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Bern - die Hauptstadt mit Charme Bern - Strassennamen gestern und heute Die Kram- und Gerechtigkeitsgasse war im Mittelalter die Hauptachse der 1191 gegründeten Stadt Bern. Sie diente nicht nur als Hauptverkehrsstrang, sondern auch als Marktplatz und Gerichtsort. Daher hatte diese Gasse von Anfang an ihre heutige Breite. In der Gassenmitte verlief der offene Stadtbach. Über dem Bach standen verschiedene Marktläden und Verkaufsstände, Lauben, Schalen und Bänke genannt, in denen die Bäcker, Metzger, Fischer und Gerber ihre Produkte verkauften. Auf der Höhe der Kreuzgasse erhoben sich der Richtstuhl, der Ort des städtischen Gerichtes, und auf einem Podest daneben der Schandpfahl. Bern - Strassennamen gestern und heute ¹ Von 1798 bis 1881 waren die Gassen der Altstadt zweisprachig angeschrieben. Die meisten der französischen Namen sind einfache Übersetzungen (z.B. Rue de l'hôpital, Rue de la justice). Die folgenden sind nicht direkt zugänglich: Grande Rue (= Kramgasse), Rue des ministres (= Herrengasse), Ruelle de l'église française (= Schützengässchen), Place d'armes (= Theaterplatz). ² Seit dem 1. Januar 1948 werden die Vornamen bei Strassenschildern weggelassen. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Stadteinteilung Am 8. April 1798 löste die Einteilung der Stadt in 5 Farbquartiere die seit 1294 bestehenden Vennerviertel ab. Bis heute gilt die Einteilung der Innenstadt in die Farbquartiere rot (Hirschengraben bis Käfigturm), gelb (bis Zytglogge), grün (bis Rathaus), weiss (bis zum Ostende der Gerechtigkeitsgasse) und schwarz (Nydegg und Matte). Die vermutlich erst 1798 eingeführte Häusernumerierung war zuerst fortlaufend, später (bis 1881) quartierweise (bustrophedonartig). Am Ende der Dreissigerjahre des 19. Jh. wurde sie auf die Aussenbezirke ausgedehnt. Aussenbezirke waren der Stadtbezirk obenaus mit den Dritteln Aarziele, Holligen und Länggasse links der Aare sowie der Stadtbezirk untenaus mit den Dritteln Brunnadern, Schosshalde und Altenberg rechts der Aare. Vom Altenbergdrittel wurde in den Sechzigerjahren das Lorraineviertel abgetrennt. Seit 1882 gilt die heutige, vom Bärengraben ausgehende Häusernumerierung, die von einer Anzahl weiterer Stadteinteilungen überlagert ist (Grundbuchkreise, Quartieraufseherbezirke, Kaminfegerkreise usw.). Von der Mitte des 16. Jh. an bis 1798 war die Stadt bezüglich der Nutzung der Stadtfelder in eine Obere und eine Untere Gemeinde unterteilt. Trennlinie waren das Schaalgässchen und das Münstergässchen. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Hirschengraben bis Käfigturm: Rote Strassenschilder Aarbergergasse Seit 1798 ist der Name Aarbergergasse für die frühere Golatenmattgasse offiziell. 1279 ist der Flurname Golatenmatten belegt. Bogenschützenstrasse Bei der Parzellierung der (staatlichen) Spitalpromenade entstand im letzten Jahrzehnt des 19. Jh. die Bogenschützenstrasse, welche ans Bogenschützenhaus erinnert. Bogenschützenhaus: Nachdem 1829 feststand, dass der Entengraben zugeschüttet werde, musste die Bogenschützengesellschaft sich nach einem Bauplatz umsehen, der im z. T. ausgefüllten Schanzengraben nördlich der Spitalpromenade gefunden wurde. Nach Plänen von Melchior Berry baut 1830-1833 Eduard Stettler das B. 1893 zieht die Gesellschaft in ihr neues Haus an der Thormannstrasse 67, das B. weicht den Backsteinbauten der Bogenschützenstrasse, die ihrerseits zu Beginn der Sechzigerjahre des 20. Jh. für den Bau der Schanzenpost abgebrochen werden. Standort: Nordteil des Hauses Bubenbergplatz 12 Bollwerk, Äusseres Bollwerk Die beim Bau der 4. Stadtbefestigung entstandene Strasse westlich des Grabens der 3. Stadtbefestigung heisst im 19. Jh. im Gegensatz zum Innern Bollwerk (Genfergasse) Äusseres Bollwerk, seit 1903 nur Bollwerk. Bubenbergplatz Seit dem Bau des Obertors hiess der B. Zwischen den Toren. Von 1858 bis 1898 heisst der B. Christoffelplatz und trägt seither den Namen des Verteidigers von Murten, Adrian von Bubenberg (Bubenberg-Denkmal). 