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Bern - Haupstadt mit Charme Spitäler und Spitalwesen im Bern des 18. Jh. Die Fürsorgeinstitution «Spital» Ein Spital war für jede Stadt des 18. Jahrhunderts neben dem Rathaus und den Kirchen ein bedeutender Repräsentationsbau.1 Es stellte die Wohlfahrt des Staates, dessen Sorge um die Armen zur Schau. Die Schweizer Spitäler waren bis um 1800 in erster Linie Fürsorgeinstitutionen für die Armen, Anstalten zur Verpflegung und Versorgung von Hilfsbedürftigen aller Art.2 Wenn in Krisenzeiten ein Fünftel bis zur Hälfte der Bevölkerung armengenössig wurde, lebten viele Einheimische - vorwiegend Frauen und Kinder - als «Hausarme» von den Unterstützungen des Spitals. Es verteilte «Mus», Brot, Kleider, Schuhe und Geld für den Hauszins. Das Spital nahm im allgemeinen alle Armen auf, ausser Leuten mit ansteckenden Krankheiten, arbeitsfähige Bettler und Dirnen. Man kann zwei Hauptgruppen von Bedürftigen unterscheiden: die Einheimischen, die sich länger im Spital befanden,3 und die Auswärtigen als «Kurzaufenthalter». Zur ersten Gruppe gehörten die Pfründer. Einheimische Betagte wurden gegen eine vertraglich festgelegte Summe im Spital unterhalten und überdies bei Krankheit gepflegt. Auch Kinder - Waisen, Findelkinder, Schwererziehbare, geistig Behinderte und Kranke - wohnten in den Spitälern. Sowohl Geisteskranke - «unruhige Irre», «Tobsüchtige» - wie auch Kleindelinquenten - ungehorsame Spitalinsassen oder politische Agitatoren höheren Standes - sperrte man in den Arrestkammern des Spitals ein. Am zahlreichsten waren die Durchreisenden: wandernde Handwerker, Dienstboten, Pilger und vor allem kranke Bettler. Seit dem 16. Jahrhundert geleiteten Bettelvögte4 die Bettler von den Stadttoren zum Spital, wo sie ihr Almosen empfingen und zuweilen für eine Nacht Unterkunft fanden. Nachts wurden sie darin eingeschlossen, um die Stadt vor dem Gassenbettel zu verschonen. Am Morgen führte der Bettelvogt die Bettler wieder zur Stadt hinaus. Arme Frauen kamen ins Spital, um zu gebären. Nur Arme und Leute ohne Angehörige begaben sich bei Krankheit ins Spital,5 wo die Kosten des Scherers oder des Arztes vom Spital übernommen wurden. Alle handwerksmässigen Verrichtungen führten die Scherer (Wundärzte, Chirurgen) aus. Die studierten Ärzte (Doctores) diagnostizierten mittels der Harnschau und gaben ihre Anweisungen für die Behandlung an die Chirurgen und Apotheker weiter. Die wissenschaftliche Medizin hatte jedoch keinen grossen Einfluss auf die Schweizer Spitäler. Medizinische Hilfe - Arzt, Chirurg und Hebamme - wurde bei Bedarf beigezogen. Die Insassen wurden von Mägden betreut, die dem Spital- oder Brudermeister unterstellt waren. Die Verwaltung (Direktion) und die Verantwortlichen für die ökonomischen Belange wurden vom Stadtrat beaufsichtigt. Die Spitäler waren finanziell auf sich selbst gestellt. Jedes Spital bezog von seinen Gütern Zinsen und Zehnten. Hinzu kamen Spenden, Stiftungen und Hinterlassenschaften. Der Stadtsäckel steuerte nur in Ausnahmefällen etwas bei, z. B. bei Bauvorhaben. So bewilligte der bernische Rat der Zweihundert für den Spitalneubau in Aarau 1779 eine Ortslotterie und streckte dann 1783 Geld vor.6 Die Spitäler in der Schweiz Die ersten öffentlichen Spitäler des Mittelalters standen unter geistlicher Leitung. Bürgerschaften, Orden und vermögende Einzelpersonen errichteten in den Städten zahleiche kleine und kleinste Spitäler. In Bern7 liess sich kurz vor 1228 der Heiliggeist-Orden mit einem Spital westlich es Obertors nieder.8 Das Heiliggeist-Spital, später auch Altes oder Oberes Spital genannt, war vor allem eine Pfründeranstalt. Auch Ritterorden und Bruderschaften betreuten Beürftige. 1307 stiftete die Berner Bürgerschaft das Niedere Spital, später Grosses Spital genannt, welches im Osten der Stadt stand. Die Seelsorge übernahm das Deutschorenshaus. Im Spital wurden Kranke, Kinder, Geisteskrane und Betagte, darunter zahlreiche Pfründer von Hand,erksgesellschaften betreut. Im Spital der Antoniter9 waren am Antoniusfeuer Erkrankte gepflegt.10 Ein weiteres Leinspital, wo man Kranken beistand, war das Seilerinpital. Für fremde Durchreisende wurde um 1395 die Elendenherberge,11 auch St.