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Berühmte Berner und Bernerinnen Klaus Schädelin 1918 Bern - 13.12.1987 Bern Klaus Schädelin wurde 1918 in Bern an der Herrengasse geboren. Er absolvierte ein Theologiestudium in Bern, war Pfarrer in Attiswil (Kanton Bern), in Hünibach am Thunersee und danach neun Jahre in Bern an der Petruskirche. Sein berühmtestes Werk als Schriftsteller schrieb er 1955 ; das Jugendbuch «Mein Name ist Eugen», welches 2005 verfilmt wurde. 1958 wurde er als Gemeinderat in der Stadt Bern gewählt, wo er 16 Jahre lang als städtischer Fürsorge- und Gesundheitsdirektor amtierte. 1973 erlitt er einen Herzinfarkt und wurde darauf frühzeitig pensioniert. Er war verheiratet und Vater von drei Kindern. 1973 Gründungsmitglied der Stiftung Terra Vecchia und ihr erster Präsident. Klaus Schädelin An der Herrengasse in der Berner Altstadt wurde er 1918 geboren, in der 3. Klasse des Progymnasiums ist er sitzengeblieben. In Bern und Basel hat er Theologie studiert, im Militär war er Küchengehilfe. Er heiratete Hulda Balmer, hatte mit ihr drei Kinder. Er war Pfarrer in Attiswil, Hünibach und Bern, wurde bekannt als Autor des Buches «Mein Name ist Eugen». Er war 16 Jahre Gesundheits- und Fürsorgedirektor der Stadt Bern, acht Jahre Grossrat. Er erlitt einen Herzinfarkt, eineinhalb Nummern kleiner als der Tod. Er liess sich pensionieren, wurde noch bekannter als Verfasser von «Zytlupe» für das Radio. Zuletzt bezeichnete sich Klaus Schädelin als Nichtstuer. Ein schöner Herbsttag in Bern. Auf der Bundesterrasse herrscht Betrieb. Beamte und Hausfrauen, Schüler und Pensionierte suchen einen Platz an der Sonne. Eilige schlängeln sich zwischen Müssiggängern hindurch. An den Tischen beim Casinoplatz Trams... wird gespielt, an den Tischen vor dem Hotel Bellevue getafelt. Wer das hellgrüne Haus am Münzrain betritt, taucht vom Lärm in die Stille, von der Hitze in die Kühle, vom Hellen ins Dunkle. Das alte Haus, nur wenige Schritte vom Rummel entfernt, ist eine Oase, an den Fels gebaut, von Bäumen und Büschen umgeben, mit Blick zwischen den Blättern hindurch auf die ruhig dahinfliessende Aare. «Ich habe es in meinem Leben nur dreihundert Meter weit gebracht», sagt Klaus Schädelin, «von der Herrengasse an den Münzrain.» Klein, fast untersetzt, im blau-weiss gestreiften Überkleid steht er da, an einen Handwerker erinnernd, wären da nicht das spitze Bärtchen und die Turnschuhe. In Bern ist Klaus Schädelin geboren und aufgewachsen, in Bern hat er gepredigt und politisiert. Hätte er je aus dieser Stadt fortziehen wollen, können? «Es gibt immer wieder Stationen im Leben, an denen man auswandern möchte, nicht unbedingt aus einem bestimmten Ort, sondern aus einer Umgebung. Das hat wohl jeder Mensch, dass er die Trägheit und Kleinkariertheit, auch die eigene, nicht mehr erträgt. Man möchte fort, für immer, doch das scheitert dann an der Frage: Wohin? » Aus gesundheitlichen Gründen muss Klaus Schädelin einen Teil des Jahres im Tessin verbringen, und jedesmal kommt er «furchtbar gern» nach Bern zurück, in diese Stadt mit ihrer schon äusserlich sichtbaren, fast zudringlichen Geborgenheit: «Ich komme an und bin am Schärme und bleibe am Schärme, bis ich daheim bin.» Die Gassen der Altstadt mit ihren Lauben sind für ihn Wurzeln - «nur, dass man selber eben kein Baum ist und seine Wurzeln manchmal als Fesseln empfindet». Klaus Schädelin liebt den Betrieb in der Berner Altstadt, «das Drück», wie er es nennt, und er lobt die Kraft dieser Altstadt, die mit keinem Einkaufszentrum an der Peripherie leerzusaugen ist, und er schätzt das Stück Anonymität, das ihm diese gleiche Altstadt bietet. Wer dem Bern von Klaus Schädelin nachspüren möchte, müsste vor allem sitzen: «Eine Stadt», sagt er, «muss man mit der Nase und mit den Ohren erleben, fast mehr als mit den Augen. Das heisst: sich an einen Trottoirrand oder auf einen Treppentritt setzen und die Stadt durch die Poren hineindringen lassen, die Gesprächsfetzen, die Geräusche, die Gerüche. Man muss sich durch Bern hindurchsitzen, genauso übrigens, wie man sich durch Paris oder durch New York hindurchsitzen muss.» Statt den Bärengraben zu besichtigen, dem Quietschen des Trams am Zytglogge zuhören, weil der Kurvenradius dort zu eng ist. Statt das Figurenspiel an eben diesem Zytglogge abzuwarten, sich auf der Münsterplattform dem Rauschen der Aare hingeben. Solches rät Klaus Schädelin. Überhaupt würde er einem Fremden statt all der Sehenswürdigkeiten in Bern nur einige Kuriosa zeigen - zum Beispiel ein Loch: «Wir hatten einmal einen eintägigen Krieg», erzählt er, «den Stäcklikrieg, und da fiel ein Kanonenschuss. Er hat aus einem Haus in der untersten Stadt eine Ecke herausgeschlagen. Es entstand ein Loch. Als das Haus abgebrochen wurde, packte man das Loch in eine Kiste, und später hat man es wieder ins neue Haus eingebaut.» Klaus Schädelin erzählt und beschreibt, ruhig und bedächtig, humorvoll oft und pointiert, nicht selten Ausdrücke verwendend, die im täglichen Sprachgebrauch längst vergessen gingen. Aber eigentlich ist sein Berndeutsch nicht zu beschreiben, in der Schriftsprache schon gar nicht, höchstens zu vergleichen mit wohltuender Musik oder einem Gedicht, so klar, so rein, so einfach und immer wieder überraschend schön. Fast bei jedem Satz ist zu spüren, wie Klaus Schädelin das Berndeutsch liebt und pflegt. Dass diese Sprache die Berner zu einem guten Teil geprägt hat, steht für ihn fest: «Die Sprache hat uns gemacht, und diese Sprache ist eben nicht gemacht zum Mitraillieren. Will ein Berner schnell reden, so bekommt er den Zungenschlag.» Das Bedächtige, das langsame der Berner sei in kleinen Details und in grossen Zügen feststellbar, erklärt Klaus Schädelin, und eine Pauschalcharakterisierung habe meist mehr für sich, als man nach dem zweiten Nachdenken meine: «Die Jugendbewegung war in Bern bedächtiger als anderswo, und die Polizei ist in Bern bedächtiger, sofern sie nicht vom Gedanken besessen ist, die Zürcher nachzumachen.» Auch die Natur, glaubt Klaus Schädelin, präge den Menschen mehr, als man auf den ersten Blick annehme: «In Bern sind wir eingetan von Polentahügeln, und unser Horizont ist demzufolge ziemlich eng. In Basel kann man mitten in der Stadt auf die Pfalz stehen und sieht in die Welt hinaus. Während die Zürcher zwar die Weite eines Sees vor sich haben, aber nicht merken, dass sie immer nur seeaufwärts schauen.» Besonders als Politiker hat Klaus Schädelin das ganze Bernische an den Bernern erfahren: «Die Realitätsbezogenheit des Berner Bauern, auch die realitätsbezogene Borniertheit.» Sich selber schliesst er bei solchen Charakterisierungen nie aus. Pfarrer an der Petruskirche war er gewesen, als ihn das Junge Bern bat, für das Amt des Fürsorgedirektors zu kandidieren. «Weil einem Pfarrer die Fürsorge nicht egal sein kann und weil einem Pfarrer ein Praktikum auf einem andern Gebiet nur gut tun kann», hat er sich aufstellen und wählen lassen. 