1930 wurde der B. umgestaltet (neue Tram Wartehalle, Denkmal entfernt, Trammanövrierfeld). 1971/76 Bau der Unterführungen, Änderung der Schienen- und Strassenführung. Bubenberg-Denkmal: Bronzestandbild von Adrian von Bubenberg (1431-1479) von Max Leu. (Das Geburtsjahr 1424 am Denkmal ist falsch.) Eingeweiht 1897. Standort ursprünglich am Westende der kleinen Anlage auf dem Bubenbergplatz, die an Stelle der Rossschwemme errichtet worden war. Denkmal nach Westen gerichtet. Standort wenige Meter östlich der Achse der Schwanengasse. Seit dem Umbau des Bubenbergplatzes 1930 am Nordende des Hirschengrabens, gegen Norden gerichtet. Bundesgasse In der Mitte der Fünfzigerjahre des 19. Jh. entstandene Strasse, die den beiden Gebäuden Bundeshaus-West (Nr. 1) und Bernerhof (Nr. 3) entsprechend als Prunkstrasse konzipiert war. Die anfangs bis zur Christoffelgasse reichende Bundesgasse wurde 1872 bis zur Schwanengasse erweitert und erreichte 1878 beim Bau der Effingerstrasse ihre volle Länge. Ursprünglich hiess die Bundesgasse Bundesratsgasse nach dem Bundesratshaus (heute Bundeshaus-West). Christoffelgasse Zusammen mit der Gurtengasse und dem östlichen Teil der Bundesgasse angelegt während der Überbauung des Areals südlich der Schauplatzgasse durch die 1. Berner Baugesellschaft (1858-1872). Genfergasse Seit dem Bau der 3. Stadtbefestigung heisst die Genfergasse. An der Ringmauer. Nach der Schleifung der Türme (1830) heisst der Teil nördlich der Aarbergergasse Anatomiegässchen (Anatomie 1)), nach 1881 Anatomiegasse. Der südliche Teil der Genfergasse heisst Inneres Bollwerk. Seit 1903 ist der Name Genfergasse offiziell. Gurtengasse Zusammen mit der Christoffelgasse und dem östlichen Teil der Bundesgasse angelegt während der Überbauung des Areals südlich der Schauplatzgasse durch die 1. Berner Baugesellschaft (1858-1872). Hodlerstrasse 1389 als Schegkenbrunngass erwähnt; im 18. Jh. heisst sie Hintere Speichergasse. 1798-1932 heisst die Hodlerstrasse Waisenhausstrasse, dann Ferdinand Hodlerstrasse in Erinnerung an den Berner Maler (1853-1918). Weglassung des Vornamens 1948. Neuengasse Der Name der Neuengasse ist so alt wie die Gasse selber, die nach der 3. Stadtbefestigung in der Mitte des 14. Jh. errichtet wurde. Schauplatzgasse 1347 nach einem begüterten Burgergeschlecht Schoulanzgasse genannt. Nach dem Aussterben der Schoulant viele Namenformen. Gruner notiert 1732 den heutigen Namen. Speichergasse Aus dem Jahr 1389 ist belegt «Hindre Gass genempt die Buobengass». Seit 1552 ist der Name Speichergasse offiziell. Spitalgasse Beim Bau der 3. Stadtbefestigung wird die alte, nach Süden abbiegende Strasse nach Bümpliz Teil der Hauptachse. Sie heisst 1344 «nüwe stat zem heiligen Geist» und bereits vor 1359 Spitalgasse. Die Spitalgasse liegt in der Verlängerung der römischen Limitationsachse Osttor Aventicum-Hof Bümpliz, was nahelegt, die alte Strasse beim Obern Spital sei römischen Ursprungs. Heiliggeist-Kirche: Spitalgasse 44. 1. Bau: Kleine Kirche im kurz vor 1228 gegründeten Heiliggeist-Spital und -Kloster. 