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Kunst - Kunstrichtungen - Epochen ab 1850 → Künstlerlexikon Pop Art Eine dem Dadaismus verwandte Kunstrichtung der späten 1950er und der 1960er Jahre, die, in Reaktion auf die abstrakte Kunst, den Gegenstand wieder zur Geltung brachte, und zwar in der Dingwirklichkeit der zivilisatorischen Alltagswelt (Comicstrips, Schaufensterpuppen, Reklamebilder und -texte). Kennzeichnend für das Verfahren der Pop-Art sind vielfältige Mischformen zwischen unverändert übernommener Gegenständlichkeit (Ready-mades) und Abbildhaftigkeit. Man schreibt die Entstehung des Namens dem Kritiker L. Alloway zu; später verstand man das Wort auch als Abkürzung von popular [volkstümlich]. Die Pop-Art entstand in England, erlebte aber mit R. Rauschenberg als Wegbereiter ihren Höhepunkt in Amerika, besonders mit R. Indiana, R. Lichtenstein, C. Oldenburg, A. Warhol und T. Wesselmann. www.wissen.de «Alles ist Pop» und «Pop ist alles» PopArt ist eine konzeptionelle Kunst. Bilder werden zu Sachen, und Sachen werden zu Bildern. Der Amerikaner Billy Klüver, der in direktem Kontakt zu den Künstlern der Pop Art stand, hat diese in der Publikation «America Discovered», in Mailand bei Arturo Schwarz erschienen, als «Factualists» bezeichnet. Er charakterisiert die sechziger Jahre insgesamt als eine faktengläubige Epoche, die dahin tendiere, Gegenstände, Tatsachen, Zustände, Gefühle («Happyness is a fact») als «Facts» zu begreifen. Im allgemeinen Sprachgebrauch der Amerikaner bürgerte sich eine prägnante Formulierung für jede denkbare Situation und Verlegenheit ein: «That's a fact» - was soviel besagt wie: «So ist das». Tom Wesselmann antwortete in einem Interwiev Gene Swenson 1964: «Alle Malerei is fact», was schon Andy Warhol demselben Interwiever 1963 gesagt hatte. Auch Jasper Johns spricht von einigen seiner Bilder als «facts» (Swenson Interwiev 1964). Claes Oldenburg hat in einem Gespräch das von Klüver benannte Charakteristikum als das schlüssigste und treffendste für die Künstler der PopArt bezeichnet. Der Begriff «Factualists» könnte den Begriff «Pop Art» kunsthistorisch ablösen. Kaum einer der Künstler kann sich mit «Pop Art» als übergreifendem Stilbegriff identifizieren. «Pop» bliebe das Charakteristikum einer kulturellen, generationsbedingten Bewegung, in der Kunst mit Populärkultur und dem sozialen Umfeld sehr unterschiedlich zu tun hat. weiter... Pop Art - eine Bewegung der sechziger Jahre Pop - ein Wortspiel, Lebensstil, ein Generationsbegriff, neuer Kunstbegriff? Pop Art - der In-Begriff für eine weitreichende kulturelle Bewegung der sechziger Jahre? Pop Art ist kein Stilbegriff, sondern ein Sammelbegriff für künstlerische Phänomene, die sehr konkret mit dem Lebensgefühl einer Epoche zu tun haben. Als charakterisierendes Beiwort zu Kunst stellt Pop Assoziationen zu verschiedenen Oberflächlichkeiten einer Gesellschaft her. Pop Art balanciert zwischen den euphorischen, fortschrittsorientierten sowie den katastrophisch-pessimistischen Perspektiven der Epoche. Wertbegriffe - «schön, gut, wahr» - werden angesichts zunehmender Kommerzialisierung innerhalb der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu austauschbaren, inflationären Worthülsen. Die Spielregeln der Zivilisation prägen Bilder von Menschen und Dingen, von Natur und Technik. Pop ist ein lustvolles, ironisches, kritisches