Marokko
Sahara - die grösste Wüste der Erde        français
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Mit 9 Millionen Quadratkilometer Fläche ist die Sahara die grösste Wüste der Erde. Sie erstreckt sich im Norden Afrikas zwischen Atlantik und Rotem Meer und reicht vom Atlasgebirge im Norden bis zum Sudan im Süden. Saharastaaten (ganz oder teilweise) sind Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Westsahara, Mauretanien, Mali, Niger, Tschad und Sudan. Die Sahara ist gegliedert in Gebirgsmassive, Hochland, Geröllflächen, Sanddünenfelder und Salzsümpfe. In den Oasen, die insgesamt 200'000 Quadratkilometer umfassen, leben etwa 2 Millionen Menschen. Vor allem in der algerischen und libyschen Sahara wurden reiche Erdöl- und Erdgasfelder entdeckt. Weitere Bodenschätze sind Salz, Kohle, Kupfer, Mangan, Eisen, Uran, Blei, Wolfram, Titan, Zinn und Phosphat. Der arabische Name Sahara bedeutet Wüste. Im Süden wird die Sahara von der Übergangszone Sahel (arabisch: Ufer) begrenzt, einer Dornbuschsavanne mit stark schwankenden Niederschlägen und häufigen Dürrekatastrophen.



  • Geologie
  • Klima
  • Flora und Fauna
  • Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr
  • Geschichte
  • Überlebenskünstler Kamel
  • Tuareg, Tubi und Wodaabe
  • Fata Morgana
  • Westsahara

  • Sahara (Wikipedia)
  • Ferienhaus in Afrika (fewo-direkt.de)
  • Abbildungen



    Geologie

    Die Sahara ist ein Tafelland, das vorwiegend 200 bis 500 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der tiefste Punkt ist die Kattarasenke (137 m u.M.). Insgesamt fünf Gebirgszüge bilden die höchsten Punkte dieser Wüste: Adrar des Iforas zwischen Mali und Algerien (bis 570 m), Hoggar in Südalgerien (bis 3003 m), Air im Niger (bis 1800 m), Tibesti im Norden des Tschad (bis 3415 m) und Ennedi im Osten des Tschad (bis 1450 Meter). Der kristalline Untergrund der Region tritt vor allem in den Gebirgen zutage. Ansonsten ist er weitgehend von Sedimenten und vulkanischen Decken überlagert, die von Basaltschloten durchstossen sind. Das Landschaftsbild wird bestimmt von Plateaus aus Sandstein (Tassili) oder Kalkstein (Hammada), Geröllwüsten (Reg) und Kieswüsten (Serir).

    Durch Windeinwirkung sind die Sandmassen zu ausgedehnten Dünengebieten zusammengeweht worden, die von Windgassen durchzogen sind. Die Sandwüste macht etwa 10 % der Gesamtfläche aus und findet sich vor allem im Süden Libyens und Algeriens. Von dort stammt auch der Saharastaub, der gelegentlich bis nach Europa gelangt. Im Westen werden diese Gebiete als Erg, im Osten als Edeyen bezeichnet. Die ausgedehntesten Ebenen sind die Tanezcrouft in Algerien, die Ténére im Niger und die Libysche Wüste zwischen Libyen und Ägypten. In der südlichen Sahara ist die Schleifwirkung durch extreme Passatwinde besonders gross. In der nördlichen Sahara sind Salzsümpfe und Pfannen in meist abflusslosen Becken und Senken verbreitet. Der einzige Dauerfluss im Gebiet der Wüste ist der Nil.

    Die überwiegend rote Färbung der Sahara stammt von Eisenverbindungen im so genannten Wüstenlack. Dieser entsteht durch die Verdunstung von Feuchtigkeit im Gestein, das durch Hitze und Temperaturschwankungen sehr rissig ist. Das eingedrungene Wasser lässt nicht nur die Salze quellen und sprengt damit das Gestein, sondern löst auch Mineralien heraus. Durch die Verdunstung gelangen diese an die Oberfläche und lagern sich dort Schicht für Schicht ab. Im Laufe der Erdgeschichte sind so panzerharte, glänzende Krusten entstanden.