-Jakobs-Spital genannt, gegründet. Gleichzeitig mit den ersten Spitälern entstanden im 12./13.Jahrhundert die Siechenhäuser für die an der Lepra Erkrankten. Da diese als äusserst ansteckend galt, mussten die Aussätzigen ausserhalb der Stadt leben, abgesondert von den übrigen Bürgern. Das 1283 zum ersten Mal erwähnte Berner Siechenhaus stand östlich der Stadt und wurde 1491 noch weiter weg auf das Breitfeld hinaus verlegt. Im Blatternhaus wurden 1498, schon bald nach dem Auftauchen der «Blattern» in Westeuropa,12 in Bern erstmals solche Kranken gepflegt. Das Haus lag ebenfalls östlich der Stadt, unterhalb der «Sandfluh». Über die architektonische Form der einzelnen mittelalterlichen Spitäler in der Schweiz ist ziemlich wenig bekannt.13 Im Ausland kennt man eingeschossige Hallen, welche meist durch Pfeiler kirchenähnlich in Schiffe geteilt waren.14 Typologisch stammen diese Hallen von den Dormitorien, Schlafsälen, der Klöster ab. In ihrer Form wurde die profane Wohnkultur mit derjenigen des klösterlichen Lebens verbunden. Das ehemalige Niederspital von Burgdorf war vermutlich im 13. Jahrhundert so angelegt worden.15 Der Altar oder Kapellenraum schloss sich direkt an den Wohnraum, die Spitalhalle. Jeder Bettlägerige sollte den Gottesdienst mitverfolgen können, da in den Spitälern die Kommunikation mit Gott wichtiger als die ärztliche Betreuung war. Erste grosse Reformen Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lösten sich die Spitäler endgültig von der Kirche; die Leitung ging an die Bürger über. Mit der Kirchenreformation wurden die Wohlfahrtseinrichtungen reorganisiert und kleinere Anstalten aufgehoben. Die Zusammenlegung einzelner Fürsorgeinstitutionen gestattete eine gezieltere Armenunterstützung. In Bern differenzierte man die Funktionen der verschiedenen Einrichtungen. Das Niedere Spital (Grosses Spital) wurde 1528 ins aufgehobene Predigerkloster verlegt. Neben Pfründern wurden darin auch auswärtige Handwerker versorgt. Unheilbare Geisteskranke brachte man dort in den «Toubhüsli» unter. Das Obere Spital blieb am selben Standort. Der Konvent und die Kirche wurden geschlossen. Es sollte sich nun auf die Beherbergung von Bettlern und Pilgern beschränken. Die Kranken wurden dem Seilerin-Spital zugewiesen, welches 1531 ins aufgehobene Inselkloster16 verlegt worden war und seither dessen Namen trägt. Zugleich wurde die Aufnahme von Kranken seine Hauptaufgabe. Das Blatternhaus verlegte man 1599 zum Siechenhaus auf das Breitfeld. Mitte des folgenden Jahrhunderts wurde es mit dem Siechenhaus vereinigt. Beide versorgten Patienten mit ansteckenden Krankheiten. In der Reformationszeit entwickelte sich durch die Zusammenlegung der kleineren Spitäler und durch die Säkularisierung ein neuer Bautyp. Die Tendenz zur Individualisierung setzte sich auch in den Spitälern durch, und die Aufnahme auch reicherer Pfründer erforderte eine räumliche Abtrennung der verschiedenen Insassengruppen. Bauformen, die sich im Ausland - vor allem in Italien - entwickelt hatten, fanden ihren Niederschlag in der Schweiz jedoch erst im 17. Jahrhundert. Auch in Bern behalf man sich zunächst noch mit aufgehobenen Klöstern. Im 17. Jahrhundert erfolgte eine erneute Konzentration der Fürsorgeinstitutionen, was im 18. Jahrhundert zu bedeutenden neuen Gebäuden führte. Trotzdem behielt das Spital die traditionellen Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen bei. Auch in Bern wuchs infolge des Dreissigjährigen Krieges die Zahl der Bettler und Waisen stark an; die Zahl der Pfründer hingegen ging zurück. Deshalb betrieb Bern 1653-1681 eine Waisen- und Zuchtanstalt in einem Teil der Räume des Grossen Spitals. Aber erst 1786 fanden die Waisen ihren Standort im Neubau des Knabenwaisenhauses. Ein schon lange geplanter Zusammenschluss des Oberen mit dem Grossen Spital erfolgte erst 1715. Die Vereinigung wurde durch den Umzug der Insassen ins Grosse Spital im ehemaligen Predigerkloster 1719 vollzogen. Da auch die Zustände im Inselspital unhaltbar waren, beschloss der Rat, die Spitäler neu zu errichten. 1716 entschied man sich für getrennte Neubauten und gleichzeitig dafür, den Inselspitalbau vorzuziehen. 1724 war der Bau des neuen Inselspitals am alten Standort vollendet. Erst jetzt konnte an den Neubau des Grossen Spitals gegangen werden. An die vierhundert Personen sollten darin Platz haben: arme Durchreisende und Kindbetterinnen, Pfründer, Personen des Waisen- und Zuchthauses sowie «Taube» und «Toren». Wegleitend für die Organisation war das Reglement, welches man im Juli 1715 anlehnend an dasjenige vom Genfer Spital erstellt hatte.19 1725, drei Jahre nach Beginn der Projektierung, beschloss der Grosse Rat, die Heiliggeistkirche getrennt vom Spital zu errichten. Diesem Entscheid war 1712 der Beschluss vorausgegangen, die Kirche durch die Wahl eines eigenen Kirchmeiers vom Spital loszulösen und 1721 die Heiliggeistkirche zur Pfarrkirche zu machen.20 Der Bau der Kirche wurde vorgezogen und am Standort des ehemaligen Oberen Spitals errichtet. Das weitere Hin und Her in der Standortfrage des Grossen Spitals wurde erst 1732 beendet, als Joseph Abeille den Platz zwischen dem Murten- und dem Christoffeltor vorschlug. Der Bau wurde schliesslich zwischen 1734 und 1742 errichtet. Ein weiterer Schritt in der Reorganisation betraf die Anstalten auf dem Breitfeld. Nachdem der Aussatz in der Schweiz im 17. Jahrhundert verschwunden war, dienten die alten Siechenhäuser für Menschen mit Haut- und ansteckenden Krankheiten. Ab 1745 wurde auf dem Breitfeld ein Tollhaus, ein separates «Spital für Irre» als Ersatz für die «Toubhüsli» beim ehemaligen Predigerkloster, erstellt. Das alte Siechenhaus und das Blatternhaus modernisierte man durch Neu- und Umbauten. 