16 Jahre dauerte das Praktikum. «Es war», meint er rückblickend, «wie wenn man auf einem Turnplatz eine Schaufel durch den Schnee schiebt - vorne wird Schnee aufgeladen, und seitwärts fällt er wieder herunter.» Man arbeite an einem neuen Projekt, von dem man glaube, es werde innerhalb eines Jahres realisiert, und dann daure es 15 Jahre, und in der Zwischenzeit fänden unzählige Sitzungen statt, Leerlauf-Sitzungen, eine leerer als die andere. So hart beschreibt Klaus Schädelin seine Erfahrungen in der Exekutive der Stadt Bern. «Manchmal bin ich mir vorgekommen wie ein Kapitän auf einem Supertanker mit einem Radius von 15 Kilometern», sagt er,. «man konnte am Steuerrad drehen, soviel man wollte, es geschah lange Zeit überhaupt nichts. Und hätte man den Motor abgestellt, so wäre das Schiff trotzdem noch 15 Kilometer weit gefahren.» Klaus Schädelin hatte schon damals, hatte auch jetzt noch ein besonderes Gespür und ein kritisches Sensorium für vieles, was in der Schweiz schief und falsch läuft, für Bürokratie zum Beispiel oder für Besitzdenken, für Ignoranz oder Intoleranz. Wie lebt es sich mit solch feinen Fühlern angesichts solch rauher Zeiten? Wie gross ist die Verzweiflung ob so wenig Besserung? «Da bin ich», antwortete Klaus Schädelin, «vielleicht Berner. Je strüber es geht, desto weniger haben wir Grund , die Geduld zu verlieren. Und ich sehe auch weniger die Missstände um mich herum als vielmehr meinen eigenen Missstand, und der wäre, wenn schon, Grund zum Verzweifeln.» Vor solchem bewahrt ihn indessen die Theologie: «Ich habe gerade noch rechtzeitig vernommen, dass Gott uns so annimmt, wie wir sind. Mit diesem Satz kann ich leben, fröhlich leben sogar.» Seit Klaus Schädelin als Pfarrer und als Politiker pensioniert ist, seit einem Herzinfarkt auch, hat er sich zurückgezogen. Noch einmal zwar ist er der Lust am kritischen Kommentieren erlegen, hat «Zytlupe» für die Samstagmittag-Sendung am Radio verfasst. Seine oft listig-lustigen Bemerkungen zu einem alltäglichen Thema schlugen ein - dreiviertel Millionen Menschen hörten ihm jeweils zu. «Zu viele», sagt Klaus Schädelin, denn Publizität passe nicht zu ihm, es sei ihm wohler in der Namenlosigkeit. Und seither versucht e tatsächlich, nichts anderes mehr zu tun, als zusammen mit seiner Frau den Haushalt zu besorgen, Grossvater zu sein und Bern zu geniessen. «Die Maulaffen feilhalten», nennt er letzteres. Aufgestanden wird bei den Schädelins nicht vor zehn Uhr: «Was gibt es Schöneres, als im Halbschlaf die Stadt erwachen zu hören? Was gibt es Schöneres, als drei Stunden zusammen am Zmorgetisch zu sitzen?» Anschliessend muss Klaus Schädelin «vielleicht Kommissionen - machen», und dann «wartet vielleicht ein Grosskind» auf ihn und möchte mit ihm die Biene Maya am Fernsehen anschauen - «und sonst geschieht nichts, gar nichts, und das ist das Schöne». Klaus Schädelin ist froh, wenn keine Journalistinnen und Journalisten