Top News Italien 23.06.2006
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Italien bleibt auf Kurs

Marco Materazzi und Filippo Inzaghi besiegeln die zweite Niederlage und damit das Vorrunden-Aus der Mannschaft von Trainer Karel Brückner

Marco Materazzi (Italien)
Kopfsache: Verteidiger Marco Materazzi (r.) trifft, Italien steht im Achtelfinale

Der Italiener hat meist ein ausgeprägtes Faible für jegliche Art von Aberglauben, weshalb der Besuch des Verbandschefs gestern in Hamburg sehr begrüsst wurde. Schliesslich hatte Guido Rossi seinen kickenden Landsleuten schon in ihrem Auftaktspiel gegen Ghana beim 2:0 mit seiner Anwesenheit Glück beschert. Bei der zweiten Partie gegen die USA fehlte der kommissarische Präsident der FIGC dann allerdings, und die italienische Auswahl spielte prompt nur 1:1. In Hamburg erwies sich Rossi erneut als Glücksbringer. Durch das 2:0 (1:0) gegen Tschechien zog Italien ins Achtelfinale ein. Und Rossi freute sich. «Die Nationalmannschaft und der Fussball in Italien machen grosse Schritte nach vorn», sagte er. «Wir haben mit der Mannschaft gelitten und uns mit ihr gefreut.»

Vor dem Spiel hatte ja einige Unsicherheit geherrscht im Lager der Italiener. Erinnerungen waren hochgekommen an das frühe EM-Aus vor zwei Jahren und hatten die Angst geschürt vor einer Wiederholung der Geschichte. Hinzu kam pünktlich vor dem entscheidenden Gruppenspiel eine neue Episode im Fussballskandal, bei dem die Ermittlungen nun abgeschlossen sind. Am Montag soll der Prozess gegen die vier im Korruptionsskandal beteiligten Vereine Juventus Turin, AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz beginnen. Alles andere also als gute Voraussetzungen für eine ungestörte Vorbereitung. Doch davon merkte man den Italienern nur wenig an.

Trainer Marcelo Lippi konnte beruhigt feststellen: «Wir haben uns die Qualifikation für das Achtelfinale verdient. Gegen Ghana und auch gegen Tschechien haben wir zwei gute Spiele abgeliefert. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie grossen Teamgeist hat.» So hatten die Tschechen in Person von Pavel Nedved zwar zunächst zwei gute Gelegenheiten mit Fernschüssen, die Gianluigi Buffon im Tor parierte. Dann aber kamen die Italiener besser auf - und mit ihrer zweiten Chance auch zur Führung. Francesco Totti, der diesmal als hängende Spitze neben Alberto Gilardino spielte, schlug eine Ecke, und der baumlange Marco Materazzi nutzte seine Lufthoheit zu einem unhaltbaren Kopfball (26.). Der Defensivspezialist von Inter Mailand war erst zehn Minuten zuvor für den an der linken Leiste verletzten Alessandro Nesta eingewechselt worden. Das Glück des Ersatzmanns beim Tor quittierte Buffon mit einem Spurt über das gesamte Feld, um dem Schützen zu gratulieren.

«Für alles gibt es eine göttliche Bestimmung», sagte Materazzi. «Ich komme für den besten Verteidiger der Welt aufs Feld und erziele das 1:0.» Nun hatte Italien das, was es wollte. Die Führung und Platz zum Kontern. Der wurde noch grösser, weil Tschechiens Jan Polak kurz vor der Pause Totti von hinten umgrätschte und mit Gelb-Rot vom Feld musste.

Allerdings war es eher eine kontrollierte Offensive, die Italien im zweiten Durchgang zeigte. Kapitän Fabio Cannavaro hatte schon vor dem Spiel eine Rückbesinnung auf die eigentliche italienische Stärke gefordert: die Verteidigung. Und so verwaltete seine Mannschaft eher den Vorsprung. Erst der eingewechselte Filippo Inzaghi sorgte nach einem Konter für die Entscheidung, als er Petr Cech im Tor ausspielte und zum 2:0 einschob (87.). Zur Enttäuschung von Karel Brückner, dem Trainer der Tschechen: «Nicht dieses Spiel hat uns das Aus gebracht, sondern die Partie gegen Ghana. Heute waren wir sogar mit zehn Mann ebenbürtig. Italien hat routiniert agiert, keine Fehler gemacht und im Gegensatz zu uns getroffen.»

morgenpost.berlin1.de Jens Bierschwale und Patrick Krull
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