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Bern - die Hauptstadt mit Charme Bernisches Münzwesen Alte Münzstatt 1555 werden die zwei westlich ans Rathaus anschliessenden Häuser zur Münze umgebaut. 1787 wird der grösste Teil der Liegenschaft durch Brand zerstört. Nach Baubeginn an der Neuen Münzstatt werden die Brandruinen 1789 abgetragen. Lit.: KDM. 3 Neue Münzstatt 1789/91 als Ersatz für die Alte Münzstatt von Niklaus Sprüngli und Vivinel nach Plänen von Antoine erbaut. Als Appareilleur (Bauführer) tritt dabei Joh. Daniel Osterrieth erstmals in Bern auf. 1835 wird das letzte Berner Geld geprägt. Nach 1838 dient die Münzstatt dem letzten bernischen Münzmeister, Christian Fueter, als Wohnung. 1854 pachtet der Bund die Münzstatt und erstellt vor der Südwestecke das Hochkamin. 1890 geht das Gebäude an die Eidgenossenschaft über, welche 1906 die Münze in Betrieb nimmt. Mit dem alten Hotel Bellevue wird auch die Münzstatt 1911/12 abgebrochen. Standort: Westteil des Hotels Bellevue, Kochergasse 5 Eidgenössische Münze Bernastrasse 28. Nach dreijähriger Bauzeit 1906 als Ersatz für die Neue Münzstatt in Betrieb genommen. Berchtold Weber: Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Bernisches Münzwesen Die letzte Periode des bernischen Münzwesens stand ganz im Zeichen der neuen Münzstätte und von deren Vorsteher, Christian Fueter (1752 bis 1844). Änderungen im französischen Währungssystem nötigten Bern, die eigene Tarifierung entsprechend anzupassen. Dabei führte ein plötzliches Ereignis die jahrelangen gründlichen Beratungen zu einem jähen Ende: Die alte Münzstätte brannte 1787 ab. Die neue wurde 1793, sogleich mit intensiver Prägetätigkeit, eröffnet. In der Zwischenzeit hatte Solothurn ausgeholfen. Mit der Errichtung der neuen, modernen Münzstätte wurde der Pariser Architekt Antoine beauftragt, zum neuen Münzmeister Christian Fueter vorgesehen, der auf sein verantwortungsvolles Amt auch systematisch vorbereitet, schliesslich 1793 eingesetzt und vereidigt wurde. Fueters Vater Daniel, ein Goldschmied, wurde, obwohl selber unbeteiligt an der Henzi-Verschwörung, aus Sippenhaft 1749 zum Tode verurteilt. Es gelang ihm jedoch, nach London zu fliehen, wo später Christian geboren wurde. Zeitweilig versuchte die Familie das Glück in New York. 1770 kehrten die Kinder Fueter unbehelligt nach Bern zurück; der Vater wartete im Neuenburgischen noch einige Jahre auf seine Rehabilitierung. Aus den einstigen Todfeinden der Familie wurden nun Freunde und Förderer. Christian Fueter war als Künstler (Entwerfer und Stempelschneider), Prägetechniker und auch als in der Währungspolitik versierter Wirtschaftsfachmann in einer Person den hohen Anforderungen bestens gewachsen und blieb in einer politisch wechselvollen Zeit treu auf seinem Posten. Der Anfang seiner Tätigkeit fiel in die letzten Jahre des Ancien Régime (beim Zusammenbruch rettete er einen Teil des Staatsschatzes vor den plündernden Franzosen). Dann diente er seiner Aufgabe während der Helvetischen Republik (1798-1803), der Mediation (1803-1813), der Restauration (1813-1831) und der Regeneration (ab 1831). Er überlebte 1838 die Schliessung der Münzstätte und so den endgültigen Abschluss der Münzprägung unter bernischer Hoheit. Er starb 1844 im hohen Alter von 92 Jahren in seiner einstigen Dienstwohnung. Etliche Charakteristika der einzelnen Perioden erkennt man an deren Münzen: etwa den späten Glanz des Ancien Régime in den neuen Dublonen und Talern, oder die jähen und deshalb fremd gebliebenen, obwohl teilweise sehr modernen Bemühungen der Helvetischen Republik um radikale Einheit in den erstmals in Dezimalwährung für die ganze Schweiz geprägten Münzen. Die während der Restauration in die «gute, alte Zeit», in das Jahr 1798 zurückdatiert geprägten Taler, die nach Typen des 18. Jahrhunderts gestalteten Batzen und Halbbatzen rufen die Bestrebungen in Erinnerung, nach dem Sturz der Helvetik das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Die Rückkehr zur kantonalen Prägehoheit führte zu Münzwirrwarr und Prägechaos in der ganzen Schweiz, denn nun prägten auch die neugegründeten Kantone. Diesem Zustand mit Beschlüssen der machtlosen Tagsatzung und mit regionalen Konkordaten (so 1825 zwischen Bern, Basel, Freiburg, Solothurn, Aargau und Waadt) beizukommen, war nicht mehr möglich. Was die kurzlebige Helvetik einst versuchte, brachte schliesslich ein halbes Jahrhundert später der Bundesstaat fertig. Die letzten Prägungen aus dem Jahre 1838 sind sieben Jahre nach dem Sturz des aristokratischen Regimes entstanden. An Stelle der Herzogskrone aus der Zeit der «Gnädigen Herren» erscheint das Schweizerkreuz. Wie einst der Krieger in «vaterländischer Tracht» auf Dublonen und Neutalern rief das Schweizerkreuz auf zur Besinnung auf die gemeinsame eidgenössische Freiheit und deutete auf die darauf zu bauende Zukunft hin. Lit.: Strickler 1904, 122-147 und 286-322. - Strickler 1905, 15-62. - Weisskopf 1948, 32-71. - Divo/Tobler 1967, passim. - Divo/Tobler 1974, passim. Balázs Kapossy Zwischen Entsetzen und Frohlocken Vom Ancien Régime zum Bundesstaat 1798-1848 Ausstellungskatalog Bernisches Historisches Museum 21. April bis 19. Juli 1998
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