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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Bern - Rathaus

1 Das älteste Rathaus der Stadt befand sich zu unterst am Nydeggstalden. Es wird der Burger Hus und domus dicta die helle genannt. Von 1402 bis zum Brand von 1405 befand es sich in Privatbesitz.
Standort: Vermutlich Mattenenge 2
2 Das zweite Rathaus wurde 1355 oben an der Mattentreppe, dem Münsterchor gegenüber, bezogen, 1414 verlassen, als Schulhaus bis 1468 verwendet, dann für den Münsterneubau abgebrochen. Bis ins späte 14. Jh. ist der Name des Rathaus oft Richthaus oder Gericht.
Standort: Westlich des Hauses Münstergasse 1
3 Rathausplatz 2. An Stelle der drei Burgistein-Sässhäuser wird in den Jahren 1406-1415 unter H. von Gengenbach und H. Hetzel das von 1414 an benützte dritte Rathaus gebaut. Der erste Ausbau von 1430-1450 bringt unter anderem die horizontale Treppenüberdachung, die Abraham II. Dünz in der Mitte des 17. Jh. durch eine schräge ersetzt. In der Helvetik Gemeindehaus genannt wird das Rathaus zu Beginn der Regenerationszeit teilweise umgebaut. In den Jahren 1865/68 erfolgt der neogotische Umbau unter Friedrich Salvisberg. Nach Plänen von M. Risch werden mit dem Umbau von 1940/42 Fassade und Halle im ursprünglichen Zustand wiederhergestellt.

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)



  • Rathaus
  • Der Berner Ratssaal
  • Abbildungen
  • Rathäuser und Regierungspaläste
  • Die Republik Bern
  • Öffnungszeiten Besucher, Sessionen
  • Fotos vom Rathaus und der Ratskanzlei (innen und aussen)
  • Abbildung von 1912
  • Der Vennerbrunnen



    Rathaus

    Das Rathaus ist das politische Zentrum von Stadt und Kanton Bern. In diesem, 1406 bis 1416 von Heinrich von Gegenbach erbauten, spätgotischen Gebäude versammeln sich die 200 Mitglieder des bernischen Grossen Rates während fünf jährlichen Sessionen zu öffentlichen Verhandlungen. Wenn das Kantonsparlament tagt, wird auf dem Rathausdach die Berner Fahne gehisst. Im Rathaus befindet sich auch der offizielle Sitz der bernischen Kantonsregierung. Die sieben Mitglieder des Regierungsrats kommen jeweils am Mittwoch im Regierungszimmer zu ihren ordentlichen Sitzungen zusammen. Die Verhandlungen des Regierungsrates sind nicht öffentlich.

    Jeweils am Donnerstag tagt im Grossratssaal die Legislative der Stadt Bern, der Berner Stadtrat. Ausserdem tagt die Synode, das Parlament der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Bern, regelmässig im Grossratssaal.



    Der Berner Ratssaal

    Unter den öffentlichen Bauten, die im alten Bern das Stadtbild akzentuieren und den Stadtraum strukturieren, nimmt das Rathaus eine hervorragende Stelle ein, denn es bildet das profane Gegenstück zur Münsterkirche. Die Unabhängigkeit der Stadt drückt sich zuerst im eigenen Siegel (1224), dann im Bau eines besonderen Hauses für die Ratsversammlungen aus. Der Bau und die ersten Umbauten des heutigen Rathauses sind eng mit der städtischen Territorialpolitik verknüpft. So wie die mittelalterliche Verfassung in den Hauptzügen bis zum Ende des Ancien Regime galt, so beherbergten die im Spätmittelalter errichteten Bauten trotz verschiedener Neubaupläne die politischen Behörden bis zur Revolution und darüber hinaus, freilich vielfach umgebaut und neu ausgestattet.

