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Berühmte Berner und Bernerinnen

Beat Fischer von Reichenbach und die Fischerpost

Das Postunternehmen, das der Berner Patrizier Beat Fischer 1675 gründete, wurde vom bernischen Staat über 150 Jahre lang immer wieder an die Familie Fischer verpachtet. Die Fischerpost betrieb auch die Post anderer Kantone, so dass ihr Postnetz weite Teile der Eidgenossenschaft überzog und einen wichtigen Bestandteil des europäischen Kommunikationsnetzes darstellte. Die Fischerpost nahm damit im nationalen wie im internationalen Verkehrs- und Postwesen vom Ende des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Stellung ein.

www.mfk.ch



  • Beat Fischer von Reichenbach (Biografie)
  • Beat Fischer (Wikipedia)
  • Die Fischerpost
  • Das Posthaus in Bern
  • Schloss Reichenbach Zollikofen
  • Postwertzeichen (HLS)
  • Post (Wikipedia)
  • Schloss Reichenbach (Wikipedia)
  • Abbildungen



    Die Fischerpost

    Zusätzlich zu den Amtsboten (Stadtläufer und -reiter) finden sich für das 17. Jahrhundert erste Hinweise auf permanente amtliche Postverbindungen, und zwar vorerst mit dem Welschland (Bern, Gümmenen, Avenches, Payerne, Moudon, Lausanne, Morges, Nyon). Von regelmässigen Ankunfts- und Abgangszeiten war man jedoch noch weit entfernt. Neben den Posten ins Waadtland wurden allmählich zusätzliche Routen im deutschen Kantonsteil angelegt, wobei die Posten nur wenige Hauptlinien bedienten. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um eine Linie über Fraubrunnen nach Wangen sowie um eine weitere nach Burgdorf, Langenthal, Aarburg und Aarau handelte. Daneben gab es weitere Boten, welche die steigenden privaten Verkehrsbedürfnisse abdeckten. Vor 1675 hatte Bern feste Verbindungen mit Genf, Vevey, Aarberg, Neuenburg, Basel und Zürich. Über die internationale Handelsroute, welche die Schweiz vom Bodensee bis zum Genfersee durchzog und Süddeutschland mit Südfrankreich verband, wurde der kaufmännische Briefverkehr (Lyoner Ordinari) abgewickelt. Der Anschluss der Stadt Bern an das einmal wöchentlich verkehrende Lyoner Ordinari erfolgte in Aarberg.

    1675 verpachtete der Stand Bern das neu geschaffene Postregal. Die Post sollte so eingerichtet werden, dass künftig alle Briefe durch die Hauptstadt geleitet und die Kurse häufiger und schneller besorgt würden. Der Fischerpost beliess man vorerst völlige Freiheit in Wahl, Anordnung und Abänderung der Postrouten.

    Zu den Wegbegleitern an Poststrassen gehören Meilen- bzw. Stunden- oder Kilometersteine, Gasthöfe, Stallungen und Signalisationen. Entlang der Poststrassen wurden die Distanzen mit Stundensteinen angezeigt. Auf der Strassenkarte von Pierre Bel (1783, 1787) sind für die Routen von Bern nach Genf, Zürich und Zurzach insgesamt 56 Stundensteine verzeichnet. Gemessen wurde die Entfernung zum Zeitglockenturm in der Stadt Bern. Stundensteine standen damit auch in den Gebieten von Freiburg, Genf und Zürich, im Unteren Freiamt und in der Grafschaft Baden.

    Für die Etappen des Postverkehrs und der Pferdewechsel waren zuverlässige Wirtshäuser erforderlich, die oft als Postablagen dienten. Um den zahlreichen Postknechten ein bekömmliches Getränk abgeben zu können, wurde dem Postgründer Beat Fischer in Reichenbach (Gemeinde Zollikofen) 1688 eine Bierbraubewilligung erteilt.

