g26.ch
Italien - La bella Italia
Kunst, Kultur, Geschichte, Traditionen

Mode - Mailand kleidet sich und die Welt
Home
Kunst
Kultur
Lifestyle
Kulinarisch
Weinbau
Grappa Glossar

Google
Web g26.ch
Kultur
Abruzzen
Aostatal
Apulien
Basilikata
Emilia Romagna
Friaul
Kalabrien
Kampanien
Latium
Ligurien
Lombardei
Marken
Molise
Piemont
Sardinien
Sizilien
Toskana
Südtirol
Umbrien
Venetien

Kulinarisch
Abruzzen
Aostatal
Apulien
Basilikata
Kalabrien
Kampanien
Emilia Romagna
Friaul
Latium
Ligurien
Lombardei
Marken
Molise
Piemont
Sardinien
Sizilien
Toskana
Trentino
Umbrien
Venetien

Rezepte
Abruzzen
Aostatal
Apulien
Basilikata
Kalabrien
Kampanien
Emilia Romagna
Friaul
Latium
Ligurien
Lombardei
Marken
Molise
Piemont
Sardinien
Sizilien
Toskana
Trentino
Umbrien
Venetien

UNESCO Welterbe
Schweiz

Irak
Italien
Marokko

Kochen in Europa
Länder und Regionen


Haute Couture (französisch, «hohe Schneiderkunst»)
exklusives, schöpferisches Modeschaffen, besonders in Paris, das als richtungsweisend für die allgemeine Mode gilt. Im 19. Jahrhundert durch den Engländer C. F. Worth (1826-1895) in Paris begründet; seit 1868 in der «Chambre Syndicale de la Couture Française» organisiert, seit 1911 in der «Chambre Syndicale de la Parisienne». Ein Fachkomitee entscheidet über die Zugehörigkeit eines Modedesigners oder -salons zur Haute Couture. Nach den Regeln der «Chambre Syndicale» präsentieren deren Mitglieder ihre Kollektionen zweimal jährlich in Modenschauen.

www.wissen.de



  • Mode - Mailand kleidet sich und die Welt
  • Mailand (Wikipedia)
  • Mode (Wikipedia)
  • Abbildungen



    Mode - Mailand kleidet sich und die Welt

    Modeschauen könnten als die langweiligsten Vorstellungen der Welt bezeichnet werden, würden die Leute nicht bis zur Fälschung, zur Hochstapelei, zum Handtaschendiebstahl, zur politischen Empfehlung, zum Bittgesuch beim Vatikan gehen, nur um eine Einladung zu erhalten. Es können bis zu sieben Modeschauen sein, an denen sie teilnehmen, eine nach der anderen, fast alle in der Halle 30 der Mailänder Messe. Leidenschaft und Gedränge, Tränenausbrüche und Ohnmachtsanfälle sind die Preise, die tapfer bezahlt werden. Denn nicht dabeizusein, wäre - ausser für einige Exzentriker - eine wahre Schande.

    Mehr als jedes andere Ereignis ist die Modeschau eine doppelte Vorstellung: die der Kleider, die auf dem Laufsteg imponieren, und die der Selbstdarstellung. Bei den früheren Modeschauen der Alta Moda war die Beziehung zwischen dem, der entwarf und auch häufig zuschnitt und das Kleid nähte, und derjenigen, die das Kleid tragen und zur Schau stellen sollte, intensiv, intim und leidenschaftlich - eben wie eine Liebe. Heute sind die seltenen Modeschauen der Alta Moda geradezu Theaterpremieren oder grosse Opern. Besucher können die Kleider für fünf bis 100 Millionen lire erwerben. Die Eingeladenen von Film und von Bühne, die für den Modeschöpfer Reklame machen, erhalten als Gegenleistung die Modellkleider meistens als Leihgabe, selten als Geschenk.