1765 konnte ein geräumiges Spital für Hautkranke bezogen werden. Gleichzeitig schloss man das Siechen-, Blattern- und Tollhaus zum Ausserkrankenhaus zusammen: das alte Blatternhaus sollte von nun an «venerisch Kranke»21 und «Halbtolle», der Neubau von 1765 Pfründer und Hautkranke, das Tollhaus die «Ganztollen» aufnehmen. Nicht allzu laute «Irre» wurden weiterhin im Grossen Spital betreut. Anforderungen an einen Spitalneubau Wie die Berner Spitalbaupraxis zeigt, wurde ein neuer Spitalbau erst in Angriff genommen, wenn die Aufnahmebedürftigen keinen Platz mehr fanden oder das Spital baufällig war. Der Entscheid für einen Neubau bedeutete in vielen Schweizer Städten wie in Bern den Beginn langwieriger Diskussionen um den neuen Standort des Spitals. Wenn das Grundstück für den Neubau noch gross genug war, so konnte der alte Standort doch oft den neuen Ansprüchen an ein Spital nicht mehr genügen. Das neue Terrain sollte der Kosten wegen schon in Spital- oder Stadtbesitz sein oder wenigstens «umb gering Gelt und Kauf erhandlet»22 werden können. Die Lage des Spitals war Anlass der meisten Streitigkeiten. Die Diskussion drehte sich um die Frage: mitten in der Stadt oder am Stadtrand. Wenn das Spital mitten in der Stadt stehe, würden die Kranken vom Lärm gestört, der von aussen in das Spital dringe. Die Weite und Luft fehlten wegen der engen Bebauung. Die Gesunden würden angesteckt, wenn man die Kranken mitten in die Stadt führe. Interessanterweise weckte der Standort des Berner Inselspitals - freilich über dem Aarehang - keine Opposition. Auch der Vorschlag von 1714, das neue Grosse Spital in Bern vor die Stadt auf die Spitalmatte zu verlegen, «wie das an vielen Orten zu sehen»23, wurde zunächst nicht aufgenommen. Ein Hauptargument gegen eine zentrale Lage war, dass die Bettelvögte die Bettler an den Stadttoren abholen und durch die Stadt zum Spital begleiten mussten. Dabei war die Gefahr gross, dass sie in der Stadt unerlaubterweise betteln gingen. Positiv bei einem zentralen Standort war, dass der Weg für nur bei Bedarf gerufene Ärzte, Chirurgen und Hebammen nicht zu weit war. Da die Nachteile einer zentralen Lage aber überwogen, wurde das Spital meist in der Nähe eines Stadttores errichtet. Ein Bauplatz sollte im weiteren auch einen Trinkwasseranschluss haben, da die Herleitung von Wasser sehr teuer zu stehen kam.24 Für die Wäsche und das rasche Abfliessen der Abwasser war ein fliessendes Gewässer in der Nähe von Vorteil. Die Standorte beim alten Oberen und beim Niederen Spital in Bern wurden schon 1695, wie dann 1732 die Lage zwischen den Stadttoren, als günstig erachtet durch das Vorhandensein von Bachwasser und eines Brunnens. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts kam ein weiteres Argument dazu: Man könne sich am Wasser bei einem Spaziergang gut erholen. Die Gegner kritisierten, der Unrat verderbe das Wasser, und in Genf bemerkten sie, dass es am See zuviele Mücken habe.25 Abeille hob bei der Platzwahl des Burgerspitals den Aspekt hervor, dass es gegen Nordwind geschützt sei.26 Sehr oft wurde darauf geachtet, dass sich der Boden für Weinkeller eignete. Auch in Bern wurde sowohl im Inselspital als auch im Burgerspital Wein gelagert. In Freiburg i.Ü. beispielsweise lehnte man um 1670 den Bauplatz in der Unterstadt ab, weil er für die Weinlagerung zu feucht war.27 Gebäude Die Grösse eines Spitalbaus bestimmte unter anderem die Gestalt des Baukörpers und die Art der Gliederung des Volumens. Seit dem 17. Jahrhundert ist eine klare Tendenz zur Hofanlage ersichtlich. Die Anlagen mit einem oder mehreren Höfen und umführenden Arkaden28 entsprachen der Forderung der Zeit, die Insassen im Spital zwar einzuschliessen, ihnen aber trotzdem unter Aufsicht Spaziergänge zu erlauben. Der Innenhof des Berner Burgerspitals wurde mit einer Gartenanlage mit Rasen, Bäumen und einem Brunnen in der Mitte verschönert. Vorteilhaft sollte sich die Zirkulation der frischen Luft durch den Hof und die Korridore auswirken. Die geplanten Tore aus Eichenholz, welche den Innenhof abschlossen, wurden ersetzt durch Eisengitter, um im Sommer den Hitzestau zu verhindern. An der Fassade kommt