    Beat Fischer war zudem Besitzer des Gasthauses «Zur Tanne» und der Zapfenwirtschaft in Lotzwil. Ansonsten besassen die Postpächter keine eigenen Gaststätten.

    Das Netz der Poststrassen blieb lange Zeit noch recht locker. Dem Postkursplan des Postreglements von 1677 können folgende wöchentliche Verbindungen entnommen werden: Zweimalige Postverbindung (reitende Post) mit Zürich, mit Genf (über Freiburg, Payerne) und mit Basel. Für Reisende und schwere Sachen gab es noch je einen Ordinari Boten nach Genf, Basel und Zürich. Zweimalige Botenverbindung (reitende Boten) mit Luzern (über Solothurn, Willisau, Sursee) und mit Neuenburg (über Aarberg, Erlach). Einmalige Botenverbindung mit Avenches (über Murten) und Langenthal (über Burgdorf). 1689 wurde - auf Wunsch der Berner Obrigkeit - zweimal pro Woche eine Verbindung ins Oberland aufgenommen.

    Durch Pachtverträge gelang es der Fischerpost einen Postbezirk zu schaffen, der sich über die gesamte Westschweiz erstreckte und die Kantone Bern (seit 1675), Freiburg (1698), Solothurn (1691) und Neuenburg (1695) umfasste. Grenzbüros wurden in den Städten Biel, La Neuveville, Luzern und Genf errichtet;und das Wallis gewährte der Fischerpost das Posttransitmonopol (1698). Beim Tode des Postgründers Beat Fischer (1698) bestanden schliesslich folgende wöchentliche Post- und Botenverbindungen: Dreimal nach Basel (über Solothurn, Balsthal), nach Genf (über Freiburg, Lausanne) und nach Pontarlier (über Neuenburg). Zweimal nach Zürich (über Solothurn, Aarburg, Lenz burg), nach Schaffhausen (über Balsthal, Brugg), nach Aosta (über Lausanne, St Maurice), nach Luzern (durch das Emmental) und ins Oberland. Einmal nach Avenches (über Murten) sowie nach Langenthal (über Burgdorf). Dazu kamen zusätzliche Kurse für schwere Sachen und Reisende.

    Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde das Postnetz erweitert. Die Bestrebungen, das Postgebiet weiter auszudehnen, fruchteten - nach anfänglichen Erfolgen - schliesslich nicht. Die Einführung der Postkutschen bewirkte jedoch einen neuen Unternehmungsgeist. Ab 1735 verkehrten wöchentlich kursierende Landkutschen, die nach 1778 allmählich durch die schnelleren und bequemeren Diligencen ergänzt wurden. 1773 beschäftigte das bernische Postunternehmen 67 Bedienstete (Kommis), 8 Briefträger, 18 Boten und 19 Kuriere. Es unterhielt 47 Pferde sowie 4 Kutschen mit weiteren 22 Pferden. 1788 gab es auf dem Gebiet des Kantons Bern 24 Hauptbüros und 80 Ablageorte. Das Streckennetz der Postverbindungen betrug 1791, ohne den Mailänder-Kurier, 208 Bernstunden (1098 Kilometer). Auf der Hin- und Rückreise legten diese Kurse wöchentlich 6546 Kilometer zurück.

    Für die Postlinien gab es die Bezeichnungen Neuenburger-, Welschland-, Deutsche-, Emmental-, Oberland-, Frutigland- und Simmental-Route. Dazu kamen der Utziger Bote, das Amt Baden sowie der Thorberg-, Blumenstein- und Schwarzenburg-Bote. Pferdewechselstellen der Fischerpost gab es in Genf, Nyon, Allaman, Lausanne, Montpreveyres, Moudon, Payerne, Murten, Allenlüften, Bern, Kirchberg, Bützberg, Aarburg, Aarau und Brugg sowie in Neuenburg, Ins, Aarberg, Münsingen und Balsthal. Die Dichte der Fussboten-, Kurier- und Postkutschenkurse lag 1791 zwischen ein und vier Kursen pro Woche:

    Verbindungen mit benachbarten und ausländischen Postämtern

    Die Durchsetzung des 1675 eingeführten bernischen Postregals provozierte anhaltende Auseinandersetzungen mit benachbarten Postämtern, was sich auf die jeweilige Wahl der Postrouten aus wirkten.