    Die echten Modeschauen gelten seit Jahren der Prêt-à-porter-Mode und finden zweimal im Jahr, im März und Oktober, statt. An diesen Shows nehmen Boutiquebesitzerinnen, Einkäuferinnen für Kaufhäuser, Journalistinnen, Werbeexperten und Autoren teil, die in Zeitschriften und Büchern eine Mode verherrlichen, die die Damenwelt stets aufs neue verwirrt.

    Dieses Publikum ist beängstigend, strotzend vor Narzissmus und Exhibitionismus. Rang und Macht, Ansehen und Stolz in der Mailänder Modewelt drücken sich aus in japanischen Schärpen, englischen Morgenmänteln, französischen Lumpen, Matrosenmützen und Leopardensöckchen, Reifröcken, Militärstiefeln und Krankenpflegerjacken, schwarzen Lippen, violettgestreiften Wangen oder grüngefärbten krausen Haaren. Um den Kopf gewickelte Handtücher oder Krawatten, über Hosen getragene Unterhosen, Handschuhe ohne Finger, an der Jacke befestigte Plastikfische, mehrere übereinandergetragene Röcke und Mäntel sind als Dekoration gerade gut genug, um die eigene Idee von absoluter Eleganz und Avantgarde sichtbar zu machen. Und die gelungenste Verkleidung ist jene, die gerade auf dem Laufsteg gezeigt wird und die die «normale» Frau erst in einigen Monaten kaufen kann. Die Placierung der Gäste um den Laufsteg ist eine der schwierigsten Aufgaben vor einer Modeschau. Wer sich in der zweiten oder in der siebten Reihe befindet, lässt sich eine Enttäuschung nicht anmerken. Doch wer in der ersten Reihe sitzt, klagt über die Phalanx von Fotografen, die die Sicht versperren.

    Wenige Minuten vor Beginn ist die minutiöse Organisation zum Teufel. Es herrschen Verwirrung und Hysterie, manchmal werden auch Ohrfeigen verteilt. Rund um die Kleider auf der Stange schwirren Ankleidedamen, Friseure, Visagisten, etwa vierzig Mannequins, der Regisseur der Show mit seinen Assistenten, die Public Relations-Experten, der Modeschöpfer und seine Assistenten. Sicher scheint nur eines zu sein: Alles wird in einer grossen Katastrophe enden.

    Doch dann kommt die Musik, die Modelle stürmen auf den Laufsteg, ganz nach dem einstudierten Plan des Regisseurs. Sie laufen, tanzen oder swingen, je nachdem, wie die Kollektion benannt wurde: «Kreuzfahrt auf dem Nil» oder «Für Virginia Woolf» oder «Eine Nacht in der Karibik» oder auch «Zu Ehren der Apokalypse».

    Hinter den Kulissen spitzen der grosse Meister und der Fabrikant seiner Modelle voller Erwartung die Ohren. Jeder spontane Applaus ist für sie ein Moment der Erleichterung, zu lange Stille eine schmerzhafte Wunde. Sechs Monate harter Arbeit verpuffen in zwanzig Modeschau-Minuten. Die Zuschauer kosten ihre Macht in diesen wenigen Augenblicken aus, sie übertreiben mit dem missbilligenden Schweigen ebenso wie mit dem rasenden Applaus.

    Am Ende, wenn alles gut gelaufen ist oder auch nicht, sind alle in den Modeschöpfer verliebt, der dann verschwitzt, verzweifelt und lachend zwischen den schönen Modellen erscheint, die ihn umarmen und küssen. Die sensibelsten Journalistinnen beginnen zu weinen, schmelzen in Bewunderung dahin. Jene, die ihn näher kennen, laufen hinter die Kulissen, um noch einmal ihre Ergriffenheit und ihren Enthusiasmus dem Schöpfer zu zeigen, der in der Zwischenzeit seine gesunde Gesichtsfarbe wiedererlangt hat. Alles in allem hat die Show mehr als hundert Millionen Lire gekostet. Ob es sich auch diesmal gelohnt hat?

