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Kunst - Kunstrichtungen - Epochen ab 1850     → Künstlerlexikon

Die Brücke

1905 in Dresden von K. Schmidt-Rottluff, E. L. Kirchner und E. Heckel gegründete Vereinigung expressionistischer Künstler, der sich später C. Amiet, A. Gallen-Kallela, E. Nolde, M. Pechstein, O. Mueller u. a. anschlossen. Die Gruppe hatte kein fest umrissenes künstlerisches Programm und löste sich 1913 nach Meinungsverschiedenheiten über eine von Kirchner verfasste «Chronik» auf. Die Brücke-Künstler holten sich Anregungen bei der Schnitzkunst traditioneller Völker sowie bei P. Gauguin, V. van Gogh und E. Munch und erstrebten eine archaisierende Formgebung durch Flächenhaftigkeit und hektische Farbgebung. Sie bemühten sich besonders um die Grafik als eigenständiges künstlerisches Aussagemittel und führten eine neue Blüte des Holzschnitts herbei.

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  • Cuno Amiet
  • Fritz Bleyl
  • Kees van Dongen
  • Erich Heckel
  • Ernst Ludwig Kirchner
  • Bohumil Kubista
  • Otto Mueller
  • Emil Nolde
  • Max Pechstein
  • Karl Schmidt-Rottluff

  • Die Brücke
  • Die Brücke - Lexikon des Expressionismus
  • Das Brücke-Museum Berlin



    Die Brücke

    Die am 7. Juni 1905 von den vier Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl (1880-1966) in Dresden gegründete Künstlervereinigung Brücke gehört zu den wichtigsten Repräsentanten des deutschen Expressionismus. Nach Aussagen von Heckel geht die Namensgebung auf Schmidt-Rottluff zurück, der hinter dem Begriff kein Programm, sondern eine Verbindung zwischen den verschiedenen Stilen in der bildenden Kunst, eine Brücke von einem Ufer zum anderen, sehen wollte.

    Nachdem 1906 Emil Nolde, Max Pechstein, der Schweizer Maler Cuno Amiet (1868-1961) und der Holländer Lambertus Zijl zur Gruppe gestossen waren und die erste von sieben Jahresmappen mit Holzschnitten von Bleyl, Heckel und Kirchner veröffentlicht wurde, folgte in den kommenden Jahren eine grosse Anzahl von Wanderausstellungen. Trotz mehrmaliger Aufforderung lehnten Künstler wie Henri Matisse (1869-1954) und Edvard Munch eine Mitgliedschaft in der Vereinigung ab; Otto Mueller trat ihr 1910 bei.

    Im selben Jahr beteiligte sich die Brücke geschlossen an der von Pechstein in Berlin gegründeten Neuen Secession und einigen ihrer Ausstellungen. Schon ein Jahr später verzichtete die Gruppe jedoch wieder auf die Beteiligung, um, wie Heckel sagt, die Ziele und Bestrebungen der Brücke rein zu erhalten. Im Gegensatz zu den Malern des Blauen Reiter dominierte bei ihnen die Vorliebe für Dämonisches und elementare Sinnlichkeit.

    Am 27. Mai 1913 löste sich die Brücke offiziell auf. 1933 wurden alle ihre Mitglieder als entartet diffamiert.



    Die Brücke

    Sie entsprachen genau der Intention, die 1906 im Manifest der Künstlergruppe Brücke formuliert worden war: Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt. So wurde Nolde 1906 für knapp zwei Jahre Mitglied der Künstlergruppe Brücke. Im Jahr zuvor hatten sich in Dresden vier Architekturstudenten: Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl zu einer Künstlergemeinschaft zusammengeschlossen, die - und das bedeutet der Name Brücke - alle revolutionären und gärenden Elemente an sich ziehen wollte, um der jungen Generation Schaffensfreiheit zu erkämpfen.