anrufen - und ihn um einen Termin bitten. Und passiert es dann doch, wie für diesen Beitrag, so kommt es vor, dass er trotz all der Vorbehalte und Vorsätze ja sagt: «Weil ich auf der Fürsorge nie jemanden abgewiesen habe, der mit mir reden wollte.» Aus «Bern» Schriftenreihe «Die 23 Kantone der Schweiz» publiziert von 1987-1991 Rentenanstalt «Das alles ist Chutzenmist» Humor, Schalk, Bedacht, Gelassenheit, Offenheit, Demut, Engagement, Grosszügigkeit, Herzlichkeit, Menschlichkeit, Sinnlichkeit, Liebenswürdigkeit, Selbstironie, Bescheidenheit, Doppelbödigkeit, Hingabe, Respekt, Vernunft, Zuversicht, Mut – und nochmals Schalk und Humor. Auch Galgenhumor. Das sind Begriffe, die man aus dem Duden hervorholen könnte, wenn man Klaus Schädelin charakterisieren wollte. Doch damit eckte man, auch achtzehn Jahre nach seinem Tod, noch an, denn: Klaus Schädelin hielt, erstens, den Duden nicht für ein taugliches Mittel, um Sprache zusammenzustückeln. «Helfen Sie mir», schrieb er einmal, «den Duden in der Aare zu ertränken. Er verunglimpft jedes Sprachgefühl.» Und er hielt, zweitens, jede Art von Würdigung für Chutzenmist. In seinem Abschiedsbrief, den er, schwer krebskrank, anderthalb Monate vor seinem Tod am 13. Dezember 1987 schrieb, hat er es so formuliert: «Ich halte mich heute in den meisten Dingen für so überflüssig, dass ich sorglos ad patres gehen darf. Und besonders wertvoll ist mir geworden, erfahren zu haben, wie absolut nichtig die so genannten Würden sind. Was zählen schon Erfolge oder markante Misserfolge, wo man an die Lebensschwelle gerät. Müsste ich noch ein Büchlein schreiben, so wäre es eine Warnung vor dem Streben nach Dingen, die Ehre und saftige Nachrufe einbringen. Das alles ist Chutzenmist.» So freuen wir uns halt schlicht und einfach einen Augenblick darüber, dass mit der Verfilmung seines Lausbuben-Bestsellers «Mein Name ist Eugen» auch die Erinnerung an ihn, Klaus Schädelin, wieder wach wird – an jenen begnadeten Erzähler und Schreiber, der spitzbübisch hinter Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli steht. Klaus Schädelin , 1918 in Bern an der Herrengasse geboren, war Pfarrer in Attiswil, Hünibach und an der Berner Petruskirche, bis er 1958 zur eigenen Verblüffung als Mitglied des Jungen Bern in den Berner Gemeinderat gewählt wurde. Sein Wahlslogan hiess «Wenn schon ein Klaus, dann Klaus Schädelin». Er hatte nun zwar keine Zeit mehr, um – unter dem Pfadernamen «Gockel» – fürs Pfadiblättli zu schreiben, da er «als Gemeinderat nun Bürolist mit täglich 0,0 Minuten Freizeit» geworden war. Doch das Allerwichtigste hatte er ja schon Jahre zuvor ins Pfadiheftli geschrieben: die Geschichten von Eugen und seinen Kumpanen, die dann als Buch herauskamen, inzwischen eine Auflage von 200 000 erreicht haben und nun, eben, auch als Film zu sehen sind. Sechzehn Jahre lang war Klaus Schädelin städtischer Fürsorge- und Gesundheitsdirektor. Und zwar einer, der das Amt nie als Amt betrachtete, der als Politiker stets Mensch blieb – einer, der auch für die Menschen da war. Und der später, seinem schweren Leiden trotzend, politisch wach und sensibel blieb. Zum Beispiel, als er die Berner Finanzaffäre für heilsam hielt, wenn das Volk weiterhin beharrlich Klarheit fordere («Es schadet dem Staat nichts, wenn es hie und da