    Wie in der Messehalle 30, so ist überall in der Mailänder City die Mode zum grossen Spektakel geworden. Antiquitätenläden, Gemüsegeschäfte, Handwerksbetriebe, Drogerien, alteingesessene und berühmte Geschäfte werden allenthalben von Modeboutiquen verdrängt. Die Menschen vertun das Wochenende, nur um sich einem zwanghaften Schau-Vergnügen hinzugeben, als wären die Strassen Museen: Museen, in denen neue Manien, neue Sehnsüchte, neue Leitbilder ausgestellt werden.

    In einer Gesellschaft wie der italienischen, in der die Reichen und Neureichen zahlreicher werden, während die Masse von einem eher abnehmenden Wohlstand zehren muss, hat die Kleidung, die Mode, eine stark gleichmachende Funktion. So kleiden sich die ersten Damen der Mailänder Gesellschaft, die karrierebewussten berufstätigen Frauen, aber auch (und gerade!) die Verkäuferinnen und die Hausfrauen mit ihren begrenzten Mitteln nach ein und derselben Mode. Mit derselben Besessenheit sind sie auf das Kostspielige, Luxuriöse, das Modell eines namhaften Couturiers erpicht. Wer es sich leisten kann, kauft sieben oder acht Kleider auf einmal, wer nicht, nur eines im Jahr - wobei manche Frau dafür sogar auf nützlichere, wenn nicht gar unentbehrliche Anschaffungen im Haushalt verzichtet. Die Sucht, durch seine äussere Erscheinung aufzufallen, ist so immens, dass eine Sache ausser Zweifel steht: In Mailand sind fast alle Frauen gut gekleidet, ja übertrieben gut gekleidet nach allerneuestem Chic, als hänge ihre Sicherheit, ihr Erfolg, ihre Zukunft davon ab.

    Dieses weitverbreitete leidenschaftliche Interesse am eigenen Aussehen hat aus den Modeschöpfern die Fürsten der heutigen Zeit gemacht. Sie sind die neuen Stars, die Vorreiter der Eleganz, des angenehmen Lebens, der guten Manieren. Die bedeutendsten von ihnen leben in Mailand oder Umgebung (mit Ausnahme von Valentino, Fendi, Biagiotti und Coveri).

    Die neuen Despoten, die bestimmen, was Geschmack ist, wohnen und arbeiten abgeschirmt dort, wo einst grosse namhafte Familien oder auch mächtige Industrielle wohnten: Mariuccia Mandelli hat sich den Palast der Melzi d'Eril aus dem 16. Jahrhundert mit farbigen «Memphis-Möbeln» eingerichtet. Giorgio Armani hat vom Palazzo Riva jedes Flittergold, jede Verzierung und jede Säule entfernt. Gianni Versace hat sein San Sebastiano mit echten Renaissancemöbeln und mit Vorhängen aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet, auf denen eben dieser Palast dargestellt ist, der ursprünglich den Rizzoli gehörte, einer früher bedeutenden VerlegerDynastie.

    Im Unterschied zu den üblichen Neureichen, die für ihre Stillosigkeit, ihre Exzesse, ihre spärliche Kenntnis der sozialen und kulturellen Gepflogenheiten bekannt sind, herrschen diese allerneuesten Milliardäre - ehemalige Kaufhausangestellte, ExSchneider aus der südlichen Provinz, Söhne von Kleinindustriellen aus Como oder Handwerkern aus dem Bergamaskischen - nicht nur mit ihrer Mode über die Stadt. Sie haben sich auch des mondänen Lebens und der kulturellen Riten der Stadt bemächtigt. Die Couturiers geben die prunkvollsten Empfänge und so den eingeladenen Damen die seltene Gelegenheit, ihre kostspieligen Kreationen vorzuführen.