    1906 traten der Schweizer Cuno Amiet und der Finne Axel Gallén-Kallela der Gruppe bei, beschränkten sich jedoch auf gelegentliche Beteiligung an ihren Ausstellungen. 1906 war auch Max Pechstein dazugestossen, der eine Ausbildung an der Dresdner Akademie hinter sich gebracht und bereits den Rompreis gewonnen hatte. 1910 wurde der in Berlin lebende Otto Mueller in den Kreis aufgenommen. Otto Mueller, der an den Akademien in Dresden und München studiert hatte und gelernter Lithograph war, hatte seinen persönlichen Stil bereits nahezu vollständig ausgeprägt, der mit dem starkfarbigen Flächenstil der Brücke wenig gemein hatte. Doch die von ihm erreichte sinnliche Harmonie aus Leben und Kunst entsprach dem Wollen der Freunde so sehr, dass sich eine selbstverständliche Gemeinschaft ergab. Schliesslich trat 1911 noch der Prager Bohumil Kubista der Gruppe bei, ohne dass es jedoch zu intensiven Kontakten gekommen wäre.

    In einem Metzgerladen in einem Dresdner Arbeiterviertel wurde gemeinsam mit besessenem Fleiss gearbeitet. Die Motive der Bilder wurden aus der alltäglichen Umgebung genommen: Landschaften, Strassenszenen, Porträts, Atelierszenen und Akte. Denn die Bilder sollten sich unmittelbar mit Leben, mit Erlebnis füllen können. Sie entstanden aus dem ganz naiven reinen Müssen, Kunst und Leben in Harmonie zu bringen (Kirchner). Die künstlerischen Anregungen und Vorbilder wurden den jungen Malern durch Ausstellungen in Dresden vermittelt: 1905 van Gogh, 1906 Munch, Nolde, Seurat, Gauguin und van Gogh, 1908 wieder van Gogh mit 100 Bildern und dazu 60 Bilder der Fauves, darunter van Dongen, der daraufhin zur Beteiligung an den Brücke-Ausstellungen aufgefordert wurde.

    Was zunächst intuitiv als ein Akt physischer Kraft und revolutionärer Aktion in Malerei umgesetzt wurde, wobei die spirituelle Kraft der Farbe durch ihre Materialität noch verdeckt war, wurde zu einer ausdrucksstarken Kunst aus vereinfachtem Linienwerk, grossflächiger Komposition und reiner Farbe geläutert. Dabei hatte der Holzschnitt von Anfang an als Mittel der Formklärung grosse Bedeutung.

    Eine andere Inspirationsquelle für das expressive Umsetzen des Erlebnisses bildeten Holzfiguren aus der Südsee, geschnitzte Balken von den Palau-Inseln und Masken vom Bismarck-Archipel, die Kirchner im Völkerkunde-Museum in Dresden entdeckt hatte, und die später Nolde und Pechstein veranlassten, in die Südsee zu reisen.

    Die gemeinsame Arbeit wurde dadurch gefördert, dass die Freunde sich in der Regel in den Sommermonaten trennten, um anschliessend die einzeln gewonnenen Erfahrungen unter gegenseitiger Kontrolle zu verarbeiten. Entweder wurde in der Umgebung Dresdens, in Goppeln oder an den Moritzburger Seen, gearbeitet, in Dangast an der Nordsee, auf der Ostseeinsel Fehmarn, in Nidden an der Ostsee und so fort. Die Landschaft, der Akt und der Akt in der Landschaft als Form des Natürlichen waren für die Künstlergruppe Brücke wichtige Themen. Daneben trat das Erlebnis von Zirkus und Varieté als Ausdruck des gesteigerten Lebens.

    Natürlichkeit und Übersteigerung aber waren Möglichkeiten zur tYberwindung überkommener bürgerlicher Verhaltensweisen, waren Wege zum Neuen Menschen, den der Expressionismus mit optimistischem Pathos beschwor. Um das gemeinte Allgemeine und Zuständliche bezeichnen zu können, wurde die Farbe verselbständigt, von der Gegenstandsbeschreibung befreit und als reiner Ausdrucksträger benutzt, dessen Wirkung durch die abgekürzte Gegenstandschiffre der Zeichnung verstärkt wurde.

    1911 waren die Brücke-Künstler nach Berlin übergesiedelt, wo sich in den letzten Jahren vor dem 1. Weltkrieg die Bestrebungen der neuen Kunst konzentrierten. Kirchner reagierte am stärksten auf die veränderte Umgebung und fasste das Hektische, Böse und Künstliche der modernen Grossstadt in nervös-grossartigen Bildern zusammen.