die Nüchternheit der Gestaltung eines Spitals als Zweckbau noch mehr zum Ausdruck als bei der Strukturierung des Baukörpers. Die Wände wurden meist als Flächen verstanden und die architektonischen Gliederungselemente oft nur aufgesetzt. Die Verwendung von Vollsäulen und Gebälken galt - ausser für Portale - als unangemessen für ein Armenhaus.29 Ornamentale oder figürliche Bauplastik beschränkte sich auf die Mittelachsen und nahm zumeist Bezug auf den Zweck des Hauses. Der «Barmherzige Samariter» schmückte das Berner Inselspital, und ein Pelikan, der sich aufopfernd die Brust aufreisst, um mit seinem Herzblut seine Jungen zu nähren, ziert das Burgerspital. Zusätzlich sollten hier Bärenskulpturen als Standessymbole über dem Hauptportal auf den Bauherrn hinweisen. Der Anlass zum Bau eines Spitals war einerseits ein politisches Bedürfnis - der Unterhalt der Armen und die Kontrolle der Bettler- und andererseits eine religiöse Pflicht.30 Der Wortlaut der Spitalinschriften über den Portalen wies meistens auf den christlichen Liebesdienst hin. Bezeichnenderweise wurde in Bern die 1739 aufgemalte Portalüberschrift «Christo et pauperibus»311741 in «Christo in. pauperibus»32 umgewandelt. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die humanitäre Wohltätigkeit gegenüber dem Werk der christlichen Nächstenliebe ausschlaggebend; so lautet am Höpital in Neuchâtel die Portalüberschrift von 1781 «Civis pauperibus».33 Innere Raumverhältnisse Je grösser ein Spital war, umso mehr Einzelabteilungen konnte es führen. Bern besass als einzige Schweizer Stadt separate Gebäude für einzelne Insassengruppen: das Inselspital für Kranke, das Ausserkrankenhaus für Haut-, Geschlechts- und Geisteskranke, die Waisenhäuser für Kinder und das Grosse Spital für alle anderen Bedürftigen. In einem Spital brauchte es zumindest verschiedene Schlafräume, Speisezimmer, Räume für das Personal, eine Küche mit Vorratsräumen und Aborte. Frauen und Männer sowie Fremde und beständige Insassen wurden voneinander getrennt. Die Ausstattung war einfach, da das Spital im Innern seiner Repräsentationspflicht enthoben war. Aufgrund von Schätzungen dürften mittelgrosse Spitäler wie Aarau und Thun etwa 30 bis 40 Betten gehabt haben, die grossen Spitäler wie Bern und Genf dagegen über 200 Betten. Im Inselspital sollten zusätzlich 50 Personen Platz finden. Insassenzahlen kann man nicht genau ermitteln. Baupläne und Hausratsinventare geben zwar die Anzahl Bettei an, aber wieviele Personen in einem Bett schliefen, weis, man nicht.34 In der Schweiz waren die grossen Säle schon im 17. Jahrhundert aufgegeben worden;35 auch die grossen Krankenzimmer fassten nur noch etwa 25 Betten. In den Bettelstuben waren häufig keine Betten, sondern nur: Laubsäcke vorhanden, und bei grossem Andrang wurde sogar auf dem Boden geschlafen. In kleinen Zimmern untergebracht wurden Kinder, Handwerksgesellen und Wöchnerinnen. Die Herrenpfründer36 bewohnten oft Einzelzimmer, zum Teil sogar mit Nebenstuben. Die Zimmer waren nur spärlich möbiliert: Truhen, Tische und Stangen genügten. Grosse Kachelöfen erwärmten sie. Nebenstuben, auch die der Herrenpfründer, blieben ungeheizt. Die Bettler und arme Durchreisende brachte man vorwiegend im Erdgeschoss des Spitals unter. Die Einheimischen wohnten in den Obergeschossen. Abeille hatte beim Berner Burgerspital beispielsweise vorgesehen, die Passanten in den Räumen gegen die Hauptfassade unterzubringen, was man wegen der Unschicklichkeit nicht befolgte. Die Wohnungen und Zimmer für das Dienstpersonal nahmen im Spital viel Platz ein, häufig ein ganzes Obergeschoss. Zu diesen Räumen gehörten auch die Sitzungssäle für die Herren der Spitaldirektion, die einzigen Repräsentationsräume eines Spitals.37 Die feudal wirkenden Säle bildeten einen krassen Gegensatz zur übrigen einfachen Ausstattung. Das Direktionszimmer des Berner Burgerspitals war bemerkenswert:38 Die Wände waren ausgetäfelt und in Weiss und Gold gehalten. Sogar eine Pendule zierte den Raum. Wegen zu hoher Kosten verzichtete man allerdings auf die Stuckdecke und Spiegel an den Wänden. Jedes Spital benötigte auch mindestens ein Speisezimmer, um den Handel mit Esswaren unterbinden zu können. Im Berner Burgerspital hatte man nach Geschlechtern getrennte Speisesäle. Räume für den Spitalhaushalt, wie die Küche, Vorrats- und Kellerräume, waren abhängig von der Grösse des Spitals. Die Küche befand sich meist in einem rückwärtigen Raum des Gebäudes. Die meisten Keller waren bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ebenerdig angelegt, da man das Eindringen von Wasser fürchtete. Probleme verursachten oft die «Heimlich Gemächer» - die Toiletten - durch ungenügenden Abfluss und unangenehmen