Schlagwort, schlagfertig gegenüber den Slogans der Massenmedien, deren Geschichten Geschichte machen, deren Ästhetik die Bilder und das Image der Zeit prägen, deren «vorbildliche» Klischees die Menschen beeinflussen. weiter... Pop Art Pop Art ist eine visuelle Kunstbewegung in den 50ziger und 60ziger Jahren, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten und Grossbritannien. Die Bilder der Pop Art, kurz Name für popular art (populäre Kunst) wurden von Massenkulturen genommen. Einige Künstler vervielfältigten Bierflaschen, Suppendosen, Comicstreifen, Strassenzeichen und ähnliche Gegenstände in Gemälden, Collagen und Skulpturen. Andere integrierten die Gegenstände selbst in ihre Gemälde oder Skulpturen, manchmal in erschreckender modifizierter Form. Materialien von modernen Technologien, wie Plastik, Schaum und Acrylfarbe wurden oft auffällig bemalt. Eine der wichtigsten künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, Pop Art beeinflusste nicht nur die Arbeiten nachfolgender Künstler, sondern hatte auch eine weitreichende Wirkung auf Werbespots, Graphik und Modedesign. Die historischen Vorfahren der Pop Art schliessen die Arbeiten der Dadaisten ein (sehen Sie dazu Dadaismus), wie von dem französischen Künstler Marcel Duchamp, sowie eine Tradition, in der U.S. Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, von trompe-l'oeil Bildern und anderen Darstellungen vertrauter Gegenstände. Zudem hatten einen Vielzahl von Pop Art Künstler bei Zeiten ihr Lebensunterhalt von der Arbeit als kommerzieller Künstler verdient. Die Pop Art Bewegung selbst, fing aber erst als eine Reaktion gegen den abstrakten Expressionistischen Stil von 1940 und 1950 an, welchen die Pop Art Künstler als übermässig intellektuell, subjektiv und sich von der Wirklichkeit abwendend, betrachteten. Das Adoptieren des Zieles des amerikanischen Komponisten John Cage, die Lücke zwischen Leben und Kunst zu schliessen, brachte die Pop Art Künstler dazu, die Umgebung des alltäglichen Lebens mit einzubeziehen. In benutzten Bildern, die den Materialismus und die Vulgarität von modernen Massenkulturen widerspiegelten, versuchten sie eine Vorstellung von der Wirklichkeit, die noch unmittelbarer als die, die durch die realistische Malerei der Vergangenheit angeboten wurde, bereitzustellen. Sie arbeiteten auch um unpersönlicher zu sein, dass heisst, dem Zuschauer zu erlauben, dem Gegenstand direkt zu antworten, besser als die Geschicklichkeit und die Persönlichkeit des Künstlers. Gelegentlich, wie auch immer, kann ein Element aus Satire oder der Gesellschaftskritik erkannt werden. In den Vereinigten Staaten stellten Robert Rauschenberg und Jasper John den anfänglichen Antrieb bereit, Rauschenberg mit seinen Collagen, die aus Haushaltsgegenständen wie Steppdecken und Kissen konstruiert wurden und John mit seiner Serie von Gemälden, die die amerikanische Fahne und bull's-eye targets schildern. Die erste ausgewachsene Pop Art Arbeit war Just What Is It That Makes Today's Home So Different, So Appealing? (1956, private Sammlung) von dem britischen Künstler Richard Hamilton. In dieser satirischen Collage aus zwei lächerlichen Figuren in einem Wohnzimmer wurde das Pop Art Kennzeichen der Ausgelassenheit, Unstimmigkeit, Grobheit und guten Humors betont. Pop Art entwickelte sich schnell während der 60ziger Jahre. Im Jahre 1960 produzierte der britische Künstler