eine Frühlingsputzete gibt»). Zum Beispiel nach der gewalttätig verlaufenen Tschernobyl-Demonstration 1987, als er öffentlich den «furchterregenden Polizeieinsatz» kritisierte. Oder kurz vor seinem Tod, als ihn die gewaltsame Räumung der Hüttensiedlung Zaffaraya zutiefst empörte. Nach einem Herzinfarkt 1973 hatte Klaus Schädelin als Gemeinderat zurücktreten müssen. Nach aussen hin schwärmte er dann schelmisch vom süssen Nichtstun. «Ihr wisst nicht», liess er etwa verlauten, «wieviel Sachen es nicht zu tun gibt. Das Nichtstun füllt einen vollkommen aus.» Doch er selber tat nicht nichts: Er dachte nach – über die Menschen und das Leben in dieser Stadt und in dieser Welt. Und er meldete sich als kritischer, besorgter und stets humorvoller Beobachter dieses Lebens auch zu Wort – etwa als Autor der Radiokolumnen «Zytlupe», die dann auch als Buch veröffentlicht wurden. Und vor allem blieb er stets sich selber: Klaus Schädelin – der auch ein bisschen ein Lausbub war wie Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli. Christof Kaufmann Der Bund 10.09.05 Öpfuröschti Woni chlyn bi gsi, het my Mueter fasch nüt anders gchochet als Öpfelröschti. Wenn herts Brot isch vorig gsi: Öpfelröschti; und wenn Öpfle hei aafa fule: Öpfelröschti. Wini die ghasset ha, di cheibe Öpfelröschti. No hüt chani nüt ässe, wos gchocheti Öpfel drinne het. Aber das isch doch öppis Glungnigs: Woni das vor nes paarne Jahr myne Gschwüschterte ha gchlagt, hei die alli gseit: «D Mueter het hochschtens zwöimal im Monet Öpfelröschti gmacht. Nei, wyssi Böhnli hets geng ggä!» Und da hei mers: We me öppis nid ma, dünkts eim, es gäbi geng nume das, und me wird toube. Und das passiert eim schpäter allpott: Da sitzt eine am Tisch und brummtet: «Scho wider Schwynigsl»-«Was scho wider? Schwynigs hei mir ja wundersälte!»-«Nüt wundersälte. Fasch nume Schwynigs.» Das zieht do d Frou i Aate und git urne: «Drfür hockeni nid geng ir Beiz.» - «Was geng: Fasch nie!»-«Wohl, fasch all Tag!» Und so chaäre si es Zytli, bis si wider rüehjiger wärde und zäme aafö nacherächne. Und am Schluss lache si beidi: Si hei usegfunde: Schwynigs hie und da, und Beize öppe einisch. Das het se vorhär nume ddünkt, wil är ke Liebhaber isch vo Schwynigem und si nid vo Beize: Was eim uf d Närve geit, vermehret sech im Hindertsibsinne. Drum jitz e Reihe vo Byschpil: Da ghört eine am Aabe bi dene, wo über ihm wohne, luti Musig u nes Trogle drzue; und scho schimpft är: «Gopfridschtutz, hei die überobe eigetlech jede zwöit Aabe so nes tonners Häppening?» - Oder näbe üs ir Beiz isch eim e Gorps entwütscht, und scho dünkts üs «Da Gorpsihung söll öppe de ufhöre.» - Oder mir schimpfe: «Schtellt da Godi eigetlech äxtra ds'Läbe lang sys Velo genau hinder mys Outo?» - Oder: «Der tonners Chatz vo dr Kybürzlere schlani jitz de eis übere Gring, wenn si mr alipott uf ds Bodetecheli schysst.» Es isch äbe geng ds glyche: Öpfelröschti, Öpfelröschti, wenn eim öppis nid passt. Name mer jitz es Byschpil bim Radio: Wenn ig früecher albe Beromünschter ufddrääit ha, hets nüt als gjödelet und gländleret. Und i ha mi gergeret, nume wil ig ehnder ufe Mozart schtah. Und das chlageni do einisch ein alte Radiodiräkter, und dä seit mir nume troche: «Läset doch einisch üses Programm düre, bevor Dir reklamieret!