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Bern - die Hauptstadt mit Charme Schifffahrt in Bern Flussschiffahrt im Alten Bern Die Aare war ein bedeutender Handelsweg der Stadt Bern zu einer Zeit, als der Transport – vor allem schwerer Massengüter wie Wein, Getreide oder Salz – auf den schlechten Strassen mühselig war. Nach der Eroberung der Waadt wurden auch die Juraseen und ihre Verbindungen mit der Aare, nämlich Broye und Zihl, wichtige Teile des Netzes von bernischen Wasserwegen. Die Aare war von Brienz bis Thun mit Ausnahme der Verbindung zwischen den beiden Seen schiffbar. Zur Flussschiffahrt im Alten Bern (Alfred Bretscher) Bern eine Hafenstadt? Als in der Matte noch täglich Schiffe anlegten... In früheren Zeiten brachte das Anschwellen des Flusses nicht nur die Bewohner in Not, sondern auch das Schifffahrtwesen und die damit verbundene Zunft zu Schiffleuten. Bern eine Hafenstadt? Wer kann sich das heute noch vorstellen. Doch bevor man die Fahrstrassen und den Wagenverkehr verbesserte und ausbaute, war der Transport von Personen und Waren über die Flüsse und Seen eben noch von grosser Bedeutung. Nicht die Schiffer scheinen die Gründer der Zunftgesellschaft zu Schiffleuten gewesen zu sein, sondern die Fischer. Die leicht verderbliche Ware stand damals unter der Kontrolle eines Fischereiaufsehers und wurde auf der Fischbank an der Kreuzgasse feilgeboten. Damit die Bestände nicht zurückgingen, erliess man schon früh Vorschriften über Schonzeiten, Mindestgrössen und Netzzeiten. Sicher erwiesen ist die Vereinigung der beiden Gewerbe gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Es lag nahe, die beiden Berufe, von denen der eine am und der andere auf dem Wasser war, zu verschmelzen. Die Zunft besass die Fischereirechte und das Monopol für den gewerbsmässigen Transport von Waren und Personen auf dem Wasser. Die Schiffsleute waren Schiffsführer und -bauer zugleich, und ihr Berufsgebiet erstreckte sich über das ganze linksseitige Ufer der Matte. Schon damals bestanden offenbar die Schwellen und der Aarekanal, genannt Tych. Die Aufsicht über die Schwelle hatte der Schwellenmeister. Er gehörte der Zunft an und wohnte im Schwellenmätteli. Schiffe und Flosse durften nur mit Geleit des hiesigen Schiffmanns die Schwelle passieren. Landungs- und Abfahrtsplätze der Schiffe und Flosse scheint es zwei gegeben zu haben. Oberhalb der Schwelle die «Ländte», heute Schifflaube, und unterhalb davon die «Landeren» an der heutigen Wasserwerkgasse 4 bis 14. Dort besass die Zunft im 18. Jahrhundert bereits ein eigenes kleines Industrielokal. Auf dem einst geräumigen Platz bei der Landeren befand sich das Haus für den Schiffsbau. Unter einem grossen Dach standen drei von der Wasserkraft betriebene Sägewerke, von denen eines eigens nur für die Schiffsleute reserviert war. Auf dem damals wichtigsten Berner Warenumschlagplatz herrschte ein lebhafter und lauter Betrieb. Unter dem Jubel der Gassenjugend legten Schiffe an und brachten verschiedenste Waren mit. Aber auch fremdländisch aussehende Menschen aus anderen Sprachregionen bereicherten das Leben in der Matte. Die drei wichtigsten Linien der Flussschifffahrt waren jene von Bern nach Brugg, von Thun nach Bern und von Yverdon beziehungsweise Murten nach Brugg. Von Bern, Thun und Brugg transportierte man vor allem Holz, Leder, Schürzlituch (Mischgewebe), Vieh, landwirtschaftliche Geräte, Butter und Fette. Feinere Eisenwaren kamen von Augsburg, und aus Frankfurt wurden Tuch, Kolonial- und Luxuswaren herbeigebracht. Die Besatzung bestand aus einem Schiffsmeister und mehreren Gesellen. Beim Transport von Kälbern zum Beispiel musste deren Anzahl und Wert klar deklariert werden. Die Kontrolle über die Erfüllung dieser Vorschriften wurde von der Obrigkeit wahrgenommen. Sie konnte aber auch durch den Schiffsmeister erfolgen, wenn dieser einen «Schiffleuten Eid» ablegte. Um das Schiff gegen den Strom hinaufzuziehen, setzte man am Ufer stehende Schiffszieher ein, wie man sie heute nur noch von Bildern aus China kennt. Damit die Schiffszieher die Taue ohne grössere Hindernisse halten und das Schiff führen konnten, musste das Ufer abgeholzt werden. Dies führte unweigerlich zu Schwierigkeiten, da durch die Abholzung Hochwasserschäden zu befürchten waren. Noch im zweiten Halbjahr 1825 legten in der Matte etwa 620 Schiffe an, beladen mit 5700 Tonnen Fracht und 6200 Passagieren. Heute brauchen wir hierzulande Wasserfahrzeuge fast nur noch zum Vergnügen. Die Gesellschaft zu Schiffleuten besteht trotz dem Untergang ihres Gewerbes aber immer noch. Mit 323 Angehörigen bildet sie die kleinste Personalgemeinde und wird nur selten durch Vormundschaften und Fürsorgefälle