David Hockney Typhoo Tee (London, Kasmin Gallery), eines der frühesten Gemälde, das eine Marke kommerziellen Produktes darstellt. Im gleichen Jahr beendete John seine gemalte Bronze Besetzung von Ballantinen Bierbüchsen. Im Jahre 1961 konstruierte der Amerikaner Claes Oldenburg die erste von seinen grellen, humorvollen plastischen Skulpturen aus Hamburgern und anderen Fast-Food Stücken. Gleichzeitig erweiterte Roy Lichtenstein, ein anderer Amerikaner, das Sortiment von Pop Art mit seinen Ölgemälden, die aufblasenden Rahmen aus Comicstreifen nachahmen. Mehrere Pop Art Künstler produzierten Ereignisse, oder führten theatralische Veranstaltungen wie Kunstgegenstände auf. Zusätzlich zur Aneignung der Themen der Massenkulturen, eignete sich Pop Art die Techniken der Massenproduktion an. Rauschenberg und John hatten schon verlassene einzelne, betitelte Gemälde für grosse Serie der Arbeit, alle schildern die gleichen Gegenstände. In den frühen Jahren um 1960 trug der Amerikaner Andy Warhol die Idee ein Schritt weiter, durch das Adoptieren der Massenproduktionstechniken der Seidenabschirmung, umdrehen von Hunderten von gleichen Drucken von Coca-Cola Flaschen, Campbell's Suppendosen und anderen vertrauten Themen, einschliessen von gleichen dreidimensionalen Brillo Kisten. Anderer wichtige Pop Art Arbeiten von amerikanischen Künstlern, sind die weissen Pflastergüsse von wirklichen Leuten in wirklichen Rahmen, von George Segal; Gebäck das dicke Farbe darstellt, welches den Kuchenzuckerguss ähnelt, von Wayne Thiebaud; Gemälde, die Reklametafeln imitieren, von James Rosenquist; die satirische Grosse amerikanische Nakten Serie von Tom Wesselmann; kombinierte Gegenstände mit der Malerei, von Jim Dine; und Design von Wörtern, Zahlen und Symbolen, von Robert Indiana. In Grossbritannien produzierte Peter Blake gespielte aber ernstgemeinte Öffentlichkeitsbilder von populären Helden, und der amerikanisch geborene R. B. Kitaj malte Bilder, die oft Collagen von Ideen genannt wurden, die obskure literarische Anspielungen integrierten, aber mit einer starken symbolischen Basis versehen waren. Popkultur - kaum bemerkt und schon vergessen? Dass unter dem Markenzeichen Pop eine Unzahl von Gütern und Informationen gehandelt und konsumiert wurden, lässt sich schwer bestreiten. Selten, wenn überhaupt jemals zuvor, ist in der Kulturgeschichte ein einzelnes Schlagwort derart extensiv verwendet worden wie das Schlagwort Pop in den 60er Jahren. Warenproduzenten und Kaufhäuser, bildende Künstler, Literaten, Musiker, Filmemacher, die Massenmedien, ja sogar die Wissenschaftler firmierten jeweils unter Benutzung des Schlagworts mit ihren Angeboten, und die Nachfrage beim Publikum zeigte sich durchaus diesem Angebot gewachsen. Machte nicht schon dieses allzu bereitwillige Einverständnis einer Vielzahl offensichtlich unterschiedlicher Interessen, sich einem einzigen Stilbegriff zu unterwerfen, misstrauisch gegenüber der Verwendung des Begriffs Pop und des mit ihm bezeichneten Sachverhalts, so muss erst recht die Schnelligkeit, mit der dieses angebliche Jahrhundertphänomen wieder vergessen wurde, Anlass für ein erneutes Überdenken dieser Zeiterscheinung sein. weiter... Pop-Art im Lexikon Die Künstler der Pop-Art hatten das Ziel, die Grenze zwischen Kunst und Alltagswelt aufzuheben: Werbung, Filmstars, Alltagsgegenstände - also die gesamte Umwelt der