    Die Sahara ist im Grunde so alt wie die Kontinente selbst. Nach deren Entstehung vor dreieinhalb Milliarden Jahren, waren sie die ganze Zeit über von der Urwüste geprägt. Bis zu achtmal wurden riesige Teile der Sahara überschwemmt, wie die Schalen und Skelette von Meereslebewesen verraten. Vor 440 Millionen Jahren bauten Korallen dort, wo heute Wüste ist, ihre Riffe.



    Klima

    Das Klima der Sahara ist durch extreme Trockenheit bestimmt. Die mittleren Jahresniederschläge liegen unter 100 mm. Sie fallen im Norden vor allem als Winterregen und nur in den südlichen Gebirgen (Hoggar, Air, Tibesti) auch im Sommer. In den mittleren Regionen regnet es manchmal jahrelang nicht. Oft kommt es dann nach langen Trockenperioden zu sintflutartigen Regenfällen, bei denen in den Wadis gefährliche, reissende Flüsse entstehen.

    Die Temperaturen liegen im Sommer bei mittleren Höchstwerten von 45 Grad Celsius, können aber auch über 55 Grad steigen. Die tageszeitlichen Schwankungen betragen bis zu 30 Grad. Im Winter kann es in der nördlichen subtropischen Sahara sogar zu Frösten bis minus 10 Grad kommen.

    Durch den Einfallswinkel der Sonne wird der Erdgürtel zwischen den beiden Wendekreisen, in dem auch die Sahara liegt, am meisten aufgeheizt. Die Trockenheit ist aber zusätzlich durch die Luftdruckverhältnisse in den Tropen bedingt: Über dem Äquator steigen erwärmte, mit dem Wasserdampf der Ozeane gesättigte Luftmassen auf, kühlen in der Höhe ab und regnen aus. Über den Wendekreisen im Norden und Süden sinken die ausgetrockneten, abgekühlten Luftmassen unter Hochdruck wieder herab, erwärmen sich und strömen als bodennahe, alle Feuchtigkeit aufsaugende Passatwinde zurück in die Tiefdruckzonen des Äquators. Die Sahara ist einem ständigen Nordostpassat ausgesetzt. Besonders gefürchtet sind aber die heissen, sandbeladenen Stürme.

    Die Ausbreitung der Wüste in die Sahelzone hinein ist jedoch vorwiegend auf menschliche, nicht auf klimatische Einflüsse zurückzuführen.



    Flora und Fauna

    Drei Viertel der Sahara sind völlig vegetationslos. Der Rest besteht aus Wüstensteppe, in der sich je nach Oberfläche unterschiedliche Pflanzenformationen entwickelt haben. Meist handelt es sich um Sukkulenten, xerophytische Kleinsträucher und Gräser. Es gibt aber auch Bäume wie Tamarisken und Schirmakazien. Letztere können drei Meter hoch werden und sich ihr Wasser aus einer Tiefe von bis zu 35 Metern holen. Andere Pflanzen bilden Wurzeln, die einen Radius von 30 Metern abdecken. Die schöne Cistanche, deren Riesenblüte direkt über dem Erdboden sitzt, ernährt sich aus dem breit gefächertem Wurzelwerk anderer Pflanzen. In der Regel haben die Saharagewächse keine oder nur sehr kleine Blätter, um sich vor zu grosser Verdunstung zu schützen. Photosynthese betreiben sie lediglich über das Chlorophyll in ihren Stängeln. Da im Übermass Sonnenlicht zur Verfügung steht, reicht dies für das Wachstum aus. Pflanzen mit grösserem Blattwerk haben nur eine sehr kurze Vegetationsperiode während der Feuchtezeit.

