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Berühmte Berner und Bernerinnen

Charles Albert Gobat

21.05.1843 Tramelan - 16.03.1914 Bern

Schweizer Politiker und Friedensnobelpreisträger. Sein Vater war protestantischer Pfarrer und sein Onkel Samuel Gobat Bischof von Jerusalem. Er besuchte die Primarschule in Tramelan, die Hernhuter Internatsschule Kornthal bei Stuttgart und das Progymnasium in La Neuveville.



  • Charles Albert Gobat
  • Charles Albert Gobat (HLS)
  • Abbildungen
  • Universität Bern
  • Charles Albert Gobat (Wikipedia)
  • Schloss Ebenrain in Sissach



    Charles Albert Gobat

    Der Regierungsrat, Gründungspräsident des Bernischen Historischen Museums und Friedensnobelpreisträger Albert Gobat wurde am 21. Mai 1843 in Tramelan als Sohn des Pfarrers Charles-Philibert Gobat (1813-1888) und dessen Frau Caroline geb. De la Reussille (1819-1879) geboren. Er besuchte Schulen im herrnhutischen Dorf Kornthal (Württemberg), in La Neuveville und in Basel. 1860-1872 besass und bewohnte Pfarrer Gobat nämlich Schloss Ebenrain, Gemeinde Sissach (Basel-Landschaft). 1862 begann Albert in Basel, Geschichte, Literatur und Jurisprudenz zu studieren; 1864 wurde er in Heidelberg Doktor der Rechte summa cum laude; er setzte dieses Studium in Paris und Bern fort und trat in das Anwaltbüro von Niklaus Niggler und Emil Vogt, zwei prominenten Radikalen, ein. Nach dem Staatsexamen als Fürsprecher, 1867, praktizierte er in Bern kurze Zeit selbständig. 1866 habilitierte er sich in Basel. 1867-1868 las er in Bern als Privatdozent französisches Zivilrecht. 1868 liess er sich in Delemont nieder und eröffnete eine Anwaltspraxis.

    Gobat heiratete 1869 in Biel Sophie-Louise (1847-1888), die Tochter des Bankiers und langjährigen Nationalrats Auguste Klaye. Das Paar hatte drei Töchter und einen Sohn; Marguerite [1870-1937] wurde die Privatsekretärin des Vaters, Helene [1876-1916], von Beruf Pianistin, die erste Gemahlin des Malers Louis Moillet.

    Seine politische Laufbahn begann Gobat 1882 als bernischer Grossrat. Er wurde sogleich in den Regierungsrat gewählt [1882-1906 sowie in Vertretung 1908/09 Direktion des Unterrichtswesens, 1906-1912 Direktion des Innern; Regierungspräsident 1886, 1895). In den eidgenössischen Räten gehörte er 1884-1890 dem Ständerat, 1890-1914 dem Nationalrat an.

    Als Direktor des Unterrichtswesen des Kantons Bern leitete er 1889-1914 die Aufsichtskommission des Bernischen Historischen Museums (eröffnet 1894), verantwortete er das neue Primarschulgesetz [1894), die Aufnahme einer Veterinärmedizinischen Fakultät in die Hochschule [1900] und die Errichtung des neuen Hochschulgebäudes [eingeweiht 1903). Er befürwortete den Hochschulzugang ohne Latein und Griechisch, nicht zuletzt für russische Emigrantinnen (s. Nr. 1.17). Als Direktor des Innern bekämpfte er den Alkoholmissbrauch.

    Auf eidgenössischer Ebene wirkte Gobat als Mitglied der nationalrätlichen Kommission für das einheitliche Zivilgesetz; er war es, der gegen die Empfehlung der Fakultät dessen eigentlichen Schöpfer Eugen Huber an die Universität Bern berief und dessen französischsprachigen Mitarbeiter Virgile Rossel förderte. In der Eisenbahnfrage war er ein Gegnerdes «Rückkaufs», der 1898 von Volk und Ständen angenommenen Verstaatlichung der fünf grössten Eisenbahngesellschaften der Schweiz [s. Nr. 1.14.3]. 1890 wandte sich Gobat der Friedensbewegung zu. Er war einer der Gründer der Interparlamentarischen Union und 1892-1907 deren Sekretär; er präsidierte die Interparlamentarischen Konferenzen von 1892 und 1912.

    Zusammen mit Elie Ducommun, dem Generalsekretär des Bureau international de la Paix, einer befreundeten Institution, erhielt er 1902 den Friedensnobelpreis. 1906 wurde er nach Ducommuns Tod dessen Nachfolger; 1911, nach der Reorganisation, wurde Gobat Direktor des Friedensbüros. Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte er nicht. Er starb am 16. März 1914 in Bern.

    Für den in der Kulturkampfzeit konfessionslos gewordenen Politiker wurde die Trauerfeier in der Aula des Hochschulgebäudes abgehalten. Die Zeitgenossen erlebten Gobat als unbequemen, autoritären Menschen von unerhörter Energie, «combattif et ardent», wie es in einer Trauerrede heisst.

    Quelle: Georg Germann
    Biographien - Bernisches Historisches Museum 1996


    Lit.: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde 10, 1914, 49-63 (Nekrolog und Trauerreden). - Jahresbericht des Historischen Museums in Bern 1914. Bern 1915, 3-4. - MARG. GOBAT: Charles Albert Gobat. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Bd. 3. Neuenburg 1926, 577.-Hochschulgeschichte Berns 1528-1984. Zur 150-Jahr-Feier der Universität Bern (mit Ergänzungsband: Die Dozenten derbernischen Hochschule). Bern 1984. - HERMANN BöSCHENSTEIN: Albert Gobat - ein unfriedlicher Friedensförderer. In: Der Friedens-Nobelpreis von 1901 bis 1904. Zug 1987,148-157,200-205 und 217 (mit 4 Porträts). - JEAN-PHILIPPE GOBAT: Ascendance d'Albert Gobat, Prix Nobel de la Paix. In: Informations genealogiques. Bulletin du Cercle genealogique de l'Ancien Eveche de Bäle, No. 7, ete 1993,2-4. - KARL ZIMMERMANN: Chronikalische Notizen zur Museumsgeschichte. In: 100 Jahre Bernisches Historisches Museum 1894-1994 (Separatdruck der Berner Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 1994, Heft 31. Bern 1994,371-465. - VERDIANA GROSSI: Le Pacifisme europeen 1889/1914. Bruxelles 1994. - JEAN-PHILIPPE GOBAT: Persönliche Mitteilungen, Brief vom 19.6.1995.


    Charles Albert Gobat
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