Irakkrieg - Opfer durch USA Bomben

Irak
Krieg gegen den Terror schafft neuen Terror

Die Allmachtsfantasien der USA sind schon erstaunlich. Nicht nur ein Terrorregime wollen sie beseitigen und die eigene Ölversorgung sicherstellen, sondern mit ihrem Feldzug gleich eine ganze Region demokratisieren. Eine Region noch dazu, die sich seit über hundert Jahren auf schmerzliche Weise mit westlichen Demokratien herumschlägt. Die von westlichen Demokratien, Monarchien und anderen Regimen kolonisiert und ausgebeutet wurde.

So katastrophal dieser Krieg gegen den Irak auch ist - direkt für die irakische Bevölkerung, indirekt für das durch den amerikanisch-britischen Alleingang gestörte internationale Machtgefüge -, er bewirkt zumindest eine Erschütterung des irakischen Terrorregimes. Die Gefahr ist gross, dass diese Erschütterung zu Chaos und Anarchie führen könnte, denn die irakische Bevölkerung hatte während der letzten dreissig Jahre keine Chance, auch nur Ansätze von demokratischer Mitsprache und Eigenständigkeit zu entwickeln. Sogar die irakische Exilopposition ist heillos zerstritten und in Partikular- und Stammesinteressen gefangen.

Visionen wären gefragt, wie in diesem zerstörten Land demokratische und zivilgesellschaftliche Strukturen entwickelt werden könnten. Die US-Regierung plant offenbar für die Zeit nach dem Sturz Saddam Husseins, ein Militärregime einzurichten. Doch Demokratie lässt sich nicht mit militärischer Gewalt von aussen aufzwingen. Zudem hat die Geschichte gezeigt, dass sowohl die früheren europäischen Kolonialmächte wie die USA immer wieder arabische Diktaturen gestützt haben, weil sich mit diesen leichter geschäften lässt als mit demokratischen Gemeinschaften. Und ums Geschäft geht es - auch in diesem Krieg. Darüber kann auch nicht die religiös verbrämte Kreuzzugsrhetorik von George W. Bush hinwegtäuschen.

Diese hat einen gefährlichen Nebeneffekt: Sie schürt den islamischen Extremismus. Mit den Terroranschlägen auf Amerika am 11. September 2001 wurde deutlich, was für eine Gewalt dieser Extremismus hervorbringen kann. Er ist für Amerika und die westliche Welt gefährlicher als jeder konventionelle Krieg. Es sieht nicht danach aus, als würde sich der Krieg gegen den Irak zu einem Flächenbrand in der Region ausweiten. Was sich aber bereits zeigt, ist die grosse Wut des Mannes und der Frau von der Strasse gegen die Arroganz der amerikanischen Invasion. Noch sind die Reaktionen differenziert.

Im Alltag sind die Menschen in der islamischen Welt hin und her gerissen zwischen Bewunderung für die westliche Lebensweise und Angst vor dem Verlust der eigenen Kultur. In der Metropole Kairo prägen neben Minaretten schrille Leuchtreklamen für westliche Produkte das Strassenbild, die Klänge von Um Kalsoum und Shakira vermischen sich zu einer berauschenden Kakofonie. Wer etwas auf sich hält, raucht Marlboro und nicht die einheimischen Cleopatra. Der Dialog der Kulturen spielt im täglichen Leben, wenn auch mit Misstönen. Die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen dem Westen und dem Orient könnten eine Basis schaffen für eine offene Gesellschaft. Islamischer Extremismus entsteht nicht nur im Kopf, sondern auch auf dem Boden der brutalen Kriegsrealität.

Berner Zeitung BZ
Susanne Schanda 22.03.2003


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