Konsum- und Mediengesellschaft - wurde für bildwürdig erklärt. Die berühmten Campbell-Suppendosen, die Warhol seriell reproduzierte, standen für massenhaften Konsum und die Macht der Werbung. Beides veränderte den amerikanischen Alltag während der Fünfziger und Sechziger Jahre nachhaltig. Das neue Kunstverständnis Warhols wirkte bis in die Herstellungstechnik hinein. Mit dem Siebdruckverfahren wurde die Malerei gleichsam mechanisiert. Der Künstler war so in der Lage, von einem Motiv mehrere Serien und Farbvariationen anzufertigen. Dadurch wurde das Kunstwerk selbst zur Massenware und verlor seine Individualität. So entstanden die berühmten Serien mit Coca-Cola-Flaschen und Porträts von Marilyn Monroe oder Mao Tse Tung. Vorläufer und Vorbild Warhols war Marcel Duchamp. 1914 stellte der französische Surrealist auf einer Ausstellung einen Flaschentrockner aus, der zum Kunstwerk erklärt wurde. Inspiriert von diesem ersten Readymade stellte Warhol aber das Industrieprodukt nicht selbst aus, sondern nutzt es als Objekt der Druckgrafik. Auch in den Bildern anderer Pop-Art-Künstler wurden die Mythen des Alltags und des Konsums ästhetisch verwertet. Trotz der Verweise auf das Ende der Individualität und die Anonymität der Industrieprodukte fand dennoch jeder Vertreter der Pop-Art seinen eigenständigen Ausdruck. So kehrte Roy Lichtenstein wieder zur Malerei zurück. Diese nutzte er jedoch, um die Eigenarten des Siebdrucks durch ihre Vergrösserung ins Monumentale zu erheben. Den Anstoss dazu erhielt er 1961: Für seine Kinder malte er den Cartoon einer Kaugummiverpackung ab (Look Mickey) und fand als bis dahin erfolgloser Kunstmaler endlich seinen Stil: Dies war mein erstes Bild, frei von jeglichem Expressionismus. Während Lichtenstein nach einer nicht-expressionistischen Malerei suchte, waren es in den Sechziger Jahren vor allem Robert Rauschenberg und Jasper Johns, die die Pop-Art und eine Spielart des Abstrakten Expressionismus miteinander versöhnten. Hier spielten einerseits der spontane Pinselstrich, andererseits die aus dem Alltag entnommene Form eine wichtige Rolle. Der Gegenstand kann dabei sowohl auf dem Bild abgebildet als auch mit dem Bild zu einer Collage kombiniert sein. Claes Oldenburg wiederum erhebt die Malerei in die dritte Dimension und schafft auf diese Weise halbplastische Arbeiten, die meist Einrichtungsgegenstände aus dem Wohnbereich zum Thema haben. Mit seinen Combine Paintings eroberte Robert Rauschenberg 1964 die Kunstbiennale von Venedig. Er schuf wandhohe Montagen aus Plakatfetzen, Inseraten, Zeitungsfotos, Kunstpostkarten und Reklamebildern, die teilweise übermalt und mit den verschiedensten Objekten kombiniert wurden. Tom Wesselmann stellte Interieurs her, die allerdings nur aus einer Wand bestanden. Gemalte Partien mit Fenstern, Gardinen, Postern und anderem Mobiliar wurden durch echte Einrichtungsgegenstände wie Radiatoren oder Telefonapparate ergänzt. Im Mittelpunkt der Interieurserie Great American Nude stand der weibliche Akt in plakativer, von der Werbung beeinflusster Farbigkeit. Robert Indiana, der eigentlich Robert Clark hiess und den Namen des US-Bundesstaates, aus dem er stammte, zu seinem Nachnamen machte, wurde Mitte der Sechziger Jahre mit seiner plakatartigen Darstellung von Ziffern, Buchstaben und Verkehrszeichen in leuchtenden Farben wie beispielsweise den Love Walls bekannt. www.wissen.de