2. Bau: In den Jahren 1482/96 errichtet, 1528-1604 profaniert, dann bis zum Abbruch 1726 als Spital-Kirche benützt. 3. Bau: 1726/29 von Niklaus Schiltknecht nach 11jähriger Planungsphase erbaut. Erste Orgel von 1804, zweite Orgel von 1933. Von den sechs Glocken des Geläutes stammt eine von 1596 und eine von 1728, die vier übrigen entstanden 1860. Die Heiliggeist-Kirche gilt als die schönste reformierte Barockkirche der Schweiz. Sie weist wie St. Pierre in Genf 2000 Sitzplätze auf und wird darin von keiner andern reformierten Kirche in der Schweiz übertroffen. Da einerseits 1726 römische Votivbeile unter der alten Heiliggeist-Kirche gefunden wurden und da andererseits die Heiliggeist-Kirche 8 Quintarii vom Osttor in Avenches entfernt ist und in der Verlängerung der 7 Quintarii messenden Limitationsachse Avenches-Hof Bümpliz liegt, kann vermutet werden, die Heiliggeist-Kirche stehe an der Stelle eines römischen Heiligtums. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Käfigturm bis Zytglogge: Gelbe Strassenschilder Amthausgasse Ursprünglich Schinkengasse (erstmals 1320 belegt), um 1740 Judengasse, 1798-1803 Bürgergasse, dann wieder Judengasse, vereinzelt Falkengasse (Hotel Falken in Nr. 6), seit 1878 offiziell Amthausgasse. Kocher-Gasse Die Kocher-Gasse hiess bis 1740 Judengasse nach dem Judentor, dann bis 1917 Inselgasse nach dem an ihr gelegenen Inselspital. Den heutigen Namen erhielt sie bald nach Theodor Kochers Tod. Marktgasse 1286 als nova civitas bernensis erstmals genannt. Der Name Neuenstadt hält sich bis zum Anfang des 19. Jh. Nach dem Bau der 3. Stadtbefestigung taucht vorübergehend Innere Neuenstadt auf. Der Name Wybermärit tritt im 18. Jh. auf und hält sich bis zu Beginn des 20. Jh. Aus ihm ist der seit 1798 offizielle Name Marktgasse verkürzt. Predigergasse Seit 1877 Name der Gasse westlich des Predigerklosters. Predigerkloster: Das an der Wende vom 13. zum 14. Jh. erbaute Kloster des Dominikanerordens wird 1527 säkularisiert. Der Grosse Spital bezieht seine Gebäude und bleibt dort bis 1742. Im Westflügel befindet sich von 1657 bis 1684 das Zucht- und Waisenhaus, von 1689 an das Kommerzienhaus. 1798-1878 dient das P. als Kaserne Nr. 1, der Westflügel im späten 19. Jh. als Gewerbehalle. Abgebrochen 1899. Standorte: Ostflügel mit dem Mushafen: Nördlich des Chors der Franz. Kirche (Zeughausgasse 8) bis zum südwestlichen Teil des Stadttheaters (Kornhausplatz 20); Westflügel: Predigergasse 3 und 5 (südwestlicher Teil), Dependenzbauten im westlichen Teil der Predigergasse sowie im nördlichen Teil des Hauses Predigergasse 5 und des Stadttheaters. Zeughausgasse Die Zeughausgasse heisst ursprünglich vor den Predigern nach dem nahe gelegenen Predigerkloster. Seit der Reformation heisst sie bis ins 18. Jh. Beim Totentanz nach Niklaus Manuels «Totentanz» an der Totentanzmauer. 1745 wird die Gasse Zeughausgasse genannt und erstmals erweitert. Die zweite Erweiterung folgt 1880 beim Abbruch des Grossen Zeughauses. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Zytglogge bis Rathaus: Grüne Strassenschilder Brunngasse Name nach dem Stettbrunnen; 1349 als vicus fontis, 1360 als Brunngasse belegt. Stettbrunnen: Der 1377 erstmals erwähnte Brunnen mit eigener Quelle erhielt schon früh eine Überdachung. Er gab der Brunngasse den Namen. In den Dreissigerjahren des 19. Jh. wurden die Stützen in der alten Form ersetzt. Vermutlich wurde aber damals ihre Zahl von 4 auf 3 vermindert. Die Becken waren bis 1848 hölzern, die steinernen wurden 1855 mit der Umfassungsmauer zusammen erstellt. Gegen das Ende des 18. Jh. hiess der Stettbrunnen wegen des nahen alten Schlachthauses auch Schlachthausbrunnen. Renoviert 1974/75. Standort: Nördlich der Häuser Rathausgasse 16/18 Herrengasse 1316 ist der Name Herrengass von Egerdon belegt. 