reparaturen gemeint, sondern ein Neubau: Erstmals wird ausdrücklich nicht mehr der Kilchhof, sondern die nüw mur genannt. In den folgenden Jahrzehnten werden Dutzende von Gemeinden aufgefordert, Steinmaterial zum Bau der Plattformstützmauer nach Bern zu liefern.

    Damit sollte Bern nebst einem grossflächigen Münsterfriedhof einen Lustgarten erhalten wie Zürich vor 1474 seinen Lindenhof und Basel seine 1502–10 erneuerte Pfalz und seit ehedem seinen Petersplatz oder Lausanne die Place de la cathédrale: Anlagen, die dem städtischbürgerlichen Repräsentationsbedürfnis des 15. Jahrhunderts ganz besonders entsprachen.

    Man begann auf der Ostseite, wo 1503 eine Eckkapelle als Stiftung des Stiftspropstes Johannes Armbruster errichtet wurde. Aus statischen Gründen musste sie bereits 1506 – es tat sich ein Eck uf, heisst es in den Quellen – wieder abgebrochen werden. Sie wurde auf dem Münsterplatz neu errichtet. Dass die Bauarbeiten an der Plattform 1514 noch unvollendet waren, belegt ein Zitat des Reformationschronisten Valerius Anshelm: Diss jars Aprel [1514] ist das ek im spiz [Westerker] an der kilchhofmur 32 schuch dik angelegt und in straebwis [strebepfeilerähnlich] ufgefuert durch Andres Mathis, werkmeister, under Hans Augspurgern vom rat, buwhern. Die Stelle besagt, dass 1514 die Grundsteinlegung für die Westseite erfolgte. Die Ausführung mit grossformatigen Kissenquadern entspricht der Befestigungstechnik der Renaissance, beispielsweise Dürerscher Prägung, wie sie in jener Zeit am Schaffhauser Munot zur Anwendung gelangte. Von Fertigstellung steht weder im zitierten noch in anderen Texten etwas. Dasselbe gilt fürs Datum 1519, das sich auf den Osterker bezieht. Auch hier ist lediglich vom Baubeginn die Rede.

    Damit fügt sich auch die Quellenlage lückenlos in das Bild ein, das der archäologische Befund auf der Plattform sowie die Spuren an den 1986 hier gefundenen Skulpturen nahelegten. Offenbar war man zur Reformationszeit daran, die erstellte Stützmauer zu hinterschütten. 1528 befanden sich die Hinterfüllarbeiten noch 14 Meter unter dem geplanten – heutigen – Niveau. Auf diese Schutthalde gelangten im Januar 1528 die im Bildersturm entfernten Skulpturen, auf des kilchhofs schütte, wie Anshelm präzisiert.

    Um 1530 war die Aufschüttung vollendet, der einst hier vorhandene Friedhof verlegt. Er lag nun nördlich des heutigen Bärengrabens am Klösterlistutz. Der Lustgarten war vollendet. Mit der knappen Formel: das münster zur predigt und sinen hof zuom lust bringt der Chronist Anshelm die Plattformbaugeschichte auf den Punkt.

    Dr. Daniel Gutscher
    Archäologischer Dienst des Kt. Bern


    Literaturhinweise

    Bern. Die Skulpturenfunde der Münsterplattform. Bericht über das Interims-Kolloquium vom 26./27. August 1988 in Bern, hg. von Daniel Gutscher und Urs Zumbrunn (Schriftenreihe der Erziehungsdirektion des Kantons Bern, hg. vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern), Bern 1989.

    Gutscher, Daniel: Bern, Klösterlistutz. Die archäologischen Untersuchungen im mittelalterlichen Siechenfriedhof 1988, in: Archäologie im Kanton Bern 3 B. Fundberichte und Aufsätze, hg. von Daniel Gutscher und Peter J. Suter (Schriftenreihe der Erziehungsdirektion des Kantons Bern, hg. vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern), Bern 1994, S. 489–494.

    Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, hg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte), Bd. 1: Die Stadt Bern, von Paul Hofer, Basel 1952.

    Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, hg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte), Bd. 3: Die Staatsbauten der Stadt Bern, von Paul Hofer, Basel 1947.

    Meckseper, Cord: Kleine Kunstgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter, Darmstadt 1982.

    Reinle, Adolf: Zeichensprache der Architektur. Symbol, Darstellung und Brauch in der Baukunst des Mittelalters und der Neuzeit, Zürich/München 1976.

    Schneider, Jürg; Gutscher, Daniel; Etter, Hansueli; Hanser, Jürg: Der Münsterhof in Zürich. Bericht über die vom städtischen Büro für Archäologie durchgeführten Stadtkernforschungen 1977/78 (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 9/10), 2 Bde., Olten/Freiburg i. Br. 1982.



    Bern Münsterplattform. Bild: Martin Abegglen
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