    Viele Samen besitzen Hemmstoffe, die erst durch reichlich Wasser ausgewaschen werden müssen, bevor der Samen keinem kann. Pflanzen entstehen also nur, wenn gnügend Wasser zur Verfügung steht, dass auch Blüte und Samenbildung gesichert sind. Nach starken Regenfällen erlebt man deshalb oft ein erstaunliches Aufblühen der Wüste. Auch skelettartige, scheinbar abgestorbene Sträucher wie die Saxaule ergrünen dann plötzlich. Viele Pflanzen wie das Bilsenkraut oder die grapefruitgrossen Koloquinten schützen sich durch Gift vor gefrässigen Tieren. Einige Heuschreckenarten allerdings haben sich derart angepasst, dass sie nicht an den giftigen Schwalbenwurzgewächsen sterben, sondern selber giftig und ungeniessbar werden.

    Auch die Tierwelt hat sich den extremen Temperaturen und dem Wassermangel angepasst. Es gibt verschiedene Gazellen- und Antilopenarten, Mufflons, Geparden, Hyänen, Schakale, Füchse, Dachse, Igel, Fledermäuse, Echsen, Nagetiere, Käfer, Skorpione und gefährliche Hornvipern. Am unabhängigsten von Wasserstellen sind Vögel wie der Wüsten-Uhu, der Wüsten-Rabe oder die Flughühner, die mit ihrem Brustgefieder Wasser tanken, das sie ihren Jungen bringen. Die am Südrand der Sahara beheimatete Sporenschildkröte verfällt während der sommerlichen Dürreperiode in einen Ruhezustand.

    Die Dornschwanzagame, eine tagsüber quittengelbe, nachts schwarze Echse kann Feuchtigkeit über die Haut aus der Luft aufnehmen. Die Feuchtigkeit ihrer Atemluft verringert sie durch Luftsäcke an den Lungenflügeln. Bestimmte Stoffwechselabfallstoffe, die normalerweise gelöst durch die Nieren entsorgt werden, können trocken ausgepustet werden. Wüstenspringmäuse und andere Nagetiere trinken nie, sondern kommen allein mit dem Wassergehalt der Pflanzen aus. Die meisten kleineren Tiere leben tagsüber unter der Erde. Schon in recht geringen Tiefen ist es erstaunlich kühl und feucht.

    Charakteristisch für die Wüste ist der Wüstenfuchs (Fenek) mit seinen grossen Ohren. Mit ihnen kann er einerseits die leisen Tapser einer Springmaus hören, andererseits nutzt er die riesigen Lauscher zur Wärmeabstrahlung. Ausser von kleinen Tieren ernährt er sich auch von Pflanzen. Da Touristen ihn als Souvenir schätzten, wurde er lange Zeit gejagt. Inzwischen ist der Handel mit Feneks verboten. Gefährdet sind auch die Geparden, die Strausse, die Addax- und Mendesantilopen sowie die Dorkas-Gazellen. Ein 77'000 Quadratmeter grosses Schutzgebiet, das der WWF für diese Tierarten im Air-Gebirge und in der Ténére-Ebene im Niger eingerichtet hat, führte allerdings zu grossen Problemen mit der Tuareg-Bevölkerung der Gegend (s.u.).



    Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr

    In der Sahara treffen die hellhäutige Bevölkerung Nordafrikas (Araber und Berber) und die dunkelhäutige des Südens aufeinander. Die zahlenmässig grössten Saharavölker sind die Tuareg, die vor allem im Hoggargebirge leben, und die Tubi im Tibesti. Seit dem Mittelalter ist der Islam die Hauptreligion. 60 % der Saharabewohner sind sesshafte Oasenbauern, 40 % Nomaden und Halbnomaden. Grössere Siedlungen finden sich vor allem am Nordrand der algerischen Sahara. Von dort bis zu den zentralen Gebirgen gibt es relativ viele zerstreute Oasen. Neue Siedlungen haben sich in den Erdöl- und Erdgasfördergebieten Algeriens und Zentralibyens gebildet. Im Westen und in der libyschen Wüste sind weite Teile menschenleer.