    Der Stadtbrand von 1405 bot den willkommenen Vorwand, im folgenden Jahr mit dem Bau eines neuen Rathauses zu beginnen, um dem Repräsentationsbedürfnis von Rat und Gericht zu genügen. Der Kleine Rat (latinisiert senatus, die Exekutive) tagte in der Kleinen Ratsstube, der Grosse Rat (latinisiert ducenti, d. h. Rat der Zweihundert, die Legislative) in der Burgerstube; beide Säle waren im ersten Obergeschoss gelegen, ursprünglich nebeneinander, später durch einen Korridor getrennt, und von Norden belichtet. Der Saal des Kleinen Rats mass 7 X 10 Meter, der des Grossen Rats 11 X 13 Meter. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Kleine Ratsstube durch Meister Steffan mit Wandgemälden versehen, die den Stadtpatron St. Vinzenz, die Wappen der Stadt Bern, der Herzöge von Zähringen und des Reichs sowie ein Bildnis des Königs Sigismund, der 1414 Bern besucht hatte, zeigten. Beide Ratssäle erhielten ein flaches Holzgewölbe, wie es damals in Süddeutschland und der Schweiz für Rats- und Zunftsäle üblich wurde. Die Quellen vermelden ausserdem verschwundene Bilder, so eine Passion von Niklaus Manuel und Darstellungen der Schlachten von Murten, Dornach und Sempach (HOFER 1947, S. 182-183).

    Im Jahre 1528 entschied sich Bern für die Reformation. 1536 folgte mit der Eroberung der Waadt die grösste Gebietsausdehnung. Die erste wichtige Veränderung des Rathauses fand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts statt und entsprach einerseits dem Repräsentationsbedürfnis als Ausdruck der Machtpolitik des bernischen Stadtstaates, andererseits der gespannten politischen und sozialen Lage, in der vieles auf dem Spiel stand. Die Kleine Ratsstube, wo das Bild des hl. Vinzenz bereits nach der Reformation zugedeckt worden war, wurde in den Jahren 1562-1566 renoviert und verlor spätestens damals die übrigen Wandgemälde. In den Jahren 1580-1586 war die Reihe an der Burgerstube, deren Wände sich mit einem komplexen ikonographischen Programm von politischer Aussage bedeckten. Während wir die Ausstattung der Kleinen Ratsstube aus schriftlichen Quellen und späteren Planaufnahmen kennen, dokumentieren Bildquellen die Ausstattung der Burgerstube (Kat. 207 und 230, ferner zwei Federzeichnungen von Rudolf Stettler, um 1832, Abb. in STETTLER 1942, S.33, und HOFER 1947, S.92, schliesslich vier Bleistiftzeichnungen im Staatsarchiv des Kantons Bern, auf die uns Franz Bächtiger aufmerksam gemacht hat, wohl ebenfalls von Rudolf Stettler). Zahlreiche Ausstattungsstücke haben sich erhalten, darunter Gemälde (Kat. 208-212) und als Möbelstück der Ratsschreibertisch von 1578 (HOFER 1947, S. 164-166).

    Die Bilder, die der Rat 1584 bei Humbert Mareschet bestellte, sind - zeittypisch - nicht auf die Wand, sondern auf Leinwand gemalt. Ausser auf der Fensterseite füllten sie den Raum zwischen Getäfel und Decke, und zwar als schmales Band von einem Meter Höhe auf Ost- und Westseite, als flaches, von der Saaltür unterbrochenes Bogenfeld auf der Südseite. Die Westwand erhielt Darstellungen der Bannerträger der Dreizehn alten Orte (Kat. 208), die Ostwand Bilder aus der Stadtgründungsgeschichte (Kat. 209).