Geruch. Deshalb wurde bei den meisten Spitälern ein Abortanbau auf der Rückseite angefügt. Die Spitäler besassen auch mindestens eine Arrestzelle. Tobende Geisteskranke wurden in kleinen Holzverschlägen, mit Öffnungen zum Durchreichen des Essens und zum Leeren des Nachttopfes, eingesperrt.39 In Bern gehörte wie in Genf, Neuchâtel und Solothurn noch ein Korrektionshaus «Discipline» zum Spital, wo die «faulen Bettler» und Personen mit liederlichem Lebenswandel eingeschlossen und zur Arbeit angehalten wurden. Die übrigen Insassen arbeiteten in der Spinnstube.40 Medizinische Räumlichkeiten fehlten im allgemeinen. Das Inselspital besass dagegen - als Krankenhaus - schon im 16. Jahrhundert einen Schausaal, vor 1658 eine Anatomiestube und im Neubau des 18. Jahrhunderts Operationsstuben. Bei grösseren Spitälern schliesslich gehörten je nach Bedarf noch weitere Räume oder Annexe dazu: Apotheke mit Laboratorium, Bäckerei, Metzgerei, Waschhaus, Archiv, Scheunen, Ställe, Wagenschöpfe und Kornschütten. Die Ökonomietrakte standen häufig in der weiteren Umgebung des Spitalbaus. Jedes Spital besass eine Kirche, eine Kapelle oder zumindest einen Altar. In deren Stellung unterschieden sich die reformierten von den katholischen Spitälern. In den reformierten Gebieten der Schweiz findet die Kapelle in einer Ecke des Spitalkomplexes ihren Platz: so auch bis 1879 im Berner Burgerspital. Die Heiliggeistkirche, welche vom Spital abgesetzt errichtet wurde, ist nicht als Spital-, sondern als Pfarrkirche zu betrachten. Die katholischen Spitäler dagegen hielten länger an der mittelalterliche Form fest, den Altar als Zentrum zu sehen.41 Einflüsse Die einzigen mit den Spitälern vergleichbaren Grossbauten des 18. Jahrhunderts sind in der Schweiz die Klöster. Wie ein Klosterkomplex vereinigte auch das Spital den sakralen Bereich - Altar oder Kapelle - mit dem profanen Wohntrakt. Ähnlich ist der Umgang mit der Gliederung des Bauvolumens: Symmetrie, Aufteilung in Binnenhöfe, Akzentuierung durch Risalite. Zwei Spitäler vor allem wirkten in der Schweiz als Schlüsselbauten: das Hôpital Général in Genf und das Burgerspital in Bern. Das Hôpital Général42(1707-1713) stand unter französischem Einfluss. Die beiden Architekten, Jean Vennes und Joseph Abeille, waren Franzosen; auch das Programm des Spitals war französisch geprägt: neben der Armenunterstützung sollte das Spital auch zur Einschliessung von arbeitslosen Herumtreibenden dienen, wozu man ein separates Haus, die Discipline, innerhalb der Spitalmauern errichtete.43 Bern stützte sich wiederholt auf Erfahrungen, die man am Genfer Spital gemacht hatte; dessen Wirkung auf Bern darf nicht unterschätzt werden. Als Grundlage des neuen Spitalreglements von 1715 diente dasjenige von Genf von 1712. Verschiedene Fassadenpläne - Inselspital (Februar 1715) und Burgerspital (April 1732) - sowie das Raumprogramm des Burgerspitals erarbeitete Joseph Abeille, der für seine Arbeit am Genfer Spital im Februar 1710 bezahlt worden war.44 Wie in Genf wurden beim Burgerspital Bern drei Höfe geplant, deren vorderster auch mit Arkaden umzogen wurde. Das Korrektionshaus plazierte man ebenso in einem gesonderten Hintergebäude und die Kapelle in einer Ecke des Vordergebäudes. Die sehr grosszügige, monumentale Gestaltung des Berner Burgerspitals löste in der übrigen Schweiz Bewunderung aus. In Solothurn wurde 1734 für die neue Spitalfassade ebenfalls der in Bern weilende Abeille zugezogen.45 Als dann Solothurn Mitte der sechziger Jahre das Spital vergrösserte, hatte man das Berner Burgerspital vor Augen.46 Auch in Sitten wollte man sich dessen Raumangebot annähern. Dazu wurde eine Person von auswärts beigezogen, die das Berner Burgerspital gut kannte. Ortskenntnisse von Sitten gehen ihr dagegen völlig ab, und deshalb wollte sie um 1760 mehr wissen über den Standort und Zweck, ebenso über Räume des geplanten Sittener Spitals «...Sil ne faut point comme au plan que say fait pour Messieurs de Berne...».47 Das Mitspracherecht von Ärzten und medizinischem Personal bei einem Spitalneubau scheint generell gering gewesen zu sein, zumal die Krankenpflege ja auch erst am Ende des 18. Jahrhunderts zur Hauptaufgabe eines Spitals wurde. Die Berner zogen 1717 für den Inselspital-Neubau auswärtige Architekten und medizinische Sachverständige bei und wollten anderweitige bekannte Spitalbauten studieren.48 Leider werden weder Namen der betrachteten Spitäler, noch der Experten genannt. Interessanterweise führte genau Ende 1717 der Baumeister des Genfer Spitals «deux personnes étrangères de distinction» durch das Genfer Zuchthaus, welches innerhalb der Spitalmauern stand.49 Es wäre naheliegend, wenn die Berner das Höpital General in