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Luigi Ghirri wurde 1943 in Scandiano in der Reggio Emilia geboren und begann 1970 als Autodidakt zu fotografieren. Er lebte bis zu seinem Tod 1992 in Modena. Luigi Ghirrs Fotografien werden seit 1973 ausgestellt. Vom amerikanischen Magazin «Time-Life» wurde 1975 eine Auswahl seiner Arbeiten als Entdeckung des Jahres publiziert. Im selben Jahr war er in Kassel in der internationalen Wander-Ausstellung «Kunst als Photographie - Photographie als Kunst» vertreten. Ein grosser Teil seines Werkes ist in Buchform veröffentlicht, so z.B. die Landschaftsaufnahmen aus der Emilia Romagna (1986), seine Beschäftigung mit der Architektur Aldo Rossis (1992) und seine Bilder vom Atelier des Malers Giorgio Morandi (1992). www.dzbank.de Luigi Ghirri ... von Anfang an habe ich in der Fotografie ein grosses Abenteuer gesehen, des Geistes und des Blicks, ein grosses magisches Spielzeug, das das Grosse und das Kleine, die Illusionen und die Wirklichkeit, die Zeit und den Raum, unser Erwachsenenbewusstsein und die Märchenwelt der Kindheit zusammenbringt. Ich habe, vielleicht ganz naiv, gedacht, dass der Highway 61 von Dylan, über die Kreuzungen von Lee Friedlander hinaus, weitergeht, bis zu den Bars und Bäumen der Via Emilia... (Ghirri) Geboren am 5.1.1943 in Scandiano (Reggio Emilia), Italien; gestorben am 14.2.1992 in Roncocesi (Reggio Emilia). Luigi Ghirri beginnt seit 1970 als Autodidakt zu fotographieren: Er gilt als einer er bedeutendsten italienischen Fotographen der Nachkriegszeit. Trotz seines frühen Todes hinterlässt er ein sehr umfangreiches und vielfältiges künstlerisches Werk. Ab 1973, dem Jahr seiner ersten Ausstellung in Modena, trat er mit zahlreichen Ausstellungen und Publikationen im In- und Ausland hervor. Er organisierte wichtige Ausstellungsprojekte wie Iconicità (1980), Viaggio in Italia (1984), Descrittiva (1984), I giardini d'Europa (1989) oder Paesaggio italiano (1989) und veröffentlichte als Kritiker und Theoretiker zahlreiche Texte zur Fotografie. Ab 1983 beschäftigte er sich vor allem mit der italienischen Architektur und Landschaft, brachte Bände über Capri (1983), die Emilia Romagna (1986), Aldo Rossi (1987), La mostra dei Fenici (1989) heraus, arbeitete u. a. für die Biennale von Venedig und veröffentlichte 1979 (Feltrinelli), 1983 (Fabbri) und 1989 (Paesaggio italiano, Electa u. Il profilo delle nuvole, Feltrinelli) Monographien über seine Arbeit. Bei seinem Tod im Jahr 1992 hinterliess Luigi Ghirri ein Archiv mit 100'000 Bildern. Fotomuseum Winterthur - Luigi Ghirri: Fotografien 1969-1992 Der frühverstorbene Luigi Ghirri (1943-1992) hat die italienische Fotografie wesentlich geprägt und weitergetrieben. Seine Aufnahmen zeigen die italienische Landschaft nicht mehr verklärt, idealisiert, nicht mehr romantisierend, sondern alltäglich, realistisch, veristisch. Sein Werk teilt sich, abgesehen von seinen Auftragsarbeiten, in zwei unterschiedliche Bereiche: Auf der einen Seite wird der Emilianer durch den Kontakt mit der Modeneser Kunstszene zum Konzeptionalisten, der die einfachsten Dinge des Alltags - Garagentore, Schaufenster, Plakatwände, Wartende, Liebende, ein Paar Schuhe, zwei Hüte - im neuen, überraschenden Licht sieht und festhält, der das Wesen des Sehens thematisiert und in vielen Kleinkonstruktionen untersucht; auf der anderen Seite ist er in seinen Interieurs, den Aufnahmen von Gärten, der Verschmelzung von Architektur und Landschaft ein Suchender nach Wesentlichem, nach einer Ontologie der Landschaft. Er denkt