1271 hatten die einst begüterten Herren von Egerdon (Aegerten am Gurten) ihr Stadthaus an der Herrengasse verkauft. 1491-1506 wurden die östlichsten, sonnseitigen Häuser zur Vergrösserung des Münsterplatzes abgebrochen. Die Gasse reichte bis 1906 (Abbruch der Lateinschule) nur bis zur Nr. 36. Sie hiess auch Schulgasse (offiziell bis 1881). Kramgasse Vom 12. bis zum Ende des 15. Jh. heisst die ganze Hauptgasse vom Schwendplatz bis zum Zytglogge Märitgasse. Der Name Vordere Gasse für die ganze Achse kommt im 16. Jh. auf und ist bis ins 19. Jh. gebräuchlich. 1667 wird erstmals K. erwähnt. Schwendplatz: Platzartige Erweiterung der Gerechtigkeitsgasse bei der Einmündung der Junkerngasse. Ursprünglich standen auf dem Sch. eine Linde und bis 1844 auch der Vennerbrunnen. Beim Bau der Nydeggbrücke wurde der Platz durch die Stützmauer zwischen Gerechtigkeitsgasse und Nydegggasse getrennt. Münstergasse Seit dem 1. November 1967 offizielle Bezeichnung der Kesslergasse (Nrn. 34-78 und 31-61), des Nordteils des Münsterplatzes (Nrn. 26-32) und der Kirchgasse (Nrn. 2-24). Rathausgasse 1) 1880-1975 Name des Nordabschnittes der Kreuzgasse. 2) Der Gassenzug vom Rathaus bis zum Kornhausplatz heisst vor 1619 Hormansgasse, nachher Metzgergasse. Das oberste Gassenstück (Nrn. 82 und 84) heisst vor dem 19. Jh. Nägeligässli, im 19. Jh. Statthaltergässli und gehört seit 1898 zur Metzgergasse. Umbenennung der Metzgergasse in Rathausgasse am 1. November 1971. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Rathaus bis zum Ostende der Gerechtigkeitsgasse: Weisse Strassenschilder Gerechtigkeitsgasse Der Name wird erst im 18. Jh. allgemein gebräuchlich. Seit 1798 ist er offiziell. Frühere Namen Kramgasse. Das Gefälle wird 1760-1764 von 10% auf 7% verringert. 1844-1854 werden die Verhältnisse beim Bau von Nydeggbrücke und Nydegggasse nochmals verändert. 1897 ergibt der Abbruch des Hauses Nr. 12 einen Durchgang zur Postgasse. Diese Verbindung wird 1964 in die Verlängerung der Postgasshalde verlegt mit dem Abbruch des Hauses Nr. 10 und dem Neubau von Nr. 12. Der Stadtbach wurde 1897/98 zugedeckt. Postgasse Seit 1798 offizieller Name des untern Teils der Hormansgasse, an der seit 1675 im Haus Nr. 64/66 die Fischer'sche Post eingerichtet war. Erst seit 1870 ist der Name P. allgemein üblich, obschon sich die Post seit 1832 nicht mehr an der Postgasse befindet. Junkerngasse Bis zum Ende des 16. Jh. trug die Junkerngasse zusammen mit der Münstergasse den Namen Kirchgasse. 1596 heisst sie Edle Gasse, seit 1632 Junkerngasse. Von 1798 bis 1803 hiess sie Freie Gasse. Der 1842/52 abgebrochene unterste Teil hiess auch Wendschatzgasse. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Ostende der Gerechtigkeitsgasse bis Nydegg und Matte: Schwarze Strassenschilder Badgasse Bis in die Mitte des 19. Jh. hiess die Badgasse Im Spitz oder Spitzlaube. Am Westende der Badgasse befand sich das Frickbad. An der Ostseite wurden 1828 zwei Bäder behördlich geschlossen. Die Gärten gegen die Aare wurden beim Bau und beim Ausbau der Aarstrasse (1861/65 und 1966/67) erheblich verkleinert. In den Jahren 1916/32 baute die Gemeinnützige Baugenossenschaft die Häuser 21-51 neu nach Plänen von Karl Indermühle. 1951/52 wurden von der gleichen Bauherrin auch die Häuser gegen den Bubenbergrain neu gebaut. Nr. 1a hat noch die Lauben, die einst die ganze Gasse säumten. Im ausgehenden Mittelalter gab es auch Häuser am Fuss der Plattformmauer. Gerberngasse 1) Name des Münzgrabens vor dem Bau der neuen Münze. 