Genf besucht hätten, über welches sie durch Abeille gewiss schon informiert waren. Ausländische Vorbilder und Tendenzen Der Einfluss von ausländischen Spitalbauten auf Schweizer Spitäler des 18. Jahrhunderts ist noch kaum erforscht, doch gibt es auffällige Parallelen in Details. Das Hôtel des Invalides in Paris beispielsweise wurde 1670 vom französischen König Ludwig XIV zur Aufnahme von Kriegsversehrten gegründet und bildete eine gewaltige Anlage mit mehreren Innenhöfen und einer Spitalkapelle am Ende des mittleren Ehrenhofes.50 Wie im Burgerspital von Bern führen Arkaden um die Innenhöfe. In Bern wurden auch die in dieser Art sonst sehr seltenen Eckbauten in etwas abgewandelter Form als Architekturmotiv verwendet. Die Eckbauten haben in Paris allerdings bei einem Spitalbau selbst Vorgänger: im Hôpital Saint-Louis (1607-1612). Die Eckpavillons dienten dort Aborten.51 Ähnlich dem Hinterhof des Berner Burgerspitals wurde ebenfalls eine Seite durch eine Mauer bogenförmig abgeschlossen. Die Spitalbauten des 18. Jahrhunderts waren oft riesenhaft und aufwendig. Die Flussfront des Hôtel-Dieu in Lyon (begonnen 1741 von Jacques Germain Soufflot, vollendet 1841) ist 327 Meter lang und zählt 53 Achsen.52 In den Architekturtraktaten erheben sich kritische Stimmen. Laugier forderte, die Spitäler schlicht und solide zu bauen: «Arme Leute müssen so untergebracht werden, wie es sich für Arme gehört, mit viel Sauberkeit, mit Bequemlichkeit und ohne jeden Prunk.»53 Montesquieu54 ging sogar so weit zu behaupten, die Spitäler mit ihrer ständigen Unterstützung förderten die Faulheit und damit auch die Armut. Das monumentale Burgerspital und das Inselspital in Bern wurden neben aller Bewunderung auch kritisiert «als Paläste für die Armen». Neue Tendenzen, die auch in der Schweiz ablesbar sind, waren die verstärkte Forderung nach Einschliessung der Bettler und die Lufthygiene. Schon Filarete hatte um 1450 im Entwurf für das Ospedale Maggiore von Mailand die Bedürfnisse eines modernen Spitals mit der Forderung nach «Hygiene» vorweggenommen. Da man die hohe Sterblichkeitsrate in den Spitälern vor allem der schlechten Luft zuschrieb, sollten nun durch weite Innenhöfe und kreuzförmig angelegte Gebäude die Säle gut durchlüftet werden. Vor allem die Frischwasser- und Abwassersysteme hatte Filarete durchdacht.55 Im 18. Jahrhundert suchte der Schweizer Johann Kaspar Sulzer in seiner Dissertation56 die Zusammenhänge zwischen Krankheiten und der Luft. Die warmen Winde seien ungesund, wogegen der kalte Nordwind die Luft reinige und den Körper stärke. Um den Luftaustausch in den Spitalsälen zu forcieren, errichtete man extra hohe Säle57 und versuchte zusätzlich, mit Räucherwerk den Gestank zu vertreiben. Die in den ausländischen Grossspitälern entwickelten Abzugsvorrichtungen58 wurden in der Schweiz kaum aufgenommen. Allerdings wurde im Tollhaus des Berner Ausserkrankenhauses über jedem Toilettensitz ein «Soupirail» - Abluftöffnung - zum Dachboden installiert, damit die bösen Dünste und die üblen Gerüche abziehen konnten. Die Kontaktinfektion dagegen war noch gänzlich unbekannt. Im Berner Spitalreglement von 1715 bestimmte man, dass bei gutem Wetter die Räume immer zu lüften seien und dass man die Leintücher mindestens jeden Monat einmal wechseln solle. Neuzeit Die Situation der Schweizer Spitäler änderte sich mit dem Einmarsch der Franzosen von 1798 schlagartig. Viele der Häuser wurden während der Besetzung als Lazarette verwendet, so auch in Bern. Erst jetzt wirkten sich die grossen medizinischen Fortschritte im Ausland auch auf die Schweiz aus. Die meisten Spitäler wurden nun zu Krankenhäusern. Es dauerte aber bis um 1900, bis das Krankenhaus selbst das Bild eines Armenhauses verlor und auch zahlungsfähige Patienten ins Spital eintraten.59 Bern behielt die drei Gruppierungen der Spitäler in der Neuzeit bei. 1889 musste das Inselspital dem Bundeshaus weichen; es wurde durch ein Krankenhaus am westlichen Stadtrand im Pavillonsystem ersetzt, das den Namen «Insel» beibehielt. Die Gebäude des Ausserkrankenhauses kamen zur «Waldau» und gehören heute zur Psychiatrischen Universitätsklinik Bern. Das Grosse Spital dagegen nimmt seit 1803 nur noch alte und gebrechliche Bürger auf und wurde dadurch zum «Burgerspital». 1 Herrliberger und Leu erwähnen in ihren Lexika bei den Beschreibungen einer Stadt das Spital fast immer: David Herrliberger, Neue und vollständige Topographie der Eidgenossenschaft, 2 Bde., Zürich 1754, Basel 1758; Neudruck Genf 1977. Hans Jacob Leu, Allgemeines Helvetisches / Eydgenössisches / oder Schweizerisches Lexicon, 20 Teile, Zürich 1747 ff. 2 Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts erhielt das in der deutschen Schweiz weiterhin verwendete Wort «Spital» die Bedeutung «Krankenhaus». 