Pop Art - Zusammenfassung von Petra von Olschowski «Pop ist love, denn es akzeptiert alles ... Pop ist die ›Bombe‹ werfen. Es ist der ›amerikanische Traum‹, optimistisch, generös und naiv ...» Robert Indiana Kein anderer Stilbegriff der modernen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts hat unsere Vorstellung von Ästhetik, Design und vom American Way of Life so entscheidend geprägt wie die Pop Art. Denn keine andere künstlerische Ausdrucksform hat sich so stark eingemischt in das Alltagsleben einer ganzen Generation und weit darüber hinaus. Im gleichen Masse, in dem die Medien- und Warenwelt der industriellen Gesellschaft in den späten fünfziger Jahren plötzlich zu einem neuen Thema für die Kunst wurde, wurde die Kunst zum Thema in der Gesellschaft. Bis heute sind diese Mechanismen wirksam. Das zeigt sich nicht nur daran, dass sich viele zeitgenössische Künstler wie Jeff Koons oder Keith Haring in der Nachfolge der grossen Pop Artisten sehen. Gleichbleibend gross ist auch das Interesse des Publikums an Ausstellungen der prominentesten Vertreter dieser Kunstrichtung wie Andy Warhol, David Hockney, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Tom Wesselmann, Jasper Johns, Robert Rauschenberg oder Robert Indiana - um nur einige wenige zu nennen. Die Aktualität wird darüber hinaus deutlich, wenn man sich Tendenzen im Designbereich anschaut: egal ob Innenarchitektur, Mode, Stoffdesign oder Verpackungen, bis heute ist unser Stilempfinden von der Pop Art beeinflusst. Dabei ist es gar nicht so einfach, unter dem Begriff Pop Art tatsächlich einen einheitlichen Stil zusammenzufassen. Denn als in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren zuerst in London und New York jene künstlerische Bewegung in Gang kam, die man kurze Zeit später Pop Art nannte, da ging es gerade darum, konventionelle Kulturschranken zu überwinden, die Grenzen zwischen E- und U-Kultur, zwischen Trivialität und Intellektualität abzubauen. Bildende Kunst, Musik, Literatur, aber auch Mode, Werbung, Design, Fotografie, Film - all dies zusammen spiegelte das Lebensgefühl einer mehr oder weniger jüngeren Generation in den Metropolen der westlichen Industriegesellschaft wider. Was in der Musik die Beatles und die Rolling Stones, was auf der Leinwand Marilyn Monroe und Liz Taylor waren, das waren für die Kunst Figuren wie Andy Warhol und Robert Rauschenberg. Ihre Bilder erzählen von einem Leben, in dem jeder Mensch zum Star werden kann, ganz unabhängig von der gesellschaftlichen Klasse, zu der er gehört. Allein durch seine Leistung, sein Äusseres, seine Begabung. Die USA wurden in diesen Jahren endgültig zum Vorbild für die ganze westliche Welt - als Industrie- und als Kulturnation; New York auf der Ost-, San Francisco und Los Angeles auf der Westseite gaben den Puls an, dessen Schlag bis nach Europa zu spüren war. Der Begriff Pop Art allerdings wird zunächst eher zufällig in London gefunden, als in einer Collage des Malers Richard Hamilton die Buchstabenkombination «Pop» auftaucht. «Pop» bedeutet Knall, und es ist zugleich die Abkürzung für popular, also für populär. Und populär, nah am Geschmack der Masse, an den Gesetzen des Marktes und der Medien wollten die Künstler sein. Die Motive für ihre Gemälde, Grafiken, Plastiken konnten gar nicht banal genug sein: Cola-Flaschen, Swimming Pools, rote