    Die Gemälde der Südwand sind nur unvollständig erhalten, denn hier verdrängte Joseph Werners zweiteilige Allegorie (Kat. 214-215) 1682 beidseits der Saaltür ältere Stücke, von denen wir keinerlei Nachricht haben. Von dieser Südwand stammen (von links nach rechts) das Salomonsurteil (Kat. 210), der Bundesschwur von Stans (Kat. 211) und König Skiluros mit seinen Söhnen (Kat. 212). Soweit die Verluste einen Schluss zulassen, wird man sagen dürfen, dass in diesem Programm der Akzent von den humanistischen »exempla virtutis«, die im Basler Grossratssaal dominieren (Kat. 27-41) auf die »vaterländischen« Themen verlegt ist. Den Berner Stadtvätern lag weniger daran, die Grundsätze des guten Regiments vorzustellen, als die Miteidgenossen zur Eintracht zu ermahnen, den Verzicht auf das reformatorische Verbot fremder Kriegsdienste zu rechtfertigen und identitätsstiftende Bilder anzubieten, in denen sich der Wert ihrer Republik und der Wert der Eidgenossenschaft gegenseitig steigerten. Die Betrachter, auf welche diese Gemälde zielten, waren weniger die Bürger als die Regierenden und vor allem die von ihnen empfangenen Gesandten und Botschafter. Der Bericht eines Vertreters der Sieben katholischen Orte, deren Abordnungen 1586 in Bern eintrafen (vgl. Kat. 209 und 211), bezeugt beispielhaft die aussenpolitische Wirksamkeit solcher »visueller Kommunikation«.

    Mareschets Gemälde enthielten bis ins 18. Jahrhundert das Wesentliche der Bildaussage des Berner Rathauses. Durch die Initiative des Malers Joseph Werner erhielt die Kleine Ratsstube 1662 eine Allegorie der Gerechtigkeit (Kat. 213). Zwanzig Jahre später malte er im Auftrag des Rats für die Burgerstube die schon genannte zweiteilige Allegorie der Republik; im Rahmen der Gesamtrenovation des Hauptgeschosses (1678-1695), zu der man nach dem schwierigen Zeitabschnitt des ersten und zweiten Jahrhundertdrittels schritt, begnügte man sich im übrigen mit der Auffrischung der Gemälde aus dem 16. Jahrhundert und mit Grauanstrich und Vergoldung des Getäfels.

    Als im Jahre 1685 die Widerrufung des Toleranzedikts von Nantes durch König Ludwig XIV. drohte, liessen sich in Bern hugenottische Wirker nieder, die nach Vorlagen Werners einen Teppich für den Ratsschreibertisch in der Kleinen Ratsstube schufen (Kat. 216). Das Mobiliar wurde 1670-1673 und 1735 - bei der »Burgerbesatzung« - erneuert; fortan sassen die Mitglieder des Grossen Rats auf gepolsterten Sitzen; die Wandbespannung, die Möbel und der Schultheissenthron (Kat. 217) zeigten Regenceformen. Am Vorabend des Untergangs des alten Bern, 1784-1785, erhielt die Kleine Ratsstube eine Bemalung in Weiss und Gold und einen Schultheissenthron im Stil Louis XVI (Kat. 218).

    Die Regenerationszeit bewirkte nach 400 Jahren die ersten tiefgreifenden Veränderungen. Die Burgerstube wurde 1832-1833 in einen modernen Parlamentsaal umgebaut, vergrössert und mit Tribünen versehen, wie sie der demokratische Grundsatz öffentlicher Verhandlungen erheischte. Die Absicht, das Rathaus durch einen Neubau zu ersetzen, für den 1833 ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben wurde, versandete in den Geldnöten des regenerierten Kantons Bern und erlitt dasselbe Schicksal wie die ehrgeizigen Neubaupläne vom Ende des 18. Jahrhunderts (vgl. Abb. 2) - sie blieben auf dem Papier. Der vollständige Umbau des Rathauses in den Jahren 1939-1942 wollte dann die mittelalterlichen Elemente des Bauwerks zu Ehren bringen, opferte aber beide Ratssäle für einen noch geräumigeren Grossratssaal. Karl Walser schmückte diesen wiederum mit Wandmalereien, bediente sich jedoch in einer für die Zwischenkriegszeit charakteristischen Art der allegorischen Mittel, um Mareschets Thema - Bau der Stadt - neu zu gestalten.

    D. Gamboni
    Zeichen der Freiheit
    Bernisches Historisches Museum
    Kunstmuseum Bern
    Verlag Stämpfli & Cie AG Bern 1991



    Bern Rathaus. Photo: www.face-music.ch
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