    In den Oasen werden Dattelpalmen, Hirse, Gerste, Weizen, Gemüse, Bananen und Granatäpfel kultiviert. Die Nomaden halten überwiegend Kamele, Schafe und Ziegen. Die Viehhaltung geht aber zurück und wird zunehmend nur noch im Nebenerwerb betrieben. Als Transporttiere haben die Kamele durch den Bau von Autopisten an Bedeutung verloren.

    Die Sahara ist schon seit mehr als 2000 Jahren Durchgangsgebiet für den Handel zwischen Mittelmeerraum und tropischem Afrika. Im Mittelalter führten grosse Karawanenwege vom Tschadsee und Niger zur nordafrikanischen Küste. Heute sind besonders in Libyen viele Wüstenstrassen geteert. In den marokkanischen und algerischen Grenzregionen kommt man sogar ohne Geländewagen aus. Der Grossteil der Verbindungen besteht aber weiterhin aus unbefestigten Pisten. Die Transsahara-Routen sind nur teilweise befahrbar. Teils sind sie aus politischen Gründen nicht passierbar oder die Regierungen haben sie gesperrt, um nicht nach verschollenen Touristen suchen zu müssen. Auch auf der vielleicht am meisten genutzten Route zwischen Tamanrasset und Arlit verschwinden immer wieder Touristen. Die meisten grossen Oasen sind heute mit dem Flugzeug zu erreichen. Der alte Traum aus der Kolonialzeit von einer Eisenbahnlinie durch die Sahara wurde nie verwirklicht. Die Kamelkarawanen wurden zwar zum Teil durch den Autoverkehr ersetzt, erweisen sich oft aber als die günstigere, schnellere und sicherere Transportmöglichkeit.



    Geschichte

    Die ältesten Spuren menschlichen Lebens in der Sahara sind 2 Millionen Jahre alt. In den Regenzeiten des Pleistozän bot die Wüste günstigere Lebensbedinungen als heute. Vor etwa 1,2 Millionen Jahren lebten in der Sahara Jäger und Sammler vom Typ Homo erectus, die der Acheuléen-Kultur angehörten, der verbreitetsten Kultur der älteren Steinzeit. Danach trat während einer Trockenphase eine längere Besiedlungspause ein, bis sich in der jüngsten Altsteinzeit Neandertaler der Atérien-Kultur ansiedelten. Vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit waren vor allem in den Berggebieten Flüsse, Sümpfe und Seen mit reicher Flora und Fauna vorhanden. Ab dem 14. Jahrtausend v. Chr. lassen sich Homo sapiens-Kulturen nachweisen, die wohl aus dem Vorderen Orient eingewandert sind.

    Eine Feuchtphase im 7. Jahrtausend v. Chr. ermöglichte in vielen Teilen der Sahara Ackerbau und Viehzucht. Pollenanalysen ergaben, dass damals eine mediterrane Vegetation geherrscht hat. Es wuchsen Zedern, Zypressen, Eichen, Ölbäume und Wacholder, teilweise sogar Birken, Kiefern und andere Bäume der gemässigten Breiten. Das beeindruckendste Zeugnis der Jungsteinzeit sind die Felsbilder des Tassili-Plataus im Südwesten des Hoggar. Auf einem gewaltigen Steinmassiv von 750 Kilometern Länge und 100 Kilometern Breite findet sich in einem Labyrinth von Felsen das grösste Freilichtmuseum der Welt mit Tausenden von Bildern. Die lebhaften Gravuren und Ockerzeichnungen stellen Elefanten, Flusspferde, Straussen, Nashörner, Giraffen und natürlich Menschen - vornehmlich jagend - dar. Anhand der Zeichnungen lässt sich deutlich ablesen, dass zwischen 6000 und 5000 v. Chr. Rinderzüchter aus dem tropischen Afrika das Massiv besiedelten. Im Lauf der Zeit gewann die Rinderzucht immer grössere Bedeutung gegenüber der Jagd. Die Porträts einzelner Tiere werden zunehmend exakter und bekommen individuelle Details. Die erneute Austrocknung der Sahara im 3. Jahrtausend v. Chr. führte bis ungefähr 1000 v. Chr. zum Verschwinden der jungsteinzeitlichen Kultur. Einige Ethnologen nehmen an, dass das afrikanische Volk der Fulbe von den Tassili-Malern abstammt.

    Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. stiessen hellhäutige Völker von Nordosten her mit Pferden und Streitwagen in die Sahara vor. Der griechische Historiker Herodot berichtet von den Garmanten, die von der libyschen Küste aus den Süden erobert haben sollen. In der Folgezeit finden sich galoppierende Pferde statt Rinder und Lanzen statt Bogen auf den Felszeichnungen. Mit fortschreitender Dürre wird dann um Christi Geburt das Pferd durch das Kamel ersetzt, das die Perser schon einige Jahrhunderte vorher nach Ägypten eingeführt hatten. Es ermöglichte den Massentransport von Sklaven, Gold, Elfenbein und Straussenfedern aus dem tropischen Afrika nach Norden beziehungsweise von Metall, Glas, Töpferwaren und Stoffen nach Süden.

    Den Griechen und Karthagern war im Altertum nur der Rand der Sahara näher bekannt. Erst die Römer zogen 19 v. Chr. nilabwärts, 42 n. Chr. über den Hohen Atlas und Ende des 1. Jahrhunderts in den Sudan. Aus dem Mittelalter gibt es Berichte arabischer Reisender, die in den Sudan und nach Senegal gelangten. Die europäische Erforschung der Sahara begann im 19. Jahrhundert. 1825 kehrten die ersten Europäer, die Briten Hugh Clapperton und Dixon Denham, lebend vom Südrand der Wüste in ihre Heimat zurück. Besonders den Franzosen ging es in der Folgezeit um die Erkundung ihrer Kolonialgebiete. Nach dem zweiten Weltkrieg entdeckte man die letzten unerforschten Gebiete anhand von Luftaufnahmen.



    Überlebenskünstler Kamel

    Ohne das Kamel - oder präziser: das einhöckrige Dromedar - wäre menschliches Leben in der Sahara lange Zeit unmöglich gewesen. Es ist mit einer Fülle von Tricks seiner extremen Umgebung angepasst wie kaum ein anderes Tier. Die so genannten Wüstenschiffe sind in der Lage, in nur 15 Minuten 200 Liter Wasser zu trinken. Zusammen mit Nährstoffen wird dieses in drei Vormägen mit 800 grossen Speicherzellen eingelagert und steht bis zu vier Wochen lang zur Verfügung. Der Höcker stellt ein Fettreservoir für schlechte Zeiten dar. Durch das im Fett chemisch gebundene Wasser dient er auch als Flüssigkeitstank. Die roten Blutkörperchen vermögen sich auf das Zweihundertfache ihres Volumens aufzublähen, um Flüssigkeit aufzunehmen. Eine besondere Konstruktion der Nieren entzieht dem Harn möglichst viel Wasser und führt es in den Organismus zurück.