3 Die lediglich durch die Spitalfürsorge auswärts betreuten Einheimischen sind für den Spitalbau nicht relevant und werden im folgenden nicht mehr erwähnt. 4 Heidi Neuenschwander, Geschichte der Stadt Lenzburg von der Mitte des 16 zum Ende des 18. Jahrhunderts (Argovia, 96), Aarau 1984,195-196. 5 Eine Untersuchung der Charite in Berlin, des Marinehospitals in Kopenhagen und des Hospitals in Kongsberg zeigte, dass in den ausländischen Grossspitälern kaum je Kranke der Oberschicht in ein Spital eingeliefert wurden: Arthur E. Imhof, «Die Funktion des Krankenhauses in der Stadt des 18. Jahrhunderts», in: Zeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie und Denkmalpflege 4, 1977, 215-242; 225. 6 Staatsarchiv des Kantons Aargau, Aarau, Aktenbuch E, f. 1555. - Christian Oelhafen, Chronik der Stadt Aarau von deren Ursprung bis 1798, Aarau 1840, 179. 7 Der Artikel stützt sich für die Berner Spitäler auf die folgende Literatur: Werner Bandi, Heiliggeistkirche und Burgerspital. Ein Beitrag zur bernischen Bautätigkeit im 18. Jahrhundert, Diss. Bern 1920; Hans-Martin Gubler, «Das Projekt Franz Beers zum Inselspital in Bern», in: Unsere Kunstdenkmäler XXI, 1970, 158-162; Paul Hofer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Bd. III, Basel 1947, 345-429; Hans Morgenthaler, Geschichte des Burgerspitals der Stadt Bern, Bern 1945; Hermann Rennefahrt/Erich Hintzsche, Sechshundertjahre Inselspital, 1354-1954, Bern 1954. - Die Schrift StiftungPsychiatriemuseum Bern. Führer durch die Ausstellung, Bern 1993, konnte nicht mehr eingearbeitet werden. 8 Ab 1345 direkt am Christoffelturm; heute steht am selben Standort die Heiliggeistkirche. 9 Paul Hofer/Luc Mojon, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Bd. V, Basel 1969, 3-9 10 Diese äusserst schmerzhafte Krankheit wurde durch das Gift des Mutterkorns, eines Pilzes in Getreideähren, hervorgerufen. 11 «Eilende»: aus oder in anderem, fremdem Land. 12 «Bösi Blatere», «Spanische Krankheit», «Franzosenkrankheit», «Lustseuche» bezeichnen wahrscheinlich Syphilis. Sie wurde vermutlich von Amerika eingeschleppt und tauchte 1493 erstmals in Barcelona und bald danach in Italien und Frankreich, 1495 in Deutschland, 1496 in den Niederlanden und 1497 auf den Britischen Inseln auf Werner Schreiber/Friedrich Karl Mathys, Infectio. Ansteckende Krankheiten in der Geschichte der Medizin, 2. Aufl., Basel 1987, 57; Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, Frauenfeld 1905 ff., Bd. I, Sp. 1312; Bd. V, Sp. 204. 13 Eine Dissertation zum Thema «Städtische Spitalbauten in der Schweiz bis um 1800» durch die Autorin ist in Bearbeitung. Allgemeiner Überblick zur Spitalbau-Literatur: Claudia Hermann, Städtische Spitalbauten in der Schweiz, 1648-1798, ungedruckte Lizentiatsarbeit Fribourg 1986; Dieter Jetter, Grundzüge der Hospitalgeschichte (Grundzüge, 22), Darmstadt 1973 Dieter Jetter, Das europäische Hospital. Von der Spätantike bis 1800, 2. Aufl., Köln 1986; Dankwart Leistikow, Hospitalbauten in Europa aus zehn Jahrhunderten. Ein Beitrag zur Geschichte des Krankenhausbaues, Ingelheim a. R. 1967; Nikolaus Pevsner, A History of Building Types (Bollingen Series, 35), Princeton 1976; John D. Thompson/Grace Goldin, The Hospital:• a Social and Architectural History, New Haven/London 1975. 14 In Beaune (Burgund) ist heute im H6tel-Dieu von 1451 noch eine solche Anlage zu besichtigen. 15 Jürg Schweizer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Landband 1, Basel 1985, 370-379. Ein ähnlicher Bau war auch das ehemalige Antoniterspital in Bern: Hofer/Mojon (wie Anm. 9), 6. 16 Heute Standort des Bundeshauses. 17 1643-1645. 18 Das Knabenwaisenhaus dient seit 1942 der Stadtpolizei: Paul Hofer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Bd.I, Basel 1952, 429-444. 19 Das Genfer Reglement datierte vom Jahr 1712. 20 Morgenthaler (wie Anm. 7), 118. 21 Personen mit Geschlechtskrankheiten 22 Argument für Bauplatz beim Oberen Spital in Bern 1695; Zitat nach Bandi (wie Anm. 7), 81. 23 Gutachten vom 12. Dezember 1714; Zitat nach Morgenthaler (wie Anm. 7), 177. 24 In Pruntrut übernahm beispielsweise die Stadt diese Kosten. 25 Livio Fornara/Barbara Roth-Lochner, «Un bätiment neuf pour des ambitions nouvelles. La construction de l'Hbpital General de Geneve de 1707 ä 1712», in: Bernard Lescaze (Hrsg.), Sauver l'äme, nourrir le corps, Geneve 1985, 179-198, 181-182. 26 Im Gegensatz dazu schrieb der Schweizer Arzt Johann Kaspar Sulzer in seiner Historia morborum quorundam Helvetiis endemiorum (1745), dass der gesunde Nordwind die Luft reinige und den Körper stärke: Max Oberholzer, Eine medizinische Geographie der Schweiz aus dem 18. Jahrhundert (Zürcher medizinalgeschichtliche Abhandlungen, N.R. 36), Diss. Univ. Zürich 1966, 10. 