über die Bedeutung der Sinnveränderung nach, «wenn die Welt der Zeichen sich in die physische Welt einfügt, und zugleich darüber hinaus auf eine dritte Vision (verweist)». Die Fotografie ist für ihn nicht ein reiner «Chronometer des Auges», sondern ein Ausdrucksmittel, das einer «unendlichen Vielzahl imaginärer Welten Raum gibt.» Der Denker-Fotograf Luigi Ghirri hat ein reiches visuelles Erbe hinterlassen, das in dieser Ausstellung, die vom Palazzo Magnani und der Bibliothek Panizzi in Reggio Emilia vorbereitet und zusammen mit dem Fotomuseum Winterthur, der Patrimoine photographique, Paris, und dem Museu nacional d’Art de Catalunya, Barcelona, organisiert wird, erstmals so umfassend gewürdigt wird. Fotomuseum Winterthur 01.09.01 bis 31.10.01 Eigenwilliges Italienbild FOTOGRAFIE / Das Fotomuseum Winterthur stellt in einer umfassenden Ausstellung den wichtigen italienischen Fotografen Luigi Ghirri vor, der ausserhalb seines Landes noch nicht die verdiente Beachtung gefunden hat. In Luigi Ghirris Aufnahmen von italienischen Stränden fehlt das abgedroschene Motiv von aufgereihten Liegestühlen, Sonnenschirmen und Badenden. Bloss einzelne Gegenstände werden neben Sand und Meer sichtbar, ein Turngerät zum Beispiel, in nüchtern-sachlicher Darstellung, und damit weichen die Bilder auch den Klischees in der Art von «Verlassener Strand im November» aus. Entsprechendes gilt von den anderen Fotoserien aus den Siebzigerjahren, die Ghirri als eigentliche visuelle Recherchen verstanden hat. In der Reihe mit dem ironischen Titel «Colazione sull' erba» zum Beispiel ging er - inhaltlich ebenso ironisch - dem pflanzlichen Grün in italienischen Städten nach. Was er fand, oder zeigt, sind schüttere Ranken auf rauen Mauern und streng geschnittene Zwergbäume vor Hauseingängen. Andere Themen sind Wolkenbildungen, mit metallenen Rollladen, verschlossene Eingänge, die er formal fast bis zur Ungegenständlichkeit auf ihre Struktur reduziert, oder Bilder von Bildern, meistens Aufnahmen von Werbung in Schaufenstern, auf Plakaten und in Zeitungen. Menschen kommen bei ihm nur selten vor. Bewusster Gegensatz Der distanzierte Blick Ghirris, der sich bewusst in Gegensatz zum verbreiteten sentimentalen Italienbild stellte, mag mit seiner Ausbildung zum Ingenieur zu tun haben. Geboren wurde er 1943 in der Nähe von Reggio Emilia; dort ist er 1992 auch gestorben. Er begann als Amateurfotograf, doch bald wurde man auf seine bei aller Einfachheit, ja scheinbaren Banalität eigenwilligen und treffenden Farbfotografien aufmerksam. Er selber bildete sich im Austausch mit Künstlern in Modena, durch die Beschäftigung mit wichtigen Fotografen wie Robert Frank und Paul Strand und durch die Auseinandersetzung mit theoretischen Schriften von Roland Barthes, Umberto Eco und anderen weiter. Dieser weite theoretische Hintergrund erklärt zu einem guten Teil die nachhaltige, irritierende Wirkung seiner kargen, oft spröden Bilder. Radikale Veränderung In den Achtzigerjahren verändert sich Luigi Ghirris Fotografie radikal. Sie öffnet sich neuen Motiven, einer vielschichtigen Komposition mit deutlichen ästhetischen Ansprüchen und emotionalen Gehalten und Zwischentönen. Die Poebene erscheint verschwommen im Schnee oder im herbstlichen Nebel, unter einem dramatischen sommerlichen Wolkenhimmel oder im blassen Herbstlicht. Ghirri ist nun offensichtlich mehr unterwegs, Bilder aus dem südlichen Italien, aus Frankreich und von New York erweitern den Themenkreis. Aber Neues aus der vertrauten Welt kommt ebenfalls dazu, nämlich Aufnahmen von