    Diese Besonderheit erlaubt es den Kamelen auch Salzwasser zu trinken. Spezielle Zellen im Enddarm entziehen dem Kot die Feuchtigkeit. Bei extrem hohen Aussentemperaturen kann das Kamel seine Körpertempertur kontrolliert bis auf 42 Grad Celsius ansteigen lassen und somit Wasserverluste durch Schwitzen verhindern. Die gespaltene, fleischige Oberlippe ermöglicht den Tieren, dornige Akazienzweige ohne Verletzung abzureissen. Der starke Speichelfluss schützt den Maulinnenraum beim Kauen. Die langen Wimpern und der starke Tränenfluss schützen die Augen bei Sandsturm, die Nüstern können durch einen Muskel geschlossen werden. Die knorpeligen Verdickungen an Knie, Ellenbogen und Brustbein isolieren und bewahren die Kamele beim Liegen vor Hitze und scharfen Kanten. Das Einsinken in den Sand wird durch gespreizte Hufe verhindert. Eine dicke Hornschwiele an der Sohle schützt gegen Hitze und scharfkantige Steine.



    Tuareg, Tubi und Wodaabe

    Von den Völkern der Sahara sind die blauverschleierten Tuareg wohl die bekanntesten. Vermutlich sind sie ein Berbervolk, das vor der Islamisierung von der nordafrikanischen Küste nach Süden floh. Die Tuareg leben hauptsächlich in den Gebirgsregionen Hoggar, Air und Adras des Iforas. Bis in die Kolonialzeit beherrschte das kriegerische Hirtenvolk weite Teile der Sahara. Die Ritter der Wüste lebten von Überfällen auf die Karawanen, aber auch von deren Schutz. In den Oasen siedelten sie versklavte schwarze Afrikaner an, die dort Ackerbau betreiben, Brunnen graben und ein Netz unterirdischer Kanäle (Foggara) anlegen mussten. Trotz ihrer stark hierarchischen Struktur haben die Tuareg nie einen Staat gebildet. Die Erbfolge ist matrilinear und auch sonst hatten die Tuaregfrauen eine hohe gesellschaftliche Stellung besonders als Dichterinnen und Künstlerinnen. Obwohl die Tuareg Muslime sind, tragen den blauen Gesichtsschleier nur die Männer. Von den französischen Kolonialherren wurden die Tuareg besiegt und als Herrscher der Sahara enterbt.

    Die politische Gliederung Nordafrikas hat das Volk auf Algerien, Mali, Niger und Burkina Faso aufgeteilt. In den schwarzafrikanischen Ländern werden sie nun von ihren ehemaligen Sklaven regiert. Nach den grossen Dürren von 1972/73 und 84/85 flohen viele Tuareg nach Libyen und dienten in Ghadaffis Islamischer Legion. Niger organisierte 1989 eine gross angelegte Heimkehr der Tuareg. Die dafür zur Verfügung gestellten Gelder fielen grösstenteils der Korruption zum Opfer. Teilweise lebten die Tuareg in Notlagern, wurden dort zu Banditen und überfielen Wodaabe und Haussa. Andere landeten als Lumpentuareg in den Städten. Sowohl durch die Dürre als auch durch Ausfuhrverbote für Handelswaren wurden die Tuareg ihrer Lebensgrundlage beraubt. Zu einem besonderen Problem entwickelte sich das Naturschutz-Gebiet, das der WWF zusammen mit der nigrischen Regierung im Air-Gebirge und der Ténére-Ebene errichtet hat.

    Die Tuareg durften auf den 77'000 Quadratkilometern, die zu ihrem traditionellen Siedlungsgebiet gehörten, weder jagen, noch Holz sammeln, nicht einmal entlaufene Tiere zurückholen. Soldaten und hohe Beamte dagegen gingen dort auf die Jagd. Es kam wiederholt zu Zusammenstössen mit den schwarzafrikanischen Wildhütern. Dass der WWF ab 1988 auch vier Tuareg in eine Wildhüterschule schickte und die Tuareg für insgesamt 3 Millionen Mark in Bewässerungstechniken, medizinischem Grundwissen und Lehmbau schulte, konnte die Probleme nicht mehr lösen. 1990 wurden in Niger 600 protestierende Tuareg von der Armee ermordet. 1992 brach der Bürgerkrieg aus. Vor allem die in Libyen in der Islamischen Legion ausgebildeten Männer haben sich sowohl in Mali wie im Niger zu Befreiungsarmeen zusammengeschlossen, die teilweise sogar für einen eigenen Tuaregstaat kämpfen.

    Wie die Tuareg sind auch die Tubu, die vor allem im Tibesti und Ennedi leben, ein kriegerisches Nomadenvolk. Im Gegensatz zu den Tuareg sind sie dunkelhäutig und haben eine patrilineare Erbfolge. In der Vergangenheit haben beide Völker einander oft bekriegt. Im Norden züchteten die Tubu vor allem Kamele und Ziegen, im Süden Rinder. Das Vordringen der Wüsten hat auch sie zu grossen Teilen proletarisiert und zu Hilfsarbeitern in den Städten gemacht.

    Kein eigentliches Saharavolk sind die Woodabe, eine Untergruppe der Fulbe. Sie leben im Senegal, im Sudan und in Kamerun und ziehen seit ungefähr 1000 Jahren mit ihren Zebu-Herden an den Südrand der Sahara. Die grossen Dürren der 70er und 80er Jahre sowie die Desertifikation der Sahara liessen auch ihren Lebensraum enger werden. Im Norden kontrollieren die Tuareg die Brunnen, verlangen Schutzzölle und verweigern in trockenen Zeiten die Herausgabe von Wasser gänzlich. Auf den rund 300 bis 400 Kilometer langen Wanderwegen greifen immer wieder die in Notlagern lebenden, aus Libyen zurückgeholten Tuareg die Herden an. Um die südlichen Weiden müssen die Woodabe zunehmend mit Bauern kämpfen, je weiter die Wüste vorrückt. Teilweise wurden Nomaden ermordet, weil die Rinder die Hirse der Bauern zertrampelt hatten. Immer mehr Woodabe werden sesshaft oder versuchen vom Tourismus zu leben.



    Fata Morgana

    In der Artussage ist Morgana eine Fee. Sie kann ihre Gestalt verändern und Trugbilder über Meer und Himmel ziehen lassen. Sie wurde die Namensgeberin für die täuschenden Luftspiegelungen in der Wüste. Wissenschaftlich handelt es sich dabei um eine Reflexion von Lichtstrahlen zwischen einzelnen Luftschichten von unterschiedlicher Temperatur und damit unterschiedlicher optischer Dichte. Die untere Luftschicht wirkt wie ein Spiegel. Man findet die Erscheinung meistens in der Wüste, selten auch auf See und in der Arktis sowie in kleinem Massstab auf einer sommerlich aufgeheizten Strasse. Am häufigsten projeziert eine Fata Morgana den Himmel auf die Erde und täuscht damit Wasserflächen vor. Der scheinbare Wellenschlag rührt von leichten Winden her. Stärkerer Wind zerstört die Bilder. Als Opfer dieser Täuschung kann man gelegentlich mumifizierte Wasservögel in der Wüste finden. Liegt die Grenzschicht nur wenig über dem Boden, macht sie Kamelen lange Beine oder verzerrt Autos zu Ungetümern. Liegt sie mehrere hundert Meter hoch, kann sie Dinge auf den Kopf gestellt an den Himmel spiegeln. Allerdings keine kleinen Objekte wie beispielsweise einen Menschen. Am Morgen präsentiert sich der flache Horizont oft als gewölbter Bogen.



    Westsahara

    Der Wüsten-Staat mit einer Fläche von 266'000 km2 ist fast menschenleer, doch reich an Phosphat und - in der 200-Meilen-Zone der Atlantikküste - an Fischvorkommen. Dies erklärt, warum während des Rückzugs Spaniens aus seiner ehemals grössten Besitzung in Afrika Mitte der 1970er Jahre die Nachbarn Marokko im Norden und Mauretanien im Süden um ihre Besitzansprüche in diesem Gebiet stritten.

    Marokkos König Hassan II. verwies auf die lange gemeinsame Geschichte der Regionen und setzte 1975 mehrere hunderttausend Marokkaner zu Fuss und mit einfachen Fahrzeugen in Bewegung. Diesem Grünen Marsch zur friedlichen Besetzung des nördlichen Teils der Westsahara folgte ein Jahr später die marokkanische Armee. Sie bekämpfte die Volksfrontbewegung POLISARIO (Frente Popular para la Liberación de Saguia el-Hamra y Río de Oro, so der Name der beiden Landesteile der Westsahara), die ihrerseits die Unabhängigkeitsbestrebungen Westsaharas 1976 durch die Proklamation der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) verdeutlichte.

    Mauretanien hielt bis 1979 den südlichen Teil des Landes besetzt. Weil der nie offen erklärte Krieg aber immer wieder auf das mauretanische Staatsgebiet übergriff, gab die Regierung in Nouakchott schliesslich ihren Anspruch auf und unterstützte fortan die POLISARIO im Kampf gegen Marokko. Das wiederum annektierte nach dem Rückzug Mauretaniens 1979 die gesamte Westsahara. Nach anfänglich militärischen Erfolgen der POLISARIO liess Marokko einen Teil Westsaharas mit Befestigungswällen umgeben, die seit 1985 mit einer Länge von etwa 2400 km das Gebiet unterteilen.

    Inzwischen wurde die POLISARIO von vielen Nationen offiziell als Vertreterin der Sahraouis, der Bevölkerung Westsaharas, anerkannt. Doch Marokko widersetzte sich beharrlich allen Beschlüssen der Vereinten Nationen und der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), in diesem Gebiet das Recht auf Volksabstimmung zuzulassen. Während Marokko vom Westen kontinuierlich mit modernsten Waffen und elektronischen Systemen versorgt wurde, baute die Schutzmacht Algerien allmählich ihre Unterstützung für die Befreiungsbewegung ab. Internationale Kritik zwang Marokko 1991 zu einem Waffenstillstand und der Zustimmung zu einem UN-Friedensplan. Seitdem sind UNO-Blauhelme in der Westsahara stationiert. Ein geplantes Referendum über die Unabhängigkeit der Republik Sahara konnte aufgrund von Auseinandersetzungen über die Registrierung der Stimmberechtigten aber bis heute nicht durchgeführt werden.

    Es ist zu erwarten, dass das Gebiet nach einer für König Mohammed VI. erfolgreich ausfallenden Volksabstimmung die südlichste Provinz Marokkos wird. Bereits während der spanischen Kolonialzeit waren in der Sahara grosse Phosphatminen eröffnet und das Phosphat mit dem längsten Förderband der Welt zum Hafen Al Aaiún transportiert worden. Die Industrialisierung aber auch die politischen Unruhen haben binnen weniger Jahrzehnte das Leben der weniger als 300'000 Einwohner der westlichen Sahara grundlegend verändert. Transsahara-Kamelkarawanen, Hirtennomadismus und Oasen-Landwirtschaft sind wie in den Anrainerstaaten bedeutungslos geworden. Die Mehrheit der Bewohner ist heute in den beiden einzigen Städten Al Aaiún und Ad Dakhlah sesshaft geworden. Viele der früheren Wüsten-Nomaden sind in kürzester Zeit von den Kamelen auf moderne Arbeits- und Transportmaschinen der Phosphatminen umgestiegen.

    www.wissen.de



    UNESCO Welterbestätten in Marokko

    Befestigte Stadt Aït-Ben-Haddou / Medina von Essaouira (früher Mogador) / Altstadt von Fes / Altstadt von Marrakesch / Platz Djema el Fna / Altstadt von Meknès / Medina von Tétouan (Titawin) / Ausgrabungsstätte Volubilis



    Städte in Marokko

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    Sanddünen in der Sahara. Photo: Wikipedia.
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