Herzen, Strassenkreuzungen, Blondinen, Autos, Eiscreme, Zigaretten, Flaggen, Dollar-Scheine - es gab nichts, was es nicht wert gewesen wäre, gemalt, gezeichnet, gedruckt, fotografiert zu werden. Die Kunst wollte so schnell auf die Moden der Massen reagieren wie Zeitungen und Magazine, und sie sollte genau so viel Spass machen, dabei aber doch ironisch und subversiv sein. Den Markt mit seinen eigenen Waffen schlagen - das war ein Ziel. Gerade dieser Wesenszug der Pop Art allerdings wird heute oft übersehen. Fast jeder kennt das Gesicht Marilyn Monroes in jenen leuchtenden Farben, in denen es Andy Warhol festgehalten hat, oder die Porträts von Liz Taylor und Elvis Presley, man kennt seine Coca-Cola-Flaschen und Campbell-Suppendosen, aber nur wenige haben seine Bilder vom elektrischen Stuhl genauer angeschaut. «Man wird nicht glauben», hat er geschrieben, «wie viele Leute sich ein Bild mit dem elektrischen Stuhl ins Zimmer hängen - vor allem, wenn die Farbe des Bildes mit den Vorhängen übereinstimmt.» Die Vorliebe der Künstler für Klischees und Stars, für Massenmedien und Kaufhauscharme, für Comics und Nightlife war allerdings auch durchtränkt mit Melancholie und Ironie. Sie erkannten, dass der amerikanische Traum vom Schöner-, Schneller-, Reicher-Werden für viele Menschen zum Albtraum wurde, dass der Luxus seinen Preis hatte, dass manch einer auf der Strecke blieb, weil er den Gesetzen des Marktes und der Medien nicht gewachsen war, dass für Schwächen und Unangepasstheiten kein Platz war. Fortschrittsgläubigkeit und Spass am schönen Schein gingen also Hand in Hand mit Zukunftsangst und Einsamkeit. Nicht umsonst hat Andy Warhol vor allem jene Leinwandhelden gemalt, die am Erfolg zerbrachen. Und auch die blonden Mädchengesichter auf den comicähnlichen Bildern von Roy Lichtenstein wirken trotz ihrem hübschen Gesicht oft verzweifelt und ängstlich. Bis heute hat sich an jenem Lebenswandel, der in den sechziger Jahren Einzug hielt, nur wenig geändert. Im Gegenteil: nach dem Zerfall des Ostblocks hat sich das amerikanische Modell des Kapitalismus endgültig durchgesetzt. Vielleicht sprechen uns auch deshalb die Bilder der Pop Art immer noch unmittelbar an. Auch wenn Marilyn Monroe und Elvis Presley, John F. Kennedy und Andy Warhol längst tot sind, die Gesetze der Industriegesellschaft sind die gleichen geblieben. Auch Mick Jagger und die Rolling Stones singen noch immer von ihrer Sehnsucht nach «Satisfaction». Petra von Olschowski Geschäftsführerin der Kunststiftung Baden-Württemberg Literatur zur Pop Art und Post Pop bei Hatje Cantz Roy Lichtenstein (ISBN 3-7757-1113-9) Roy Lichtenstein. Spiegelbilder 1963–1997 (ISBN 3-7757-1008-6) Claes Oldenburg (ISBN 3-7757-0566-X) Reihe »Kunst Basics«: Pop Art (ISBN 3-7757-1075-2) Pop Art. U.S./U.K. Connections 1956–1966 (ISBN 3-7757-1023-X) Robert Rauschenberg. Haywire – Technologische Hauptwerke der sechziger Jahre (ISBN 3-7757-0685-2) Andy Warhol. A Factory (ISBN 3-7757-0773-5) Andy Warhol. The Last Supper (ISBN 3-89322-952-3) Andy Warhol. Series and Singles (ISBN 3-7757-1163-5) Andy Warhol. Watercolour (ISBN 3-7757-0998-3) Keith Haring. Das druckgraphische Werk 1982–1990 (ISBN 3-89322-555-2) Keith Haring. Heaven and Hell (ISBN 3-7757-1081-7) Heaven (ISBN 3-89322-986-8) Jeff Koons. Easyfun – Ethereal (ISBN 3-7757-1016-7) Informationen zu aktuellen Kunstbüchern und -ausstellungen finden Sie unter www.hatjecantz.de Die