2) Name der ersten Gasse südwestlich der Mattenenge. 1488 wurde das Gerbhaus hierher verlegt. Von 1881 bis 1941 hiess sie offiziell Gerbergasse. Mattenenge Seit alters ist Enge der Name des schmalen Zugangs zur Matte von Nordosten. Seit 1881 lautet der offizielle Name Mattenenge. Nydeggstalden, vor 1940 Stalden Das Gefälle der alten Ostzufahrt zur Gerechtigkeitsgasse wurde nur einmal, im Jahre 1759, gemildert. 1956/58 erfolgte der Neubau der schattseitigen Häuserreihe durch H. Weiss. Wasserwerkgasse Seit 1881 Bezeichnung der Gasse, die südlich des Strassenzuges Schifflaube-Gerberngasse verläuft Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Nummerierung der Häuser Als am 5.März 1798, nach dem Sieg über die Berner am Grauholz, 20000 französische Soldaten in Bern einmarschierten, hatten sie ein Problem: Sie fanden in den Altstadtgassen die Häuser nicht, in denen sie Quartier beziehen sollten. Nummern hatten Berns Gebäude nicht, sie trugen Namen: der Besitzerfamilie oder einer Zunft. Auswärtige mussten sich halt durchfragen. Der französische General Schauenburg verfügte deshalb, Berns Häuser nach französischem Muster zu nummerieren. Drei Tage hatte der Berner Maler Niklaus Dywi Zeit, an jedem Altstadthaus eine Nummer anzupinseln und die Gassen auch auf Französisch anzuschreiben. Dywi begann in der Unterstadt, nummerierte sich auf der einen Gassenseite hoch, auf der anderen wieder runter, zählte in der nächsten Gasse weiter und arbeitete sich so in einer Schlangenlinie durch die Stadt. Über 1000 Nummern hatte er vergeben, als er im Mattequartier die Arbeit abschloss. Im April 1798 erliess das Quartieramt der Stadt eine Verordnung, die die bürokratische Kontrollabsicht hinter der Nummerierung sichtbar machte: In einem Verzeichnis wurden der Hausnummer die aktuellen Hausbewohner zugeordnet. Das System mit der endlosen Zahlenreihe bewährte sich in der Praxis kaum, Klagen häuften sich. Schon im Mai 1798 erteilte General Schauenburg dem Kunstmaler Franz Niklaus König einen zweiten Nummerierungsauftrag. Schauenburg unterteilte die Stadt auf Grund einer Feuerwehrordnung in Quartiere, denen er Farben zuordnete. Die Matte war schwarz, die untere Altstadt bis zur Kreuzgasse weiss, bis zum Zytglogge grün, bis zum Käfigturm gelb und bis zum Bollwerk rot. Noch heute tragen die Strassenschilder in der Altstadt diese Farben. Maler König begann in jedem dieser Quartiere mit der Nummerierung wieder bei eins. Berns Häuser hatten nun schon zwei Nummern, eine alte und eine neue. Anfang 19.Jahrhundert änderten immer mehr Städte die Zählweise. Sie begannen bei jeder Strasse neu bei eins, auf der linken Strassenseite folgten sich die ungeraden, auf der rechten die geraden Zahlen. Bern übernahm das neue System 1882. Die Untertorbrücke in der unteren Altstadt wurde als Nullpunkt definiert: Die Zählung beginnt jeweils auf der der Aarebrücke nächstliegenden Seite. Die Berner Altstadtgassen werden also von der Unterstadt Richtung Bahnhof hochnummeriert. Schwieriger war die Zählung in den ab 1800 wachsenden Berner Aussenquartieren. In Baulücken errichtete Häuser erhielten hinter der Nummer Buchstaben. In einigen Strassen wie der Mittelstrasse in der Länggasse, die in einer unklaren Lage zur Untertorbrücke liegen, verlaufen die ungeraden Nummern bis heute auf der falschen Seite. Stadtarchiv Bern; Berchtold Weber: Strassen und ihre Namen am Beispiel der Stadt Bern, Stämpfli Verlag 1990 ![]() |