Interieurs. Ausschnitte aus einem Coiffeursalon oder aus der Werkstatt eines Fahrradmechanikers werden mit einer Fülle von Details und in höchst kunstvoller Komposition dargestellt. Höhepunkte bilden die Sequenzen aus den Ateliers des Malers Giorgio Morandi in Bologna und demjenigen des Architekten Aldo Rossi in Mailand, die einander gegenübergestellt werden. Allein durch die Gegenstände und die Atmosphäre, die ihnen verliehen wird, bis hin zur besonderen Farbigkeit, entstehen Porträts der Menschen, die dort tätig waren oder sind, auch wenn sie selbst nicht sichtbar werden. Quelle: Der Bund 04.09.01 hbn Fotografie Es war ein weiter Weg von der Camera obscura des Altertums über Leonardo da Vincis Linse mit Lichtblende und die Entdeckung, dass Lichtenergie auf Chlorsilber Schattenumrisse hinterlässt (1727) bis zum ersten Lichtbild überhaupt, das 1822 der französische Gutsbesitzer Joseph Nicéphore Niepce knipste. Von da an musste die Lichtmalerei, die seit 1839 in der englischen, seit 1844 in der deutschen Sprache nachweisbare Photographie (von griech. phos 'Licht' + graphein 'schreiben'), noch etliche Entwicklungsstadien - Heliografie, Daguerreotypie, Kalotypie, Talbotypie - durchlaufen sowie durch Trockenplatte (1853) und Bromsilber (1874) verbessert werden, ehe sie sich als eines der Massenmedien des 20. Jahrhunderts durchsetzte (und dann seit etwa 1985 Fotografie geschrieben wurde). Die revolutionärsten Beiträge zu diesem Erfolg lieferten der Amerikaner George Eastman, der 1888 für die Kodakkamera den ersten Rollfilm erfand, und der Deutsche Oskar Barnack, der 1925 mit der Leica die erste Kleinbildkamera baute - bis heute der am meisten benutzte Kameratyp. Von nun an schoss alle Welt Fotos fürs Familienalbum: Diese Kurzform als Bezeichnung für das Endprodukt hat schon (das Photo für die Grossmutter) der spätere preussische Ministerpräsident und Reichskanzler Otto von Bismarck 1859 in einem Brief verwendet. Von den Schnappschüssen der Hobbyfotografen (Hobby) abgesehen, hatte die Möglichkeit der getreuen Ablichtung und Reproduktion auf Fotopapier enorme Auswirkungen auf Technik und Wissenschaft, was sich schon an Entwicklungen wie Sofortbild-, Mikro- und Digitalfotografie, der laufenden Bilder in Film und Video, der Fotolithografie oder des Fotokopierers ablesen lässt. Im künstlerischen Bereich eröffnete sie eine Fülle neuer Möglichkeiten. Sie eroberte klassische Bereiche, die bisher die Malerei abgedeckt hatte (Landschafts-, Porträt-, Akt-, Genre-, Architekturfotografie), fand aber ebenso reiche Betätigungsfelder in den Darstellungsformen des Industriezeitalters (Industrie-, Werbe-, Modefotografie), was sich auch in eigenen Berufszweigen wie Fotodesigner, Fotoingenieur oder Layouter widerspiegelt, und kreierte neue Ausdrucksformen (Fotogramm, Fotomontage, inszenierte Fotografie, Holografie). Vor allem die Printmedien, deren Bildreporter durch Dokumentar-, Reportage- und Livefotografie sowie die 1920 bis 1960 ausserordentlich gefragten Fotoreportagen dem Foto zu hohem Eigenwert neben dem bis dahin dominanten Text verhalfen, sorgten für eine völlig neue öffentliche Wahrnehmung von Wirklichkeit, für eine Tendenz zur vorrangig visuellen Information, den Kino und Fernsehen noch verstärken sollten. Dieser Trend ist nicht unumstritten, zumal die Computertechnik raffinierteste Möglichkeiten der Nachbearbeitung ermöglicht. Allerdings: Gestellte und manipulierte Bilder gab es auch schon in der realistischen Malerei zuhauf. www.wissen.de ![]() |
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