    Jedes ihrer Feste, zu denen auch schon mal der Ministerpräsident erscheint, ist eine vollkommene Inszenierung. Umworben von den politischen Parteien, die sie gerne in ihren eigenen Reihen hätten, von den Intellektuellen, die gerne über sie schrieben, von den Malern, die davon träumen, sie zu porträtieren, von den Architekten, die ihre Häuser einrichten wollen, von den öffentlichen Behörden, die für kulturelle und soziale Aufgaben gern ihre finanzielle Unterstützung hätten, sind die Modemacher immer stärker mit den Ereignissen der Stadt verknüpft. Sie selbst werden zum kulturellen Phänomen - von Soziologen erforscht, von Philosophen befragt und von Psychologen als aktuellster Ausdruck der Sehnsüchte und Geschmäcker des heutigen Menschen gedeutet. Mit ihrem Geld sponsern sie Restaurierungsarbeiten, Konzertveranstaltungen, Theatertourneen ins Ausland, Ausstellungen, karitative Stiftungen.

    Gewiss sind die Missoni, Mariuccia Mandelli, Giorgio Armani, Gianfranco Ferré und Gianno Versace die heute in Mailand gesellschaftlich am meisten gefragten Persönlichkeiten. Doch im allgemeinen führen sie in ihren luxuriösen Palästen, Villen und Büros ein genügsames Leben. Sie essen kaum, um nicht dicker zu werden. Sie rauchen und trinken nicht, um nichts von ihrer Kreativität einzubüssen. Sie gehen nicht aus dem Haus aus Angst vor Entführungen. Sie arbeiten den ganzen Tag und haben selten Zeit für exotische Reisen. Das Fernsehen ist meistens ihre einzige Unterhaltung. Die Missoni sind eine grosse Familie mit einem starken Verbundenheitsgefühl. Mariuccia Mandelli hat einen Ehemann, der sie in ihrer Arbeit unterstützt, Trussardi hat eine Ehefrau, die mit ihm zusammenarbeitet, und vier Söhne. Die anderen sind eingefleischte Junggesellen mit einer starken Bindung an Mütter, Schwestern und Brüder und an einen undurchlässigen Kreis treuer Freunde.

    Mailands Modemacher langweilen sich nie, weil sie immer arbeiten: Sie entwerfen Damen-, Herrenund Kinderkollektionen, auch Militärkleidung oder Uniformen für Polizisten und Hostessen. Sie leihen ihren Namen Kacheln und Brillen, Taschen und Küchen, Modeschmuck und echten Juwelen, Uhren und Toiletten. Sie sind in wenigen Jahren extrem reich geworden. Krizia und Missoni besitzen Fabriken; die anderen haben nur ein kleines Beratungsbüro, in dem Kleider und Accessoires für grosse und mittlere Betriebe kreiert werden, oder kleine Werkstätten, die auf eigenes Risiko arbeiten. Andere Modeschöpfer, selbst von nicht so grossem Ruf, sind an märchenhafte Verträge gebunden: Sie werden für ihre Kollektionen pauschal bezahlt oder bekommen einen festen Prozentsatz für jedes verkaufte Produkt, das ihren Namen trägt. Die Modemacher verdanken ihren Ruhm nicht zuletzt ihrem Verhältnis zur Presse. Um sie ranken sich wöchentlich und monatlich Dutzende von Geschichten. Am Kiosk überwiegen heute nicht mehr die pornographischen Blätter, sondern luxuriöse und reich illustrierte Hochglanz-Modezeitschriften. Es ist beinahe unmöglich, dort einen Artikel zu finden, der diese Leute nicht wie Stars behandelte, der ihre Arbeit nicht überbewertete, der sie nicht umschmeichelte als die bedeutendsten Vertreter einer im Wandel begriffenen Gesellschaft.

    Das Defilee der neuesten Modekreationen im März und Oktober ist die perfekteste Inszenierung der Stadt. Mailand kleidet sich und die Welt, die an die magische Kraft der Mode glaubt, die sich an die Mode klammert, um in vorderster Linie des grandiosen Theaters mitspielen zu können.

    Autorin: Natalia Aspesi
    Die Journalistin Natalia Aspesi arbeitet für die Tageszeitung La Repubblica schreibt über gesellschaftliche Themen, Film über Mode.



    Models
    g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT