g26.ch

HOME
EVENTS
MUSEEN
GALERIEN
BIOGRAPHIEN
G26.CH NEWS
BLACKBOARD
BERN INFO
KUNST

Google
Web g26.ch















Kunst - Kunstrichtungen - Epochen ab 1850     → Künstlerlexikon

Fauvismus

Eine nachimpressionistische Stilentwicklung der französischen Malerei im 1. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts (1905-1907). Die Fauves (französisch, Wilde) setzten anstelle der gebrochenen Farben des Impressionismus ungebrochene, leuchtende Farbwerte in Flächen nebeneinander, verzichteten jedoch völlig auf symbolischen Gehalt und sozialkritische Aussagen. Ihre besondere Vorliebe galt den Komplementärfarben: Gelb wurde neben Violett gesetzt, Rot neben Grün, Blau neben Orange. Auf diese Weise stellten sie sowohl Landschaft und Gegenstände als auch menschliche Figuren dar und entfernten sich dabei gänzlich von der realen Erscheinung. Die Theorie, nach der die Fauves arbeiteten, besagt, dass Komplementärfarben zusammen eingesetzt die visuelle Farbwahrnehmung verstärken. Setzt man sie direkt nebeneinander, so entsteht dadurch die stärkstmögliche chromatische Wahrnehmung. Hauptvertreter des Fauvismus waren H. Matisse, A. Derain, A. Lhote, A. Marquet, M. de Vlaminck und R. Dufy; P. Bonnard und O. Friesz standen dem Fauvismus nahe.

www.wissen.de



  • Pierre Bonnard
  • André Derain
  • Kees van Dongen
  • Raoul Dufy
  • André Lhote
  • Albert Marquet
  • Henri Matisse
  • Maurice de Vlaminck

  • Fauvismus
  • Die Gruppe der Fauves
  • Die Malerei der Fauvisten



    Fauvismus

    Fauvismus, Richtung der französischen Malerei (etwa von 1905 bis 1909), die das Farbkonzept der modernen Kunst revolutionierte. Die Fauvisten lehnten die weichen, schimmernden Farbtöne der Impressionisten ab und bevorzugten die kräftige Farbgebung der Postimpressionisten Paul Gauguin und Vincent van Gogh. Ihre poetische Ausdruckskraft erzielten die Fauvisten durch kraftvolle Linienführung, vereinfachte, aber dramatische Oberflächengestaltung und intensive Farbgebung.

    Der Begriff Les Fauves, wörtlich Die wilden Tiere, stand ursprünglich abwertend für die locker verbundene Gruppe, die 1905 erstmals im Pariser Herbstsalon ausstellte. Herausragende Vertreter waren André Derain, Maurice de Vlaminck, Raoul Dufy, Georges Braque, Henri Manguin, Albert Marquet, Jean Puy, Émile-Othon Friesz und Henri Matisse, der unangefochtene Kopf der Gruppe. Die Bezeichnung Les Fauves fand jedoch nie die Billigung dieser Maler, die ihren heiteren und lyrisch-subjektiven Bildern auch nicht gerecht wurde.

    Die Farbgebung der Fauvisten geht auf Experimente von Matisse in Saint-Tropez im Sommer 1904 zurück, der mit neoimpressionistischen Malern zusammenarbeitete, die Tupfer reiner, unvermischter Farbe nebeneinander auf die Leinwand setzten (siehe Pointillismus). Mit seinen neoimpressionistischen Bildern zeigte Matisse grosses Interesse an lyrischer Farbgebung.

    Im Sommer 1905 malten Matisse und Derain gemeinsam in Collioure und begannen, reine Komplementärfarben zu benutzen, die mit flachen, kräftigen Strichen aufgetragen wurden. Mit leuchtend hellen Farben wollten sie das mediterrane Licht auf der Leinwand wiedergeben. Als ein benachbarter Sammler einige Bilder Paul Gauguins zeigte, die in der Südsee gemalt waren, fanden sie ihre Ideen der subjektiven Farbgebung bestätigt, und der Fauvismus war geboren. Matisse betonte in einem Kommentar zu den Grundlagen seiner Arbeit, dass ... die Wahl der Farben auf keiner wissenschaftlichen Theorie beruht. Sie basiert auf der Beobachtung, dem Gefühl und der eigentlichen Natur jeder Erfahrung.

    Matisse vollzog schliesslich den Bruch mit dieser Farbgebung: Bald wies auf einem seiner Gemälde die Nase der dargestellten Frau ein kräftiges Grün auf, wenn das zur Farbkomposition beitrug oder wenn Ornamente die Ausdruckskraft des Bildes steigerten. Er sagte: Ich male keine Frauen, ich male Bilder.

    Alle fauvistischen Maler experimentierten mit den Prinzipien dieses Stiles auf ihre Art und Weise. Etwa seit 1908 hielt sich keiner der Maler mehr an die Regeln des Fauvismus, nachdem die Farbgebung zum individuellen Ausdrucksmerkmal des modernen Künstlers geworden war (siehe moderne Kunst und Architektur). Braque beispielsweise fand den Weg zum Kubismus. Eine verwandte Kunstrichtung war in Deutschland der Expressionismus.



    Die Gruppe der Fauves

    Die Ergebnisse, die 1905 von den Fauves vorgestellt wurden, waren langsam entwickelt worden. Die Gruppe um Matisse bildete allerdings keine Schule, vertrat kein verbindliches ästhetisches Programm. Im Gegenteil, jeder der Maler war herausgefordert, seine Individualität auszuprägen. Gemeinsam war ihnen das Ziel, neuen Formen gegen Akademismus und Impressionismus zu schaffen. Während aber Matisse davon träumte, eine Kunst des Gleichgewichts, der Reinheit und der Ruhe, ohne jede Problematik zu schaffen, die geistige Beruhigung verschafft und die Seele glättet, verstand Vlaminck den Fauvismus als eine Art zu leben, zu handeln und zu denken. Die eine Position bedeutete logische Durcharbeitung der formalen Mittel, die andere das spontane Schaffen aus dem Instinkt. Damit ist zugleich die ganze Spannweite dessen angedeutet, was unter der Bezeichnung Fauvismus an unterschiedlichen künstlerischen Möglichkeiten zusammengefasst wird. Dasselbe gilt in noch breiterem Masse für den Begriff Expressionismus: er ist eine Addition von Individualitäten, die durch die Bewusstseinslage einer Generation verbunden sind.

    Die Gruppe der Fauves hatte sich aus freundschaftlichen Beziehungen entwickelt. Matisse und Marquet waren sich 1892 in den Abendkursen der Kunstgewerbeschule in Paris begegnet. 1895 wechselte Matisse zur Ecole des Beaux-Arts, wohin später Marquet folgte. Hier im Atelier von Gustave Moreau trafen sie als Mitschüler Rouault, Manguin und Camoin. Nach dem Tode Moreaus musste Matisse 1899 die Ecole des Beaux-Arts verlassen und ging an die Academie Carriere, wo bereits Derain und Puy arbeiteten. Derain, der wie sein Freund Vlaminck in Chatou nahe Paris lebte, vermittelte dessen Bekanntschaft mit Matisse auf der berühmten van Gogh-Ausstellung 1901. Während Matisse und seine Freunde im Atelier von Manguin zusammenarbeiteten, malten in Chatou Derain und Vlaminck im selben Atelier. Gleichzeitig hielten die Maler aus Le Havre engen Kontakt: Friesz, Dufy und Braque. Die Gruppe um Matisse hatte 1901 begonnen, im Salon des Independents auszustellen, und ab 1903 im neugegründeten Salon d'Automne. In beiden Salons zeigten auch van Dongen, Friesz und Dufy ihre Bilder. Man entdeckte Gemeinsamkeiten und trat 1905 geschlossen auf. Als letzter stiess Braque 1906 zu ihnen, der sich aber knapp zwei Jahre später bereits neuen Zielen zuwandte.

    Die Motive der fauvistischen Malerei beschränkten sich auf Landschaften, auf Menschen und Gegenstände der alltäglichen Umgebung. Das Motiv war im Grunde fast gleichgültig, denn das Ziel war ja nicht mehr die Nachahmung der Natur, die Augentäuschung, sondern die Interpretation durch subjektive Emotion und Empfindung. Die Künstler konnten sich nicht länger mit der wohlgeordneten Welt des schönen Scheins identifizieren, konnten sie nicht mehr als wahr akzeptieren. An die Stelle der Beobachtung sollte die Imagination treten.

    Die Mittel für diesen Übergang lagen bereit: die reine Farbe des Neoimpressionismus, die ungebrochene Fläche Gauguins und der gesteigerte Ausdruck van Goghs. Doch die Methode Seurats wurde im Sinne einer dynamischen Rhythmisierung der Fläche umgedeutet, geprägt von der Spontaneität der Pinselführung. Die Gegenstandskonturen wurden unter Verzicht auf Details zu einem ornamentalen Linienwerk reduziert, dessen kraftvolle Abkürzung den Ausdruck zusammenfasst und gliedert. Der Ausdruck aber ist bestimmt durch die von der Funktion als Lokalfarbe befreite selbständige Sprachkraft der reinen Farben. Sie werden in ihrer Wirkung durch den antinaturalistischen Einsatz und durch die höchste Intensität, die mit Hilfe geradezu aggressiver Kontraste erreicht wird, zum eigentlichen Medium der neuen künstlerischen Wahrheit. Mit ungezügeltem Temperament wurden diese Mittel eingesetzt, mit zuweilen explosiver Kraft: Farbrausch, Farborgie sind denn auch immer wiederkehrende Charakterisierungen des Fauvismus.

    Doch diese aus jugendlicher Kraft gewonnene Exaltation währte nur wenige Jahre, denn wie Braque sagte: man kann doch nicht ewig im Paroxismus verharren. Bereits 1908 trat unter dem Einfluss Cézannes das Bedürfnis nach klarer Konstruktion der Form in den Vordergrund, die zum Kubismus führen sollte. Einige der Fauves folgten diesem Weg, andere fielen in eine Art Impressionismus zurück. Nur Matisse und Dufy entwickelten bei gleichzeitiger Beruhigung die fauvistischen Mittel weiter.

    Eine andere Möglichkeit der expressiven Malerei betrachtete nicht wie die Fauves Problematik und Aufruhr des Gefühls der künstlerischen Wahrheit wegen mit Misstrauen. Diese Richtung verfolgte Rouault, der als der eigentliche französische Expressionist gilt. Er war zwar mit den Fauves verbunden und stellte mit ihnen aus, aber seine Malerei ist erfüllt von menschlicher Problematik, ist Antwort auf existentielle Not, ist Anklage gegen die Gesellschaft. Er zeigte mit christlichem Mitleid die furchtbare Seite der Wirklichkeit, deren Überwindung nur durch den Glauben geschehen kann. So wurde Rouault mit seinen pastosen, verhalten glühenden Visionen zum bedeutendsten religiösen Maler des 20. Jahrhunderts.

    Aus Mitleiden und menschlicher Anteilnahme erwuchs auch das Werk Picassos, der in seinen frühesten Bildern das Elend mit starken Farben dramatisierte. Dann nahm er die Farbkontraste zurück und konzentrierte die Erschütterung auf die eine Farbe: Blau. Heftigste Ausdruckssteigerung gelang ihm durch die radikale Deformation der Gegenstandsform in dem Bild Demoiselle d'Avignon 1907, das die höchste Leistung des Expressionismus und zugleich das Schlüsselwerk des Kubismus bedeutet.

    Deformation als Mittel zu dynamischem Ausdruck verbunden mit dem bewegten Rhythmus der Farben fügte sich bei Robert Delaunay zur expressionistischen Vision, die mit ihrer Zersplitterung und ihren stürzenden Linien zum populärsten Beispiel der Ausdruckskunst wurde und besonders in der deutschen Kunst bis in die 20er Jahre hinein wirkte.

    Ähnlich wie Delaunay benutzte Le Fauconnier die kubistische Formzerlegung weniger zur Gegenstandsanalyse als vielmehr zur Ausdruckssteigerung, womit er besonders in den Niederlanden grossen Einfluss erlangte. Das ist in Andeutung das Spektrum der expressionistischen Malerei in Frankreich, das durch wichtige zugewanderte Künstler, insbesondere aus Osteuropa, wie Modigliani, Chagall, Soutine oder Kupka bereichert wurde.

    Lionel Richard
    Lexikon des Expressionismus
    Somogy Paris




    Die Malerei der Fauvisten

    Als die Bilder von Henri Matisse, André Derain und Maurice de Vlaminck im Pariser Herbstsalon 1905 ausgestellt wurden, zeigte sich der Kritiker Louis Vauxcelles entsetzt und nannte die Maler Fauves, wilde Tiere oder Wilde. Viele Künstler jedoch sahen in der neuen Malweise einen Befreiungsschlag, der die Tür zu neuen künstlerischen Möglichkeiten öffnete.

    Die Fauves oder Fauvisten setzten die Farbe als eigenständiges gestalterisches Mittel ein, das sich nicht mehr dem Thema des Bildes, der Perspektive oder der realistischen oder impressionistischen Abbildung unterordnete. Vielmehr war den Fauvisten die Farbe das stärkste und wichtigste Ausdrucksmittel. Die reinen, d. h. ungemischten Farben wurden mit kräftigen Pinselstrichen oder gleich aus der Tube auf die Leinwand gebracht. Sie sollten das Unbändige der Natur vermitteln. Gegenstände und Personen wurden vereinfacht, mit ausgeprägter Linienführung und ohne strenge Berücksichtigung der Perspektive dargestellt. Diese dynamische und unmittelbare Malweise stand in krassem Gegensatz zu den sorgfältig und fein gemalten Bildern der Impressionisten und den bedeutungsschweren Werken der Symbolisten; sie drückte Lebensfreude und den Drang nach künstlerischer Freiheit aus, die sich von den strikten Vorgaben des akademischen Malens löste. Gemälde sollten unmittelbar, spontan und unverfälscht entstehen.

    Mit den technischen Vorgaben warfen die Fauvisten auch inhaltlichen Ballast über Bord: Nicht mehr Gestalten aus Mythologie und Geschichte oder die möglichst wirklichkeitsnahe Abbildung von Orten und Menschen standen im Vordergrund der Malerei, sondern die Gestaltung mit Farbe und Fläche.

    Die Künstler

    Schon vor der berühmten Ausstellung 1905 hatten die späteren Fauves ihre Bilder in mehreren Galerien ausgestellt, doch erst mit dem neuen Begriff Fauves wurde die Kunstrichtung wirklich wahrgenommen. Bedeutendste Künstler und Vordenker der Bewegung waren Henri Matisse, der von 1908 bis 1911 sogar eine eigene Akademie leitete, Maurice de Vlaminck und André Derain. Weiterhin zählten Georges Braque, Georges Rouault, Raoul Dufy, Suzanne Valadon und ihr Sohn Maurice Utrillo sowie der Niederländer Kees van Dongen zu den Fauvisten. Vom Fauvismus beeinflusst waren Pablo Picasso während seiner so genannten Blauen Periode (1905/06) sowie der italienische Bildhauer und Maler Amadeo Modigliani.

    Die Ursprünge der Fauves

    Die Wurzeln der Fauvisten sind in verschiedenen Kunstrichtungen zu finden. Wichtigster Vorläufer ist Paul Cézanne, der schon vor der Jahrhundertwende die eigenständige Bedeutung der Farbe betonte. Auch Edouard Manet, der eine Vereinfachung der Komposition forderte, wurde zum Vorbild der Fauvisten. Von grosser Bedeutung waren auch die Bilder Vincent van Goghs und Paul Gauguins sowie die Beschäftigung mit japanischer und afrikanischer Kunst, besonders mit afrikanischen Masken und Skulpturen, die über die Zeit des Fauvismus hinaus auf die europäische Kunst wirkten. Obwohl die Maler auf der Suche nach neuen Ausdrucksweisen waren, blieben einige von ihnen den Werken älterer Künstler eng verbunden. Suzanne Valadon malte ihre Zirkusbilder (sie war in jungen Jahren selbst Zirkusartistin) z. B. in der Tradition der Bilder von Henri Toulouse-Lautrec und Edgar Degas; Derains und Vlamincks Werke hatten ihre Wurzeln in der kraftvollen Malerei von Gauguin. Utrillos Bilder wiederum sind eine Weiterführung der pointillistischen Malerei Alfred Sisleys und Camille Pissaros.

    www.wissen.de


    g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT
  •