27 Charles Raemy, Le charitable grand hôpital des bourgeois de Fribourg en Suisse. Notice historique et statistique, Fribourg 1889. 28 Die Erdgeschosshallen des Berner Burgerspitals waren ursprünglich gegen den Innenhof hin offen. 29 Marc-Antoine Laugier, Essai sur l'architecture, Paris 1753, 121. 30 «Wahrlich ich sage euch: wiefern ihr es einem meiner geringsten Brüder getan habt, ihr habt es mir getan.» Matthäus 25, 34-40. 31 «Für Christus und die Armen». 32 «Für Christus durch die Armen». 33 «Der Bürger den Armen», gemeint ist der Stifter, David de Pury. 34 Bis ins 20. Jahrhundert war es üblich, dass zwei Personen ein Bett teilten. Für die 50 Pfründer des Grossen Spitals in Bern wurden 1739 für jedes Geschlecht 9 Doppel- und 7 einfache Betten und für die Bettler «Bättler-Brütschen» geplant. 35 1614 wurde im Oberen Spital bemängelt, dass Männer und Frauen gemeinsam in der gleichen Stube schliefen. 36 Betagte, die für ihren Aufenthalt im Spital zahlten. 37 Solche Säle sind in den grösseren Spitälern Bern, Lausanne und Winterthur bekannt. 38 Es wurde 1881 in den Mittelraum des Osttraktes verlegt. 39 In den ehemaligen Spitälern von Willisau und Schwyz sind solche Zellen im Dachgeschoss noch erhalten. 40 Bezeichnung wegen der Hauptarbeiten: Spinnen,Weben, Sticken. 41 Noch um 1800 hob ein Besucher des 1788 fertiggestellten Spitals von Solothurn hervor, dass jeder Patient vom Bett Blick auf den Altar habe: J. Kaelin, «Der Burgerspital im Laufe von fünf Jahrhunderten», in: Der Bürgerspital Solothurn, 1418-1930. Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Bürgerspitals, Solothurn 1930, 37-96; 71-72. 42 Fornara/Roth (wie Anm. 25), 179 ff. 43 Zu den französischen Spitälern siehe Jean-Pierre Gutton, «L'enfermement ä l'âge classique (XVII-XVIII siècles)», in: Jean Imbert (Hrsg.), Histoire des höpitaux en France, Toulouse 1982, 161-193. 45 Fornara/Roth (wie Anm 25), 195. 45 Kaelin (wie Anm 41), 46-48. 46 Kaelin (wie Anm 41), 51. 47 Unsigniertes und undatiertes Dokument « Xenodochium, edifice, questions sur plan», wahrscheinlich vom Entwerfer des Sittener Spiels von 1763: Sion, Archive de la Bourgeoisie, Tir. 35-604. 48 Staatsarchiv des Kantons Bern, Ratsmanual (73), 107-108. 49 3. November 1717; Zit. nach Fornara/Roth (wie Anm. 25), 197. 50 1671-1676 von Liberal Bruant erbaut: Leistikow (wie Anm 13). 51 Oswald Kuhn, Krankenhäuser (Handbuch der Architektur, 4. Teil, 5. Halbbd.), Stuttgart 1897. 52 Soufflot et l'architecture des Lumières (Actes du colloque Soufflot et l'architecture des Lumières; Cahiers de la recherche architecturale, supplément au No 6-7, octobre 1980), Paris 1980, 116 53 1753: Laugier (wie Anm. 29), 196-197: «11 faut que les pauvres soient logé en pauvres. Beaucoup de propreté et de commodité, point de faste.» Übersetzung von Hanna Böck, Zürich/München 1989, 140. 54 1748: Charles-Louis Montesquieu, De l'esprit des lois, benutzte Ausgabe: Bibliothèque de la Pleiade 86, III, Paris 1951. 55 Antonio Averlino detto il Filarete, Trattato di architettura, hrsg. von Anna Maria Finoli/Liliana Grassi, Milano 1972 (verfasst 1464), 298-322; La Ca' Grande. Cinque secoli di storia e d'arte dell'Ospedale Maggiore di Milano, Ausst.-Kat. Palazzo Reale 1981, 23-43. 56 Siehe Anm. 26. 57 Bedingung der Vennerkammer für den Inselspitalneubau (1715) 58 Vor allem in Frankreich: Vorschläge zur Erneuerung der Luft mit Hilfe von Exhaustoren im Dach (Duhamel, um 1750) und mit Saugglocken in Dach und Öffnungen im Fussboden (Le Roy und Viel, um 1780): Jetter, 33-34; Leistikow, 83; Pevsner, 151-152 (alle wie Anm. 13). 59 Während das alte Spital im Verlaufe des 19. Jahrhunderts viele Funktionen verlor, mussten in neuster Zeit viele dieser Unterstützungsarten wieder eingeführt werden, aber unter neuem Namen: Gassenküche, Notschlafstelle etc. Quelle: Claudia Hermann «währschafft, nuzlich und schön» Bernische Architekturzeichnungen des 18. Jahrhunderts Bernisches Historisches Museum Nachstehend weitere Artikel aus obengenanntem Buch in diesem Zusammenhang (übrigens sehr empfehlenswert, viele interessante Bereiche und tollo Fotos - ein Muss für Berner und Heimwehberner) Vielfältige Dienstleistungen - eine Stärke der Stadt Dienstbotinnen: fleissige Frauen in bürgerlichen Haushalten Märkte, Messen, Läden Warenhäuser: Das Einkaufen wird zum Erlebnis Wandel im Detailhandel seit 1945 Der Bankenplatz Bern gerät in den Schatten Zürichs Versicherungen etablieren sich Gesundheitswesen: Bern wird zur Spitalstadt Öffentliche Verwaltung: Das Klischee von der Beamtenstadt Die Verwaltung im Stadtbild ![]() ![]() |