    Der Konflikt mit Zürich begann bereits 1649, und zwar mit der Verlagerung einer Postroute. Auf Veranlassung Zürichs wurde die über Bern und Freiburg nach Lyon führende Postverbindung (Lyoner Ordinari) wiederum an die alte Handelsstrasse entlang des Jurasüdfusses verlegt. Die Berner mussten nun, trotz Protesten, ihre Briefe in Aarberg abholen. Die Hauptstadt Bern lag damit abseits der grossen Transitverkehrsströme.

    Das grosse Verdienst des Postgründers Beat Fischer liegt darin, den Post- und Reiseverkehr durch die Hauptstadt umgelenkt zu haben. Er griff dabei auf ein bereits bestehendes Botennetz zurück und erhöhte die Kursdichte. Nach 1686 wandte sich Beat Fischer, der die bedeutende Lage Berns im Transitverkehr erkannt hatte, zunehmend dem Abschluss internationaler Verträge zu, die sich auf das Postunternehmen äusserst positiv auswirkten.

    Die bernische Verkehrspolitik stiess seit der Errichtung des Postregals 1675 auf den Widerstand derjenigen, die ihre Gewohnheitsrechte zu wahren versuchten, und führte damit zu zahlreichen Auseinandersetzungen.

    Vorerst musste Beat Fischer der Zürcher Kaufmannspost 1677 ein Teilstück des ehemaligen Lyoner Ordinari, die Postroute Bern-Solothurn-Aarburg-Aarau-Lenzburg-Zürich, weiterhin überlassen, obwohl der Kanton Bern damals auch das bernische Aargau umfasste. Durch die Einführung eines parallel geführten, bernischen Kurses über Brugg nach Schaffhausen flammte der Kampf zwischen der Fischerpost und der Zürcher Kaufmannspost in den 1690er Jahren jedoch wieder auf. Es gelang Bern, die weitere Verletzung des bernischen Postregals zu unterbinden. Doch Zürich wich aus und richtete vorübergehend einen neuen Postkurs zwischen Genf und Zürich ein, der durch den Jura führte und damit das bernische Territorium völlig umging. Die Zürcher Kaufmannspost, deren Postgebiet sich über die Ostschweiz erstreckte, wurde schliesslich aus dem West-Ost-Transitverkehr zwischen Schaffhausen (-Süddeutschland) und Genf (-Südfrankreich) herausgedrängt.

    Eine bernische Beteiligung an der von Zürich gehaltenen Nord-Süd Transitverbindung über den St. Gotthard kam hingegen nur kurzfristig zustande. Die Fischerpost sicherte sich je doch mit dem Simplon-Pass die Verbindung zwischen Mailand und Lyon und schaltete sich damit in den Transitverkehr nach dem Piemont (Mailand) und Savoyen (Turin) ein. Diese Posttransitroute über den Simplon wurde in der Folge für die weitere Transitpolitik Berns ausschlaggebend.

    1708 schloss der bernische Staat schliesslich eine Übereinkunft mit Zürich,worin Aarau als gemeinsamer Übergabeort der Postsendungen zwischen Bern und Zürich bestimmt wurde. Infolge des wachsenden Gegensatzes zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich unter König Ludwig XIV. verlagerte sich der gesamte Transit von Deutschland nach Südostfrankreich, Savoyen, Piemont und das westliche Italien über bernisches Gebiet (Route Schaffhausen-Genf sowie Genf-Mailand). Der Konflikt ermöglichte eine kurzfristige Ausdehnung der Fischer post nach Schaffhausen und Basel so wie nach Würtemberg. Die neu errun genen Positionen konnten jedoch nicht gehalten werden.

    Zwischen benachbarten Postämtern wurden für die Übergabe der Postsendungen Ablagsorte bestimmt. Diese befanden sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Balsthal (Postamt Basel), Aarau (Postamt Zürich) und Brugg (Postamt Schaffhausen). Grenzbüros der Fischerpost befanden sich in Luzern, Biel, La Neuveville und Genf. Der bernische Postverkehr mit dem Ausland lief über Schaffhausen (Deutsche Reichspost), Waldshut (Vorder österreichische Post), Pontarlier und Versoix (Französische Post), Genf (Sardinische Post [Savoyen]) und Mailand (Mailändische Post). ImPostverkehrmit Frankreich und Deutschland spielte Basel eine untergeordnete Rolle. Der Hauptverkehr mit Nordfrankreich und Paris erfolgte über Pontarlier und Neuenburg. Für das Jahr 1773 wurden für diese Route gegen 30000 Briefe veranschlagt. Die Übermittlung eines Briefes von Paris nach Bern dauerte fünf Tage. Die Kuriere lösten sich direkt ab, so dass für ihre Verpflegung und Übernachtung keine Zeit eingerechnet werden musste.

    Eine weitere Zusammenarbeit ergab sich mit dem Reichspostamt in Maseik (Belgien), von wo die englischen und holländischen Briefe in einem Postsack über Schaffhausen zum Ablagsort in Brugg gelangten.

    Eine massive Verkleinerung des bernischen Postgebiets ergab sich durch die Errichtung von Regieposten in den neu gebildeten Kantonen Aargau und Waadt (1804) und in Neuenburg (1807), welche nur teilweise durch die Übernahme anderer Postgebiete wettgemacht wer den konnte.

    Mit Weitblick forderte der bernische Staatsmann Johann Friedrich von Ryhiner 1793 eine Neuorientierung der bernischen Passpolitik auf den St. Gotthard. Die Fischerpost wurde im 19.Jahrhundert wiederholt von der Simplon Route verdrängt, so dass der Transit durch die Innerschweiz und über den St. Gotthard an Bedeutung gewann.

    Auszug aus Postverkehr am Beispiel des bernischen Postwesens im 17. und 18. Jahrhundert
    von Dr. Thomas Klöti


    Dr. Thomas Klöti
    Dr. phil. nat., studierte Geographie und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Univ. Bern. Seit 1982 im Bibliothekswesen tätig. Fachreferent für Geographie und Geowissenschaften an der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern (StUB). Publikationen und Mitarbeit an Ausstellungen zu post- und kartengeschichtlichen Themen. Seit 1990 Mitherausgeber der Zeitschrift «Cartographica Helvetica». Projektleiter der 1998 beendeten Erschliessung der Landkartensammlung Ryhiner der StUB. Führte ein Vorprojekt zur Erfassung des Kartenarchivs des Bundesamtes für Landestopographie in Wabern durch, dessen Erschliessung seit März 1999 läuft.




    Das Posthaus in Bern

    Postgasse 64/66 in Bern.

    Mit Pachtvertrag vom 21. Juli 1675 gründet Beat Fischer (1641-1698) die Bernische Post. 1686/94 entsteht das Haus Nr. 64, um 1730/35 die Nr. 66 unter Daniel Stürler. Die Häuser werden vom Staat konfisziert, als die damaligen Postpächter Fischer 1831 den Eid auf die neue Regierung verweigert.

    Von 1834 an befindet sich das Postbüro im Kaufhaus, das alte Posthaus gelangt 1835 an die Stadt, welche die Nr. 66 zum Schulhaus der Münstergemeinde bestimmt. Der Gesamtumbau 1867/69 unter Carl Diwy umfasst auch das Wohnhaus Nr. 64.

    Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)


    Schloss Reichenbach Zollikofen. Bild: Wikipedia
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