belastet. Heinz Sommer ist seit sechs Jahren Präsident der Gesellschaft. Im Zunfthaus an der Münstergasse 22 befindet sich im ersten Obergeschoss der kleine, familiäre Zunftsaal mit den traditionellen Familienwappen. Die übrigen Räumlichkeiten dieses Altstadtwohnhauses vermietet die Gesellschaft. Im Lichthof kann man die Bronzeplastik mit dem Zunftsymbol von Max Fueter bestaunen. Ein Schiffsmann stösst mit dem Stachel das Schiff gegen die Strömung. Das Grosse Bott findet bei der Zunft zu Schiffleuten zweimal pro Jahr statt, und auch das Kinderfest, der Ball und der Seniorenausflug dürfen im Jahreszirkel nicht fehlen. Unter den Zunftangehörigen findet man heute keine Berufsfischer oder Schiffsfahrer mehr. Manche haben sich indessen das Segeln zum Hobby gemacht. Das Zunftsymbol der Schiffleute: Stachel und Ruder. Quellenangaben: Die Burgergemeinde Bern, Gegenwart und Geschichte, Verlag Stämpfli & Cie AG Bern, 1986 (vergriffen). Die Berner Zunft zu Schiffleuten, Hans Kuhn-Simon, Bern, 1968 www.ebund.ch Joëlle Beeler 27.08.99 Zunft zu Schiffleuten Einen grossen Teil der Stubengesellen machten früher die Fischer aus. Diese Fischer stifteten für ihre Angehörigen bereits 1342 eine Spittelpfrund. Ungefähr 1425 konstituierten sie sich mit den Schiffern förmlich zu einer Gesellschaft. Als Ende des 17. Jahrhunderts Rebleuten nur noch aus zwei Angehörigen bestand, sollten beide Gesellschaften verschmolzen werden. Trotz mehrerer Anläufe kam es nicht dazu, sodass der Staat beim Tod des letzten Rebmannes 1729 Erbe von Rebleuten wurde. Die Stubengesellen von Schiffleuten erhielten ein Monopol für die Wassertransporte auf den Strecken Thun–Bern–Brugg und Yverdon bzw. Faoug–Brugg. Unten in der Matte betrieben sie den Landungsplatz und eine Schifffswerft und waren verantwortlich für den Unterhalt der Aareschwelle. Angriffe auf das Monopol und Haftungsfragen für verlorenes Gut machten der Gesellschaft und dem Rat immer wieder zu schaffen. Militärisch wurden die Stubengesellen als Pontoniere eingesetzt, in enger Gemeinschaft mit den Rebleuten, die unter dem Namen «Schuflepure» als Pioniere wirkten. Die immer besseren Strassen nahmen der Flussschifffahrt viel von ihrer Bedeutung, und der Bau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert brachte sie völlig zum Erliegen. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts war Schiffleuten Eigentümerin eines Gesellschaftshauses an der Gerechtigkeitsgasse 80 unmittelbar beim Fischmarkt. Das Haus wurde 1824 verkauft. Zwischen 1865 und 1924 befand sich das Gesellschaftshaus an der Kramgasse 68. 1951 kauften Schiffleuten ihr heutiges Zunfthaus an der Münstergasse 22. Eine siebenköpfige Waisenkommission verwaltet die mit 320 Angehörigen zahlenmässig kleinste Zunft der Stadt Bern. Burgergemeinde Bern Die Aare in der Gegend von Bern Die Aare, in der Gegend von Bern durchschnittlich 50 m breit, ist am Südfuss des Stadthügels durch das alte Wehr der Aareschwelle gestaut und bildet anschliessend ein 170 m breites, nur bei Hochwasser ganz überflutetes Becken, um dann in enger Schleife nach Norden und Westen abzufliessen. Der wohl keltische, noch nicht sicher erklärte Flussname, in der Form arura erstmals durch zwei römische Inschriften des 2./3. Jahrhunderts bezeugt, taucht in der germanisierten Kurzfassung ara seit dem frühen 7. Jahrhundert auf und nähert sich bereits nach 1155 als are, ar der heutigen Namensform. - Einziger natürlicher Zufluss im Stadtgebiet ist der bei Köniz entspringende, im Marzili-Flussknie einmündende Sulgenbach. Wohl schon zur Gründungszeit als Stadtbach künstlich ins Weichbild abgelenkt wurde dessen Zufluss aus Nordwesten, der Wasserlauf aus dem Wangental. Verkehrslage Einziger für die Zeit vor der Gründung der Stadt sicher bezeugter Verkehrsweg ist der Flusslauf. Durch die Aventicenser Inschrift ist das Bestehen einer offenbar einträglichen Schiffahrt auf dem ganzen Flusssystem der Aare für das 2./3. Jahrhundert gesichert; der Weidlings- und Flossverkehr vom Oberland zum Aargau durch das ganze Mittelalter hindurch lebhaft und vielseitig, belebt die Schiffländen an Marzili und Matte, bis ihm der Ausbau des Strassenwesens seit 1740 den ersten, die Einführung der Eisenbahn nach 1860 den zweiten, tödlichen Stoss versetzt; einzig die Flösserei von Bauholz hält sich noch bis gegen 1890. Quelle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern; Band 1; Die Stadt Bern; von Paul Hofer ![]() Der Schiffsverkehr auf der Aare um 1787. Ausschnitt aus der kolorierten Umrissradierung von J.N. Schiel «Vue d'une partie des environs de Berne prise de la maison où l'Empereur Joseph II a honoré le grand Haller de sa visite», 1787 (Burgerbibliothek Bern, Gr. D. 58). |