Pop Art Sammlung des Museum Ludwig in Köln Obwohl in den späten fünfziger und den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurzelnd, haftet dem Begriff Pop Art noch stets der Reiz des Jungen und Frischen an. Der Einbruch einer am Gegenstand orientierten, trivialen Bildwelt in die von abstrakten Richtungen beherrschte Kunstszene der 50er Jahre war plötzlich und erschien als Rebellion einer neuen Künstlergeneration gegen die Bildsprache ihrer Väter. Abstrakter Expressionismus und Action Painting beherrschten in Amerika mit Grössen wie Pollock und De Kooning die Szene, als Jasper Johns und Robert Rauschenberg mit ihren Werken gegen das Postulat einer bereits vielfach verflachten Abstraktion aufbegehrten. «Die Malerei steht in gleicher Beziehung zur Kunst wie zum Leben», erkannte Rauschenberg; bewusst strebte er in seinen Combine Paintings Überschreitungen von gemalten zu realen Partien an, verwischte er die Grenzen zwischen Kunstobjekt und Alltagswelt. Aus heutiger Sicht lassen sich jedoch gerade bei den frühen Arbeiten dieser Künstler durchaus noch Gemeinsamkeiten mit dem Gestaltungsrepertoire der älteren Generation erkennen. Massgebliche Anregungen einer Neubewertung des Gegenstands im Bild gingen eben frühen realistischen Strömungen Amerikas, so den Bildern Edward Hoppers, vor allem vom intellektuellen Ansatz Marcel Duchamps aus. In Arbeiten wie Jasper Johns Skulptur «Bemalte Bronze - Bierdosen» von 1960 wird das Realismus-Problem auf die Spitze getrieben. Die beiden Zylinderformen auf einem Sockel, durch die Bemalung zu Bierdosen mutiert, betonen einerseits den Ding-Charakter des Kunstwerkes - wie können Bierdosen Kunst sein? - andererseits verliert sich der provokative Effekt doch aus heutiger Sicht; die Ale Cans gehören längst zu den Meilensteinen der modernen Skulptur. Die Pop Art Sammlung des Museum Ludwig beherbert neben Schlüsselwerken der beiden Vorreiter dieser Strömung, Johns und Rauschenberg, wesentliche Objekte und Werkgruppen der wegweisenden Vertreter des Pop in Amerika und Europa. Andy Warhol ist mit wichtigen Arbeiten zur Problematik von Serialität und Massenmedien ebenso präsent wie Claes Oldenburgs Spiel mit Versatzstücken der Alltagsumgebung, deren Materialcharakter und Grössenverhältnissen, oder George Segals psychologisierende Sicht auf das anonyme Grossstadtleben. James Rosenquists Ursprünge als Plakatmaler sind in meisterhaften Umsetzungen von Alltagszitaten auf die Leinwand ebenso nachzuvollziehen sie Roy Lichtensteins Verarbeitung von Comic Strips in scheinbar blosser Vergrösserung, der in Wirklichkeit jedoch eine raffinierte Bildästhetik zugrunde liegt. Namen wie Tom Wesselmann und Jim Dine oder die in England arbeitenden Richard Hamilton und Ronald B. Kitaj ergänzen das Spektrum um jeweils eigene Verarbeitungen der Alltagsrealität. Ihren Ursprung hat diese international bedeutende Pop Art Präsentation in der Sammlungstätigkeit von Peter und Irene Ludwig, die bereits in den 60er Jahren eine der weltweit wichtigsten Sammlungen dieser Kunstrichtung zusammengetragen haben. Auf dieser Basis ist das Museum Ludwig derzeit wieder verstärkt bemüht, durch weitere gezielte Ankäufe, so von Werken Wesleys, Copleys, Caulfields oder Ruschas, das fascettenreiche Spektrum der Pop Art zu vervollständigen und seine Vernetzung im Umfeld beispielsweise von Fluxus erlebbar zu machen. Museum Ludwig Köln |