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kochen Feste und Bräuche: Von «Achetringele» bis «Zibelemärit» Die Palette alten Brauchtums und traditioneller Volksfeste im Schweizer Mittelland ist reich und bunt. Die Wurzeln derartiger Bräuche sind unterschiedlich tief und verschiedener Art: viele lassen sich jahrhundertelang zurückverfolgen. Viele Bräuche und Feste haben ihren Ursprung in der Mythologie oder in frühchristlicher Zeit. Lange bevor moderne Medien Informationen und Unterhaltung in die abgelegenen Stuben gebracht haben, erfüllten regelmässig stattfindende Feste auch einen wichtigen gesellschaftlichen Zweck. So verschieden die einzelnen Regionen des Schweizer Mittellandes sind, so verschieden sind auch ihre Bräuche. Im Emmental etwa waren und sind Bauernfeste von grosser Bedeutung. Zur «Sichlete» lud der wohlhabende Bauer nach der Heu- und Getreideernte jeweils Mägde, Knechte und Tagelöhner ein. «Brächete» wurde nach der Flachsernte gefeiert. Zum «Spinnet» trafen sich junge Leute an langen Winterabenden in der Spinnstube zu Gesang und Tanz. Noch heute leben diese Bräuche fort, teils in bescheidenerem Rahmen, teils von Gaststätten organisiert – aber noch immer getragen von der Bevölkerung. Wie die Löcher im Käse gehören auch die «Chilbi» genannten Alpfeste zum Emmental. Trachtengruppen, Jodlerchörli, Fahnenschwinger, Alphornbläser und urchige Ländlerkapellen geben diesen Sommeranlässen ihre besondere Note. Weit herum bekannt ist die «Lüderenchilbi» - sie findet immer jeden zweiten Sonntag im August auf der Lüderenalp statt. Wackere Bauernburschen stellen dort jeweils ihre Schwingkünste unter Beweis. Schwingen ist ein dem sportlichen Ringen verwandter Zweikampf, der in einem Sägemehlring ausgetragen wird. Dem Sieger eines Schwingfestes winkt in der Regel ein mit Blumen geschmücktes Rind. Genau wie bei der Alpchilbi oder etwa dem «Chästeilet» in Eriz finden sich zur «Schafscheid» in Riffenmatt am ersten Donnerstag im September nicht nur Einheimische ein. Es ist ein imposantes Schauspiel, wie die auf den umliegenden Höhen gesömmerten Schafe geschieden, d.h. auf ihre Eigentümer aufgeteilt werden; zur Schafscheid gehören aber ebenso Marktfahrer und Händler. Viele Besucher ziehen auch die weit verbreiteten Jahrmärkte an. Vom Hosenknopf bis zum Sonntagshut und vom Hühnerei bis zum Festtagsgeschirr ist hier alles zu haben. Grosser Beliebtheit erfreuen sich auch die kunterbunt-verspielten Trödelmärkte. Erwähnt seien hier die Berner Brocante oder die Aarberger Puce. Händler aus der ganzen Schweiz bieten Kuriositäten und Antiquitäten aus vergangener Zeit an. Berühmtester und grösster Markt ist der Berner «Zibelemärit», dessen Ursprung auf die Martinimesse zurückgehen soll. Am Zibelemärit (= Zwiebelmarkt), der jeweils am vierten Montag im November stattfindet, ist die ganze Innenstadt ein einziger grosser Markt- und Rummelplatz. Zwiebel, zu Zöpfen, Kränzen und andern kleinen Kunstwerken verarbeitet, prägen das Bild. Zwiebeldüfte liegen in der Luft. In den Gassen toben Konfettischlachten. Konfetti sind nicht nur für den Zibelemärit wichtig, sondern insbesondere auch für die Fasnachtszeit im Februar/März. Die Narren treiben ihre Spässe nicht nur in Bern, Biel, Olten, Solothurn, und im Oberaargau; auch kleinere Ortschaften organisieren ihre (Kinder-) Fasnachtsumzüge. Ähnlich wie das fasnächtliche Maskentreiben einst die Wintergeister vertreiben sollte, geht es an Silvester in Laupen beim «Achetringele» (»hinunterschellen») um die Verscheuchung von Geistern und Dämonen. Der Brauch soll auf die germanische Wintersonnwende zurückgehen. Seit Jahrhunderten ist es für jeden Laupener Knaben Ehrensache, entweder als maskierter Besenmann oder als lautstark mit Kuhglocken schellender Tringeler das alte Jahr zu vertreiben und Neujahrswünsche zu verkünden. Gleiche Motive liegen dem Schwarzenburger Altjahrsesel zugrunde. Bei diesem Silvesterbrauch verkörpert der Esel (ein verkleideter Mensch), der jämmerlich verprügelt wird, das alte Jahr. Er wird von einem den Tod darstellenden Eselstreiber abgeführt. Zur Austreibergruppe gehören verschiedene Figuren, wie ein das neue Jahr versinnbildlichendes Brautpaar, der Teufel, ein Pfarrer und ein zweigesichtiges Weib. Das vorne hübsch aussehende «Hinnerefürfraueli» schaut freundlich vorwärts ins kommende Jahr, sein hinteres Gesicht hingegen, das ins alte Jahr zurückblickt, ist äusserst hässlich. Ein jedes Jahr bedeutender Festanlass ist für die Burgdorfer die «Solennität», ein Fest, das seit über 250 Jahren begangen wird (jeweils am letzten Montag im Juni). Die Solennität ist ein ewig junges Fest, gehört es doch in erster Linie den Kindern. Höhepunkte sind Wettkämpfe, Spiele und hübsche Reigen sowie der von Wilhelm Tell und seinen Getreuen angeführte Umzug; eine besondere Augenweide bilden die weiss gekleideten Mädchen mit ihren grossen Blumenkränzen. In den Städtchen und Dörfern am nördlichen Bielerseeufer werden zur Zeit der Traubenernte Winzerfeste und Lesesonntage gefeiert. Die Stadt Biel selbst wartet jeden Sommer mit der Braderie auf. Das vor 50 Jahren erstmals als Kopie eines mittelalterlichen Brauchs zur Belebung der Wirtschaft organisierte Sommerfest beschert den Leuten zwei Tage (und vor allem zwei Nächte!) Fröhlichkeit, Unterhaltung, Markttreiben, Konzerte und Tanz auf Gassen und Plätzen. Ein farbenfrohes Blumencorso bildet den Abschluss der Bieler Braderie. Ähnliches bietet das alljährlich im Juni stattfindende Märetfescht in Solothurn. Feste und Bräuche werden heute mehr und mehr wieder ganz bewusst gepflegt. Oft sind es Vereine und spezielle Festkomitees, welche die von den Generationen überlieferten Bräuche bewahren und erhalten. Selbst wenn sich im Laufe der Zeit verschiedene Bräuche gewandelt haben, Ausdruck lebendiger kultureller Eigenart sind sie noch immer! www.smit.ch
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