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Homosexualität im antiken Rom
Überlegungen zur Rolle des pathic


Die öffentliche Meinung wandte sich dagegen, dass ein freigeborener Mann einen freigeborenen penetrierte, oder dass ein Freigeborener als passiver Partner eines anderen Mannes diente, unabhängig von dessen Status. Auch in der römischen Kultur gab es Vorstellungen von sexueller Devianz, die zwar nicht dem modernen Konzept von Homosexualität gleichen, aber doch Teile einer homophoben Grundtendenz, wie wir sie aus dem !9. Jh. kennen, beinhalteten. Sex zwischen Männern galt in gewisser Weise als ungesund, ausserhalb der sozialen Norm liegend. Abnormal war eben der Mann, der das einem Knaben anstehende passive Verhalten ins Erwachsenenalter weitertrug.

Aber ist dieser pathic überhaupt immer der Penetrierte? Ein Gegenbeispiel nennt Seneca, bei dem ein offensichtlich Effeminierter im Bett die aktiver Rolle übernimmt. Ist also der pathicus derjenige, der beide Rollen abwechselnd einnimmt? Jedenfalls steht er im Gegensatz zu denjenigen, die nur und ausschliesslich penetrieren. Aus antiker Sicht macht sich der pathicus, dessen Verhalten als Effeminiertheit gesehen wird, lächerlich.

Die adäquate Rolle des erwachsenen Mannes ist es, Penetrator zu sein. Die penetrierte Person kann Mann, Frau oder Kind sein, und es wird erwarten, dass diese auch eine sexuelle Anziehung auf den Mann ausüben Dadurch ergibt sich für den homosexuellen Mann jener Zeit eine Spannung zwischen dem Wunsch, die passive Rolle zu übernehmen und dem sozialen Druck, dies nicht zugeben zu dürfen. Daraus erklärt sich auch, warum manche Homosexualität, das heisst ihre sexuellen Aktivitäten mit anderen Männern, stolz vor sich hertragen (weil sie nämlich die Penetrierer sind) und andere sich ängstlich verstecken.

Als Quellen dienen Taylor Martial und Juvenal. In der Tatsache, dass Juvenal eindeutig offen lebende pathics verdammt, und die Konnotation von pathic als negativ auch in einigen Werken anderer Schriftsteller jener Zeit vorkommt, sieht Taylor die Notwenigkeit der Existenz von Subkulturen. Das Gastmahl des Trimalchio von Petronius ist für Taylor die beste Schilderung der Situation von innen. Unter anderem berichtet Petronius darin von Männern, die Sex mit Männern haben und dabei die Rollen wechseln. Darüber hinaus werden im Satyricon Begriffe wie frater (lat.: Bruder) oder soror (lat.: Schwester) genannt, die die jeweiligen LiebhaberInnen bezeichneten, wie es ja auch heute üblich ist.

Im Gegensatz zu Taylor sieht Richlin zwar nicht die Notwendigkeit einer Subkultur, verweist aber darauf, dass Juvenals 2. Satire eine solche beschrieben haben könnte. Unter Subkultur versteht sie, ebenso wie Taylor, bestimmte Verhaltensweisen, Kleidung, körperliche Signale und ähnliches, die ein Gemeinschaftsempfinden ermöglichen.

Trotz dem bisher Gesagten, musste es nicht immer von Nachteil sein, wenn man als cinaedus bekannt war. Manchmal konnte es sogar vor Strafe retten: Nämlich, wenn der Verdacht auf einen fiel, eine freigeborene, ehrenvolle Frau verführt zu haben. Ein cross-dresser konnte sein Testament machen, ein Mann in leitender Funktion durfte auch mit dem Ruf, cinaedus zu sein, weiterarbeiten. Selbst ein Offizier konnte passiv Homosexuell sein. Allerdings gab es aus diesem Grund auch Entlassungen aus der Armee und ihr Ehrung als Kämpfer wurde abgelehnt. Es gibt also einerseits vielleicht sogar eine Subkultur oder andere Möglichkeiten, relativ unbehelligt als pathicus zu leben, andererseits drohen Entlassungen oder Schlimmeres.

Autorinnen: Maria Kröll und Valentina-Johanna Baumgartner


Fortsetzung...


Homosexualität im antiken Rom

Einleitung
/ Allgemeine Einstellung zur Sexualität/ Frühzeit/ Homosexualität vom 2. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr./ Homosexualität ausserhalb der Norm/ Prostitution/ Die Rolle der Sklaven/ Homosexuelles Verhalten als Norm/ Veränderung der römischen Moral am Ende des 2. Jh. n. Chr./ Theorie von Paul Veyne in: Die römische Gesellschaft/ Theorie von David F. Greenberg in: The Construction of Homosexuality/ Pathicus/ Begriffe/ Überlegungen zur Rolle des pathic/ Religiöse Subkulturen/ Städtische Subkulturen (Rom)/ Zeitfolge/ Ehe/ Antike Askese/ Kurzer Abriss zur Stellung der Frau/ Resümee/ Literatur