    In der sechsjährigen gemeinsamen Arbeit hatten sich die einzelnen Persönlichkeiten künstlerisch so stark ausgeprägt, dass der Zusammenhalt keine innere Notwendigkeit mehr bedeutete. Als erster trat Pechstein aus, und 1913 löste sich die Künstlergruppe Brücke auf. Auf sich gestellt arbeitete jeder weiter. Doch blieb für jeden das gemeinsam gelebte Ideal unbedingter Ehrlichkeit, Konsequenz und Verantwortlichkeit im Künstlerischen wie im Menschlichen verbindlich.

    Lionel Richard
    Lexikon des Expressionismus
    Somogy Paris




    Das Brücke-Museum Berlin

    Das Brücke-Museum besitzt ausschliesslich Werke der Künstlergruppe «Brücke». Die weltweit umfangreichste Sammlung dieser expressionistischen Vereinigung umfasst rund 400 Gemälde sowie Tausende von Handzeichnungen, Aquarellen und Originalgraphiken, hierunter Meisterwerke des Holzschnitts. Ergänzt wird die Sammlung durch Skulpturen aus Holz, zahlreiche Dokumente und kunsthandwerkliche Arbeiten der Künstler.

    Anliegen des Museums ist die Erforschung und die Präsentation der Kunst der «Brücke» und ihrer Zeit. In zahlreichen Sonderausstellungen wird Leben und Werk der einzelnen Gruppenmitglieder aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt. Ebenso beleuchten Ausstellungen über andere expressionistische und avantgardistische Künstler des frühen 20. Jahrhundert das zeithistorische und künstlerische Umfeld der «Brücke»-Künstler. Ausstellungskataloge mit vollständiger Abbildung der gezeigten Werke und wissenschaftlichen Aufsätzen vertiefen die verschiedenen Blickpunkte. Das in unregelmässiger Folge erscheinende «Brücke-Archiv» widmet sich wissenschaftlichen Fragestellungen und bislang unpublizierten Werken und Dokumenten.

    Die Idee zur Gründung des Brücke-Museums geht auf Karl Schmidt-Rottluff zurück, der sich bereit erklärte, dem Land Berlin eine Schenkung von 74 Bildern zu überlassen. Darüber hinaus stellte er seinen gesamten künstlerischen Nachlass in Aussicht. Die Planung des Museums wurde auf die gesamte Künstlergruppe «Brücke» ausgedehnt, um erstmals eine einzelne Künstlergruppe museal zu präsentieren. Auch Erich Heckel konnte schnell gewonnen werden, diesen Plan zu unterstützen. Durch seine umfangreichen Schenkungen, in denen sich auch Werke seiner «Brücke»-Kollegen befanden, konnte ein solider Grundstock für die Sammlung des Museums gelegt werden.

    Die Lage des Museums am Rande des Grunewalds in unmittelbarer Nähe zur Natur spiegelt in kongenialer Weise einen der «Brücke»-Grundsätze, nämlich die Verbundenheit zur natürlichen Umgebung, wider. Das Thema der Badenden, also des ungezwungenen Menschen in Einheit mit der Natur, ist eines der Hauptmotive der Kunst der «Brücke».

    Architekt des Museums war Werner Düttmann, der eine an Bauhaus-Grundsätze angelehnte Architektur schuf. Am 15. September 1967 wurde der Museumsbau der Öffentlichkeit übergeben.

    In den folgenden Jahren wurde durch gezielte Ankäufe der Überblick über das Schaffen aller zur «Brücke» gehörenden Künstler vervollständigt. So besitzt das Museum nun Hauptwerke aus den wichtigen Schaffensperioden von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Mueller.

    Ausser den Künstlern der «Brücke», von denen noch das Gründungsmitglied Fritz Bleyl, der Hamburger Franz Nölken, der Niederländer Kees Van Dongen und der Schweizer Cuno Amiet zu erwähnen sind, werden auf einhelligen Wunsch Schmidt-Rottluffs und Heckels noch fünf weitere Künstler im Brücke-Museum gesammelt, die mit den «Brücke»-Malern in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ausgestellt haben und ihnen persönlich eng verbunden waren: Walter Gramattée, Otto Herbig, Max Kaus, Anton Kerschbaumer und die Bildhauerin Emy Roeder.

  • Erich Heckel
  • Ernst Ludwig Kirchner
  • Otto Mueller
  • Emil Nolde
  • Max Pechstein
  • Karl Schmidt-Rottluff

  • Brücke Museum
    Bussardsteig 9
    14195 Berlin-Dahlem
    www.bruecke-museum.de



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