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Berühmte Berner und Bernerinnen

Marie Boehlen

Dr. Marie Boehlen
Marie Boehlen wurde 1911 In Riggisberg geboren. Sie wuchs in einer Bauernfamilie auf. Nach dem sie einige ]ehre als Primarlehrerin gearbeitet hatte, holte sie 1935 die Matura nach und studierte in Bern Jurisprudenz. 1951 erwarb sie den Doktortitel mit ihrer Dissertation «das Problem des hernischen Ahnenrechtes». Sie arbeitete 1957 als Jugendanwältin der Stadt Bern. 1972 wurde sie in den Berner Stadtrat gewählt. 1929 schaffte sie die Wahl in den bernischen Grossrat. Mit 75 Jahren erhielt sie den Dr. Somazzi Preis als Anerkennung ihres lebenslangen Engagements für die Gleichberechtigung der Frauen.



  • Marie Boehlen
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  • Marie Böhlen [Boehlen]
  • Bern - Neue Strassennamen



    Marie Boehlen

    «Meine Leidenschaft - die Politik - habe ich erst mit 60 Jahren leben dürfen.» - Gesagt hat das Marie Boehlen. - Jetzt ist sie tot. Am Dienstagabend, 30. November ist sie in Bern im 88. Altersjahr gestorben.

    Von ihr gehört hatte ich damals bereits viel. Persönlich lernte ich sie 1972 in der SP-Sektion Bern-Ost kennen. Bei einem halben Gamay sagte sie zu mir: «Ich bin die Marie. Und eines musst Du wissen: Du musst den Männern nicht nach dem Mund reden, ihnen nicht gefallen wollen.» - So war sie, die Marie Boehlen - direkt, resolut, sagten manche. Vor allem aber war sie auch eine Frau, die einzig und allein aufgrund ihres Geschlechts Diskriminierung hautnah und alltäglich erleben musste. Und das auch noch dann, als die Schweizer Männer den Schweizer Frauen 1971 endlich das Frauenstimm- und -wahlrecht gewährt hatten. Zwar wurde sie sofort in den Berner Stadtrat gewählt, zwar gehörte sie 1974 zu den ersten bernischen Grossrätinnen, doch diese Wahlerfolge hinderten selbst die SP-Fraktion nicht, in einer bestimmten Sachfrage verzweifelt nach einem «kompetenten Juristen» Ausschau zu halten und dabei völlig zu übersehen, dass mit Marie Boehlen eine höchst kompetente Juristin zur Verfügung gestanden hätte. «Die meinten, weil ich eine Frau sei, hätte ich vor allem und eigentlich nur das Protokoll zu schreiben», schilderte Marie Boehlen diese Episode später immer.

    Marie Boehlen schrieb das Protokoll nicht. Vielmehr profilierte sie sich als sach- und fachkundige Parlamentarierin und kandidierte daher auch bald einmal als Nationalratskandidatin. Dabei musste sie erleben, dass Genossen ganz gezielt und reichlich unverblümt dazu aufriefen, sie zu streichen. Das hat Marie Boehlen weh getan. Sie, die ein Leben lang für diese Sozialdemokratische Partei, für diese Bewegung einstand.

    Man würde indessen Marie Boehlen nicht gerecht, wollte man ihr Leben an diesen Rückschlägen messen. Marie Boehlen war eine Kämpferin, eine Frau, die den ihr vorgezeichneten Weg nicht gehen wollte. Und das bereits in ganz jungen Jahren. Eine «Bringe» sei sie gewesen, nicht gemacht für die Arbeit draussen, erzählte Marie Boehlen jeweils, wenn sie auf ihre Kindheit als Bauernmädchen aus Riggisberg zu sprechen kam. Daher wollte sie das Gymnasium in Bern besuchen, doch das lag dannzumal nicht drin. Immerhin durfte sie das Lehrerinnenseminar besuchen. Später holte sie die Matura nach und konnte nun endlich Jurisprudenz studieren. 1957 wurde sie erste Jungendanwältin der Stadt Bern. In dieser Funktion war sie nicht unumstritten. An den harten Massstäben, an denen sie sich selbst orientierte, mass sie auch andere. Bei all dem ist indessen nicht zu übersehen, dass Jugendanwältin Marie Boehlen andere Strafnormen wollte und die Idee vertrat, Delinquierende zu Arbeit statt zu Strafe zu verurteilen.

    Marie Boehlen - Sie war nie eine «Einfache». Manchmal nervte sie, manchmal war sie nicht nur konsequent, sondern stur, manchmal war sie auch ausschliessend, schon fast hart in ihren Urteilen. - Bei aller Würdigung müsse auch gesagt werden, «dass sie kein leicht zu handhabender Mensch war», schrieb Walter Däpp in einem Nachruf im «Bund». - Wohl eines der grössten Komplimente, eine der schönsten Würdigungen für diese streitbare grosse alte Dame.

    Marie Boehlen - wir alle - zuallererst die Frauen, aber auch die sozialdemokratische Bewegung - verdanken Dir ganz viel. Du hast Zeichen gesetzt, hast gekämpft, hast verändert. - Danke für Deinen Einsatz, für Dein Engagement, für Deine Überzeugung. - Danke aber auch für Deine Unnachgiebigkeit und Deine Streitlust. - In diesem Sinne und in Erinnerung an Dich: Verändern wir weiter. Und bitte «subito!» wie Du alleweil zu sagen pflegtest.

    Cornelia Wermuth


    bild folgt
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