- Und richtig: Di bodeschtändigi Choscht het kener zäh Prozänt ûsgmacht. Dir gseht, wi ungrächt me cha wärde, wenn eim öppis närvet. De lö mir d Galle obsi und lose nume no, ob nid gly wider öppis chöm, wo me nid ma schmöcke. Und wenns de chunnt, de wird me verruckt u brüelet: «Geits eigetlech no? Dir bringet ja nüt me anders als dä Chabis » Ab däm Öpfelröschti-Gfüehl sy scho ganzi Familie usenand ggrate. Dir, das chä regelrächt gfährlech wärde. Drum wei mir jitz no einisch zrügg zum Radio. Da hei doch ihrere paar vor mängem Jahr so ne Radiohörer-Verein ggründet gäge Söndige, wo am Bürger politisch nid i Chram passe. Wenn am Radio eine us dr SVP redt, de merke sis chuum, - wil: Die luure und glüüssle uf das, wo ne uf ds Ggäder geit. Es bruucht nämlech nume eine am Mikrophon z rede, wo ne Viertelsozi isch, de schimpfe si: «Da hei mer se! Ds Radio isch nid usgwoge», und si tüe, wi wenn ds Vaterland i Gfahr wär. Usgwoge wär für dä Verein, was zu syr politische Farb passt. Alles änet ihrem Hag dünkt se schier Landesverrat. Langsam fönge d Bürger das aa gloube, jede Mitarbeiter bi dr SRG heig sech vo Moskou persönlech la underwandere. Und bi däm Verein merke si nid, dass ds gfährleche Uchrut hützutag naach a sym eigete Gartebeetli errünnt. Wil im Radio hie und da ou ungwaneti Schtimme chöme, haglets Beschwärde us däm Verein wäge z vil -- he ja, äbe z vil Öpfelröschti. Doch wenns nume das wär: E Hass chunnt da füre, dass me sech mängisch fragt: Sy mir eigetlech no ir Schwyz? Hie nume so nes Müschterli: Woni mi ir letschte «Zytlupe» chly für d Mönschlechkeit mit de Flüchtling ha gwehrt, sy zmorndrischt scho Briefe i mym Chaschte gläge, woni nech nume ei Satz druus wott vorläse: «Sie sind ein Sauhund.» Das hätt mi ja no luschtig ddünkt, aber dr Räschte vom Satz scho weniger: «Man sollte Sie zusammen mit den dreckigen Türken, Tamilen und Chilenen an die Wand stellen.» Mir göh uf Wiehnacht zue. Ischs nötig, so z hasse i dr Schwyz? Ischs nötig, di rare Wort vo dene, wo nid ganz üser Meinig sy, z vertüüfle? So vil i gseh ha: Die vom Radio sy nid Extremi, und -si hei es guets Gwüsse. Si hei nid Angscht vor däm Öpfelröschti-Verein. Aber eis bringt da Verein vilecht no zschtand: Di guete Mitarbeiter- überchöme langsam dr Verleider, und war weis: Am Änd sueche die sech e eifachere Job. De hättet Dir zwar, was Dir möchtet, aber de fieng am Radio ds grosse Gine aa, das chani nech säge: Jedi Zytig, jede Sänder schteit und fallt mit emne guete Mitarbeiterschtab, wo Idee het und öppis wagt. Ohni di settige fählti d Würze; d Längwyli miech sech breit, und me würd de ds Radio ringer verschrotte. Sötte mir uf Wiehnacht hi nid chly duldsamer und fridfertiger wärde, bsunders denn, wenn üs öppis ergeret? I mues mi da sälber fasch am meischte a dr Nase näh: Ou gäge Heiland hets Beschwärde ghaglet. Aber är het üs d Schtange gha, bis mir ne umbbracht hei. Bi däm chöi mir go lehre. Drum wünscheni Euch und mir e versöhnlechi Wiehnacht. Was mi betrifft, so wett i nid warte, bis si bim Radio d Vorzensur müesse yfüehre wi bim «Wort zum Sonntag». Das hie isch my allerletschti «Zytlupe» gsi. Süsch heissts de: «Da cheibe Schädelin. Geng nume Öpfelröschti, Öpfuröschti!» Kurzgeschichte aus Klaus Schddelin. Zeitlupe, Zytlupe. Edition Francke im Cosmos Verlag, Muri bei Bern. ![]() |