Irakkrieg - Opfer durch USA Bomben

Irak
Was kommt nach dem Krieg im Irak?

Experten rechnen mit Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung nach Sturz von Saddam Hussein.

Der amerikanische Militärschlag gegen den Irak könnte schon bald zum gewünschten Ziel führen, dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein und seines Regimes. Die grosse Frage ist jedoch: Was kommt nach dem Krieg? Der wirkliche Erfolg wird daran gemessen werden, ob es Washington gelingt, dem Land nach drei Kriegen seit 1980 und der 33-jährigen brutalen Herrschaft Saddam Husseins auf die Beine zu helfen. Die öffentliche Ordnung wird völlig zusammenbrechen, prophezeite Rend Rahim Francke, der Direktor der in Washington ansässigen Irak-Stiftung kürzlich bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Es wird keine Polizei mehr geben, kein Rechtssystem und keinen funktionierenden öffentlichen Dienst, sagte der gebürtige Iraker. In diesem Chaos würden die Menschen das Recht in die eigene Hand nehmen.

Der ehemalige US-Oberst Scott Feil teilt diese Einschätzung. Die Verhältnisse im Irak hätten zu einer Verrohung der Gesellschaft geführt, sagte Feil, der für die US-Streitkräfte eine Studie über die Rolle der Armee beim Wiederaufbau nach militärischen Konflikten ausarbeitet. Die Wiederherstellung normaler Verhältnisse werde sehr, sehr schwierig werden. Saddam Hussein hat zahlreiche Morde an politischen Gegnern zu verantworten. Ausserdem liess er in den 80er Jahren ganze kurdische Dörfer mit Giftgas auslöschen. Experten rechnen damit, dass es nach einem Sturz Saddam Husseins zu Racheakten aufgebrachter Menschen an seinen Helfern kommen wird. Besonders gefährdet seien Saddam Husseins Handlanger in der Baath-Partei, die das Leben der Bevölkerung bis in die Kommunen hinunter kontrolliert haben.

Auch die gesamte Versorgung der Bevölkerung dürfte nach Franckes Einschätzung als Folge des Krieges zusammenbrechen. Die Soldaten der von den USA geführten Streitmacht werden den Szenarien zufolge bei der Einnahme von Städten und Dörfern wahrscheinlich auf Bewohner treffen, die dringend Wasser, Nahrung, Medikamente und eine Unterkunft brauchen. Feil schätzt, dass der Wiederaufbau und die Wiederherstellung der Sicherheit im Irak die USA bis zu 100 Milliarden Dollar (94,6 Mrd. Euro) kosten und bis zu sieben Jahre dauern könnte. Das wird eine ausserordentlich schwierige Aufgabe und alles in den Schatten stellen, was wir auf dem Balkan geleistet haben, sagte Feil der Nachrichtenagentur AP. Ausserdem müsse man als Aufgabe Nummer eins die im Irak vermuteten Massenvernichtungswaffen unter Kontrolle bringen. Feil rechnet damit, dass die USA allein im ersten Jahr nach Ende des Krieges 16 Milliarden Dollar (15,1 Mrd. Euro) für Sicherheitsoperationen und eine Milliarde Dollar (946 Mill. Euro) für den Wiederaufbau werden ausgeben müssen. Ausserdem sei mindestens im ersten Jahr die Stationierung von etwa 75.000 US-Soldaten notwendig. Damit würden erhebliche Kapazitäten der Armee gebunden, was Feil zufolge Auswirkungen auf andere parallel laufende US-Militäreinsätze haben könnte.

Diese Ansicht teilt auch der ehemalige General William Nash. Dies sei ein Grund, weshalb die Armee nicht gerade begeistert sei, diese Aufgaben zu übernehmen, sagte Nash. Die US-Streitkräfte werden jedoch kurzfristig nach dem Sturz Saddam Husseins die Regierungsgeschäfte und Kernbereiche der öffentlichen Verwaltung übernehmen, um die Versorgung im Land zu sichern. Eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau des Irak soll die Ölindustrie des Landes spielen. Die Präsidentin des in Washington ansässigen Henry-L.-Stimson-Zentrums, Ellen Laipson, rechnet innerhalb eines Jahrzehnts nach dem Sturz Saddam Husseins mit Einnahmen aus Ölexporten in Höhe von jährlich 30 Milliarden Dollar. Feil warnt jedoch vor zu grossen Erwartungen. Er verweist darauf, dass die Ölanlagen wegen der UNO-Sanktionen technisch veraltet und marode seien und daher die Förderung nur langsam erhöht werden könne. Einige Leute meinen, man müsse nur die Zapfhähne auf den Ölfeldern öffnen und schon sprudelt das Geld für den Wiederaufbau. So einfach ist die Sache aber nicht, sagte der Ex-Oberst.

Voralrberg online
20.03.2003


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